Rabenschwarzer Abendhandel

Stand: 06.05.2010, 20:02 Uhr

Das griechische Parlament hat am Abend dem Sparpaket zugestimmt. Trotzdem geht die Talfahrt an den Aktienmärkten auch am dritten Tag in Folge weiter. Der Dax fällt sogar unter die Marke von 5.900 Zählern. Wesentlich dazu beigetragen haben unerwartet schlechte Konjunkturdaten aus den USA.

Im April legte der US-Einzelhandelsumsatz lediglich um 0,5 Prozent zu und nicht wie von Analysten erwartet um 1,7 Prozent. "Obwohl viele Leute in die Läden gehen, geben sie anscheinend nichts aus", sagte Tim Ghriskey, Analyst bei Solaris Asset Management. Elf von 17 Einzelhändlern blieben mit ihrem Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Sorge bereitet auch der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac. Das verstaatlichte Unternehmen braucht eine weitere Finanzspritze von 10,6 Milliarden Dollar und warnt gleichzeitig, wegen der Flaute am Immobilienmarkt in Zukunft weitere Hilfen zu benötigen.

Der Dow Jones Index rauscht deshalb im Handelsverlauf immer schneller in die Tiefe. Bis zum Börsenschluss in Deutschland verliert der Leitindex mehr als 150 Punkte bei 10.715. Die Technologiebörse Nasdaq fällt bis zum Abend sogar um zwei Prozent. Diesem Sog können sich auch die europäischen Aktienmärkte nicht entziehen. Der Dax weitet im Abendhandel seine Verluste weiter aus und schließt 79 Punkte (1,3 Prozent) tiefer bei 5.897. Am frühen Nachmittag war der Leitindex noch bis auf 6.009 Punkte gestiegen.

Keine Zinswende in Sicht
Auch die EZB hat es nicht geschafft, die Anleger zu beruhigen. Zwar ist die Gefahr einer Zinserhöhung in weite Ferne gerückt. Auch will die Notenbank vorerst keine griechischen Staatsanleihen kaufen. Zudem betonte Trichet, dass eine Pleite Griechenlands höchst unwahrscheinlich sei. Doch zu groß ist die Verunsicherung, als dass die Anleger zur Normalität zurückkehren könnten.

Dabei gibt es durchaus Grund zum Optimismus. So konnte die deutsche Industrie im März einen überraschenden Auftragsschub verbuchen. Das Auftragsniveau stieg preis- und saisonbereinigt um fünf Prozent zum Vormonat an. Damit war die Entwicklung deutlich besser als von Ökonomen erwartet. Sie hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg der Bestellungen um 1,9 Prozent gerechnet.

Euro zeitweise unter 1,27 Dollar
Wegen der griechischen Schuldenkrise verliert auch der Euro weiter an Wert. Am Abend kletterte die Gemeinschaftswährung zwar wieder über die Marke von 1,27 Dollar, doch der Trend weist nach unten, zeitweise fiel der Euro heute unter 1,27 Dollar, auf den tiefsten Stand seit März 2009.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,60
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+1,29%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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85,77
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+0,53%

CoBa rutscht ins Minus
Die Commerzbank-Aktie war die meiste Zeit des Tages über der größte Gewinner im Dax und legte zeitweilig um mehr als vier Prozent zu. Doch eine halbe Stunde vor Börsenschluss kommt es zu massiven Gewinnmitnahmen und das Papier rutscht ins Minus. Dabei hat Deutschlands zweitgrößte Bank im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Dazu beigetragen hat ein ungewöhnlich hoher Handelsüberschuss sowie eine gesunkene Risikovorsorge. Auf das Jahr hochrechnen lassen sich die Zahlen nicht. Deshalb warnen Börsianer auch vor allzu großer Freude.

Größte Dax-Gewinner sind die Papiere von K+S sowie BMW und Fresenius Medical Care.

BNP und die griechische Tragödie
Die führende Bank Frankreichs, BNP Paribas, hat im ersten Quartal ebenfalls die Schätzungen der Analysten übertroffen und einen Nettogewinn von 2,3 Milliarden Euro erzielt. Für Verunsicherung sorgt allerdings das hohe Griechenland-Engagement der Bank. BNP hat griechische Staatsanleihen von über fünf Milliarden Euro in ihren Büchern stehen. Die Aktie kommt deshalb bei den Anlegern nicht gut an.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
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+1,60%

Deutsche Bank abgestraft
Auch die Aktie der Deutschen Bank gerät heute mächtig unter Druck, obwohl das Geldhaus keine nennenswerten Beträge in griechische Anleihen investiert hat. Dagegen expandiert die Bank weiter in China und erhöht für gut 600 Millionen Euro ihren Anteil an der Privatkundenbank Hua Xia auf 19,99 Prozent.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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192,78
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+1,36%
Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,31
Differenz relativ
+0,35%

Allianz und Metro mit Dividendenabschlag
Auch die Allianz hatte gestern überraschend robuste Zahlen vorgelegt. Heute leiden die Titel aber unter dem Dividendenabschlag - ebenso wie Titel von Metro. Bei Metro beläuft sich der Dividendenabschlag auf 1,18 Euro je Aktie, die Allianz schüttet 4,10 Euro je Anteilsschein an ihre Aktionäre aus.

Beiersdorf: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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98,60
Differenz relativ
+1,34%

Beiersdorf über Erwartungen
Beiersdorf-Aktien haben heute nach Veröffentlichung der Quartalszahlen zunächst verloren, sind dann aber ins Plus gedreht. Der Konsumgüterhersteller hat die Erwartungen übertroffen und das Margenziel für das Gesamtjahr angehoben. Auch Konkurrent Henkel hatte gute Zahlen vorgelegt, so dass Börsianer von dem guten Abschneiden von Beiersdorf nicht wirklich überrascht waren.

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
37,44
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+0,16%

Leoni wieder schwarz
Auch die im MDax notierte Aktie des Kabel- und Bordnetzherstellers Leoni muss bis zum Börsenschluss ihre anfänglichen Gewinne wieder abgeben und beendet den Tag im Minus. Dabei ist das Unternehmen im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Bis Ende März habe das Unternehmen ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 23 Millionen und einen Jahresüberschuss von 10,1 Millionen Euro erzielt, teilte Leoni-Vorstandschef Klaus Probst bei der heutigen Hauptversammlung mit.

HeidelCement bleibt guter Hoffnung
Die HeidelbergCement-Aktie beendet den Tag ebenfalls im Minus, nachdem sie zeitweise sogar der stärkste Wert im MDax war. Im ersten Quartal hat das Unternehmen einen hohen Verlust ausgewiesen. Analysten begrüßten jedoch die unveränderte Jahresprognose. Zudem hoffen sie auf Nachholeffekte für das laufende Quartal. Die Analysten von Cheuvreux belassen die Aktie auf Outperform.

Baywa sackt ab
Unter Druck geraten ist auch die Baywa-Aktie. Der MDax-Konzern ist im ersten Quartal wegen eines geringeren Absatzes von Heizöl operativ noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Dafür lief das Geschäft mit Agrarprodukten besser, sodass Baywa-Chef Klaus Josef Lutz weiterhin optimistisch ist, die Ende März gesteckten Ziele für das laufende Jahr zu erreichen.

Gea enttäuscht
Gea-Titel verzeichnen ebenfalls kräftige Abschläge. Laut Analyst Dirk Nettling von der Commerzbank fiel der Start in das laufende Geschäftsjahr etwas schleppender als erwartet aus. Händler monierten vor allem das unter der Erwartung ausgefallene Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie die schwächer als prognostizierte Ebit-Marge.

ProSiebenSat.1 im Plus
Die Aktie des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 schafft dagegen ein kleines Plus. Konzernchef Thomas Ebeling hatte gesagt, der derzeitig positive Trend am Werbemarkt wecke Hoffnungen für das Gesamtjahr. Ob dieser Trend nachhaltig sei, lasse sich aber noch nicht absehen.

Transocean vor düsterer Zukunft
Nach der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko kommen auf das in der Schweiz ansässige Ölbohrunternehmen Transocean schwierige Zeiten zu. Aus dem Vorfall könnten Imageschäden und höhere Versicherungsprämien herrühren. Zudem drohten der Ölbohr-Industrie aufgrund der Katastrophe strengere Gesetzesvorschriften, was wiederum die Einnahmen von Transocean schmälern würde. Im ersten Quartal sank der Gewinn des Unternehmens auf 685 Millionen Dollar, nach 939 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.

Balda überzeugt nicht mehr
Um bis zu 10,7 Prozent ist die Aktie des SDax-Unternehmens heute eingebrochen. Der Handyausrüster hat zum Jahresauftakt wegen des starken Preisdrucks und verschobener Produktionsanläufe einen Gewinneinbruch von rund 70 Prozent auf 1,5 Millionen Euro verkraften müssen.

Tipp24 auf Schrumpfkurs
Auch die Tipp24-Aktie verzeichnet Verluste. Die Erlöse des Online-Wettanbieters waren zu Jahresauftakt um 15 Prozent geschrumpft, das Ebit fiel um 45 Prozent. Trotz des schlechten Abschneidens im ersten Quartal ließ Tipp24 seine Jahresprognose unverändert.

Höft und Wessel gibt die Hoffnung nicht auf
Der Automatenhersteller Höft & Wessel hat im Auftaktquartal 2010 einen Verlust von zwei Millionen Euro gemacht. Doch die Aufträge haben wieder fast das Niveau des Vorjahresquartals erreicht, weil das Unternehmen einen Großauftrag für Parkautomaten ergattern konnte. Eine Prognose für das Gesamtjahr gibt es aber nicht.

Rofin-Sinar auf der Erfolgsschiene
Seinen Gewinn kräftig steigern konnte dagegen der amerikanische Laserhersteller Rofin-Sinar. Der Nettogewinn kletterte im ersten Quartal auf 4,7 Millionen Dollar oder fünf Prozent des Gesamtumsatzes, nach 1,2 Millionen (zwei Prozent des Gesamtumsatzes) im gleichen Zeitraum des Geschäftsjahres 2009. Die Aktie reagiert aber kaum.

Süss Microtec rauscht in die Tiefe
Die Aktie von Süss Microtec gerät heute mächtig unter Druck. Der Konzern hat im ersten Quartal bei stagnierenden Umsätzen einen Verlust von 1,1 Millionen Euro eingefahren. Dass der Auftragseingang mehr als doppelt so hoch ist wie im Vorjahresquartal, beeindruckt die Anleger nicht.

Alcatel-Lucent wieder rot
Der französisch-amerikanische Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent kommt nicht in die Puschen. Nach einem kleinen Gewinn im Vorjahr ist das Unternehmen zum Jahresauftakt wieder in die roten Zahlen gerutscht und verbuchte einen Verlust von 515 Millionen Euro. Entsprechend enttäuscht reagieren die Anleger.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen