Marktbericht 20:00 Uhr

Krisen? Welche Krisen? Rasanter Wochenstart für den Dax

Stand: 11.08.2014, 20:00 Uhr

Ein Handelstag, wie ihn sich Anleger wünschen: Am Montag setzte der Dax schwungvoll zum Höhenflug an, die Krisen der Vortage scheinen so gut wie vergessen zu sein. Aber wirklich gewonnen ist noch nichts, warnen Fachleute.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent auf 9.180,74 Punkten. Anleger hoffen darauf, dass die geopolitischen Spannnungen in der Ukraine und im Nahen Osten, die die Börsen weltweit zuletzt belastet hatten, langsam nachlassen. Der Dow Jones lag am Abend 0,1 Prozent im Plus. Der EuroStoxx50 legte 1,4 Prozent zu, der Late Dax schloss 1,6 Prozent fester auf 9.185,17 Punkten.

"Sollte die technische Erholung an Schwung gewinnen, wäre die waagerechte Trendlinie bei 9.425 Zählern das Ziel", kommentierte Christian Henke von IG Markets. "Ob die gute Stimmung allerdings sehr lange anhalten wird, ist eher fraglich", warnte LBBW-Analyst Werner Bader. Die Belastungsfaktoren seien nach wie vor da, die Erholung vor allem eine technische Reaktion auf den Kurseinbruch der letzten Tage.

Händler sprachen auch von Schnäppchenjägern, die die aktuellen Kurse zum Einstieg genutzt hätten. Marktteilnehmer wiesen zudem auf die sinkenden Umsätze hin: Das zeige, dass es auch ganz schnell wieder nach Süden gehen könne.

Morgen kommt der ZEW

Weder von Unternehmensseite noch von Konjukturseite standen heute wichtige Veröffentlichungen an, die die Freude hätten durchkreuzen können. "Aber es bleibt nicht die ganze Woche so ruhig, denn der Datenkalender bietet einige schwergewichtige Datenveröffentlichungen", schreiben die Fachleute der DZ Bank. Am Dienstag stehen die Ergebnisse der monatlichen ZEW-Umfrage an. Die DZ Bank erwartet, dass sie "wenig erfreulich ausfallen dürften angesichts des geopolitischen Umfelds".

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Monat
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Der Euro sackte erneut unter die Marke von 1,34 Dollar. Experten begründeten den leichten Verkaufsdruck beim Euro mit der Aussicht auf enttäuschende Wirtschaftsdaten aus dem Währungsraum. Am Donnerstag werden die BIP-Zahlen aus Deutschland und Frankreich publiziert. Nach Einschätzung des Helaba-Experten Ulrich Wortberg dürften die Daten zeigen, "dass sich die deutsche Industriekonjunktur im zweiten Quartal deutlich abgekühlt hat".

Lufthansa an der Spitze

Lufthansa legten nach aktuellen Juli-Verkehrszahlen kräftig zu. Im Juli profitierte die größte deutsche Fluggesellschaft von einem guten Geschäft mit Amerika-Flügen und mit Flügen innerhalb Europas und dem asiatisch-pazifischen Raum. Insgesamt stieg die Zahl der beförderten Passagiere um 2,5 Prozent. Die Lufthansa muaste zur Auslastung der Flieger allerdings sinkende Ticketpreise akzeptieren.

Auto-Aktien gefragt

Die zuletzt ziemlich nach unten geprügelten Autowerte liefen überdurchschnittlich gut. Conti-Aktien waren am stärksten, doch auch BMW- und Daimler-Aktien fanden sich in der Liste der Top-Gewinner wieder.

Bayer erringt kleinen Erfolg

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat eine weitere Zulassung für sein Augenmittel Eylea erhalten. Die Europäische Kommission hat das Mittel laut Bayer zur Behandlung einer reduzierten Sehschärfe im Zuge des diabetischen Makulaödems in der EU zugelassen. Eylea ist neben dem Krebsmittel Stivarga und dem Gerinnungshemmer Xarelto einer der größten Hoffnungsträger.

Bilfinger liefert magere Zahlen

Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger hat im zweiten Quartal schwach abgeschnitten. Die vor einer Woche bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkte Prognose wurde bestätigt. Nach zwei Gewinnwarnungen innerhalb von zwei Monaten hätten die vorgelegten Zahlen so gut wie keinen Einfluss mehr, hieß es von Analystenseite.

Anleger kaufen Aareal-Aktien

Die Aareal Bank könnte bald ihrer Staatshilfen zurückzahlen. Mit dem Bankenrettungsfonds SoFFin sei man sich schon einig über die fällige Entschädigung für die vorzeitige Rückgabe der Stillen Einlage, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Jetzt fehle nur noch das grüne Licht der Finanzaufsicht BaFin. In den nächsten Tagen sei das aber noch nicht zu erwarten", betonte ein Insider. SoFFin und BaFin wollten sich zum Stand der Dinge nicht äußern. Ein Aareal-Sprecher bekräftigte nur, der Immobilienfinanzierer peile weiter eine möglichst rasche Rückführung an.

QSC stürzen tief

QSC-Aktien kommen heftig unter die Räder. Das Telekom- und IT-Unternehmen kommt in seinem selbst erklärten Wachstumsbereich mit Informations- und Kommunikationstechnik nicht recht voran. Im zweiten Quartal gab es einen Verlust. Außerdem senkte das TecDax-Mitglied seine Jahresprognose auf das untere Ende der bisher genannten Bandbreiten.

Catoil hält an Zielen fest

Die Catoil-Aktie machte einen gewaltigen Sprung. Der österreichische Ölfeldausrüster hat trotz der Sanktionen gegen Russland seine Prognose für 2014 bestätigt. Außerdem will das SDax-Mitglied an seinen geplanten Investitionen festhalten. "Die Exportrestriktionen seitens der EU und der USA zielen auf spezielle Projekte der Erdölexploration und -förderung in der Tiefsee und in der Arktis sowie auf Schieferölprojekte ab", teilte das Unternehmen mit. Weder Catoil noch eine ihrer Tochtergesellschaften seien jemals in einem der genannten Bereiche aktiv gewesen.

Jungheinrich auf Kurs

Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um sieben Prozent auf 602 Millionen Euro verbessert. Der Überschuss legte dagegen dank niedrigerer Steuern um rund zehn Prozent auf 30,2 Millionen zu. Das operative Ergebnis stagnierte allerdings. Jungheinrich stimmt der gute Auftragseingang positiv. Dieser legte um elf Prozent auf 646 Millionen Euro zu.

Dürr kommt mit DBAG ins Geschäft

Der Maschinenbauer Dürr verkauft seine Sparte Flugzeug-Montagetechnik an die Broetje Automation-Gruppe, eine Tochter der Deutschen Beteiligungs-AG (DBAG). Der Kaufpreis liegt bei einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Außerdem erhält Dürr im Gegenzug einen Anteil von elf Prozent an Broetje.

Goldman Sachs und Berenberg platzieren Rhön-Aktie

Goldman Sachs und Berenberg wollen bis zu 2,91 Millionen Aktien des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum verkaufen. Sie erwarben die Aktien vom schwedischen Pensionsfonds und Rhön-Aktionär Alecta, wie Goldman Sachs mitteilte. Alecta hatte zuletzt noch gut fünf Prozent an Rhön gehalten. Zum aktuellen Rhön-Kurs wären die 2,91 Millionen Rhön-Papiere rund 67 Millionen Euro wert. Die Aktien sollen institutionellen Investoren wie großen Versicherungen und Fonds ab sofort angeboten werden. Es wird damit gerechnet, dass die Platzierung bis spätestens Dienstagfrüh abgeschlossen wird.

Puma interessiert sich für Borussia Dortmund

Der Chef des Sportartikelherstellers Puma, Björn Gulden, hat ein Interesse für einen Einstieg bei Borussia Dortmund bestätigt. "Das ist denkbar", sagte Gulden der "Wirtschaftswoche". Allerdings steht eine Entscheidung offenbar nicht so bald an. "Wir haben einen laufenden Ausrüstervertrag mit dem BVB bis 2018, sind also ohnehin langfristig mit dem Verein verbunden", sagte Gulden.

Zudem hat Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seinen Vertrag beim BVB bis zum Jahr 2019 verlängert, das beflügelte die Aktien des Fußballclubs.

SMA: Manches ist möglich

Im TecDax waren die Aktien von SMA Solar gefragt. Die Analysten von Independent Research bekräftigten derweil ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 28 Euro. Die am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen seien nach der zuvor veröffentlichten Umsatz- und Gewinnwarnung erwartungsgemäß schwach ausgefallen. Dennoch seien sie sehr solide. Im kommenden Geschäftsjahr sei eine Rückkehr in die Gewinnzone und eine Dividendenzahlung möglich.

Seven Principles enttäuscht

Die börsennotierte Unternehmensberatung Seven Principles steht an der Börse mächtig unter Druck. Im zweiten Quartal verlief das Geschäft nur verhalten. Der Umsatz sank drei Prozent auf 46,7 Millionen Euro. Das Ergebnis konnte zwar verbessert werden, lag aber immer noch im Minus. Außerdem reduzierte das Unternehmen seine Gesamtjahresprognose.

Glaxo forscht gegen Ebola

Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) will noch diesem Jahr die klinische Erforschung eines Impfstoffes gegen die bisher unheilbare Seuche Ebola beginnen. Auf der Website der US-Gesundheitsbehörde Niaid (National Institute of Allergy and Infectious Diseases) hieß es, die Phase-I-Prüfung könne bereits "im Herbst 2014" beginnen. Niaid und GSK arbeiten bei dem Mittel zusammen.

Sanofi sucht neue Umsatzquellen

Der französische Pharmakonzern Sanofi hat einen Partner für ein neues Diabetesmedikament Afrezza gefunden. Das US-Unternehmen MannKind soll das Mittel in seiner Fabrik in Connecticut herstellen. Die Amerikaner erhalten eine Vorauszahlung von 150 Millionen Dollar und erfolgsabhängige Leistungen von bis zu 775 Millionen Dollar.

ts

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"