Rabenschwarzer Tag für den Dax

Stand: 18.08.2011, 20:05 Uhr

Kursverluste soweit das Auge reicht: An deutschen Börsen herrschten am Donnerstag dicke Minuszeichen vor. Schwache US-Konjunkturdaten verstärkten am Nachmittag den Abwärtstrend. Zudem gehen auf dem Börsenparkett Ängste vor einem instabilen Bankensystem um.

Die US-Notenbank sei in Sorge vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf das Bankensystem, hieß es in einem Medienbericht, der an den Finanzmärkten die Runde machte. Die Gerüchte trafen am Donnerstag auf einen ohnehin geschwächten Aktienmarkt mit verunsicherten Anlegern. Der Dax hatte bereits nach mehreren Verkaufswellen deutliche Einbußen erlitten. Dabei könnten nach Händleraussagen große Verkaufsorders an den Terminmärkten einen verstärkenden Effekt gehabt haben.

Bange Nachrichten von der US-Konjunktur

Dazu kam am Nachmittag noch ein überraschend schwacher Philly-Fed-Index, der die Marktteilnehmer in helle Aufregung versetzte. Der Indikator, der Aufschluss über die wirtschaftlichen Aussichten im Nordosten der USA gibt, fiel im August auf minus 30,7 Punkte. Börsenexperten hatten dagegen mit einem leicht positiven Wert gerechnet.

Dax mit größten Verlust seit 2008

Auch die US-Börsen trudelten daraufhin drastisch in die Verlustzone. Von dem Rückschlag erholte sich die Wall Street auch bis zum Schluss des Parketthandels in Deutschland nicht. Der Dow-Jones-Index verharrte knapp vier Prozent im Minus. Der Dax hatte den Computerhandel auf Xetra 5,8 Prozent tiefer beendet, dem größten Tagesverlust seit 2008. Und auch am Abend konnte der Late-Dax nur wenig Boden gutmachen.

HP ohne PC?

Einen kleinen Lichtblick im US-Handel lieferte der Computer-Konzern Hewlett Packard. Dessen Aktie kämpfe sich ins Plus, nachdem ein Medienbericht die Runde gemacht hatte, wonach HP seine PC-Sparte abspalten will. Das Unternehmen wird nach US-Börsenschluss am Donnerstag zudem seine Quartalsbilanz vorlegen.

Gold teurer, Öl billiger

Die Krisenwährung Gold bekam im Tagesverlauf immer mehr Auftrieb. Je Feinunze stieg der Preis am Nachmittag auf ein neues Rekordhoch von 1.826 Dollar. Die Ölpreise sanken dagegen aus Angst vor einer Abschwächung der Weltkonjunktur - ein Barrel der US-Sorte WTI kostete am Donnerstagabend nur noch rund 83 Dollar.

Bankaktien unter Druck

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,94
Differenz relativ
+0,55%

Die Sorgen um das Bankensystem belasteten die Aktie der Commerzbank am stärksten und sorgten für ein Minus von knapp zehn Prozent. Das Papier fiel im Tagesverlauf unter die Marke von zwei Euro. Auch Deutsche Bank-Aktien büßten mit sieben Prozent dramatisch ein.

Daimler bekommt neuen Großaktionär

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,77
Differenz relativ
+0,65%

Der Dax-Konzern hat neben dem Emirat Abu Dhabi und dem Golfstaat Katar nun einen dritten Großinvestor an Bord. Am Donnerstagabend teilte Daimler mit, dass der Finanzinvestor Blackrock seit dem 11. August 5,72 Prozent der Anteile besitzt. Die Daimler-Aktie konnte von der Nachricht im späten Parketthandel allerdings nur leicht profitieren.

HeidelbergCement im Branchensog

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
65,92
Differenz relativ
+0,58%
MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,65
Differenz relativ
+0,16%

Der Zementhersteller litt vor allem unter schwachen Zahlen des Schweizer Konkurrenten Holcim. Dieser hatte im ersten Halbjahr die Gewinnerwartungen verfehlt und gleich noch die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Nur Merck und Fresenius-Familie ohne Schrammen

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
87,44
Differenz relativ
+0,67%
Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,54
Differenz relativ
-0,41%

Aktien von "defensiven" Titeln aus der Konsum-, Gesundheits- und Pharmabranche wie Beiersdorf, Fresenius, Merck und Fresenius (FMC) büßten vergleichsweise wenig ein. Die Verluste lagen mit jeweils etwa zwei Prozent deutlich unter denen des Gesamtmarktes.

Kabel Deutschland kann überzeugen

Im MDax gab es am Donnerstag mit Demag Cranes nur einen Kursgewinner. Zwischenzeitlich hatte es auch die Kabel-Deutschland-Aktie ins Plus geschafft. Das Unternehmen hat erstmals seit dem dritten Quartal 2009/10 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 (März) legte der Umsatz um 5,8 Prozent auf 412,1 Millionen Euro zu. Unter dem Strich fiel ein Gewinn von 8,5 Millionen Euro an - nach einem Verlust von 2,5 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Fraport will Hochtief-Anteile

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
75,74
Differenz relativ
0,00%

Der Flughafen-Betreiber will sich die ausländischen Airport-Beteiligungen des Baukonzerns einverleiben. Wie Fraport-Chef Stefan Schulte am Mittag mitteilte, hat das Unternehmen zusammen mit einem Infrastrukturfonds der Deutschen Bank ein Gebot für die Anteile abgegeben. Hochtief liegen laut Reuters noch zwei weitere Angebote vor.

Solartitel verlieren zweistellig

Im TecDax schloss nur die Aktie von Drägerwerk merklich im Plus. Deutliche Verluste verbuchten Solarworld und und Q-Cells, die jeweils rund elf Prozent an Wert verloren.

Wirecard mit Gewinnknick

Die Wirecard-Aktie büßte nur 1,6 Prozent ein. Nach endgültigen Zahlen steigerte der Internet-Zahlungsanbieter seinen Konzernumsatz um 19,4 Prozent auf knapp 78 Millionen Euro. Allerdings sank der Überschuss wegen einer höheren Steuerlast von 14,5 auf 13,1 Milliarden Euro.

Air Berlin: Von Hunold zu Mehdorn

Die Air Berlin-Aktie drehte im Tagesverlauf nach zwischenzeitlichen Kursgewinnen mit dem Gesamtmarkt ins Minus. Der Rückzug von Joachim Hunold von der Spitze des SDax-Unternehmens hatte kurzzeitig für einen Kurssprung gesorgt. Die Airline hatte am Morgen Details zum Umstrukturierungsplan bekannt gegeben. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn ist als Nachfolger von Hunold auserkoren.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr