Ratlos ins Wochenende

Detlev Landmesser

Stand: 15.08.2008, 20:34 Uhr

Ist die Finanzkrise im Griff und ihre Folgen auf Konjunktur und Unternehmensgewinne eingepreist? Auch der Freitag brachte darüber keine abschließenden Erkenntnisse. Immerhin aber einzelne Hoffnungszeichen.

Denn während die europäischen Volkswirtschaften richtig zu schwächeln beginnen, kamen aus den USA eher wieder ermutigende Signale. Der "Empire State Index", der Konjunkturindex des Staates New York, stieg unerwartet auf 2,77 Zähler von minus 4,92 Punkten im Vormonat. Das ist der höchste Wert seit Januar. Analysten hatten im Schnitt mit minus 4,4 Punkten gerechnet. Auch die amerikanische Industrieproduktion im Juli überraschte mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent zum Vormonat. Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 0,1 Prozent gerechnet. Der Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan blieb dagegen mit 61,7 Punkten nach 61,2 Zählern im Juli leicht hinter den Erwartungen zurück.

Der L-Dax ging 0,36 Prozent tiefer bei 6.440,76 Punkten ins Wochenende. Am Abend bröckelten die Notierungen an der Wall Street etwas ab. Der Markt nahm aber mit Erleichterung auf, dass die Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bonitätsnote für die beiden angeschlagenen US-Anleiheversicherer MBIA und Ambac vorerst nicht herunterstufen will. S&P behielt aber seinen negativen Ausblick für die beiden Unternehmen bei. Das könnte in den nächsten zwei Jahren noch eine Herabstufung nach sich ziehen.

Henkel in Mode

An der Dax-Spitze notierte die Vorzugsaktie von Henkel. Händler konnten keinen konkreten Grund ausmachen. "Allerdings hat Estee Lauder am Vortag sehr starke Zahlen und eine guten Ausblick vorgelegt - das hebt die Stimmung im Konsumgütersektor", sagte ein Marktteilnehmer.

Auch die MAN-Stammaktie hielt sich den ganzen Tag über gut. Goldman Sachs hatte den Dax-Titel auf seine "Conviction Buy List" gesetzt. Das von 120 auf 86 Euro gesenkte Kursziel biete immer noch ein Aufwärtspotenzial von 28 Prozent, meinten Händler.

Unklare Lage bei Conti-Verhandlungen
Am Nachmittag sprang die Conti-Aktie vorübergehend an. Der Dax-Konzern habe sich mit der Schaeffler-Gruppe in den Kernpunkten geeinigt, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Verhandlungskreise. Continental akzeptiere den Einstieg des fränkischen Angreifers mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent. Im Gegenzug bessere Schaeffler sein Angebot nach. Es könnte letztlich auf einen Preis um 75 Euro je Aktie herauslaufen, habe "eine Person mit direkten Kenntnissen vom Stand der Verhandlungen" gesagt. Bisher bietet Schaeffler 70,12 Euro je Conti-Aktie. Conti und Schaeffler lehnten eine Stellungnahme ab. Die Nachrichtenagentur dpa-AFX meldete dagegen, eine Einigung sei noch fern.

Merck mitgehangen
Dagegen litt die Aktie der Darmstädter Merck unter schlechten Nachrichten des Konkurrenten Chi Mei Optoelectronics. Der zweitgrößte taiwanesische LCD-Hersteller hat seine Pläne für den Bau einer LCD-Module-Fabrik in Vietnam vorläufig ausgesetzt. Man halte an der geplanten Produktionskürzung fest, bestätigte das Unternehmen. Merck stellt Flüssigkristalle für Flachbildschirme her.

Teva und Stada?
Die Aktie von Stada setzte sich mit einem Plus von rund 13 Prozent an die MDax-Spitze. Der weltgrößte Generika-Hersteller Teva Pharmaceutical Industries ist laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung "Globes" an der Übernahme des MDax-Unternehmens interessiert, berichtete die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Sowohl Stada als auch der israelische Teva-Konzern lehnten einen Kommentar ab.

Burda und ProSieben?
Auch um ProSiebenSat.1 rankten sich Einstiegsspekulationen. Händler verwiesen auf einen Bericht des Börsenbriefs "Actien-Börse". Demnach denkt der Medienkonzern Burda über einen Einstieg, aber keine Komplett-Übernahme nach.

Land unter bei Colonia
Im SDax brach die Aktie von Colonia Real Estate um rund zwölf Prozent ein. Die Immobilienfirma hat nach einem Verlust im ersten Halbjahr ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr einkassiert. Das Konzernergebnis soll statt 72 bis 75 Millionen Euro nur noch 20 bis 25 Millionen Euro erreichen. "Aufgrund der hohen Prognoseunsicherheit im aktuellen Marktumfeld hat sich die Gesellschaft entschieden, die Jahresprognose um zukünftige Bewertungsergebnisse zu korrigieren", teilte Colonia mit.

Wird die KfW ihr IKB-Paket los?
Die IKB-Aktie erholte sich um rund 13 Prozent. Die Verhandlungen über den Verkauf des KfW-Anteils der angeschlagenen Mittelstandsbank stehen laut dem "Handelsblatt" kurz vor dem Abschluss. Der Präsidialausschuss der KfW treffe sich in der nächsten Woche, um zu entscheiden, an wen die Düsseldorfer Bank verkauft werden soll, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Die bundeseigene KfW wollte sich weder zum geplanten Verkauf noch zum Termin der nächsten Sitzung des Präsidialausschusses äußern.

MVV gut im Rennen
Der Energieversorger MVV hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2007/08 das bereinigte Ebit um 27 Prozent auf 251 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 2,04 Milliarden Euro. Wegen der guten Entwicklung hob MVV seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an. Das im SDax gelistete Unternehmen rechnet nun mit einem bereinigten operativen Ergebnis von "etwas über 240 Millionen Euro". Das wäre ein Plus von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zuvor hatte MVV einen Zuwachs von mindestens zehn Prozent in Aussicht gestellt.

Verbio steigert sich
Der Biokraftstoffhersteller Verbio hat im ersten Halbjahr seine Erlöse um 46 Prozent auf 299 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach Warentermingeschäften lag bei 3,8 Millionen Euro und wurde damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar mehr als verdreifacht.

Masterflex kommt operativ voran
Der Kunststoffspezialist Masterflex konnte seinen Umsatz im ersten Halbjahr um neun Prozent auf 69,5 Millionen Euro verbessern. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um gut acht Prozent auf 6,8 Millionen Euro. Durch eine bereits angekündigte Wertberichtigung fiel unter dem Strich aber ein Verlust an.

LPKF rudert zurück
LPKF Laser hat im zweiten Quartal mit 11,2 Millionen Euro zehn Prozent mehr umgesetzt. Das operative Ergebnis brach um 83 Prozent auf 472.000 Euro ein. Angesichts der Konjunkturabschwächung und der Probleme in China nahm der Laserspezialist seine Jahresprognose zurück. Bisher wollte man einen Umsatz von 50 Millionen Euro und eine Ebit-Marge von 13 bis 16 Prozent erreichen. Nun rechnet LPKF nur noch mit 43 bis 45 Millionen Euro und einer Ebit-Marge im oberen einstelligen Prozentbereich.

Muehlhan schreibt wieder schwarz
Die Aktie von Muehlhan konnte sich am Freitag etwas von der Drei-Euro-Marke absetzen. Der Spezialanbieter für maritimen Oberflächenschutz hat im ersten Halbjahr einen Umsatz von 104,5 Millionen Euro und einen Gewinn von 2,0 Millionen Euro erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr 2007 hatten die Hamburger noch einen Umsatz von 92,1 Millionen Euro und einen Verlust von 2,6 Millionen Euro eingefahren.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"