Marktbericht 20:15

Dax legt den Vorwärtsgang ein Rückenwind aus Amerika

Stand: 28.01.2014, 20:15 Uhr

Wieder einmal mussten es die Amerikaner richten. Nach ermutigenden Bilanzdaten hat die Wall Street am Nachmittag den Vorwärtsgang eingelegt - und schon springen auch bei uns die Anleger wieder auf den Börsenzug auf.

Dabei legte das führende deutsche Aktienbarometer auch nachbörslich noch eine Schippe drauf. Der L/E-Dax folgte einem freundlichen US-Markt und schloss bei 9.451 Zählern deutlich über dem Xetra-Schluss, der bei 9406 Punkten gelegen hatte.

Auslöser für den Schwenk zum Besseren am Nachmittag war die freundliche Tendenz an der New Yorker Börse. Sowohl positiv aufgenommene Unternehmenszahlen als auch ein gestiegenes Verbrauchervertrauen beflügelten die Anleger nach zuletzt fünf Verlustsitzungen in Folge. Der Dax, der nach freundlichem Start zwischenzeitlich bedenklich abgebröckelt war, zog sofort mit und beendete den Handel mit einem Tagesgewinn von 0,62 Prozent bei 9.406 Punkten. Im Tageshoch hatte das führende deutsche Börsenbarometer es bis 9.427 Punkte geschafft, das Tagestief lag bei 9.345 Punkten.

US-Konjunkturdaten gemischt, Blick auf die Fed

Die heutigen Konjunkturdaten aus Amerika gaben zwar kein einheitliches Bild, vor allem das gestiegene Verbrauchervertrauen im Januar kam an der Börse aber gut an. Das Konsumbaromter des privaten Conference-Board-Institutes stieg im Januar um 3,2 auf 80,7 Punkte. Analysten hatten nur einen Wert von 78,1 Punkten erwartet. Konsumdaten sind für die US-Volkswirschaft besonders wichtig, denn 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes entfallen auf den Konsum.

Neues gab es auch vom Hausmarkt, wo die Immobilienpreise wieder anziehen. Die Industrieaufträge fielen hingegen enttäuschend aus. Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen rechnet trotzdem fest mit einer Reduzierung des Volumens der Anleihekäufe der US-Notenbank. Die Notenbanker beraten ab heute über ihre Geldpolitik, Ergebnisse werden morgen Abend nach dem Schluss der europäischen Börsen erwartet.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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Euro legt etwas zu, Ölpreis stabilisiert sich

Auch am Devisenmarkt blicken die Marktteilnehmer ebenfalls gespannt auf die Sitzung der Fed. Der Euro hat sich im Verlauf etwas verbessert und notiert aktuell bei 1,3664 Dollar. Auch die Währungen vieler Schwellenländer erholten sich heute, was für zusätzliche Erleichterung bei den Anlegern sorgte. In Indien wurden überraschend die Zinsen erhöht, auch in der Türkei wird mit einem solchen Schritt gerechnet.

Der Ölpreis stabilisiert sich derweil nach den Vortagesverlusten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostet aktuell 107,70 Dollar, am Mittag waren es noch 106,99 US-Dollar. Das ist fast ein Dollar mehr als am Vortag. Das Fass der US-Ölsorte WTI verteuerte sich ebenfalls deutlich auf 97,36 Dollar.

Die angespannte Lage an den Finanzmärkten vieler Schwellenländer schürt aber weiterhin Nervosität am Markt. Die Befürchtung sei, dass die jüngsten Turbulenzen die Nachfrage nach Rohöl in den betroffenen Ländern bremsen könnten. "Im Vergleich zu den Aktienmärkten konnten sich die Ölpreise bis zuletzt allerdings gut behaupten", schreiben die Experten der Commerzbank.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Siemens ist auf Kurs

Siemens hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 seinen Gewinn nach Steuern primär dank seiner Sparpolitik um 20 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro hochgeschraubt. Die Aktie schloss nach volatilem Handelsverlauf bei 98,94 Euro, ein Tagesgewinn von 1,5 Prozent. Analysten taten sich schwer mit den heute vorgelegten Zahlen, die sowohl Licht als auch Schatten enthielten.

RWE kommt nicht zur Ruhe

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Neue Hiobsbotschaft für die leidgeprüften RWE-Aktionäre. Die Energiekonzern RWE kündigte am Vormittag neue Wertberichtigungen von etwa 3,3 Milliarden Euro an, hauptsächlich wegen der Probleme bei der konventionellen Stromerzeugung. Dadurch werde das Nettoergebnis für 2013 gemindert, teilte RWE weiter mit. Sie hätten aber keine Auswirkungen auf das operative Ergebnis. Die Jahresprognose des Konzerns bleibe trotz der Wertberichtigungen bestehen, sagte eine RWE-Sprecherin. Die Aktie verlor 0,85 Prozent.

Lufthansa: Obermann im Gespräch

Der ehemalige Telekom-Chef René Obermann ist laut Zeitungsberichten bei der Lufthansa als neuer Vorstandschef im Gespräch. Der Aufsichtsrat der Fluggesellschaft habe Kontakt zu Obermann aufgenommen, berichten das "Handelsblatt" und die "Rheinische Post". Eigentlich habe man sich bereits auf Passage-Chef Carsten Spohr als Nachfolger für den scheidenden Lufthansa-Chef Christoph Franz verständigt.

Analysten kritisieren, dass Aufsichtsratschef Mayrhuber sich übermäßig lange Zeit mit seiner Auswahl lässt und dadurch insbesondere den Ruf Spohrs beschädigt. Franz hatte bereits vor Monaten seinen Wechsel zum Schweizer Pharmariesen Roche erklärt.

Airbus rückt an die MDax-Spitze

Ein Anstieg bei den Hubschrauber-Auslieferungen und ein positiver Analysten-Kommentar haben am Dienstag Airbus -Aktien beflügelt. Die sowohl im MDax als auch im französischen Standardwerte-Index CAC 40 gelisteten Papiere stiegen um 4,6 Prozent auf 55,02 Euro. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern hatte 2013 insgesamt 497 Hubschrauber verkauft, fast fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem hatte die Citigroup ihr Kursziel um drei auf 63 Euro erhöht und ihre Kaufempfehlung bekräftigt.

Trotzdem streicht der Konzern im Rüstungsbereich massiv Stellen. "Unsere Produkte sind viel zu teuer oder nicht auf die Anforderungen des Marktes zugeschnitten - oder beides", schrieb Firmenchef Tom Enders schon vor Weihnachten seinen Mitarbeitern in einem Brief. Jetzt nimmt der Stellenabbau Gestalt an, vor allem in Deutschland wird dabei der Rotstift angesetzt.

Wacker Chemie hebt die Prognose an

Nachbörslich erklärte das Spezialchemieunternehmen aus dem MDax, das im ersten Quartal 2014 operative Sondererträge in Höhe von 115 Millionen Euro entstehen. Grund für die Anhebung ist die Neuordnung einer Kundenbeziehung, im Zuge dessen Sonderzahlungen aus einbehaltenen Vorauszahlungen und Schadenersatzleistungen anfallen. Der Name des Kunden wurde aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht genannt. Die Aktie, die schon während des Xetra-Handels 2,6 Prozent zugelegt hatte, stieg nachbörslich deutlich auf über 88 Euro.

Software AG beginnt sich zu fangen

Ungewohntes Bild für die Software-Aktie, die im TecDax zu den größten Tagesgewinnern gehörte. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller Software AG hat im vierten Quartal 2013 zwar einen Umsatzrückgang und ein niedrigeres Ergebnis ausgewiesen, die Zahlen wurden aber trotzdem an der Börse positiv aufgenommen, da sich der Abwärtstrend verlangsame. "Keine schlechten Nachrichten sind gute Nachrichten", kommentierte Commerzbank-Analyst Thomas Becker die starken Kursgewinne der Aktie.

Jenoptik-Zahlen gefallen nicht

Der Technologiekonzern Jenoptik hat im Jahr 2013 seinen Umsatz um drei Prozent auf 600 Millionen Euro verbessert. Das Ebit lag bei über 52 Millionen Euro und damit unter Vorjahresniveau und unter den Analystenschätzungen. Die Aktie knickte daraufhin ein und schloss als schwächster TecDax-Wert 2,1 Prozent leichter. Im laufenden Jahr will das TecDax-Unternehmen bei dieser Ergebnisgröße 55 und 62 Millionen Euro erreichen.

Sartorius auf neuem Rekordhoch

Der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius hat im vergangenen Jahr von Zukäufen profitiert. Die Quartalszahlen kamen an der Börse gut an, die im TecDax notierte Vorzugsaktie legte 3,7 Prozent zu und markiert damit ein neues Rekordhoch. Im laufenden Jahr will Sartorius seine Umsatz ohne Währungseffekte um acht bis zehn Prozent verbessern.

LPKF erhält Großauftrag

Stärkster Wert im TecDax waren LPKF Laser. Das Unternehmen hat von einem Kunden aus der Solarindustrie mehrere Aufträge in der Gesamthöhe von über 15 Millionen Euro erhalten. Im aktuell schwierigen Marktumfeld der Branche sei ein solcher Auftrag eine gute Nachricht, kommentierte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp die Nachricht.

DBAG drückt auf die Euphoriebremse

Die Beteiligungsgesellschaft aus dem SDax dämpft die Erwartungen für das neue Geschäftsjahr 2013/14 (zum 31. Oktober). Man rechne mit einem deutlich geringeren Gewinn als 2012/2013 erklärte Finanzchefin Susanne Zeidler. Seinerzeit habe vor allem der 60-prozentige Kursanstieg der einzigen börsennotierten Beteiligung, der Homag AG, zum guten Ergebnis von 32,3 Millionen Euro beigetragen. Die Aktionäre sollen wieder eine Dividende von 1,20 Euro bekommen. Größter Anteilseigner der auf Mittelstandsinvestionen spezialisierten Gesellschaft ist der Drogerieunternehmer Dirk Roßmann, der 25 Prozent hält.

Stühlerücken bei SKW

An der Spitze des Unternehmens wird es zum 1. April einen Wechsel geben. Kay Michel wird den Vorstandsvorsitz von Ines Kolmsee übernehmen, die das Unternehmen mit Auslaufen ihres Vertrags nach Übergabe der Geschäfte Ende März 2014 verlassen wird. Die im Prime Standard notierte Aktie reagierte aber kaum.

Geldsegen für die Vodafone-Aktionäre

Der Verkauf der Beteiligung an Verizon Wireless füllt die Taschen der Vodafone- Aktionäre. Diese stimmten heute auf der Hauptversammlung des britischen Telekomunternehmens dem Verkauf zu, was ihnen die Rekordsumme von 84 Milliarden Dollar in bar und Aktien einbringt. Vodafone bekommt vom bisherigen US-Partner Verizon insgesamt 130 Milliarden Dollar für den 45-prozentigen Anteil an der gemeinsamen Mobilfunktochter. 71 Prozent der Nettoerlöse sollen den Aktionären zufließen. Auch die Verizon-Eigner stimmten am Dienstag der Vereinbarung zu.

Gleichzeitig will Vodafone in Deutschland damit beginnen, Stellen abzubauen. Wegen der harten Konkurrenz und sinkender Umsätze sollen fünf Prozent der Stellen gestrichen werden. Geplant sei, dass etwa 600 der 10.500 Angestellten mit Abfindungen dazu gebracht werden, das Unternehmen zu verlassen, sagte ein Sprecher von Vodafone in Düsseldorf am Dienstagabend. Der Telekom -Konkurrent leidet seit Jahren unter den von Regulierungsbehörden angeordneten Gebührensenkungen und dem harten Preiskampf in der Branche. In den vergangenen zwei Quartalen brach das operative Ergebnis (Ebitda) um 13 Prozent ein. Der Umsatz sank stark.

Philips ist mit sich zufrieden

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im vergangenen Jahr seine eigenen Wachstumsziele erreicht und dabei die Ernte des langjährigen Sparkurs einegfahren. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita) stieg um fast ein Fünftel auf 915 Millionen Euro.

Allerdings gab Konzernchef Frans van Houten wegen der Sorgen um die Entwicklung in den Schwellenländnern und geplanter Kürzungen im Gesundheitswesen in den USA und Europa nur einen vorsichtigen Ausblick. Das kam an der Börse zunächst nicht gut an, im weiteren Verlauf erholte sich das Papier dann aber.

Geringere Prämien bei Vienna Insurance

Das österreichische Versicherungsunternehmen legte nach Ende der Spätbörse ihre eigentlich für morgen früh geplanten Zahlen für 2013 vor. Die Prämien sanken primär wegen Sondereffekten um 4,9 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei 580 Millionen Euro. Die Dividende soll um 0,10 Euro auf 1,30 Euro erhöht werden.

Apple enttäuscht

Nach dem Ende des regulären Börsenhandels legte Apple seine Quartalszahlen vor. Der Konzern konnte seinen Umsatz im Weihnachtsquartal um sechs Prozent auf 57,6 Milliarden Dollar verbessern. Der Gewinn stagnierte allerdings bei immer noch unglaublichen 13,1 Milliarden. Anleger hatten sich dennoch mehr erhofft. Die Apple-Aktie notiert 7,6 Prozent leichter. Im Schlepptau verlor auch die im TecDax notierten Aktie des Elektronikunternehmens Dialog Semiconductor, das als Apple-Zulieferer gilt.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Weitere Unternehmenszahlen aus Amerika

Pfizer-Aktien liegen nach einem über den Erwartungen ausgefallenen Schlussquartal deutlich besser im Markt. Im Gesamtjahr verdiente der Pharmamulti aus dem Dow Jones 2,28 Dollar je Aktie und lag damit am oberen Ende der angegebenen Spanne zwischen 2,20 und 2,30 Dollar. Auch die Aktie des Autobauers Ford zeigt sich robust nach einem positiv aufgenommenen Zahlenwerk. Vor allem im Heimatmarkt läuft es gut. In Europa wurde der Verlust zumindest reduziert, hier sollen aber Werke geschlossen werden. Positiv auch die Botschaften des Chemieriesen und BASF-Konkurrenten DuPont Nemours. Der Gewinn je Aktie von 0,59 Dollar lag über den Erwartungen. Zudem sollen für fünf Milliarden Dollar eigene Aktien zurückgekauft werden. Die neu formierte Fluggesellschaft American Airlines Group, die aus der Fusion der alten American Airlines mit US Airways entstanden ist, ist hingegen mit einem dicken Minus von zwei Milliarden Dollar im Schlussquartal gestartet. Grund waren die hohen Kosten der Fusion. Der Zusammenschluss ist für die alte Gesellschaft gleichzeitig der Ausweg aus der Insolvenz. Die Aktie ist nach anfänglichem Plus mittlerweile wieder zurückgefallen.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr