Rezession, na und?

Detlev Landmesser

Stand: 03.04.2008, 20:21 Uhr

Derzeit legt die Börse einen bemerkenswerten Gleichmut an den Tag. Mit der konjunkturellen Vollbremsung in den USA haben sich die Marktteilnehmer offenbar abgefunden. Am Abend drehten die US-Börsen ins Plus.

Als Hauptargument dafür diente der aktuelle Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors. Der Service-Index des Institute for Supply Management (ISM) stieg im März von 49,3 auf 49,6 Punkte, während Analysten im Schnitt mit einem Rückgang auf 48,5 Punkte gerechnet hatten. Allerdings deuten Werte unter 50 Punkten auf ein schrumpfendes Wachstum hin.

Vom amerikanischen Arbeitsmarkt kam indessen ein weiterer Warnschuss: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe kletterte in der abgelaufenen Woche überraschend um 38.000 auf 407.000. Das ist der höchste Wert seit September 2005. Von Thomson Financial befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit 366.000 Anträgen gerechnet. Zudem wurde der Wert der Vorwoche nach oben revidiert.

Am Freitag werden die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten für März veröffentlicht (siehe Terminkasten), die erfahrungsgemäß meist marktbewegend wirken.

VW boomt in China

Am deutschen Markt holte die VW-Aktie ihren Vortagesverlust wieder auf. Der Wolfsburger Autoriese hat seinen Absatz in China im ersten Quartal 2008 um ein Drittel gesteigert. Insgesamt verkaufte Europas größter Autobauer in China 268.200 Fahrzeuge. Davon entfielen 221.400 auf Autos der Marke VW, 30.400 auf Audi und 16.200 auf Skoda. Im März fand der Konzern in der Region erstmals mehr als 100.000 Käufer für seine Autos.

Franzosen an ThyssenKrupp interessiert?
Die Aktie von ThyssenKrupp-Aktie sprang zeitweise um bis zu 2,4 Prozent an. "Es gibt das Gerücht, dass ein Investor einen Anteil von zehn Prozent an ThyssenKrupp zusammenkauft", berichtete ein Marktteilnehmer. Händler in London nannten die von dem Investor Romain Zaleski geführte Holding Carlo Tassara als Interessenten.

Die Linde-Aktie hielt sich ohne fundamentale Neuigkeiten an der Dax-Spitze. Nach dem Bruch der Widerstände um 92,40 Euro habe der Titel weiteres charttechnisches Potenzial, sagte ein Analyst.

Eon wird grüner
Deutschlands größter Energieversorger Eon will den Stromanteil aus erneuerbaren Energien bis 2030 auf 24 Prozent hochschrauben. Gleichzeitig soll die Emission von Kohlendioxid bis dahin um mindestens 50 Prozent sinken, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Deshalb habe Eon die Investitionen für erneuerbare Energien allein bis 2010 auf rund sechs Milliarden Euro verdoppelt - rund zehn Prozent des gesamten Investitionsbudgets.

Die Finanzwerte atmeten heute aus: Einer der schwächsten Dax-Titel war Vortagesgewinner Commerzbank mit einem Minus von 3,3 Prozent. Neben Gewinnmitnahmen führten Händler eine Studie von Ernst & Young als Grund an. Das Beratungsunternehmen erinnerte daran, dass den deutschen Banken nicht nur die Subprime-Hypotheken zu schaffen machen. Sie säßen auch auf rund 200 Milliarden Euro an faulen Krediten.

Die Allianz-Aktie gab trotz positiver Analystenstimmen über zwei Prozent nach. Merrill Lynch setzte den Dax-Titel auf ihre "most preferred list" für April 2008. Zwar bestünden weiter Risiken im Zusammenhang mit Vermögenswerten. Das habe der Versicherer aber besser im Griff als andere, schrieb Analyst Blair Stewart. Der Plan, die Dresdner Bank abzuspalten, zeige zudem die Bereitschaft zur Veräußerung der Investment-Banking-Aktivitäten.

Telekom kommt in Hellas voran
Die griechische Regierung steht nach eigener Aussage unmittelbar vor dem Verkauf von Hellenic-Telecom-Anteilen (OTE) an die Deutsche Telekom. Die Regierung will bis zu acht Prozent ihres OTE-Aktienpakets an die Telekom verkaufen, um ihre Schulden zu senken. Der Staatsanteil würde damit auf 20 Prozent sinken. Die Telekom hatte angekündigt, zunächst für 2,5 Milliarden Euro knapp 20 Prozent an OTE von einem Investor zu übernehmen. Die Bonner wollen ihren Anteil aber noch weiter aufstocken.

Demag Cranes gefragt
Bester MDax-Titel war die Aktie von Demag Cranes. "Wir sind mit dem Verlauf des zweiten Quartals sehr zufrieden", erklärte Vorstandschef Harald Joos. Anleger spekulierten darauf, dass der Kranbauer die Jahresprognose anhebt. So weit wollte Joos aber noch nicht gehen.

Tognum bekräftigt Ausblick
Die Aktie von Tognum legte ebenfalls über fünf Prozent zu. Der Motorenhersteller wiederholte zwar nur die bereits bekannten Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Das wurde aber im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld erfreut aufgenommen. Der Umsatz solle wie im Dezember mitgeteilt um rund zwölf Prozent zulegen. Als bereinigte Umsatzrendite peilt Tognum weiter einen Wert zwischen 13 und 15 Prozent an. Positiv werteten Marktteilnehmer zudem den um zwölf Prozent gestiegenen Auftragseingang im vergangenen Jahr.

Hochtief profitiert von Leighton
Auch die Hochtief-Aktie war gefragt - dank zweier Aufträge für die australische Tochter Leighton. Diese Bestellungen haben ein Gesamtvolumen von einer Milliarde australischen Dollar.

Vossloh bleibt Lokomotiven treu
Die Aktie von Vossloh tendierte am Tag der Bilanz-Pressekonferenz seitwärts. Vorstandschef Werner Andree sagte, Vossloh wolle sich nicht mehr von seinem Lokomotivgeschäft trennen. Der Bereich habe sich besser entwickelt als erwartet, daher sei er auch kein Schnäppchen mehr. Vossloh hatte seit Jahren geplant, sich von dem konjunkturabhängigen Lokgeschäft zu trennen oder es in eine Partnerschaft einzubringen.

Einen schweren Stand hatte erneut die Aktie von Arques. Nach Vorlage der Jahreszahlen schraubten mehrere Analysten ihre Kursziele für die Beteiligungsgesellschaft drastisch herunter.

Ähnlich erging es der Aktie von Patrizia im SDax, die weitere 10,4 Prozent einbüßte. Gestern hatte das Immobilienunternehmen den Markt mit seiner Prognose für 2008 geschockt. Daraufhin hagelte es Herabstufungen von den Analysten.

Aleo Solar legten über vier Prozent zu. Das Unternehmen meldete einen Auftrag über 35 Millionen Euro - insgesamt kommt Aleo mit den bereits gemeldeten Verträgen nun auf 150 Millionen Euro für 2008.

Alitalia-Poker geht in neue Runde
Die Alitalia-Aktie wurde erneut vom Handel ausgesetzt. Nach dem Scheitern der Übernahmegespräche mit Air France-KLM sucht die italienische Regierung fieberhaft nach einer Möglichkeit, die marode Airline vor dem Konkurs zu bewahren. France-KLM-Chef Jean-Cyril Spinetta hatte am Mittwoch die Verhandlungen abgebrochen. Alitalia-Chef Maurizio Prato trat daraufhin zurück. Kein Grund für die Lufthansa, nun ihrerseits zu bieten: "Unsere Einschätzung zu Alitalia hat sich nicht verändert", sagte ein Sprecher. Er fügte aber hinzu: "Wir sind weiter der Auffassung, dass Italien ein wichtiger und attraktiver Markt ist und werden die weitere Entwicklung genau beobachten."

Halloren will zweistellig wachsen
Die Halloren Schokoladenfabrik will 2008 im hart umkämpften Süßwarenmarkt weiter kräftig wachsen. "Unser Ziel ist es, die Umsatzerlöse im Vergleich zu 2007 um 17 Prozent auf 35,2 Millionen Euro zu erhöhen", sagte Halloren-Chef Klaus Lellé. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) werde eine Steigerung von 30,2 Prozent auf 4,1 Millionen Euro angestrebt. Grund für den Optimismus seien zweistellige Zuwächse bereits im ersten Quartal. Deutschlands älteste produzierende Schokoladenfabrik ist seit Mai 2007 an der Börse notiert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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