Ruhiger Wochenauftakt

Lothar Gries

Stand: 05.01.2009, 20:03 Uhr

Nach der Rally der vergangenen Woche haben die Aktienmärkte heute eine Verschnaufpause eingelegt. Neue Hiobsbotschaften kamen vor allem aus der Autobranche. Die Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung führte dann zu Gewinnmitnahmen.

Dennoch schaffte der Dax im Abendhandel doch noch die Hürde von 5000 Zählern und schloss gut 16 Punkte höher bei 5002, eine Marke die er zum Ende des elektronischen Handels klar verfehlt hatte. Die Umsätze lagen aber auf sehr niedrigem Niveau, da viele Anleger weiterhin die Finger von der Börse lassen. Auch an der Wall Street blieben die Investoren zurückhaltend. Der Dow Jones scheiterte knapp an der 9000 Zähler-Hürde und notierte zum Börsenschluss in Europa gut ein halbes Prozent niedriger.

Grund für die Kaufzurückhaltung waren auch hier die Umsatzeinbrüche der großen Autohersteller im Dezember. Allein GM und Ford verkauften auf ihrem Heimatmarkt gut 30 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat. Auch die europäischen Autobauer gerieten ins Schlingern. Ihre Aktien gehörten zu den größten Kursverlierern. Sie mussten im Dezember auf dem US-Markt zweistellige Absatzeinbußen hinnehmen. Angeführt wird die Liste der Verlierer von Daimler und Volkswagen. Der Sportwagenhersteller Porsche erlitt gar einen Absatzeinbruch von 24 Prozent in Nordamerika.

Neben den Autowerten mussten auch die Banktitel deutliche Verluste verbuchen, allen voran die Aktien der Commerzbank und der Postbank, die jeweils mehr als drei Prozent abgeben.

Infineon legt dagegen nach anfänglicher Schwäche um gut 13 Prozent zu. Auch die Telekom und RWE gehören zu den größten Tagesgewinnern. Kursrelevante Unternehmensnachrichten gab es dagegen kaum.

Deutliche Kursgewinne gab es dagegen beim TecDax (plus 2,2 Prozent) sowie beim MDax (plus1,56 Prozent). Der Index der Kleinstwerte Sdax trat dagegen auf der Stelle.

Porsche hat Mehrheit an VW
Porsche hat sich die Mehrheit an Volkswagen gesichert. An diesem Montag sei die Beteiligung auf 50,76 Prozent der Stammaktien angestiegen, teilte Porsche am Abend mit. Ursprünglich hatte das Unternehmen die Schwelle bereits zum Ende des vergangenen Jahres überschreiten wollen. Porsche hatte angekündigt, im laufenden Jahr bei VW auf bis zu 75 Prozent aufzustocken.

Durch die Übernahme der Mehrheit an VW muss Porsche für den schwedische Lkw-Hersteller Scania ein Übernahmeangebot abgeben. Das Unternehmen deutete an, nur den vorgeschriebenen Mindestpreis für die Scania-Anteilsscheine zu bieten, da Porsche kein strategisches Interesse an Scania habe.

Euro runter, Öl rauf
Der Eurokurs ist heute um etwa zwei US-Cent kräftig abgerutscht. Händler verweisen auf die Aussicht weiterer Zinssenkungen durch die EZB. Der Ölpreis hat dagegen weiter zugelegt. Händlern zufolge sorgten Gewinnmitnahmen aber dafür, dass sich der Anstieg im Laufe des Vormittages etwas abschwächte. WTI verteuerte sich bis zum Mittag um knapp zwei Prozent auf 47,24 Dollar, nachdem es am Morgen bis auf 48,68 Dollar geklettert war.

Japans Autobauer in der Krise
In Japan rutschte angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise die Zahl der Neuzulassungen mit 3,2 Millionen Fahrzeugen auf den niedrigsten Stand seit 34 Jahren. Die Zahl der Neuzulassungen in Japan sank 2008 um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Jada mitteilte. Allein im Dezember gingen die Neuzulassungen demnach um mehr als 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf rund 183.550 Autos zurück. Der Dezember war damit der schlimmste Monat, seit Jada 1968 begann, Statistiken zu veröffentlichen. Die Absatzkrise betrifft alle Hersteller außer Honda.

Volkswagen in den USA rückläufig
Volkswagen hatte im vergangenen Jahr länger als die meisten anderen Hersteller Zuwächse in den USA verzeichnet. Doch damit ist es nun vorbei. Im Dezember brachen die Verkaufszahlen um 14,4 Prozent ein. Insgesamt hat VW das vergangene Jahr in den USA mit einer negativen Verkaufsbilanz abgeschlossen. 2008 seien auf dem weltgrößten Automobilmarkt 223.128 Fahrzeuge der Wolfsburger Marke verkauft worden, 3,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, teilte Volkswagen of America am Montag mit.

Apple-Chef hat Hormonprobleme
Der 53-Jährige Steve Jobs teilte am Montag mit, dass ein "hormonelles Ungleichgewicht" die Ursache für seinen Gewichtsverlust sei, der zu Spekulationen über eine schwere Krankheit geführt hatte. Er werde seinen Chefposten während seiner Genesung, die mehrere Monate in Anspruch nehmen soll, weiter ausfüllen, erklärte Jobs. Die Behandlung sei relativ einfach. Aktien von Apple können daraufhin an der Nasdaq mehr als vier Prozent zulegen.

Börsenumsätze brechen ein
Die Zahl der auf der elektronischen Plattform Xetra gehandelten Transaktionen ist im Dezember zwar um 29 Prozent gestiegen, doch der Orderbuchumsatz brach um 34 Prozent ein, auf 94,3 Milliarden Euro. An allen Wertpapierbörsen in Deutschland wurden im Dezember 122 Milliarden Euro umgesetzt, 27 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Aktie der Deutschen Börse zeigt sich davon unbeeindruckt und steigt um 2,3 Prozent.

Infineon erwägt Kapitalerhöhung
Weit an der Spitze im Dax notiert die Infineon-Aktie mit einem Plus von mehr als 10 Prozent. Am Morgen war die Aktie zunächst unter Druck geraten, weil der angeschlagene Halbleiterkonzern nach Medienberichten eine Kapitalerhöhung plant. Später schien sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Kapitalerhöhung von vermuteten 450 Millionen Euro der Sanierung des Konzerns dienen könnte.

Commerzbank-Chef blitzt ab
Der Zwist mit dem Betriebsrat der Dresdner Bank lässt die Commerzbank-Aktie ans Index-Ende rutschen. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete, dass die Betriebsräte im Aufsichtsrat der von der Commerzbank übernommenen Dresdner Bank der Wahl von Commerzbank-Chef Blessing in den Vorstand der Dresdner Bank ihre Zustimmung verweigert haben. Ein Vermittlungsausschuss soll nun neue Vorschläge für die Vorstandswahl erarbeiten. Die Commerzbank-Aktie verliert vier Prozent.

Grenkeleasing macht mehr Neugeschäft
Der Hard- und Softwarevermieter Grenkeleasing hat im abgelaufenen Jahr das Neugeschäft um 18 Prozent verbessern können. Wie das im SDax notierte Unternehmen mitteilte, erreichte das Neugeschäft 2008 601 Millionen Euro. Der Deckungsbeitrag des Neugeschäfts betrug 87,8 Millionen Euro, was ein knappes Drittel mehr war als 2007. Man habe von der Finanzkrise profitieren können, teilte Grenkeleasing mit. Die Aktie steigt um knapp vier Prozent.

Freenet an TecDax-Spitze
Der scheidende Vorstandschef des Internet-Dienstleisters Freenet, Eckhard Spoerr, muss sich in dieser Woche wegen des Verdachts verbotener Insidergeschäfte vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Spoerr und Finanzvorstand Axel Krieger vor, dass die beiden Manager im Juli 2004 jeweils 30.000 Freenet-Aktien verkauft hätten, kurz bevor der Aktienkurs wegen eines schlechten Geschäftsberichtes einbrach. Heute allerdings steigt die Freenet-Aktie um knapp neun Prozent.

Pfizer plant Zukauf
Der weltweit größte Pharmakonzern Pfizer erwägt die Übernahme eines großen Konkurrenten. "Das Ziel ist letztlich, den Umsatz zu steigern. Wir sind offen für Zusammenschlüsse und sehen uns ständig potenzielle Kandidaten an - große, kleine und mittelgroße", sagte Unternehmenschef Jeff Kindler der "Financial Times". Pharma-Experten erwarten, dass diese Ankündigung eine neue große Konsolidierungsrunde in der Branche auslösen könnte. Die Aktien der deutschen Pharma-Unternehmen verhalten sich allerdings unauffällig.

Hochtief ist zuversichtlich
Der größte deutsche Baukonzern Hochtief gibt sich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr. Man sei zuversichtlich, 2008 das Vorsteuerergebnis gesteigert zu haben, sagte Unternehmenschef Herbert Lütkestratkötter der Financial Times. Hochtief blickt außerdem gut gestimmt auf das neue Jahr. "Unser Auftragseingang ist stabil", sagte Lütkestratkötter. Es gebe kaum Stornierungen von Aufträgen. Profitieren könne Hochtief von den Infrastrukturprogrammen, die derzeit in aller Welt aufgelegt würden. Die Aktie legt 1,5 Prozent zu.

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr