Marktbericht 20:10

"Yellen-Effekt" stützt die Kurse Rückenwind für den Dax

Stand: 15.11.2013, 20:10 Uhr

Die US-Aktienmärkte dürften sich nach der gestrigen Ansprache der designierten Fed-Chefin Janet Yellen bis auf weiteres auf reichlich Liquidität freuen. Mit dieser Aussicht im Rücken behauptet der Dax sein Rekordniveau.

Der Leitindex legte 0,21 Prozent zu und verzeichnete ein neues Rekordhoch auf Basis der Schlusskurse bei 9.168 Punkten. Bis zum Verlaufshoch bei 9.193 Zählern ist es damit nicht mehr weit. Die Tageschwankungen waren bei insgesamt ruhigem Handelsverlauf gering, im Tagestief lag der Index bei 9.133 und im Hoch bei 9.188 Punkten. Nachbörslich tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss unverändert zum Xetra-Schluss.

Yellen-Effekt hält an

Bestimmendes Thema an der Börse bleibt die Aussicht auf eine Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Dies hatte die designierte Bankchefin Janet Yellen bereits am Vortag angedeutet.

Die heutigen schwächer als erwartet ausgefallenen Konjunkturzahlen sind dabei Wasser auf ihre Mühlen. So lag der New Yorker Empire-State-Index im November mit Minus 2,21 Punkten deutlich unter den Markterwartungen von 5,00 Punkten. Der Index misst die wirtschaftlichen Aktivitäten im wichtigen Großraum New York. Auch die Industrieproduktion und die Kapazitätsauslastung der US-Wirtschaft fielen im Oktober schwächer aus als prognostiziert. Da zudem die Inflation weiter keine Rolle spielt, im Oktober sanken die Einfuhrpreise mit minus 0,7 Prozent überraschend deutlich, bleiben die Börsenampeln erst einmal auf Grün.

"Die Liquiditätsrally scheint noch nicht gelaufen zu sein und einige Investoren haben ihre Aktienquoten wohl noch nicht hoch genug gefahren", sagte Marktanalyst Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Auch in New York geht es zur Stunde weiter bergauf, der Dow-Jones-Index liegt bei 15.930 Punkten und nimmt langsam aber sicher die Marke von 16.000 Zählern ins Visier.

Euro legt zu

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1408
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Nach einem ruhigen Vormittagshandel profitierte der Euro am Nachmittag ebenfalls von den enttäuscht aufgenommenen US-Konjunkturdaten und stieg zeitweise über die Marke von 1,35 Dollar. Auch am Devisenmarkt hat die expansive Politik direkte Konsequenzen, denn das Dollar-Angebot bleibt hoch.

Das setzt den Greenback unter Druck und treibt im Gegenzug den Euro. Sehr zum Missfallen der europäischen Exportwirtschaft, die zudem auch noch einen fallenden Yen und die Schwäche der meisten Währungen aus den Schwellenländern verkraften muss. Erste deutliche Bremsspuren sind in den jüngsten Quartalszahlen schon sichtbar gewesen.

Tagessieger K+S

Die Aktie des Kasseler Kaliproduzenten lag nach positiven Nachrichten aus Weißrussland am Ende an der Dax-Spitze und gewann 4,67 Prozent auf 20,61 Euro. Der weißrussische Vize-Wirtschaftsminister hatte zuvor erklärt, er erwarte 2014 einen Kalipreis über 300 Dollar je Tonne. Dies gilt aber eher als Untergrenze erklärte eine Unternehmenssprecherin des K+S-Konkurrenten Belaruskali. Gefragt waren in einer Gegenreaktion auch RWE nach dem gestrigen Ausverkauf, Infineon und Lufthansa. Die Fluglinie will eine Wartungstochtergesellschaft in Irland schließen. Tagesverlierer waren Heidelbergcement mit einem Abschlag von 1,45 Prozent.

Volkswagen ist für Westeuropa wieder zuversichtlicher

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
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-2,52%

Die VW-Vorzugsaktie ist nach ungewöhnlichen Tönen aus Wolfsburg im Handelsverlauf ins Plus gedreht und gewann 0,6 Prozent. Der VW-Konzern sieht nämlich nach den Worten von Vertriebschef Christian Klinger erste Anzeichen einer Stabilisierung der Märkte in Südeuropa. Klinger äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung der Absatzzahlen für Oktober, in dem die Verkäufe weltweit um 3,8 Prozent auf 819.900 Fahrzeuge anzogen. Für das Gesamtjahr erwartet VW ein Rekordniveau von 9,5 Millionen Autos.

Deutsche Post will Porto erhöhen

Die Deutsche Post will laut einem "Handelsblatt"-Bericht das Briefporto zum 1. Januar 2014 auf 60 Cent erhöhen. Demnach solle am heutigen Freitag ein entsprechender Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt werden. Die Post-Aktie gehörte deshlab zu den Favoriten im Dax und legte 1,63 Prozent zu.

GSW ist gut im Geschäft

Der vor der Übernahme durch die Deutsche Wohnen AG stehende Immobilienkonzern GSW hat in den ersten neun Monaten sein Ergebnis aus Vermietung und Verpachtung um zwölf Prozent auf 135,8 Millionen Euro in die Höhe geschraubt.

Cancom zieht Kapitalerhöhung durch

Der IT-Dienstleister Cancom hat die Details zur angekündigten Kapitalerhöhung bekannt gegeben. Das TecDax-Mitglied wird bis zu gut 2,4 Millionen neue Aktien im Bezugsverhältnis 5:1 ausgeben. Der Bezugspreis beträgt 23 Euro je Papier. Die Bezugsfrist läuft voraussichtlich vom 20. November bis zum 4. Dezember 2013. Die Aktie verlor in einem volatilen Handel im TecDax 2,31 Prozent und schloss damit über Tagestief.

GfK steigert Ergebnis

Das Marktforschungsunternehmen GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) hat im dritten Quartal einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 361 Millionen Euro verbucht. Grund seien Währungseffekte gewesen. Das angepasste operative Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 12,5 Prozent auf 49,9 Millionen Euro. GfK bestätigte seine Gesamtjahresprognose.

Deutz heruntergestuft

Im SDax stand die Deutz-Aktie am Indexende. Die Schweizer Großbank UBS hat den Wert von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 6,50 auf 5,30 Euro gesenkt. Der zuständige Analyst kürzte seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für den Kölner Motorenhersteller ab dem kommenden Jahr. Das Papier sei hoch bewertet.

Funkwerk kommt kräftig unter die Räder

Die im ungeregelten Markt notierte Funkwerk-Aktie verlor nach enttäuschenden Zahlen kräftig über zwölf Prozent. Das Unternehmen hat in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres einen Rückgang beim Umsatz um 16 Prozent auf 76,5 Millionen Euro hinnehmen müssen. Immerhin konnte das Ebitda von minus 2,7 auf minus 0,8 Prozent verbessert werden. Allerdings lag der Verlust je Aktie bei 0,80 Euro. Außerdem kassierte Funkwerk seine Gesamtjahresprognose.

Uzin Utz holt auf

Das auf Bodenbeläge spezialisierte Bauchemieunternehmen hat nach einem schwachen ersten Halbjahr saionbedingt im Sommer spürbar aufholen können. Der Umsatz in den ersten neun Monaten sei um 3,4 Prozent auf 163,9 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen am Freitag in Ulm mit.

Auch der Ergebnisrückgang vom Jahresanfang wurde eingegrenzt. Unter dem Strich wurden sieben Millionen Euro verdient, 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Halbjahr waren es noch zehn Prozent weniger. Die Aktie legte zu und steht aktuell am Jahreshoch. Der Streubesitz liegt bei knapp 19 Prozent.

H&M gut unterwegs

Die schwedische Modekette hat ihren Umsatz zum Auftakt des vierten Quartals im Oktober um gut ein Prozent gesteigert. Das ist etwas mehr als erwartet. H&M gibt seine Umsatzzahlen monatlich bekannt, weitere Informationen gab es nicht. Den Börsianern aber gefällt es, die Aktie legte über 1,4 Prozent zu.

Swatch stellt Wachstum in Ausicht

Der Chef des Schweizer Uhrenkonzerns Swatch hat für das kommende Jahr einen kräftigen Umsatzanstieg in Aussicht gestellt. "Ich sehe für Swatch Group klar zweistelliges Wachstum im Jahr 2014", sagte Nick Hayek in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview der Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft". Im laufenden Jahr wird ein Umsatzplus von elf Prozent angepeilt, nachdem im Vorjahr 8,14 Milliarden Franken erlöst worden waren. Die Swatch-Aktie legte kräftig zu.

IPO-Pläne von General Electric

Der Siemens-Rivale General Electric will sich zukünftig stärker auf sein Industriegeschäft konzentrieren. Für Nordamerika plant das Unternehmen deshalb den Ausstieg aus dem Geschäft mit Konsumentenkrediten. Der US-Konzern will bis zu 20 Prozent der Anteile an dem Zweig im kommenden Jahr an die Börse bringen und sich 2015 vom Rest trennen.

General Electric konkurriert in vielen Bereichen mit Siemens, etwa bei Wind- und Gasturbinen und in der Medizintechnik. GE stellt auch Flugzeugtriebwerke her. In New York tendiert das im Dow-Jones-Index enthaltene Papier rund ein Prozent höher.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"