Marktbericht 20:11 Uhr

September beginnt mit Kursverlusten Richtungswechsel an den Börsen

Stand: 01.09.2016, 20:11 Uhr

Hebt die Fed bald die Zinsen weiter an? Die neuesten überraschend schwachen US-Konjunkturdaten deuten nicht daraufhin. Die anhaltende Ungewissheit belastet die Börsen. Dow und Dax drehten zum Monatsauftakt ins Minus. Kein gutes Omen!

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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Die sonnigen Zeiten sind vorbei! Jetzt beginnt der historisch schlechteste Börsenmonat September. Statistisch gesehen gab der Dax durchschnittlich um knapp drei Prozent in diesem Monat nach. Auch diesmal verlief der Start in den September wenig verheißungsvoll: Nach einem guten Auftakt kippten die internationalen Aktienmärkte am Nachmittag in die Verlustzone. Der Dax schloss fast 0,6 Prozent tiefer, der EuroStoxx50 büßte 0,3 Prozent ein. Und auch an der Wall Street dominierten die Minuszeichen. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag der Dow 0,15 Prozent im Minus.

Rückschlag aus den USA

Maue Konjunkturdaten aus Industrie und Bau schürten Zweifel an der Stärke der US-Wirtschaft. Der viel beachtete ISM-Einkaufsmanagerindex rutschte unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten auf den tiefsten Stand seit Januar. Das heißt: Die Industrie schrumpft. Die Betriebe verzeichneten sinkende Aufträge und bauten verstärkt Jobs ab. Auch die Bauausgaben enttäuschten: sie stagnierten im Juli. Experten hatten einen Anstieg von 0,5 Prozent erwartet.

Das große Zittern vor den Arbeitsmarktdaten

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Die negativen Konjunktursignale könnten zu einer neuerlichen Verzögerung der nächsten Zinserhöhung führen. Zuletzt hatten führende Notenbanker einen Zinsschritt in naher Zukunft für möglich gehalten. Mehr Klarheit könnten die morgigen Arbeitsmarktdaten liefern. Bleiben sie ebenfalls hinter den Erwartungen zurück, dürfte die Fed wahrscheinlich mit weiteren Zinsschritten abwarten. Dafür sprechen auch die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen.

Euro und Pfund stehen wieder auf

Der schwache ISM-Index drückte den Dollar nach unten. Im Gegenzug kletterte der Euro auf 1,12 Dollar nach oben. Noch besser schlug sich das britische Pfund. Es stieg am Donnerstag um gut ein Prozent auf 1,3265 Dollar. Denn die britische Industrie hat den anfänglichen Brexit-Schock inzwischen wieder überwunden. Der Einkaufsmanager-Index für die Industrie schnellte im August um fünf Punkte auf 53,3 Zähler. Das ist der größte Anstieg, den es je gab. Allerdings liegt das Pfund immer noch zwölf Prozent unter dem Niveau vor der Brexit-Abstimmung.

Fusionsfantasie treibt Commerzbank weiter an

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boerse vor acht vom 01.09.2016

Neben der US-Geldpolitik standen die deutschen Großbanken im Blickpunkt. Die Fusionsfantasien beflügelten die Titel der Commerzbank. Sie stiegen um über zwei Prozent und waren Top-Gewinner im Dax. Auch die Papiere der Deutschen Bank zogen zunächst kräftig an, drehten dann aber rund ein Prozent ins Minus. Anleger machten Kasse. Laut Medienberichten haben die beiden Geldhäuser lose über ein Zusammengehen gesprochen, aus dem "Sommerflirt" sei aber nichts geworden. Auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" erklärten die Chefs der Deutschen Bank und Commerzbank, dass es hierzulande zu viele Geldinstitute gäbe. "Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse - auf nationaler Ebene, aber auch über die Landesgrenzen hinweg", hatte John Cryan betont.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,13
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Am Donnerstag warnte Bafin-Chef Felix Hufeld auf der Tagung vor dem Zusammenschluss der zwei schwächelnden Geldinstitute. Eine Fusion sei kein Allheilmittel. Er verstehe nicht, warum der gemergte Patient schmerzfrei ist, wenn eine Bank A pausenlos Kopfschmerzen hat und eine Bank B pausenlos Magenschmerzen hat", sagte er.

Erst aufräumen - dann fusionieren?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Möglicherweise will die Deutsche Bank erst aufräumen und dann einen neuen Fusionsanlauf wagen. Im Laufe des Tages sickerte aus Insiderquellen durch, dass die Deutsche Bank weitere Sparmaßnahmen erwägt. An diesem Wochenende tagt der Vorstand, am 15. und 16. September folgt eine Strategie-Klausur mit dem Aufsichtsrat in Mailand. Das jährliche Treffen hat diesmal eine besondere Brisanz.

Amerikaner kaufen weniger Autos

In den USA ist der Automarkt im August abgekühlt. Nahezu alle Autohersteller erlitten Absatzeinbußen. GM verkaufte rund fünf Prozent weniger Fahrzeuge, Ford lieferte über acht Prozent weniger Autos aus. Auch der VW-Absatz sank um mehr als neun Prozent. Bei BMW betrug das Minus gut sieben Prozent. Einzige Ausnahme war Mercedes. Die Schwaben setzten im August über zwei Prozent mehr Autos ab, besonders Vans waren gefragt. Insgesamt schrumpfte der Autoabsatz in den USA um 3,5 Prozent. Die deutschen Autoaktien gaben nach.

Beiersdorf abgestuft

Deutliche Kursverluste gab's für Beiersdorf. Gleich zwei amerikanische Banken haben die Aktie des Nivea-Herstellers nach unten gestuft. JPMorgan hat den Wert von "Neutral" auf "Underweight" gesenkt und das Kursziel von 80 auf 75 Euro zurückgenommen. Die Citigroup hat den Wert mit "Sell" und einem Kursziel von 80 Euro in die Bewertung aufgenommen. Insbesondere die Massenmarke Nivea werde unter Druck gesetzt. Es zwinge den Konzern zu anhaltenden und kostspieligen Innovationen, um seine wichtigste Marke zu schützen und weiter wachsen zu lassen.

UBS empfiehlt Lanxess

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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67,16
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Der Chemiekonzern Lanxess gehörte indes zu den stärksten Werten im MDax. Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für den Wert von 44 auf 53 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Lanxess wandle sich zu einem weniger schwankungsanfälligen, robusteren Spezialchemiekonzern, hieß es. Die Papiere zählten immer noch zu den günstigsten Werten.

Elliott macht Druck auf Steinhoff

Zu den größten MDax-Verlierern zählte Steinhoff. Der Möbelriese stößt bei seinen Übernahmeplänen in Großbritannien auf ein hartnäckiges Hindernis: Der aktivistische Investor Elliott aus den USA hat seine Beteiligung an der britischen Billigkette auf fast 25 Prozent aufgestockt und will damit ein höheres Angebot von Steinhoff erzwingen. Denn der "Poko"- und "Conforma"-Möbelhausbetreiber will Poundland nur schlucken, wenn er mindestens 75 Prozent der Anteile bekommt. Steinhoff war vor drei Wochen auf Elliott zugegangen und hatte seine Offerte erhöht. Das sei das letzte Angebot, hieß es.

KlöCo sammelt Millionen ein

SDax-Schlusslicht war der Stahlhändler Klöckner & Co. (KlöCo). Der Kurs brach um 6,6 Prozent ein. Das Unternehmen hat siebenjährige Wandelschuldverschreibungen mit einem Kupon von zwei Prozent angekündigt. Sie sollen Erlöse von rund 148 Millionen Euro einbringen.

Dagegen profitierten die Papiere von ThyssenKrupp und Salzgitter von einer positiven Studie vom Analysehaus Jefferies. Nachdem der europäische dem US-Stahlmarkt in der Vergangenheit hinterher gehinkt sei, sollte er sich 2017 überdurchschnittlich entwickeln, hieß es.

Klöckner & Co.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Salzgitter: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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37,77
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KTG-Agrar-Gläubiger gehen wohl leer aus

Tausende Gläubiger der insolventen KTG Agrar dürfen sich kaum noch Hoffnung machen, ihr Geld zurückzubekommen. Es sei absehbar, dass die Insolvenzquote für die Gläubiger äußerst gering ausfallen werde, sagte der vorläufige vom Gericht bestellte KTG-Sachverwalter Stefan Denkhaus am Donnerstag. Das Unternehmen sei laut Denkhaus mit 394 Millionen Euro überschuldet. KTG Agrar soll bis Februar 2017 verkauft werden. Der größte deutsche Agrarkonzern hatte Anfang Juli Insolvenz angemeldet, nachdem eine fällige Zinszahlung von knapp 18 Millionen Euro für eine Anleihe nicht gezahlt werden konnte.

Wechsel im EuroStoxx 50

Die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas, des niederländisch-belgische Supermarktbetreibers Ahold Delhaize und des irischen Baustoffe-Konzerns CRH werden in den EuroStoxx 50 aufgenommen. Die Papiere der italienischen Bank UniCredit, des französischen Handelskonzerns Carrefour und des italienischen Versicherers Generali müssen den Index dagegen verlassen.

Im Stoxx Europe 50 ersetzen überraschend die Anteilscheine des schweizerischen Agrochemieunternehmens Syngenta die des ebenfalls aus der Schweiz stammenden Luxusgüterkonzerns Richemont. Die Änderungen werden am 19. September vollzogen.

Mehr Durst auf Pernod

Der weltweit zweitgrößte Spirituosen-Konzern hat den Gewinnschwund gestoppt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 verdienten die Franzosen mit 2,28 Milliarden Euro zwei Prozent mehr. Dank der starken Nachfrage in den USA erhöhte sich der Umsatz weltweit um zwei Prozent auf 8,68 Milliarden Euro. In China gingen die Erlöse zwar erneut zurück, aber nicht so stark wie befürchtet. Besonders Whysky stößt im Reich der Mitte auf weniger Nachfrage. Für 2016/17 peilt der der Hersteller von Absolut Vodka, Havana Club Rum und Perrier-Jouët-Champagner ein Gewinnplus von zwei bis vier Prozent an.

Nestlé will Medizingerätefirma schlucken

Nestlé will das Gesundheitsgeschäft zunehmend ausbauen und plant, die Medizingeräte-Firma Phagenesis zu übernehmen. Den Kaufpreis teilten  dier Schweizer nicht mit. Über Phagenesis hat ein Gerät entwickelt, mit dem Schluckbeschwerden behandelt werden können. Die Nestlé-Aktie schloss im Minus.

Licht und Schatten bei Salesforce

An der Wall Street brachen die Aktien von Salesforce um sieben Prozent ein. Der SAP-Rivale verschreckte die Anleger mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung für das dritte Quartal. Für das Gesamtjahr hob Salesforce indes die Umsatzprognose an. Im zweiten Quartal steigerte der Softwarekonzern den Umsatz um gut ein Viertel und fuhr einen Gewinn von 229,6 Millionen Dollar ein.

Twitter macht Hoffnung

Um zeitweise gut zwei Prozent zog der Kurs von Twitter an. Medienberichte über eine Krisensitzung des Direktoriums beflügelten die Aktien des Kurznachrichtendiensts. Laut CNBC will sich das Twitter-Gremium am kommenden Donnerstag mit dem schleppenden Umsatzwachstum befassen.

Rückschlag für Musks Raumfahrt-Visionen

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Um über fünf Prozent stürzten die Aktien von Tesla ab. Die von Tesla-Gründer Elon Musk gegründete US-Raumfahrtfirma SpaceX hat einen weiteren Rückschlag erlitten: Eine "Falcon 9"-Rakete des privaten Unternehmens explodierte am Donnerstag bei einem Test auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, dabei wurde auch ein Facebook-Satellit zerstört. "Es gab eine Unregelmäßigkeit auf der Abschussrampe heute, die mit dem Verlust der Rakete und ihrer Ladung endete", teilte SpaceX mit. Bereits im vergangenen Sommer hatte SpaceX eine Rakete bei einer Explosion verloren hatte.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.