Marktbericht 20:07

Dax befreit sich aus der Lethargie Rückenwind aus Amerika

von Robert Minde

Stand: 28.02.2014, 20:07 Uhr

Mal wieder mussten es die Amerikaner richten. Wie schon so oft, folgte der Dax der Wall Street im späten Geschäft und beendete den Handelstag versöhnlich. Der TecDax markierte sogar ein neues Rekordhoch.

Alles schon mal dagewesen: eine freundliche New Yorker Börse sorgte für den Umschwung am Nachmittag und bescherte dem deutschen Leitindex einen Tagesgewinn von 1,08 Prozent auf 9.692 Punkte.

Damit schloss der Dax gleichzeitig auf Tageshoch, das Tief hatte bei 9.566 Zählern gelegen. Im Wochenvergleich rettete der Leitindex damit eine positive Wertentwicklung von 0,4 Prozent ins Ziel. Noch besser lief es für den deutschen Technologieindex TecDax, der mit 1.286,10 Punkten sogar ein neues Rekordhoch markierte.

Was macht die EZB ?

Danach hatte es lange nicht ausgesehen, denn zuvor hatte das führende deutsche Börsenbarometer richtungslos um seinen Schlusskurs tendiert. Neben der Sorge um eine mögliche Eskalation der Lage in der Ukraine dämpften vor allem leicht höher als erwartet ausgefallene Inflationsdaten für die Eurozone die Hoffnung der Börsianer, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung weitere Lockerungsschritte bekannt geben würde.

Mit 0,8 Prozent liegt die Teuerung in der EU aber immer noch deutlich unter der angestrebten Zielmarke der Notenbank von zwei Prozent. Mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik will die EZB vor allem Deflationstendenzen entgegenwirken.

S&P mit neuem Rekordhoch

Trotz eines schwächeren Wirtschaftswachstums im vierten Quartal zeigt sich die New Yorker Börse in guter Verfassung, der Dow-Jones-Index steht aktuell rund ein halbes Prozent höher, und auch die anderen Indizes liegen im Plus. Der marktbreite S&P-500-Index erzielt im bisherigen Handelsverlauf bei 1.867 Zählern sogar ein neues Rekordhoch.

Das Wirtschaftswachstum fiel im vierten Quartal mit 2,4 Prozent zwar geringer aus als geschätzt, Anleger führen dies aber größtenteils auf das schlechte Winterwetter zurück. Der wichtige Chicagoer Einkaufsmanagerindex fiel im Februar hingegen ebenso wie das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan besser aus als erwartet.

Unter den Einzeltiteln stehen Citigroupo im Blick nachdem ein Betrugsfall in Mexiko die Bank 235 Millionen Dollar kosten wird. Der bisher ausgewiesene Gewinn für 2013 werde angepasst und falle nun entsprechend niedriger aus, teilte die Bank am Freitag mit. Die Aktie ficht das aber nicht an, sie legt zu. Beachtung könnte auch die für heute Abend anberaumte Hauptversammlung von Apple finden, die am kalifornischen Stammsitz in Cupertino um 18:00 Uhr unserer Zeit beginnt.

Euro legt kräftig zu, Verluste am Rentenmarkt

Von Lethargie ist am Devisenmarkt keine Rede. Der Euro ist nach den Preisdaten für die Eurozone kräftig angesprungen und behauptet sich bei der Marke von 1,38 Dollar. Das ist der höchste Stand seit Dezember. Die EZB setzte den Referenzkurs bei 1,3813 Dollar fest.

Am Anleihenmarkt geht es derweil bergab, der Bund-Future verlor 0,5 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg um sechs Basispunkte auf 1,62 Prozent.

Merck erhöht die Dividende

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern aus dem Dax will für das abgelaufene Geschäftsjahr 2013 eine um 20 Cent auf 1,90 Euro erhöhte Dividende zahlen. Zudem soll auf der Hauptversammlung im Mai der designierte Chef des Gasekonzerns Linde, Wolfgang Büchele, zum neuen Chef des Aufsichtsrats gewählt werden, da der bisherige Chefkontrolleur Rolf Krebs nicht wieder kandidieren will. Dies gab das Unternehmen am Nachmittag bekannt.

Gleichzeitig verlängerte Merck sein Übernahmeangebot für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic bis zum 14. März. Angedient wurden bisher 64 Prozent der Aktien. Merck präsentiert am 6. März seine Jahreszahlen. Analysten erwarten eine kräftigen Gewinnanstieg von 567 auf rund 1,3 Milliarden Euro. Die Merck-Aktie legte 1,2 Prozent zu.

Anleger mit Bayer zufrieden

Hohe Forschungsausgaben sowie Währungsverluste in Japan und in den Schwellenländern haben das operative Ergebnis von Bayer im Schlussquartal gedrückt. Das Ebitda sank um 3,1 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro und damit unter den Analystenschätzungen von 1,91 Milliarden Dollar. Der Ausblick für 2014 liegt laut erster Einschätzung unter dem Marktkonsens.

Die Anleger waren aber zufrieden mit dem Zahlenwerk, die Aktie legte drei Prozent zu und war hinter Indexspitzenreiter FMC zweitbester Dax-Wert. Vier Aktien beendeten den Handel im Minus, Lufthansa waren dabei mit einem 0,9 Prozent größter Verlierer.

Möglicher RWE-Milliardenverlust kein Aufreger

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,24
Differenz relativ
-0,31%

Der Stromkonzern RWE ist nach Informationen des "Handelsblatts" im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Energiekonzern habe unter dem Strich einen Nettoverlust von knapp drei Milliarden Euro verbucht. Der Fehlbetrag falle damit viel höher aus als zunächst erwartet. Eine RWE-Sprecherin wollte zu den Informationen keine Stellungnahme abgeben. Am kommenden Dienstag wird die Bilanz vorgestellt.

Salzgitter kommt nicht vorwärts

Im vergangenen Jahr sank der Stahlhersteller tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 490 Millionen Euro. Salzgitter rechnet auch 2014 noch nicht mit einer Rückkehr in die Gewinnzone. Laut Analyst Colin Sheridan von Davy Research war die Bilanz für 2013 noch etwas schwächer als befürchtet ausgefallen. Der Ausblick liege dagegen in etwa im Rahmen der durchschnittlichen Markterwartungen.

Milliardenauftrag für Airbus

Die chinesische Fluggesellschaft China Eastern Airlines bestellt insgesamt 70 Maschinen des neu überarbeiteten Kurzstreckenfliegers A320neo. Airbus erwartet, dass China die USA bald als größter Flugzeugmarkt der Welt überholen wird. Der Aktie half es nichts, das Papier gehörte im MDax zu den Verlierern.

Russischer Metro-Rivale bald an der Börse

Die Papiere des russischen Konsumunternehmens Lenta werden zu einem Stückpreis von zehn Dollar ausgegeben, teilte das zum Teil zum US-Finanzinvestor TPG gehörende Unternehmen am Freitag mit. Die Angebotsspanne lag zwischen 9,50 und elf Dollar. Damit nimmt Lenta knapp eine Milliarde Dollar ein. Der Börsengang ist auch ein Test für die russische Metro-Tochter, die Firmenchef Olaf Koch noch in diesem Jahr ebenfalls an den Markt bringen will. Der Startschuss könnte schon in der zweiten Märzhälfte fallen. Metro-Aktien tendierten im MDax ein Prozent leichter.

Fuchs vermeldet Rekordjahr

Der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub hat dank weiterhin gut laufender Geschäfte das Jahr 2013 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei nach ersten Berechnungen um 6,6 Prozent auf 312,3 Millionen Euro gestiegen, teilte die im MDax notierte Gesellschaft mit. Netto blieb ein Gewinn von 218,6 Millionen Euro, ein Plus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Morphosys überzeugt Investoren nicht

Der Umsatz des im TecDax notierten Biotech-Konzerns stieg im Jahr 2013 von 51,9 Millionen im Vorjahr auf 78 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vervierfachte sich fast auf 9,9 Millionen Euro. Morphosys hatte seine Ziele für dieses Jahr drei Mal erhöht. Unter dem Strich verbuchte Morphosys ein kräftiges Plus: Der Gewinn stieg von 1,9 auf 13 Millionen Euro. Die Aktie drehte im Handelsverlauf ins Plus und war am Ende zweitbester TecDax-Wert.

Jubel über Nordex

Tagessieger im deutschen Technologieindex waren die Papiere des Windkraftanlagenbauer Nordex. Denn nach zwei verlustreichen Jahren hintereinander kehrte das Unternehmen 2013 in die schwarzen Zahlen zurück. Vor Zinsen und Steuern verdienten die Norddeutschen 44,3 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 61,1 Millionen im Jahr 2012. Eine genaue Prognose sowie den vollständigen Geschäftsbericht will Nordex am 24. März vorlegen.

Deutsche Annington geht in die Vollen

Der Immobilienkonzern aus dem SDax übernimmt für 2,4 Milliarden Euro insgesamt 41.500 Wohnungen der Konkurrenten Vitus und Dewag. Firmenchef Rolf Buch sprach vom "Turbo", den das Unternehmen angeworfen habe und schloss weitere Übernahmen nicht aus. Die Wohnungen liegen größtenteils in mittelgroßen Städten wie Wuppertal, Kiel oder Bremen. Die Zukäufe sollen ab dem kommenden Jahr das Ergebnis weiter treiben. 2013 wurde ein operatives Ergebnis (FFO) von 224 Millionen Euro eingefahren. Die Aktionäre des vor einem halben Jahr an die Börse gegangenen Unternehmens sollen 0,70 Euro Dividende erhalten.

Grenke-Dividende wahlweise in Aktien

Die Aktionäre des Leasing-Spezialisten aus dem SDax sollen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 1,00 Euro erhalten nach 0,80 Euro im Vorjahr. Erstmals können sie sich die Ausschüttung auch in Aktien auszahlen lassen, wie das Unternehmen am Freitag bekannt gab. Die Hauptversammlung findet am 10. April statt.

Das Bezugsangebot für den Erwerb der neuen Aktien wird voraussichtlich am 11. April 2014 veröffentlicht werden. Bis zum 28. April können sich die Aktionäre dann entscheiden. Grenke-Papiere stiegen heute 1,2 Prozent auf 76,10 Euro und markierten damit ein neues Rekordhoch.

Freenet steigert Gewinn

Bereits gestern am Vorabend hatte das im TecDax gelistete Telekommunikationsunternehmen Freenet die Geschäftszahlen vorgestellt. Dank Zukäufen hat Freenet im vergangenen Jahr mehr Umsatz erwirtschaftet. Der Gewinn stieg sogar zweistellig. Nun winkt den Aktionären eine saftige Dividende.

Vossloh kürzt Dividende

Ebenfalls gestern Abend war Vossloh dran: Der Bahntechnik-Konzern hat im vergangenen Jahr beim Gewinn Federn lassen müssen. Der Überschuss ging von 59,2 Millionen Euro 2012 auf nur noch 15,0 Millionen Euro zurück. Als Gründe nannte Vossloh unter anderem Sondereffekte und Verzögerungen bei Projekten. Die Ausschüttung an die Aktionäre soll drastisch von 2,00 Euro zuvor auf 0,50 Euro je Aktie gekürzt werden. Vossloh-Aktien waren Schlusslicht im SDax.

rm

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"