Rettungsschirm kann Anleger nicht beruhigen

Stand: 22.11.2010, 20:02 Uhr

Die Erleichterung über Finanzhilfen für Irland dauerte nur wenige Stunden. Zu den Sorgen der Anleger über mögliche Domino-Effekte kommen am Abend massive Kursverluste an der Wall Street.

Sie drücken auch den Dax im Abendhandel 0,42 Prozent ins Minus auf 6.811. Das sind fast 100 Punkte weniger als am Vormittag, als der Dax kurz die Schwelle von 6.900 Punkten überschritt. Die Hoffnung auf weitere Kursgewinne erfüllt sich jedoch nicht. nach der ersten Erleichterung über die Irland-Hilfen kommt rasch die Sorge auf, dass die Krise jetzt auch die anderen Wackelkandidaten Portugal und Spanien treffen könnte.

Danach geht es mit dem Dax nur noch talwärts. Der Leitindex beendet den elektronischen Handel mit einem Abschlag von 21 Punkten (0,3 Prozent) auf 6.822. In der Spitze war das Börsenbarometer sogar bis auf 6.805 gefallen.

Auch an der Wall Street stößt die Bereitschaft Irlands, die Hilfen der EU und des IWF in Anspruch zu nehmen, auf Skepsis. Politische Aufregung in Zeiten finanzieller Probleme sorge für Ungewissheit, sagte Scott Marcouiller von Wells Farbo Advisors.

Geld allein könne das Problem nicht lösen, sagte Peter Kenny von Knight Equity Markets in Jersey City. Die Euro-Zone bekomme durch die Irland-Hilfen allenfalls eine Atempause, löse die strukturellen Mängel der Euro-Zone aber nicht. Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Dow Jones-Index rund 100 Punkte (0,9 Prozent) auf 11.104.

Der Computerkonzern Hewlett-Packard legt nach Börsenschluss seine Bilanz für das vierte Quartal vor.

Euro wieder unter 1,36 Dollar
Die Unsicherheit bezüglich der irischen Staatspleite belastet auch die Stimmung am Devisenmarkt. Der Euro ist bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,359 unter die Marke von 1,36 Dollar gefallen, nachdem er am Vormittag zeitweise auf 1,378 Dollar gestiegen war. Als Grund wurde genannt, dass bislang kaum Details zu dem Rettungsplan bekannt sind.

Auch die hohen Haushaltsdefizite in Griechenland, Portugal und Spanien bereiteten unverändert Sorgen. Devisenexperte Helge Bouchain von der HSH Nordbank ergänzte: "Es wird nun vor allem darauf ankommen, wie das Rettungspaket tatsächlich aussehen wird, um die irischen Banken konkret zu unterstützen."

Zukauf drückt K+S-Aktie
Weit oben auf der Verliererseite der Dax-Unternehmen steht die Aktie von K+S. Das Kasseler Unternehmen will die kanadische Potash One übernehmen und muss dafür mindestens 311 Millionen Euro berappen. Potash One ist ein Explorations- und Entwicklungsunternehmen für Kalivorkommen. Die Firmenleitung stimmt der Übernahme zu. Die Papiere von Potash One springen an der Börse in Toronto um 25 Prozent in die Höhe, was in etwa dem Zuschlag gegenüber dem Kurs von Freitag entspricht, den K+S bereit ist zu zahlen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,76
Differenz relativ
-0,71%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,45
Differenz relativ
-0,88%

Irlandkrise drückt Bankwerte
Zu den schwächsten Werten im Dax gehören auch die Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank. Deren Kursverluste erklären Händler mit der anhaltenden Unsicherheit über die Lage in Irland. Dabei ist die Deutsche Bank von der Irland-Krise nach eigener Darstellung nur in begrenztem Umfang betroffen. Das gesamte Risiko gegenüber dem Staat Irland und irischen Banken habe Ende Oktober 2010 netto weniger als 400 Millionen Euro betragen.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,02
Differenz relativ
+4,00%

Eon lagert aus
Eon will einen Großteil der IT-Aufgaben auslagern und damit Kosten sparen. Die Dienstleistungen sollen für mindestens fünf Jahre von der Telekom-Tochter T-Systems und Hewlett-Packard betrieben werden. Im Frühjahr 2011 würden europaweit rund 1400 Mitarbeiter zu den Firmen wechseln. Etwa 160 IT-Mitarbeiter bleiben im Konzern. Sie kümmern sich um sicherheitsrelevante Aufgaben wie etwa die Systeme für den Kraftwerksbetrieb. Der Schritt ist Teil des von Firmenchef Johannes Teyssen vorangetrieben Programms "Perform to win", mit dem Eon bis 2011 die Kosten um bis zu 1,5 Milliarden Euro drücken will. Die Aktie kann von dem Programm aber nicht profitieren.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
149,86
Differenz relativ
+1,28%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
75,64
Differenz relativ
+2,35%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
52,85
Differenz relativ
+1,85%

Autos profitieren von Merrill-Studie
Zu den mit Abstand stärksten Werten im Dax gehören die Aktien von BMW und Volkswagen. Sie profitieren von einer Empfehlung der Investmentbank Merrill Lynch. Deren Analyst Fraser Hill ist der Meinung, dass im nächsten Jahr die Verkäufe in den entwickelten Märkten wieder anziehen werden. Auch in China dürfte die Nachfrage anhalten. Die Bank nahm die Vorzugsaktien von Volkswagen mit "Buy" und einem Kursziel von 150,00 Euro in die Bewertung auf. Dank seiner globalen Präsenz, der Markendiversifizierung und der Bilanz könne der Wolfsburger Autobauer den nachhaltigsten Gewinnzufluss innerhalb der europäischen Autobranche vorweisen.

Die Papiere von BMW wurden mit "Buy" und einem Kursziel von 70,00 Euro wieder in die Bewertung aufgenommen. Die Titel von Daimler bewertet die Investmentbank mit "Neutral" und einem Kursziel von 58,00 Euro. Die Aktie verliert.

Sixt ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
89,65
Differenz relativ
-0,77%

Sixt lässt die Krise hinter sich
Der Autovermieter Sixt hat die ersten neun Monate wieder mit einem deutlichen Millionenergebnis abgeschlossen. Das Konzernergebnis der Firma verbesserte sich von 0,6 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 54,9 Millionen Euro. Der Umsatz betrug 1,17 Milliarden Euro und lag damit leicht unter dem Vorjahreswert. Die Aktie ist dennoch gefragt.

HSBC lobt Pfeiffer über alles
Das Bankhaus HSBC hat Pfeiffer Vacuum nach der Übernahme der Alcatel-Lucent-Sparte Adixen von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 60,00 auf 95,00 Euro um mehr als 50 Prozent angehoben. Der Zukauf dürfte wertsteigernd sein und sich sofort positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken, schreibt Analyst Christian Rath. Für 2011 erhöhte er seine Gewinnschätzung von 4,20 auf 6,00 Euro je Aktie. Er möge an dem Zukauf, dass Pfeiffer somit in Märkte vorstoße, wo der Konzern bislang eher schwach vertreten gewesen sei. Die Aktie legt um 2,7 Prozent zu und ist einer der größten Gewinner im TecDax.

United Internet steigt in Mobilfunk ein
Überdurchschnittlich zulegen kann auch die ebenfalls im TecDax notierte Aktie von United Internet. Laut einer Mitteilung der Tochter 1&1 wollen die ebenfalls zu der Gruppe gehörenden E-Maildienste Gmx und Web.de mit einem Gratistarif für ihre Mitglieder auf dem deutschen Mobilfunkmarkt Fuß fassen. Die insgesamt rund 28 Millionen Nutzer der beiden Mail-Angebote können ab sofort über den neuen hauseigenen Mobilfunk-Anbieter "Freephone" kostenlos miteinander telefonieren, teilte die Firma mit. Das gelte auch für die 1,3 Millionen Mobilfunkkunden von "1&1".

Demag beschafft sich frisches Geld
Der von internationalen Konkurrenten umworbene Kranbauer Demag Cranes hat sich bei einem Bankenkonsortium Kredite über 350 Millionen Euro gesichert. 200 Millionen Euro stehen der Firma zufolge Demag bar zur Verfügung, 150 Millionen als Garantie. Mit einer Laufzeit von fünf Jahren stelle Demag seine Fremdfinanzierung auf eine langfristige Basis und könne seine Wachstumsstrategie vorantreiben. Die im MDax notierte Aktie dreht nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus.

Paion erfreut die Anleger
Das Pharmaunternehmen Paion hat mit einem kurz wirkenden Anästhetikum Erfolge in einer Phase-II Studie gemeldet. Das Medikament Remimazolam habe in der IIB-Studie das primäre Ziel erreicht, teilte die Aachener Firma mit. Remimazolam soll zur Sedierung während einer Darmspiegelung eingesetzt werden. Die Aktie steigt um knapp acht Prozent.

Kleine Bilanzen
Die Deutsche Forfait, die auf den Ankauf von Forderungen spezialisiert ist, hat die ersten neun Monate des Jahres mit einem deutlich gesunkenen Ergebnis beendet. Der Konzerngewinn fiel um ein Fünftel auf zwei Millionen Euro. Die Aktie legt dennoch um knapp zwei Prozent zu.

Um gut zwei Prozent steigt auch die Aktie der Elektronikfirma Intica. Sie steigerte ihren Umsatz in den ersten neun Monaten um ein Viertel auf knapp 22 Millionen Euro. Das Ebitda legte ebenso deutlich auf 2,7 Millionen Euro zu.

Wenig verändert zeigt sich dagegen die Aktie von Zooplus, einem Internethändler für den Heimtierbedarf. Dabei ist die Firma in den ersten neun Monaten wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Ergebnis stieg von minus 1,1 Millionen Euro vor einem Jahr auf 2,2 Millionen Euro in diesem Jahr.

Auch die Aktie von Kinghero reagiert kaum auf die Quartalszahlen, obwohl das Unternehmen seinen Neunmonatsumsatz um fast die Hälfte auf 35,2 Millionen Euro erhöht hat. Das Ergebnis stieg um ein Drittel. Die Holdinggesellschaft eines chinesischen Kleidungsherstellers rechnet weiterhin mit starkem Wachstum.

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz