Marktbericht 20:00 Uhr

Anleger greifen zu Robuste Konjunktur zieht Dax über 9.500 Punkte

Stand: 07.01.2014, 20:00 Uhr

Starke Daten aus Spanien, überzeugende Zahlen vom deutschen Arbeitsmarkt und erfreuliche Nachrichten aus Irland haben die Investoren heute in den Aktienmarkt gelockt.

Schwungvoller wurde der Handel am Nachmittag dank einer starken Wall Street. Im Sog des Dow Jones übersprang der Dax wieder die Marke von 9.500 Punkten und schloss mit einem Aufschlag von 0,8 Prozent auf 9.506,20 Zählern. "Der überraschende Rückgang der deutschen Arbeitslosenzahl hat die Bullen wieder auf den Plan gerufen", sagte Aktienhändler Toby Morris von CMC Markets. Der Dow Jones lag am Abend 0,7 Prozent im Plus, der Late Dax schloss 0,8 Prozent fester bei 9.515,00 Punkten.

Irland wieder am Kapitalmarkt

Daten vom deutschen Arbeitsmarkt waren besser als erwartet ausgefallen. Saisonbereinigt gab es ein Minus. Gut kam am Markt ferner an, dass Irland ein erfolgreiches Comeback feierte und langlaufende Staatsanleihen am Finanzmarkt unterbrachte. Auch aus Spanien gab es gute Nachrichten. Der Einkaufsmanagerindex kletterte dort auf den stärksten Wert seit Juli 2007.

Die Börsen setzten nach den Kursrückschlägen zu Jahresbeginn nun zur Gegenbewegung an, sagte Marktanalyst Christian Stocker von der italienischen Bank Unicredit. Obwohl die Feiertage nun hinter uns liegen, waren die Umsätze geringer als im Jahres-Durchschnitt.

EZB hat Spielraum

Die sinkende Inflationsrate in der Euro-Zone schürte leise Zinssenkungs-Fantasien. Aktienstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital ist der Ansicht, dass dadurch Deflationssorgen in die Kapitalmärkte zurückkehrten. Laut Siddiqi verstärke das den Druck auf die EZB, die Zinsen weiter zu senken. "Das eröffnet weiteren geldpolitischen Spielraum im Jahresverlauf, so die Argumentation der liquiditätsverwöhnten Anleger", fasst Jens Klatten von FXCM die Position der Zinssenkungsoptimisten zusammen.

Analysten sind sich jedoch einig, dass sich die EZB noch nicht beim Zinsentscheid am Donnerstag mit weiteren Lockerungen gegen den Preisverfall stemmen wird. Der Euro sackte kurz unter die Marke von 1,36 Dollar, hielt sich am Abend allerdings in etwa stabil.

Banken auf der Favoritenliste

Titel der Commerzbank führten den Dax an, auch die Deutsche Bank rückte vor. In ganz Europa waren Banken gefragt. Ein Händler verwies auf einen Rückgang der Inflation im Euroraum im Dezember auf 0,8 Prozent. Dieser Wert liegt deutlich unter den zwei Prozent, die die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig anstrebt. Die rückläufige Teuerungsrate sorge für Fantasie, dass die EZB die Geldpolitik weiter lockern könnte. Hinzu komme eine Studie von Barclays. In dieser weisen die Analysten auf mögliche positive Auswirkungen hin, die eine zyklische Erholung auf die Erträge von Investmentbanken hätte.

BASF ist gesucht

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,16
Differenz relativ
-4,14%

Gefragt wie selten war auch die Chemieaktie von BASF, die ihre Gewinne auf 2,8 Prozent ausbaute hatte. Die Schweizer UBS hat den Titel zum Kauf empfohlen und auf ihre "key call list" gesetzt. Das Kursziel haben die Experten deutlich von 80 auf 96 Euro angehoben.

MüRü liefert Rück- und Ausblick

Am Vorabend hatte die Münchener Rückversicherung gemeldet, dass sie künftig mit mehr Naturkatastrophen rechnet. Besonders Taifune wie zuletzt auf den Philippinen seien vermehrt zu erwarten. Am Dienstag lieferte das Unternehmen noch einen Rückblick auf 2013. Im vergangenen Jahr haben Naturkatastrophen weniger Schaden angerichtet als im Jahr zuvor. Die Summe sank um 25 Prozent auf 125 Millionen Dollar.

US-Winter beschert K+S gute Geschäfte

Bei der US-Tochter Morton Salt laufe der Verkauf von Auftausalz blendend, sagte ein K+S-Sprecher. "Der Absatz von Morton Salt im Dezember war überdurchschnittlich hoch", erklärte der Sprecher. Da die Wintersaison gerade erst begonnen habe, gebe es auch in den kommenden Wochen Steigerungsmöglichkeiten. K+S hat Morton Salt 2009 für 1,7 Milliarden Dollar übernommen und ist damit zum weltgrößten Salzhersteller aufgestiegen. Trotzdem schloss das Papier im Minus.

Rückenwind für Tui

Mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent zählte Tui zu den MDax-Gewinnern. Händler begründeten die Kursgewinne mit Analystenkommentaren der UBS und Morgan Staley. Alex Brignall von der UBS etwa hob in einer aktuellen Studie mit Blick auf die im Dezember vorgelegten Zahlen zum Geschäftsjahr 2012/13 sein Kursziel von 12,20 auf 13,50 Euro an und beließ sein Votum auf "Buy". Analyst Jamie Rollo von der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley hob sein Kursziel ebenfalls an.

Metro liegt im MDax weit hinten

Dax-Absteiger Metro gehörte dagegen zu den MDax-Titeln, die deutlich im Minus notierten. Laut Händlern ist das Unternehmen schwächer ins neue Geschäftsjahr (seit Oktober 2013) gestartet als gedacht. Im Lebensmittel-Bereich wurde danach ein Rückgang verzeichnet. Und wegen des milden Wetters konnte auch Winterkleidung nicht wie gewünscht verkauft werden.

Carl Zeiss Meditec bricht ein

Frische Quartalszahlen des Medizintechnikkonzerns kamen überhaupt nicht gut an, die TecDax-Aktie verlor über sechs Prozent. Währungseinbußen im wichtigen Japan-Geschäft und rückläufige Umsätze in der ertragsreichen Sparte Mikrochirurgie ließen das Betriebsergebnis (Ebit) im ersten Quartal binnen Jahresfrist schrumpfen, wie der Jenaer Konzern am Dienstag mitteilte. Der Umsatz in den Monaten Oktober bis Dezember liege voraussichtlich um drei Prozent unter Vorjahr.

Auch Dialog im Rückwärtsgang

Ebenfalls im TecDax büßte die Aktie des Chip-Spezialisten Dialog Semiconductor knapp vier Prozent ein. Experten der Credit Suisse haben den Titel von "neutral" auf "underperform" zurückgestuft. Gleichzeitig wurde allerdings das Kursziel von 12,40 auf 13,20 Euro angehoben. Die Umsatzschätzung der Analysten liege unter der des Marktes, so die Begründung.

Nordex-Aktie voller Fantasie

Steil bergauf ging es mit den Papieren des Windkraft-Unternehmens Nordex. Vom Parkett drangen Aussagen, dass die Übernahmefantasie bei dem Unternehmen wieder gestiegen sei. Bereits im späten Vortagshandel war die Aktie gestiegen. Ein Konkurrenz aus China könne an Nordex interessiert sein, so das Gerücht, das den Börsenwert um mehr als neun Prozent erhöhte.

HHLA stark gefragt

Die im SDax gelistete Aktie des Hamburger Hafenbetreibers stieg nach einem positiven Kommentar samt Kursziel-Erhöhung durch Mainfirst. Die Experten sehen eine bessere Kalkulierbarkeit der Geschäftsergebnisse wegen der geplanten Elbvertiefung. Beim Kurs sehen sie nun 22 statt bislang 17 Euro für erreichbar.

Air Berlin und Heideldruck sehr dynamisch

Die Auslastung der Maschinen bei der zweitgrößten Airline ist im vergangenen Jahr um 1,3 Prozentpunkte auf 84,9 Prozent gestiegen. Die Meldung half der Aktie mehr als neun Prozent ins Plus. Die Zahl der Passagiere ging um 5,4 Prozent auf 31,5 Millionen zurück. Auch die Titel von Heideldruck stiegen im SDax um mehr als neun Prozent, ohne das Händler dafür Gründe zu nennen wussten.

Investoren geben Kion-Aktienpaket ab

Gut sechs Monate nach dem Börsengang von Kion werfen die Finanzinvestoren Goldman Sachs und KKR ein großes Aktienpaket des Gabelstapler-Herstellers auf den Markt. Die US-Investmentbank Goldman Sachs kündigte am Dienstagabend an, 10,8 Prozent an Kion über Nacht bei Investoren zu platzieren. Danach würden mehr als 30 Prozent von Kion an der Frankfurter Börse gehandelt.

Durststrecke für Blackberry

Der neue Blackberry-Chef John Chen will den angeschlagenen Smartphone-Pionier mit einem Fokus auf Firmenkunden, günstige Handys für Asien und vernetzte Technik retten. "Es wird schwierig, aber wir können es schaffen", sagte Chen. Es werde aber einige Zeit dauern: Chen rechnet, dass Blackberry erst 2016 wieder Gewinn schreiben wird. Im vergangenen Quartal hatten massive Abschreibungen und maue Verkäufe Blackberry einen Rekordverlust von 4,4 Milliarden Dollar eingebrockt.

Madoff kostet JPMorgan Milliarden

JPMorgan büßt für ihre Rolle bei den Betrügereien des Börsenmaklers Bernard Madoff. Das Wall-Street-Institut muss 1,7 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) an die Opfer des Schneeballsystems zahlen, wie die Staatsanwaltschaft bekanntgab. Die Bank habe der Zahlung zugestimmt, hieß es. Bereits am Vortag hatten US-Medien von einer bevorstehenden Milliardenzahlung berichtet. Madoff hatte über Jahrzehnte vermeintliche Traumgewinne von Investoren mit dem frischen Geld neuer Anleger bezahlt. 2013 war ein Rekordbußjahr für Banken.

Netflix-Aktie unter Druck

Netflix-Aktien haben nach einem negativen Analystenkommentar im US-Handel zeitweise mehr als vier Prozent nachgegeben. Der zunehmende Wettbewerb in den USA könnte zu einem langsameren Wachstum der Abonnentenzahl bei der Online-Videothek führen, schrieb Analyst Scott Devitt von Morgan Stanley in einer Branchenstudie über den Überflieger des vergangenen Börsenjahres. Er stufte die Papiere der Online-Videothek von "Equal-weight" auf "Underweight" ab

Samsung mit weniger Ergebnis

Der koreanische Elektronik-Hersteller hat schwache Zahlen zum operativen Ergebnis für das vierte Quartal bekanntgegeben. Es sank um ein Fünftel auf 8,3 Billionen Wong (5,7 Milliarden Euro). Samsung spürt die zunehmende Konkurrenz im Smartphone-Markt. Zudem hat das Unternehmen zuletzt rund eine Milliarde Dollar an seine Mitarbeiter ausgeschüttet.

ts

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat