Routine im Dax, Chaos im TecDax

Karsten Leckebusch

Stand: 13.11.2007, 20:11 Uhr

Leichte bis kräftige Kursverluste sind die dickhäutigen Anleger mittlerweile gewöhnt. Der Dax entsprach ihren Erwartungen mustergültig und verlor 0,4 Prozent. Im TecDax fand währenddessen ein Kursgemetzel statt.

Am Ende des Tages notierte der TecDax 3,5 Prozent schwächer. Vor allem die Solar- und Windwerte, die in den vergangenen Wochen trotz heftiger Börsenturbulenzen einigermaßen stabile Kursgewinne verbuchten, kamen am Dienstag unter die Räder.

Dabei waren es nicht einmal schlechte Nachrichten oder miese Bilanzen, die für die massiven Kursverluste von bis zu 13 Prozent sorgten, sondern lediglich ein sich im Tagesverlauf beschleunigender Gewinnmitnahmewettlauf.

Die Aktie von Nordex verlor 12,4 Prozent, obwohl das Unternehmen im dritten Quartal Umsatz und Gewinn kräftig steigerte. Solon verbilligte sich um fast 13 Prozent, obwohl die Firma neben der Bekanntgabe einer hervorragenden Bilanz auch noch die Jahresprognose anhob.

Gewinner und Verlierer im Dax
Im Dax allerdings erholten sich die Bankenwerte, die in den vergangenen Wochen gehörige Kursverluste einstecken mussten, weiter. Die Postbank-Aktie stieg um 2,6 Prozent, die Commerzbank machte 1,2 Prozent gut. Minus 0,4 Prozent und 7.778 Punkte standen beim Xetra-Schluss zu Buche. Dank der sehr freundlichen Wall Street kletterte der LDax bis 20 Uhr sogar noch auf ganz knapp über 7.800 Zähler.

Die Verlierer im Dax waren die zuletzt kursstarken Aktien der Autohersteller. Volskwagen-Titel verloren 2,8 Prozent, obwohl der Konzern im Oktober 12,5 Prozent mehr Autos verkauft hatte als im Vorjahr. Auch Daimler und MAN verbilligten sich deutlich. Nur die BMW-Aktie profitierte von einer Kaufempfehlung von JP Morgan und legte 1,9 Prozent zu.

Am Abend gab es für Europas Autokonzerne noch eine gute Nachricht, die allerdings ohne Kursauswirkung blieb. Der Autoabsatz in Europa stieg im Oktober um sechs Prozent, teilte der Verband der Automobilindustrie mit. Die deutschen Hersteller erreichten in Westeuropa einen Marktanteil von 47 Prozent, in den neuen EU-Ländern betrug ihr Anteil 44 Prozent.

Wieder viele Bilanzen
Vom Energieversorger Eon gab es die aktuelle Neunmonatsbilanz. Der Konzern übertraf beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen mit 7,1 Milliarden Euro die Prognose, lag beim Umsatz jedoch leicht darunter. Die Aktie ging 0,4 Prozent leichter aus dem Handel.

Der allgemeinen Verkaufsstimmung im MDax entzogen sich einige Konzerne, die annehmbare Quartalsbilanzen vorlegten. Um 4,7 Prozent verteuerte sich der Pharmagroßhändler Celesio. Zwar erreichte der Konzern im dritten Quartal nicht ganz die Expertenprognose, als positiv werteten Analysten aber, dass Celesio für die im April gekaufte Versandapotheke DocMorris mit einem Jahreserlös von 210 bis 220 Millionen Euro rechnet.

Der Salz- und Düngemittelhersteller K+S übertraf mit seinem Geschäftsbericht die Analystenerwartungen, senkte aber leicht die Gewinn- und Umsatzprognose. Die Aktie stieg um 4,9 Prozent.

Auch der Flughafenbetreiber Fraport übertraf mit Umsatz und Gewinn die Erwartungen. Der Konzern hob zudem die Prognose an, das Ebit soll nun etwa das sehr hohe Vorjahresniveau erreichen. Fraport verteuerte sich um 5,8 Prozent.

Techem-Aktien stiegen sich um 0,3 Prozent, nachdem der Konzern seinen Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 um sieben Prozent auf knapp 560 Millionen Euro steigern konnte.

Eingebrochen im MDax
Die Bilfinger Berger-Aktie verlor trotz einer überraschend guten Bilanz 4,8 Prozent. Der zweitgrößte deutsche Baukonzern meldete ein Ebit von 70 Millionen Euro im dritten Quartal. Zugleich stellte Bilfinger Berger eine höhere Dividende in Aussicht.

Die Aktie des Großanlagenbauers Gea verlor ohne eigene Nachrichten 7,7 Prozent. Die schwedische Konkurrenzfirma Alfa Laval hatte zuvor vor einem niedriger als erwarteten Auftragseingang im Oktober gewarnt; Alfa Laval-Aktien brachen um bis zu 20 Prozent ein und zogen Gea mit.

Auch die Aktie des Stahlhändler Klöckner & Co. zählte mit einem Minus von fünf Prozent zu den schwächsten Werten im MDax. Ein Händler begründete die Schwäche mit den seit ein paar Wochen anhaltenden Problemen im weltweiten Stahlsektor. Angesichts der Marktmacht asiatischer Stahlproduzenten hatte Klöckner Anfang Oktober eine Gewinnwarnung herausgegeben. Vor den Quartalszahlen am Mittwoch gebe es jetzt "viele kalte Füße", so der Experte weiter. Auch die Aktie von ThyssenKrupp gehörte mit einem Minus von 2,8 Prozent zu den großen Verlierern im Dax.

Und noch mehr Bilanzen
Aus dem TecDax berichtete der Medizin- und Sicherheitstechnikanbieter Drägerwerk über den Geschäftsverlauf im dritten Quartal. Während der Umsatz leicht stieg, fiel der Gewinn wie erwartet um rund drei Millionen auf 5,6 Millionen Euro. Die Aktie stieg um 4,6 Prozent.

Der IT-Dienstleister Bechtle, ebenfalls im TecDax notiert, präsentierte die endgültigen Zahlen, die etwas besser waren als die schon bekannte vorläufige Bilanz. Bechtle verteuerte sich um 5,2 Prozent.

Kursverluste von 3,3 Prozent verzeichnete der Call-Center-Betreiber D+S Europe, obwohl der Konzern Umsatz und Ergebnis kräftig steigern konnte. Auch die Aktie der Immobilienfirma DIC Asset verlor 4,2 Prozent, obwohl die Bilanz mit einer Gewinnvervierfachung sehr erfreulich ausfiel.

Vier kleine Berichte und eine Warnung
Der Spezialist für Kommunikationssysteme Funkwerk und der Heizungs- und Lüftungsspezialist Centrotec überzeugten mit ihren Bilanzen und verzeichneten leichte Kursgewinne. Das Logistikunternehmens D.Logistics veröffentlichte enttäuschende Zahlen, die Aktie fiel um mehr als 14 Prozent. Halbwegs erfreut waren Anleger von der Bilanz des Technologiekonzerns Jenoptik, der einen Umsatzanstieg verbuchte. Die Aktie schloss leicht schwächer.

Eine handfeste Gewinnwarnung gab es vom Biogasanlagenhersteller Envitec. Die Firma erwartet jetzt nur noch ein Ebit von bis zu 22 Millionen Euro in diesem Jahr, der Umsatz soll nur 140 statt 160 Millionen Euro betragen. Die Anleger verkauften, die Aktie fiel um 7,4 Prozentt.

Schlechter Tag für IPOs
Trotz der sehr volatilen Börsenstimmung ging die Immobilienfirma FranconoWest an die Börse. Die Nachfrage war so gering, dass FranconoWest nur ein Viertel der angebotenen Aktien platzieren konnte. "Es wäre vielleicht besser gewesen, den Börsengang abzusagen", verlautete es vom Börsenparkett. Der Auftakt verlief erschütternd: Die Aktie verbilligte sich am ersten Handelstag um mehr als zehn Prozent auf 1,61 Euro.

Wal-Mart wächst im Ausland
Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart hat im dritten Quartal 2,86 Milliarden Dollar verdient, und zwar, wie der US-Konzern berichtete, vor allem außerhalb seines Heimatmarktes USA. Der Gewinn war mit 0,7 Dollar je Aktie etwas höher als erwartet, beim Umsatz traf der Konzern mit 90,9 Milliarden Dollar zwischen August und Oktober die Expertenprognose genau.

Home Depot und die Krise
Die US-Immobilienkrise hat der größten Baumarktkette des Landes, Home Depot, die Bilanz verhagelt. Der Gewinn ging im dritten Quartal um 27 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zurück. Im Gesamtjahr werde der Rückgang wegen ausbleibender Umsätze noch höher ausfallen, als noch im September erwartet worden war. Home Depot will dennoch an seinem im Juni angekündigten Aktienrückkaufprogramm festhalten.

Iphone in China
Aktien von Apple haben am Dienstag in der Spitze um bis zu zehn Prozent zugelegt. Der Konzern führt Gespräche mit China Mobile, um das iPhone nach China zu bringen. Apple will das Handy im kommenden Jahr in Asien auf den Markt bringen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen