Marktbericht 20:05 Uhr

Turbulenter Wochenschluss Rückschlag nach US-Jobdaten

Stand: 05.07.2013, 20:05 Uhr

Gestern noch ein nettes Kursfeuerwerk, heute schon wieder die Depression: Überraschend starke Daten vom US-Arbeitsmarkt jagten die Anleger zum Wochenschluss in die Flucht. Für die Investoren sieht eine Börsenwelt ohne Liquiditätsschwemme made in USA trotz Draghis Versprechen offenbar recht trübe aus.

Die zuletzt heftigen Kursbewegungen des Dax zeigen, wie sehr die Marktlage von der Notenbankpolitik abhängt. Noch am Donnerstag war der Leitindex dank EZB-Präsident Mario Draghi um mehr als zwei Prozent vorgerückt, am Freitag legte der Dax wieder den Rückwärtsgang ein.

Mit einem Abschlag von 2,4 Prozent auf 7.806,00 Punkte ging er schließlich aus dem Handel. "Die Investoren sind jetzt deutlich optimistischer, müssen aber erst einmal überlegen, wie sie sich positionieren wollen", beschrieb ein Händler die Lage. Offenbar sind die Überlegungen noch nicht abgeschlossen. Auf Wochensicht verlor der Dax 1,9 Prozent. Der Late Dax knickte um zwei Prozent auf 7.840,32 Punkte ein.

Angst vor dem Austrocknen

Relativ starke US-Jobdaten hatten die Spekulation über eine baldige Drosselung der Fed-Geldschwemme genährt und die Kurse gedrückt. Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank sagte: "Hält der Arbeitsplatzaufbau in ähnlicher Größenordnung in den kommenden drei Monaten an, kann ab Oktober mit einer Drosselung der Wertpapieraufkäufe gerechnet werden." Auch andere Fachleute sind sich sicher: Der Zeitpunkt rückt näher, ab dem die US-Notenbank ihre Geldpolitik wieder anziehe. In den USA nahmen die Investoren die Daten gelassener auf. Der Dow Jones lag bei Handelsschluss in Deutschland mehr als ein halbes Prozent im Plus.

Konjunktursorgen in Deutschland

Belastend hatten gegen Mittag Daten zum Auftragseingang in der deutschen Industrie gewirkt. Nach Einschätzung der Postbank seien sie "als herbe Enttäuschung zu werten". Die Entwicklung bei den Aufträgen sei wieder auf den niedrigen Stand zurückgefallen, der in der Zeit des Jahreswechsels zu verzeichnen war.

Am Devisenmarkt sackte der Euro nach den freundlichen US-Daten bis knapp über die Marke von 1,28 Dollar ab. Bereits gestern hatten die Aussagen von Draghi zur künftigen Zinspolitik für Verkäufe gesorgt. Gold verbilligte sich um 3,3 Prozent auf 1208,25 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Der steigende Dollar macht Gold für Investoren außerhalb der USA teurer.

Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank wieder unter Verkaufsdruck

Nachdem die Titel der Coba Händlern zufolge wegen eines Short Squeeze zunächst sehr gefragt waren, fielen sie gegen Handelsschluss wieder weit zurück. Die Gewinnerseite blieb vollständig verwaist. Stärkster unter den Schwachen war SAP mit einem Minus von rund einem Prozent. Auf Wochensicht teilt sich die Commerzbank den letzten Platz mit FMC. Beide K0nzerne büßten 11,8 Prozent ein.

Adidas muss sich anstrengen

Für Adidas werden die eigenen Umsatz- und Gewinnpläne zunehmend zum Kraftakt. "Wir werden uns noch mehr anstrengen müssen", sagte Vorstandschef Herbert Hainer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Hainer stehe aber zu seinem Ziel, den Konzernumsatz 2013 währungsbereinigt um rund fünf Prozent und den Überschuss auf 890 bis 920 Millionen Euro zu steigern.

ThyssenKrupp: derzeit keine Kapitalerhöhung

ThyssenKrupp verfolgt nach eigenen Angaben derzeit keine konkreten Pläne für eine Kapitalerhöhung. Es gebe weder eine Entscheidung dazu, noch konkrete Pläne, sagte ein Sprecher am Freitag. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorab aus ihrer Samstagausgabe berichtet, dass ein Bankenkonsortium für den September eine Kapitalerhöhung im Volumen von fast 790 Millionen Euro vorbereite. Dabei handele es sich um eine Notoperation, um das angespannte Verhältnis von Netto-Schulden und Eigenkapital zu normalisieren.

Sky Deutschland empfohlen

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs findet Gefallen am Bezahlfernsehsender Sky Deutschland. Die Analysten haben den Wert von "Buy" auf "Conviction Buy" hochgestuft und das Kursziel von 5,50 auf 7,20 Euro angehoben. Dem Marktführer für Pay-TV traut Goldman ein jährliches Wachstum bei den Abonnenten bis zum 2016 von zehn Prozent pro Jahr zu. Der Umsatz soll demnach sogar um jährlich 17 Prozent wachsen. Die Sky-Aktie schloss an der Spitze im MDax.

Samsung holt deutlich mehr rein

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung konnte von April bis Juni sein operatives Ergebnis um 47 Prozent auf umgerechnet 6,43 Milliarden Euro verbessern. Dabei halfen neue Produkte wie das Smartphone Galaxy S4. Analysten hatten allerdings mehr erwartet und störten sich in einer ersten Reaktion an angeblich nachlassenden Wachstumsraten.

Neuer Celesio-Chef in Sicht?

Nach der überraschenden Abberufung des bisherigen Chefs des Pharmagroßhändlers Celesio sucht der Großaktionär Haniel in den eigenen Reihen nach einem Nachfolger, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Als einer der vielversprechendsten Kandidaten gelte demnach Felix Zimmermann, der Chef des Büroausstatters Takkt. Haniel ist an beiden Unternehmen beteiligt.

Allianz verabschiedet sich vom Garantiezins

Deutschlands größter Versicherer Allianz bietet als Reaktion auf die derzeit niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten künftig erstmals eine Lebensversicherung ohne Garantiezins an. Das neue Produkte gewährleiste jedoch wie klassische Lebensversicherungen den Erhalt der eingezahlten Beiträge bei Tod oder Rentenbeginn sowie die vereinbarte Mindestrente, teilte Allianz Deutschland mit.

Air Berlin schrumpft sich gesünder

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hat im ersten Halbjahr 2013 14,6 Millionen Passagiere befördert. Das waren 6,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitg stieg die durchschnittliche Auslastung der Flugzeuge um 3,4 Punkte auf 84,5 Prozent.

Air France mit Passagierschub

Die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France KLM hat im Juni mehr Fluggäste befördert. Die Zahl der Passagiere stieg um 1,6 Prozent auf mehr als sieben Millionen. Die zurückgelegten Passagierkilometer stiegen sogar um 2,5 Prozent. Die Auslastung der Maschinen verbesserte sich in der Folge um einen Prozentpunkt auf 85,2 Prozent. Schlechter lief es dagegen im Frachtgeschäft: Hier musste das Unternehmen einen Rückgang um 6,3 Prozent hinnehmen.

Conergy-Aktie stürzt ab

Das Solarunternehmen Conergy kämpft schon seit Jahren ums Überleben. Nun hat das Unternehmen Insolvenz beantragt. Als Grund nannte Conergy unter anderem eine Zahlungsverzögerung bei einem Großprojekt. Zudem hätten sich die kreditgebenden Banken trotz monatelanger Verhandlungen nicht auf ein vom Vorstand vorgelegtes Zukunftskonzept verständigen können, das den Einstieg eines neuen Investors vorsah.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr