Rücksetzer am Abend

Mark Ehren

Stand: 06.02.2008, 20:02 Uhr

Der Dax hat im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett wieder etwas an Boden eingebüßt. Dennoch konnte der Index am Mittwoch die runde Marke von 6.800 Punkten zurückerobern.

Der L-Dax lag um 20.00 Uhr bei 6.812 Punkten. Das waren 35 Zähler weniger als beim Xetra-Dax - auch eine Folge der wieder etwas schwächeren Wall Street. Insgesamt legte der Dax aber rund ein Prozent im Vergleich zum Vortag zu. Da hatte der Index noch mehr als drei Prozent verloren. "Die Märkte sind sehr schwankungsfreudig und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern", sagte Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser.

Im SDax gab es am Abend noch einmal richtig Bewegung. Die Aktie des Immobilienunternehmens Vivacon machte nach Übernahmespekulationen einen Sprung nach oben. Hinter der für Freitag anberaumten Pressekonferenz in Frankfurt könnte eine größere Immobilientransaktion oder sogar eine Übernahme stecken, berichtete das Magazin "Capital" und berief sich dabei auf Insider.

Im Dax gab es ebenfalls eine ganz besonders spektakuläre Kursbewegung. Die Postbank-Aktie legte fast elf Prozent zu. Angeblich sucht die Post einen Partner für die Postbank. Sie habe dabei Allianz, Deutsche Bank und ING im Blick, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die Post hält sich bedeckt: "Wir sagen zu dieser Liste von Namen nichts", sagte eine Unternehmenssprecherin. "Ansonsten steht in diesem Artikel nichts Neues. Im November hatte (Post-Chef) Klaus Zumwinkel gesagt, wenn die Brief-Liberalisierung kommt, werde er sich Gedanken über die Zukunft der Postbank machen", sagte die Sprecherin.

Auch die Tui-Aktie kletterte hoch hinaus. Laut einem Pressebericht sprechen Tui und Temasek über eine mögliche Zusammenlegung ihrer Reedereien. "Das Gerücht ist ja nicht neu", sagte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher, "und es ist auch kein Geheimnis, dass in der Industrie alle miteinander reden".

SAP ist am Ziel

SAP rangierte ebenfalls unter den Top Ten im Dax. Der Softwarekonzern hat genug Anteile an Business Objects zusammen, um die übrigen Aktionäre per Squeeze-Out aus dem Unternehmen zu drängen. Das Unternehmen 95,4 Prozent der Anteile, einschließlich der von Business Objects selbst gehaltenen eigenen Aktien sind es sogar 97,1 Prozent.

Deutsche Telekom-Titel profitierten von starken Zahlen der France Telecom. Der französische Konkurrent hat den Gewinn kräftig gesteigert und dabei die Schätzungen der Analysten übertroffen.

Einen kleinen Schubs nach oben erhielten die MAN-Stammaktien von den Quartalszahlen des schwedischen LKW-Bauers Scania. Das Unternehmen hat im ablaufenden vierten Quartal mehr verdient als Analysten erwartet hatten.

Infineon leidet unter Qimonda
Der größte Verlierer im Dax war Infineon. Die Tochter Qimonda will sich frisches Geld über eine Wandelanleihe beschaffen. Dadurch dürfte auch der Anteil der Konzern-Mutter Infineon am Unternehmen sinken.

BMW spart der Börse nicht genug
BMW-Aktien reagierten negativ auf die Konkretisierung des Kostensparplans. Der Autobauer will seine Personalkosten mit dem angekündigten Abbau von mehreren tausend Stellen um jährlich bis zu 500 Millionen Euro drücken. "Das ist alles nicht neu, die konkreteren Aussagen klingen im Vergleich zur Ankündigung Ende September nicht spannend", kommentierte ein Börsianer. "Vielleicht haben einige mal wieder etwas mehr erwartet".

Unter Druck stand auch die Deutsche Börse-Aktie. Ein Marktbeobachter verwies auf mehrere Zeitungsartikel, denen zufolge die Stimmen für eine Abtrennung des Clearing-Geschäfts von den Börsenbetreibern lauter werden.

Boss betört die Anleger
Im MDax standen die Vorzugsaktien von Hugo Boss ganz oben. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen den Umsatz um neun Prozent und das Vorsteuerergebnis um 18 Prozent gesteigert. "Der Gewinn ist deutlich höher als erwartet ausgefallen", sagte ein Händler.

Für die Kursgewinne der Salzgitter-Aktie verwiesen Beobachter vor allem auf die Fantasie über eine Aufnahme des Werts in den Dax bei nächsten Indexanpassung im März.

Gea ist gut im Geschäft
Gea-Aktien setzten sich ebenfalls gut in Szene. Der Spezialmaschinen- und Anlagenbauer hat am Morgen die gute Geschäftsentwicklung im vierten Quartal bestätigt. Der Auftragseingang sei um mehr als 30 Prozent gestiegen.

Conergy wird geprügelt
Im TecDax ging es für Conergy im freien Fall abwärts. Die Aktie verlor bis Handelsschluss fast 24 Prozent an Wert. Schuld ist die tiefrote Bilanz 2007. Die LBBW stufte daraufhin Conergy von "Halten" auf "Verkaufen" herab und kappte das Kursziel von 36 auf 6 Euro.

Besser lief es für QSC-Aktien. Sal. Oppenheim hat die Papiere von "Neutral" auf "Strong Buy" hochgestuft. Der Faire Wert liege bei 3,00 Euro. Der Ausblick für den Telekom-Anbieter sei deutlich besser als vom Markt erwartet. Die jüngsten Kursverluste seien überzogen.

Roth & Rau-Anleger nehmen Gewinne mit
Die Aktie des Solar-Anlagenherstellers Roth & Rau brach ein, obwohl man gute Nachrichten zu verkünden hat. Das Unternehmen hat bereits jetzt seine Umsatzprognose für 2008 von 200 auf 235 Millionen Euro angehoben. Im Januar verbuchte man Aufträge im Wert von 46 Millionen Euro. Bei dem Kurseinbruch ist allerdings zu bedenken, dass die Aktie des Unternehmens innerhalb der vergangenen zwei Wochen um rund die Hälfte gestiegen war.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr