Robuste Wall Street macht müde Investoren mutig

Stand: 24.04.2012, 20:17 Uhr

Eine volatile Sitzung endete mit signifikanten Kursgewinnen. Die Investoren hängten sich an eine freundliche Wall Street an, dort sorgten Quartalszahlen für Entspannung. Allerdings bleibt die Lage undurchsichtig.

"Das Kursgeschehen im deutschen Leitindex ist derzeit kaum berechenbar", kommentierte IG Markets-Fachmann Gregor Kuhn. "Ein Markenzeichen von politischen Börsen", lautet seine Einschätzung. Kuhn illustriert seine Analyse mit dem Hinweis auf die Situation in Frankreich und in den Niederlanden, die sich auf die zukünftige Marschroute zur Lösung der Europäischen Schuldenkrise auswirken könnte. Händler sprachen auch von einer technischen Erholung bei niedrigen Umsätzen.

Der Dax schloss ein Prozent fester bei 6.590 Punkten. Zeitweise hatten sogar nur noch wenige Punkte bis zum Fall unter die Marke von 6.500 Punkten gefehlt: Den Tagestiefpunkt markierte der Dax bei 6.508,10 Zählern. Der Blick auf die Wall Street lockerte die Verkrampfung am deutschen Aktienmarkt etwas auf: Der Dow Jones startete relativ robust und zog auch den Dax nach einer Schwächeperiode zurück über das Vortagesniveau.

Europas Börsen mit Rückenwind
Der EuroStoxx 50 stieg um 1,75 Prozent. Der Cac 40 gewann 2,3 Prozent. Die Gewinne im Londoner FTSE 100 fielen mit 0,8 Prozent etwas niedriger aus. Der Late Dax rückte um 0,4 Prozent auf 6.580,97 Punkte vor.

Eine ganze Reihe von US-Quartalszahlen wurde positiv aufgenommen und sorgte in New York für ansteckende Stimmung. Schwergewichte wie der Telefonkonzern AT&T und der Mischkonzern 3M überzeugten mit guten Zahlen. Der Dow Jones notierte am Abend mehr als ein halbes Prozent über Vortagesniveau.

Das Verbrauchervertrauen sinkt
Dabei waren aktuelle Konjunkturdaten nicht unbedingt geeignet, die Angst vor einer Konjunkturschwäche zu zerstreuen: Das Verbrauchervertrauen trübte sich im April etwas stärker als erwartet ein. Außerdem sind im März die Neubau-Verkäufe überraschend gefallen.

"Die Daten fallen gemischt aus", kommentiert Helaba-Experte Ralf Umlauf. Hervorzuheben sei die Tatsache, dass es einen robusten Industriestimmungsindikator gegeben habe und die Verbraucherstimmung nicht eingebrochen sei. Das Szenario einer fortgesetzten Wirtschaftserholung in den USA sei nicht in Frage zu stellen, unterstreicht Umlauf.

Euro hält sich wacker
Sorgenvoll erwartete Anleihe-Auktionen waren am Vormittag unerwartet gut gelaufen und stützten den Markt ebenfalls. Trotz der Regierungskrise in den Niederlanden hat sich das Land problemlos neue Mittel im Volumen von knapp zwei Milliarden Euro beschafft. Auch Spanien und Italien nahmen neues Geld auf.

Der Euro schaffte den Sprung über die Marke von 1,32 Dollar. Offenbar taugten die politischen Unsicherheitsfaktoren nicht dazu, den Euro deutlich ins Minus zu drücken, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Da die Unterstützung bei 1,3150 Dollar gehalten habe, müssten diejenigen Investoren, die auf weitere Verluste gewettet hätten, sich wieder mit Euro eindecke, lautet seine Einschätzung.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,32
Differenz relativ
0,00%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22,88
Differenz relativ
-1,04%

Deutsche Post belegt die Dax-Spitze
Tagesgewinnerin ist die Deutsche Post. Lufthansa belegten den zweiten Rang nach einem positiven Analystenkommentar. Auch Infineon waren gesucht, die Aktie legte nach einem positiv aufgenommenen Quartalsbericht des US-Branchenkonkurrenten Texas Instruments zu. Lob von den Analysten gab es derweil auch für Tui. Die Aktie schloss liegt im MDax mit einem Plus von über acht Prozent ganz vorne.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
182,95
Differenz relativ
-1,67%

Munich Re will mehr Aktien
Die Münchener Rück liebäugelt wieder mit größeren Investments in Aktien. "Ich kann
mir durchaus mehr Aktien vorstellen", sagte der Finanzchef des weltgrößten Rückversicherers, Jörg Schneider, dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Momentan stecken nur zwei Prozent der Kapitalanlagen in Höhe von über 200 Milliarden Euro in Aktien. "Fünf Prozent Aktienquote wären überhaupt kein Problem." Unter zehn Prozent sollten es aber schon sein, sagte Schneider. Vor dem vorläufigen Quartalsbericht am Donnerstag legte die Aktie fast zwei Prozent zu.

Adva schreibt schwarze Zahlen
Im TecDax legten Adva-Aktien rund zehn Prozent zu und gingen an der Index-Spitze aus dem Handel. Der Netzwerkausrüster hat im ersten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert und dabei in die schwarzen Zahlen gedreht. Der IFRS-Gewinn stieg auf vier Millionen Euro nach einem Verlust im Vorjahr von 2,3 Millionen Euro. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 81,7 Millionen Euro. Für das zweite Quartal werden Erlöse zwischen 81 bis 86 Millionen Euro erwartet.

Gea erhöht die Prognose
Das im MDax gelistete Unternehmen erwartet nach hohen Aufträgen eine Nachfragesteigerung. Daher hob Konzernchef Jürg Oleas die Prognose leicht an und erwartet nun 2012 ein Plus beim Auftragseingang von mindestens fünf Prozent. Die Aktie schloss im MDax leicht im Plus. Analysten äußerten sich enttäuscht über die Gewinnentwicklung bei dem Maschinenbau-Konzern.

Schaltbau bestätigt die Jahresprognose
Der Verkehrstechnikunternehmen hat im ersten Quartal deutlich weniger verdient, hält aber an seiner Prognose fest. Das Konzernergebnis fiel im Jahresvergleich von 7,1 auf 4,5 Millionen Euro. Im Vorjahr hatten sich vor allem positive Einmaleffekte bemerkbar gemacht, diese gab es nun nicht mehr. Der Umsatz kletterte jedoch von 74,1 auf 84,7 Millionen Euro. 2012 sollen die Erlöse auf 350 nach 318 Millionen Euro im Vorjahr steigen. Operativ solle es leicht bergauf, netto wird ein leicht geringerer Gewinn erwartet. Der Hauptversammlung soll ein Aktiensplit im Verhältnis 1:3 vorgeschlagen werden. Die Aktie bewegte sich kaum.

Realtech kann nicht begeistern
Die Aktie des Software- und IT-Dienstleisters ist nach den vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal unter Druck geraten. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich leicht von 9,3 auf 9,4 Millionen Euro, der operative Verlust weitete sich jedoch von 0,1 auf 0,4 Millionen Euro aus. Am Ziel für 2012 hält das Unternehmen aber fest: Der Umsatz soll bei 45 Millionen Euro liegen bei einem Ebit von 3,7 Millionen Euro. Den kompletten Quartalsbericht gibt es am 3. Mai.

Indus erhöht die Ausschüttung
Die Aktionäre der Beteiligungsfirma werden für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 eine um zehn Cent auf einen Euro erhöhte Dividende erhalten. Nach den heute vorgestellten endgültigen Zahlen hatte Indus das operative Ergebnis 2011 um zehn Prozent und den Überschuss um 19 Prozent gesteigert. Für 2012 zeigte sich Firmenchef Helmut Ruwisch vorsichtig optimistisch. Indus-Aktien tendierten im SDax aber trotzdem leichter.

Umsatzsprung bei Elexxion präsentiert gute Zahlen
Das auf spezielle Lasersysteme in der Zahnheilkunde ausgerichtete Unternehmen weist nach vorläufigen Zahlen für 2011 höhere Umsätze und Margen aus. Der Umsatz stieg von 1,5 auf 2,7 Millionen Euro. Operativ aber bleibt Elexxion im Verlust. Das Ebit lag bei minus 1,26 Millionen Euro. Im Ausblick erwartet das Unternehmen vom Bodensee ein prozentual zweistelliges Wachstum. Das Papier bewegt sich wenig.

Masterflex gut ins neue Jahr gestartet
Masterflex-Aktien reagieren mit leichten Kursgewinnen auf die vorläufigen Zahlen zum ersten Quartal. Das auf Kunstoffe für industrielle und medizinische Anwendungen spezialisierte Unternehmen steigerte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr trotz hoher Basiseffekte um vier Prozent auf 14,5 Millionen Euro. Das Ergebnis kam sogar für Firmenchef Andreas Bastian überraschend. Er bestätigte die Wachstumsziele für 2012, der Umsatz soll zwischen 57 und 58 Millionen Euro liegen. Endgültige Zahlen werden am 7. Mai veröffentlicht.

Novartis verfehlt Erwartungen
Der Schweizer Gesundheitsriese hat im ersten Quartal weniger verdient. Der Reingewinn sank um 18 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar, der bereinigte Reingewinn lag bei 3,1 Milliarden Dollar. Damit hat Novartis allerdings die Ertragserwartungen leicht verfehlt. Der Umsatz lag mit 13,7 Milliarden Dollar ebenfalls leicht unter den Schätzungen. Die Jahresprognose für den Umsatz und die bereinigte operative Marge wurden bestätigt.

3M: Mehr Gewinn bleibt haften
Der US-Mischkonzern 3M hat nach einem unerwartet kräftigen Gewinnsprung im ersten Quartal die Prognose für das laufende Jahr etwas erhöht. Konzernchef Inge Thulin sprach am Dienstag angesichts von Rekordumsätzen und einem starken Gewinn in den ersten drei Monaten von einem sehr guten Start in das laufende Jahr. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um 2,4 Prozent auf den Rekordwert von 7,5 Milliarden US-Dollar zu. Der Hersteller von Post-it-Haftzetteln und Scotch-Brite Haushaltsreinigern erwirtschaftete einen Gewinn von 1,13 Milliarden Dollar nach 1,08 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

United Technologies verdient weniger
Und wieder ein US-Mischkonzern: United Technologies. In den ersten drei Monaten des Jahres sank der Umsatz unter anderem wegen Spartenverkäufen um zwei Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar. Da United Technologies einige Geschäfte nur mit Verlusten losgeworden ist, brach zudem der Gewinn von einer Milliarde Dollar auf 330 Millionen Dollar ein. Im fortgeführten Geschäft legte der Überschuss allerdings um rund ein Fünftel auf 1,18 Milliarden Dollar zu. Das war mehr als Experten erwartet hatten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr