Saftige Gewinne

Stand: 02.05.2007, 20:05 Uhr

Geschäftszahlen von Continental, Henkel und Allianz haben die Kauflaune der Anleger angeregt. Der Dax erklomm ein neues mehrjähriges Hoch.

Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer schloss bei 7.456 Punkten und damit 0,6 Prozent über seinem Montagsschlussstand. Der L-Dax kletterte sogar noch ein bisschen weiter bis auf 7.470.

Der Leitindex notiert damit so hoch wie seit Sommer 2000 nicht mehr. "Das sind die derzeit guten Quartalsberichte, und außerdem läuft die Konjunktur in Deutschland gut, und selbst aus den USA gibt es im Moment keine Störfeuer", fasste ein Händler die Stimmung am Markt zusammen.

Es sei aber zweifelhaft, ob der Kursanstieg in dem Tempo weitergehen könne. Schließlich gilt der Mai an der Börse traditionell als ein Monat, in dem es per saldo häufig nach unten geht. Die alte Börsenweisheit "Sell in May and go away" empfiehlt den Anlegern, sich vor ihrem Sommerurlaub von Beständen zu trennen. "Sobald die erste Enttäuschung kommt, wird die alte Börsenweisheit wieder zutreffen", warnte ein Händler.

US-Börsen in Schwung
Rückendeckung bekam der Dax aus den USA. Der Dow Jones liegt aktuell rund 0,8 Prozent im Plus, der Nasdaq Composite sogar mehr als ein Prozent. Auch dort gaben gute Geschäftszahlen Auftrieb. Außerdem beflügelten eine Reihe von Firmenübernahmen. Anleger zeigten sich vor allem von der Komplett-Übernahme des Medienkonzerns Cablevision durch die Haupteignerfamilie erfreut, was den Titeln einen Kurssprung bescherte.

US-Auftragseingang besser als erwartet
Auch neue Konjunkturdaten zur Auftragslage in der US-Industrie kamen bei den Investoren gut an. In den USA war der Auftragseingang der Industrie im März stärker als erwartet gestiegen. Das Ordervolumen erhöhte sich im Vergleich zum Vormonat um 3,1 Prozent statt erwarteter 2,2 Prozent.

Die Titel von Time Warner legten um drei Prozent zu, da die Geschäfte des Medienkonzerns zuletzt besser liefen als an der Börse erwartet. Dagegen rutschte der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel zu Jahresanfang in die roten Zahlen. Ein optimistischer Ausblick für das laufende Quartal ließ die Aktien des Konzerns aber dennoch um drei Prozent steigen.

Conti treibt Dax
Größter Dax-Gewinner waren die Conti-Aktien, die ihr Allzeithoch von 106,75 Euro zwar nicht bis zum Handelsschluss halten konnte, aber doch noch mit einem Plus von drei Prozent aus dem Handel gingen. Der Automobilzulieferer ahtte im ersten Quartal sein Betriebsergebnis überraschend um ein Viertel gesteigert und sieht sich trotz anhaltend hoher Rohstoffpreise auf Rekordkurs.

Auch bei Henkel trieben die guten Quartalszahlen die Aktie um 2,7 Prozent an. Zudem gab Sal. Oppenheim Rückenwind. Die Analysten stuften die Aktie von "Neutral" auf "Buy" hoch.

MAN-Stammaktien profitieren von einer besseren Einstufung der UBS. Außerdem verwies ein Händler auf die Charttechnik und die Aussicht auf einen ordentlichen Quartalsbericht.

Allianz verspricht mehr Dividende
Die Allianz-Aktie kann ihr anfängliches Plus von 1,6 Prozent bis zum Handelsende nicht halten. Der Konzern hat im ersten Quartal sein operatives Ergebnis um sieben Prozent auf 2,9 Milliarden Euro und damit stärker als erwartet nach oben geschraubt. Auf der Hauptversammlung versprach Vorstandschef Michael Diekmann den Aktionären höhere Gewinne und steigende Dividenden.

Analystenlob treibt Eon
Mit einem Plus von 2,3 Prozent setzten die Aktien des Dax-Schwergewichts E.ON den Aufwärtstrend vom Montag im Schlepptau einer Analystenempfehlung fort. Das "Handelsblatt" berichtet am Mittwoch zudem, Vorstandschef Wulf Bernotat stehe vor einer Vertragsverlängerung. "Wenigstens scheint da kein Selbstzerfleischungsprozess a la Siemens anzustehen", sagte ein
Händler.

Altana mit dickem Kursminus
Die Dax-Verliererliste führt die Altana-Aktie an. "Das sind Gewinnmitnahmen ausländischer Anleger vor der Dividendenzahlung", erklärte ein Händler den Kursrückgang. Anders als deutsche Anleger bekommen ausländische Investoren die Dividendensteuer später nicht zurückerstattet und verkaufen daher ihre Bestände, um sie nach der Hauptversammlung zurückzukaufen. Altana hat für Donnerstag zur Hauptversammlung geladen. Das fünfprozentige Kursminus erklären Händler aber auch mit technischen Gründen.

ISE drückt Deutsche Börse
Die Titel der Deutschen Börse gerieten nach dem angekündigten Kauf der amerikanischen Derivatebörse International Securities Exchange (ISE) unter Druck. Beobachter kritisierten den Übernahmepreis von 2,8 Milliarden US-Dollar als zu hoch.

Eine schrecklich erfolgreiche Familie
Die Aktie von Fresenius Medical Care (FMC) arbeitet sich dagegen bis zum Abend in die Liste der Dax-Gewinner vor. Der Dialysespezialist hat das Ebit im ersten Quartal um die Hälfte auf 365 Millionen Dollar verbessern können. Der Umsatz kletterte um 33 Prozent auf 2,32 Milliarden Dollar.

Der Mutterkonzern Fresenius schlug sich von Januar bis März ebenfalls hervorragend. Beide Unternehmen bestätigten zudem ihre Jahresausblicke. Die Fresenius-Titel, die im MDax gelistet sind, verteuerten sich um gut ein Prozent.

Bester Wert in dem Nebenwerte-Index war aber die Aktie von Salzgitter. Die Deutsche Bank hat den Wert nach einem Übernahmeangebot für die noch ausstehenden Aktien der Klöckner Werke mit "Buy" bestätigt und das Kursziel von 135 auf 150 Euro angehoben. Die Akquisition zeige, dass Salzgitter seine Wachstumsstrategie umsetze, hieß es am Mittwoch in einer Studie. Weiterhin sei Salzgitter im Vergleich zu Wettbewerbern unterbewertet.

Depfa dämpft Renditeerwartungen
In dem Nebenwerteindex gehörten Depfa und Leoni zu den Verlierern. Der Staatsfinanzierer Depfa hat zum Jahresauftakt schlechter als erwartet abgeschnitten. Außerdem hält es das Unternehmen für schwierig, im laufenden Jahr das selbst gesetzte Renditeziel einer Eigenkapitalrendite von mindestens 20 Prozent zu erzielen. Die Depfa-Aktie verbilligt sich um 2,6 Prozent.

Durchwachsene Zahlen bei Leoni
Das Leoni-Papier verliert mehr als ein Prozent. Der Automobilzulieferer hat mit seinem Quartalsbericht nicht wirklich überzeugt. Ein Analyst fasste zusammen: "Die Zahlen sind wenig spektakulär und können dem Papier keinen Schub geben."

SGL Carbon wandelt sich
Die ebenfalls im MDax notierten Titel von SGL Carbon lagen am Mittwoch zeitweise mehr als drei Prozent im Minus, konnten die Verluste aber bis zum Ende der Handelssitzung weitgehend ausbügeln. Der Grafitelektrodenhersteller platzierte eine Wandelanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro, wodurch die die hohen Finanzierungskosten gedrückt werden können.

Wirecard wächst stark
Im Technologieindex TecDax rangierten die Titel von Wirecard unter den Verlierern. Zwar hat das auf Bezahldienste im Internet spezialisierte Unternehmen in den ersten drei Monaten Umsatz und Ergebnis (Ebit) um mehr als die Hälfte nach oben geschraubt. Doch diese vorläufigen Quartalszahlen lagen lediglich im Rahmen der Erwartungen.

Quartalsreigen im SDax
Im SDax gab es eine ganze Flut von Quartalsberichten. So überraschte der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub mit einem Gewinnsprung von 39 Prozent in den ersten drei Monaten. Die Aktie verteuerte sich um rund zwei Prozent.

Thielert-Titel profitierten ebenfalls von der Zwischenbilanz, die besser ausfiel als zuletzt angekündigt. Zusätzlich half eine Kaufempfehlung der Citigroup. Auch die Anteilsscheine von Indus stiegen nach der heutigen Bilanzpressekonferenz. Die Beteiligungsgesellschaft versprach für das laufende Geschäftsjahr ein Plus bei Umsatz und Gewinn. Für Zukäufe ist ein dreistelliger Millionenbetrag in der Kasse.

Ins Minus rutschte dagegen die Balda -Aktie. Anleger sind enttäuscht, dass der Handy-Zulieferer, der 2006 in die Verlustzone geraten war, auch im Auftaktquartal 2007 weiter rote Zahlen schreibt.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr