Marktbericht 20.02 Uhr

Trotz guter US-Jobzahlen Rally bleibt ausgebremst

Stand: 06.02.2015, 20:02 Uhr

Fast sah es am Freitagnachmittag so aus, als ob die guten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt den Dax ins Plus heben würden. Aber die Dynamik war dann doch nicht stark genug.

War es der ungelöste Streit mit der neuen griechischen Regierung, die angespannte Lage in der Ukraine oder doch einfach nur die Furcht vor einer Zinswende in den USA? Der Dax konnte nach den US-Arbeitsmarktzahlen seine Verluste zwar bis auf 0,3 Prozent reduzieren, aber zu einer schwarzen Null oder gar einem echten Pluszeichen reichte es dann doch nicht. Im weiteren Verlauf des Nachmittags weitete der Leitindex seine Verluste sogar noch aus.

Am Ende steht ein Minus von 0,54 Prozent oder 59 Punkten auf 10.846 Zähler. Trotz der erneuten Schwäche bleibt auf Wochensicht ein Dax-Gewinn von 1,4 Prozent. Das ist die längste Gewinnserie seit fast einem halben Jahr. Dabei markierte der Dax Anfang der Woche mit 10.984,69 Punkten ein neues Rekordhoch.

Wann kommt die Zinswende in den USA?

Die größte Volkswirtschaft der Welt hatte im Januar deutlich mehr neue Jobs geschaffen (257.000) als von Experten erwartet worden war. Zudem wurde das Stellenplus im Dezember deutlich nach oben revidiert und auch der Lohnanstieg überraschte positiv. Marktanalyst Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel sah nur in der Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent einen kleinen Dämpfer, da sie etwas über den Prognosen lag

Damit dürfte eine Leitzinsanhebung in den USA ein Stück näher rücken. Viele Anleger erwarten einen ersten Schritt im Frühsommer. Ob die Fed aber wirklich Mitte des Jahres die Zinsen anhebt, ist unklar. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Fed im gesamten Jahr etwas unternimmt", sagte Mark Grant von Southwest Securities in Fort Lauderdale. Die Währungshüter stünden wegen der Probleme in Europa und des langsameren Wachstums in China unter Druck. Ohnehin bestehe angesichts der schwachen Inflationsraten kein Handlungsbedarf. Zudem hat die Fed jüngst betont, dass sie es trotz der florierenden Wirtschaft nicht eilig habe mit einer Zinserhöhung.

Wall Street dreht leicht ins Minus

Trotzdem will auch an der Wall Street keine wirkliche Kauflaune aufkommen. Der Dow-Jones-Index zeigte sich zunächst unverändert, drehte im weiteren Verlauf 0,2 Prozent ins Plus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow aber hauchdünn im Minus bei 17.871 Punkten.

Grund ist offenbar eine Herabstufung Griechenlands. Wegen des Konfliktes der Athener Regierung mit seinen Gläubigern hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote des Landes um eine Stufe gesenkt. Die Kreditwürdigkeit werde von bisher "B" auf "B-" gesenkt.

Euro auf Talfahrt

Den Euro haben die Arbeitsmarktdaten aus den USA allerdings auf Talfahrt geschickt. Nachdem er zuvor noch 1,1455 Dollar kostete, sind es danach nur noch 1,1390 Dollar, gut en halbes Cent weniger. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist die Gemeinschaftswährung auf 1,1333 Dollar abgerutscht.

Lufthansa warnt - Aktie knickt ein

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,32
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Bei den Einzelwerten ist die Lufthansa einer der schwächsten Werte im Dax. Die Airline warnt angesichts des Preiskampfs im Passagiergeschäft und steigender Kosten vor einer gefährlichen Lage für Europas größte Fluggesellschaft. Die Durchschnittserlöse im Fluggeschäft seien 2014 um mehr als drei Prozent gesunken, Personalkosten und Gebühren seien 2015 aber weiter nach oben gegangen, schrieben Passage-Chef Karl Ulrich Garnadt und Personalvorstand Bettina Volkens am Donnerstag in einem Brief an die Belegschaft. Dabei gehe unter dem Strich eine "Schere auf, die uns ohne Korrekturen in eine gefährliche rote Zone führt". Laut einem Lufthansa-Sprecher sind diese Worte aber nicht als drohender Verlust zu verstehen.

Bayer und Fresenius unter Druck

Auch Fresenius und Bayer schwächeln überdurchschnittlich. Während die Leverkusener unter Gewinnmitnahmen leiden, wird Fresenius von einem Kommentar von Jeffries gedrückt. Durch die Pfizer -Übernahme von Hospira sei der ursprünglich starke Wachstumsausblick der Fresenius-Sparte Kabi bedroht, schrieb Analyst Martin Brunninger. Kabi ist wie Hospira auf dem Gebiet der Infusionstechnologie tätig.

Daumen hoch für die Commerzbank

Dagegen kann die Commerzbank-Aktie gegen den Trend zulegen. Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für das Frankfurter Geldhaus auf "Overweight" mit einem Kursziel von 12,10 Euro belassen. Die Commerzbank zähle zu den größten Gewinnern des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank, meint Analyst Kian Abouhossein. Die Commerzbank-Aktie werde derzeit aber eher von einer Neubewertung der Vermögensgegenstände und nicht von den Gewinnerwartungen angetrieben. Auch die Allianz-Papiere retten sich ins Plus.

Hugo Boss schwächelt

Nach dem kräftigen Anstieg gestern, aufgrund von Heraufstufungen durch Analysten, muss die Boss-Aktie heute ihre Gewinne wieder abgeben. Das Papier ist sogar ans MDax-Ende gerutscht, obwohl es keine neuen Nachrichten zu dem Modehersteller gibt.

Bechtle in Ungnade gefallen

Im TecDax bricht die Bechtle-Aktie um knapp sechs Prozent ein, und ist damit der schwächste Wert in dem Index. Zwar stieg der Umsatz um 13,5 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro, wie das Unternehmen aus Neckarsulm am Freitag mitteilte. Vor Steuern erzielte Bechtle einen Gewinn von 107 Millionen Euro, ein Plus zum Vorjahr von etwa 20 Prozent, aber die Messlatte lag noch höher. Vielleicht machen Anleger auch einfach nur Kasse, da die Aktie seit Jahresbeginn 15 Prozent gewonnen hat.

Aufbruchstimmung bei Air-Berlin

Leichte Kursgewinne verbucht dagegen die Aktie von Air Berlin. Der neue Vorstandschef Stefan Pichler will Anfang März erste Schritte nennen, um die angeschlagene Fluggesellschaft wieder profitabel zu machen. "Ich denke, dass wir zur ITB das eine oder andere vorstellen können", sagte der Manager der Deutschen Presse-Agentur. Die Reisemesse ITB in Berlin eröffnet am 4. März. "Danach muss es Schlag auf Schlag gehen."

Rocket Internet wird Lieferheld

Kräftige Kursgewinne verbucht Rocket Internet. Die Startup-Schmiede setzt mit einer Investition von fast einer halben Milliarde Euro groß auf das Geschäft mit der Essenszustellung. Die Firma der Samwer-Brüder kauft für 496 Millionen Euro einen Anteil von 30 Prozent an der Berliner Plattform Delivery Hero.

Die drei Börsenneulinge: Ferratum, Grandvision, Sunrise

Es gibt noch drei Novizen an der Börse. In Frankfurt betrat Ferratum heute erstmals das Börsenparkett. Ein annehmbarer Start: Der erste Kurs lag bei 17,50 Euro, die Aktie kletterte weiter bis auf 18,33 Euro. Der Anbieter von Konsumentenkrediten per Mobiltelefon oder Internet hatte seine Aktien zum Preis von 17 Euro je Stück auf den Markt gebracht. Vom Emissionserlös von rund 111 Millionen Euro streichen die Altaktionäre mehr als die Hälfte ein. Nur 46 Millionen fließen ins Unternehmen, um dem Wachstum zu dienen.

Die Schweizer Börse begrüßte Neuzugang Sunrise, ein Telekomkonzern, die Nummer zwei auf dem Schweizer Telekommunikationsmarkt. Die neuen Aktien wurden zu 68 Franken platziert, der erste Kurs lag bei 70 Franken, die Aktie stieg dann auf 73,05 Euro.

Ein bisschen holpriger lief es für Börsenneuling Grandvision in Amsterdam. Die Aktie der Optikerkette, die in Deutschland unter der Marke Apollo auftritt, wurde ausgegeben zu 20,00 Euro das Stück. An der Börse fiel sie nach einem ersten Kurs von 20,08 Euro zunächst kurz unter ihren Ausgabepreis. Zuletzt erholten sie sich wieder etwas und notierte leicht darüber.

Statoil fördert rote Zahlen

Der Ölpreisverfall zwingt Statoil zu tiefen Einschnitten. Unter dem Druck des massiven Ölpreisrückgangs streicht der norwegische Energiekonzern seine Investitionen zusammen. Er zwang den Konzern zudem zu hohen Abschreibungen auf Bohrvorhaben, weshalb Statoil in die Verlustzone rutschte.

Twitter Liebling der Anleger

Zweistellige Kursgewinne verbucht die Twitter-Aktie. Der Kurznachrichtendienst hatte im vergangenen Quartal den Umsatz deutlich gesteigert. Angesichts kaum gewachsener Nutzerzahl könnte das bedeuten, dass die Werbemaschine von Twitter in Schwung kommt. Der Nettoverlust interessierte die Anleger kaum. Zum anderen bestätigte Twitter Gerüchte über den neuen Deal mit Google.

LinkedIn zurück in der Gewinnzone

Während Twitter in den tiefroten Zahlen bleibt, schaffte es LinkedIn nach drei Verlustquartalen in die schwarzen Zahlen zurück - zumindest im Schlussquartal. Das Karriere-Netzwerk steigerte zudem den Umsatz in den vergangenen drei Monaten um 44 Prozent. Das gefiel Börsianern, die Aktie legte nachbörslich um fast acht Prozent zu. Mit den angehäuften Verlusten schloss LinkedIn das Gesamtjahr allerdings mit einem Verlust von 15,3 Millionen Dollar ab.

GoPro bald ohne Nina Richardson

Sehr wachstumsstark präsentierte sich GoPro. Vor allem das gute Weihnachtsgeschäft bescherte dem Actionkamera-Spezialisten überraschend starke Verkäufe. Dennoch tauchte die Aktie nachbörslich um drei Prozent ab, nachdem GoPro ankündigte, dass die für das operative Geschäft zuständige Managerin Nina Richardson das Unternehmen verlässt.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr