Prügel zum Geburtstag

Detlev Landmesser

Stand: 01.07.2008, 20:19 Uhr

Sein 20. Geburtstag verlief für den Dax alles andere als friedlich. Zeitweise verlor der deutsche Leitindex 2,5 Prozent. Chartexperten halten nun einen Test des Jahrestiefs von 6.167 Punkten für wahrscheinlich.

Erst in dessen Nähe böte sich wieder die Chance auf eine echte Stabilisierung, schreiben etwa die Experten von Staud Research. Der L-Dax beendete die nervöse Jubiläumssitzung 2,1 Prozent tiefer bei 6.270,06 Punkten.

Die um 16:00 Uhr veröffentlichten US-Konjunkturdaten hatten dem Dax nach einem Tagestief bei 6.260 Punkten wieder etwas nach oben verholfen. So drehte der Einkaufsmanagerindex im Verarbeitenden Gewerbe im Juni überraschend auf Wachstumskurs. Der Index kletterte von 49,6 auf 50,2 Punkte, während Volkswirte mit einem weiteren Rückgang auf 48,7 Punkte gerechnet hatten. Mit dem Wert über 50 deutet der Indikator nicht mehr auf eine wirtschaftliche Kontraktion hin. Zudem sanken die Bauausgaben in den USA im Mai mit minus 0,4 Prozent zum Vormonat nicht ganz so stark wie erwartet. Volkswirte hatten mit einem Minus von 0,5 Prozent gerechnet.

Die New Yorker Börsen drehten daraufhin sogar zeitweise ins Plus, lagen am Abend aber wieder leicht unter ihrem Vortagesniveau. Erholt zeigte sich die Aktie von Lehman Brothers, nachdem die Investmentbank Gerüchte über einen Verkauf zerstreut hatte.

Deutsche Bankaktien fallen weiter

Die deutschen Bankaktien standen dagegen weiter auf den Verkaufslisten. Dax-Schwergewicht Deutsche Bank verlor 4,4 Prozent, Postbank und Commerzbank büßten über drei Prozent ein - obwohl angeblich eine Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank immer näher rückt. Schon "in wenigen Wochen" könnten konkrete Verhandlungen beginnen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit den Gesprächen vertrauten Personen. Stärker als die schon etwas abgenutzte Konsolidierungsfantasie wirkte aber das Gerücht über eine Gewinnwarnung der Deutschen Bank, was der deutsche Branchenprimus aber rasch dementierte.

Die Aktie des Schweizer Bankriesen UBS fiel auf den tiefsten Stand seit der Fusion von UBS und Schweizerischen Bankverein. Hier kursierten Spekulationen, dass die jüngste Kapitalspritze nicht ausreicht und im zweiten Quartal weitere fünf Milliarden Dollar an Abschreibungen anfallen könnten.

Bremsspuren in den USA
Am Abend trudelten die ersten Autoabsatzzahlen aus den USA im Juni ein. Danach haben die Absätze von Daimler und Volkswagen gegenüber dem Vorjahreswert stagniert, während Porsche einen deutlichen Absatzeinbruch von 19 Prozent einstecken musste.

T-Aktie vorn
An der Dax-Spitze hielt sich bis zum Xetra-Schluss die Aktie der Deutschen Telekom. Die Analysten von JP Morgan erhöhten ihr Anlageurteil von "Neutral" auf "Overweight" erhöht.

Das Dialyse-Unternehmen Fresenius Medical Care legte um gut ein Prozent zu. Der quirlige US-Börsenautor Jim Cramer hatte den Wert in einer Fernsehsendung empfohlen und auf die starke Stellung von FMC auf dem US-Markt verwiesen.

Infineon-Aktie bricht ein
Über zwölf Prozent verlor die Infineon-Aktie. Die Analysten von BNP Paribas dämpften die Übernahmefantasien um den Chipkonzern. Sie stellten fest, dass wohl keiner der gehandelten Kandidaten wie NXP, Texas Instruments oder Broadcom Infineon übernehmen werde, teilweise aus Geldmangel.

Milliardensegen für die Post
Ein leichtes Plus verzeichnete dagegen die Aktie der Deutschen Post. Nach einem Urteil des EU-Gerichts in Luxemburg erhält der Konzern eine Rückzahlung von gut einer Milliarde Euro vom Bund. 2003 musste die Post auf Druck der EU-Kommission staatliche Beihilfen zurückzahlen. Die EU warf der Post damals vor, mit diesen Mitteln unrechtmäßig den Paketdienst subventioniert zu haben. In der heutigen Entscheidung heißt es, die EU-Kommission habe nicht ausreichend nachgewiesen, dass die Paketdienstsubventionierung der Post einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil verschafft habe.

Pfleiderer kauft sich selbst
Am Abend konnte die Pfleiderer-Aktie ihren Tagesverlust etwas verringern. Der Möbel- und Bauzulieferer kündigte den Rückkauf von bis zu einer Million eigener Aktien über die Börse an. Der Kauf von bis zu 1,87 Prozent des Grundkapitals solle bis zum 25. Juli abgeschlossen werden, teilte Pfleiderer mit. Der Aktienrückkauf diene in erster Linie einem Aktienoptionsprogramm. Zudem sollten eigene Aktien für Akquisitionen genutzt werden.

Qiagen übernimmt US-Wettbewerber
Der Qiagen-Aktie half eine Übernahme nicht vom Fleck. Das Biotechunternehmen übernimmt den Konkurrenten Corbett Life Science für 66 Millionen Dollar in bar sowie vier Millionen Dollar in Qiagen-Stammaktien. Die beiden Unternehmen vereinbarten Meilenstein- und variable Zahlungen über die kommenden vier Jahre. Am Markt wurde die ausbleibende Reaktion vor allem mit dem schwachen Marktumfeld und dem eher moderaten Umsatzbeitrag der Akquisition begründet.

Deutsche Wohnen unter Druck
Im SDax beschleunigte der Immobilientitel Deutsche Wohnen seinen Abstieg mit einem Verlust von bis zu 19,5 Prozent. Vergangene Woche hatten die Analysten von Merrill Lynch ihr Kursziel für das Papier drastisch von 10,00 auf 3,00 Euro heruntergesetzt - ein weiterer Hinweis darauf, wie viel auf Kursziele im Allgemeinen zu geben ist.

Vivacon verkauft Wohnungspaket
Ein anderer Branchenvertreter im SDax war dagegen gefragt. Vivacon meldete den Verkauf eines Portfolios von mehr als 2.000 Wohnungen. Das vorläufige Transaktionsvolumen belaufe sich ohne Grundstücke auf rund 80 Millionen Euro, teilte der Konzern mit. Vivacon erwarte aus dem Abschluss jährliche Erbauzinseinnahmen von zunächst 860.000 Euro. Der Vorstand bestätigte die Prognose, wonach der Gewinn in diesem Jahr 60 Millionen Euro erreichen soll.

Estavis vertröstet auf nächstes Jahr
Auch das Immobilienunternehmen Estavis gab den Verkauf zweier Immobilienportfolios bekannt. Für 61 Millionen Euro gingen die beiden Pakete an eine Vermögensverwaltungsgesellschaft aus der Schweiz und einen britischen Fonds. Da die Einnahmen erst im kommenden Geschäftsjahr ergebniswirksam werden, erwartet Estavis, dass Umsatz und Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr unter dem Vorjahresniveau liegen werden.

HSBC stuft Arques herunter
Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Arques verlor zehn Prozent. Die HSBC stufte den SDax-Titel von "Neutral" auf "Underweight" herab, das Kursziel wurde von 12,50 auf 5,00 Euro gesenkt.

Fluxx heißt ab sofort Jaxx
Seit heute hat der bisher Fluxx genannte Lottovermittler einen neuen Namen. Die Umfirmierung der Fluxx AG in Jaxx AG sei ins Handelsregister eingetragen worden, meldete das Unternehmen am Dienstag. Im Mai hatte die Hauptversammlung die Namensänderung beschlossen. Die Aktionäre folgten damit dem Vorschlag des Vorstands, mit der Umfirmierung die Verbindung zu den Jaxx-Produkten und -Angeboten zu verstärken.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr