Prima Klima an der Börse

von Notker Blechner

Stand: 18.01.2011, 20:05 Uhr

Die Finanzprofis strotzen vor Zuversicht. Sie glauben an die Fortsetzung des deutschen Aufschwungs. Der Optimismus steckt auch die Börsen an. Nach tagelangem Winterschlaf ist der Dax zu neuem Leben erwacht - trotz mehrerer Dämpfer aus den USA.

Das deutsche Börsenbarometer schwang sich zu neuen Höhen auf und nahm die nächste 100er-Hürde. Der Dax kletterte erstmals seit Juni 2008 wieder über die 7.100 Punkte-Marke. Mit 7.143 Punkten beendete er den Xetra-Handel fast ein Prozent höher. Im späten Parketthandel ging es noch weiter nach oben. Der L-Dax schloss bei 7.149 Zählern. In den letzten Tagen war der Dax bei rund 7.070 Punkten auf der Stelle getreten.

Als Kursstütze erwiesen sich die US-Börsen. Nachdem sie am Montag feiertagsbedingt geschlossen waren, legten sie am Dienstag leicht zu. Der Dow Jones zog um 0,5 Prozent an, die Nasdaq drehte am Abend leicht ins Plus.

Dämpfer von Apple

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,67
Differenz relativ
-1,80%

Dämpfer von der Citigroup
Nicht einmal schwache Zahlen der Citigroup und schlechte Nachrichten von Apple konnten den Börsianern die Stimmung verderben. Zwar schaffte die Citigroup einen Milliarden-Gewinn. Mit vier Cent je Aktie blieb das Ergebnis der US-Großbank aber klar unter den Prognosen von acht Cent je Titel. Die Aktien sackten um sechs Prozent ab.

Was wird aus Apple?
Die Apple-Aktien gerieten ebenfalls an der Wall Street unter Druck, nachdem sie tags zuvor an der Frankfurter Börse eingebrochen waren. Die erneuten Gesundheitsprobleme von Apple-Boss Steve Jobs verunsichern die Anleger. Der charismatische Firmengründer, der maßgeblich für den Erfolg des iPhone und des iPad verantwortlich ist, hatte am Montag eine Auszeit auf unbestimmte Zeit angekündigt. Mit Spannung fiebern Anleger nun den Quartalszahlen von Apple entgegen, die am späten Abend nach US-Börsenschluss eintrudeln - zusammen mit den Zahlen von IBM.

US-Konjunkturdaten ohne Impulse
Die durchwachsenen US-Konjunkturdaten ließen die Anleger relativ kalt. Während sich die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im Bundesstaat New York weiter aufhellte und der Empire State Index in etwa die Erwartungen traf, blieb die Stimmung unter den Häuslebauern unverändert. Experten hatten mit einer leichten Verbesserung des NAHB-Hausmarktindex gerechnet.

Das "kleine deutsche Wirtschaftswunder"
Euphorie herrschte dagegen an der deutschen Konjunkturfront. Der ZEW-Index, der die Stimmung deutscher Finanzexperten misst, stieg überraschend stark auf 15,4 Punkte. Erwartet worden waren gerade mal 6,8 Zähler. Analysten werteten die ZEW-Daten als Zeichen dafür, dass der starke deutsche Aufschwung 2011 anhalte. Ein Händler fühlte sich gar an Wirtschaftswunder-Zeiten erinnert.

Der ZEW-Index schob zeitweise den Euro an. Die Gemeinschaftswährung stieg auf über 1,34 Dollar, fiel am Abend aber wieder unter diese Marke. Die EU-Finanzminister konnten sich am Abend noch nicht auf eine Ausweitung des europäischen Rettungsschirms einigen. Eine Entscheidung darüber wurde bis zum EU-Gipfel im März vertagt.

IEA warnt vor Ölpreis von über 100 Dollar
Der Ölpreis gab leicht nach. Händler verwiesen auf die Wiederinbetriebnahme der für einige Tage geschlossenen Ölleitung in Alaska. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 0,4 Prozent auf rund 97 Dollar. Autofahrer spürten davon nichts: Der Benzinpreis kletterte am Dienstag bundesweit auf über 1,50 Euro. In Paris warnte derweil die Internationale Energie-Agentur (IEA) vor hohen Ölpreisen, die die Wirtschaftserholung bremsen könnten. Anleger und Verbraucher würden leiden, wenn der Ölpreis die 100 Dollar pro Barrel übersteigen werde. Für 2011 rechnet die IEA mit einem Anstieg des Ölverbrauchs von rund 1,6 Prozent auf 89,1 Millionen Barrel pro Tag.

Infineon führt den Dax an
Größter Dax-Gewinner war die Infineon-Aktie mit einem satten Plus von rund fünf Prozent. Ein Analyst der US-Bank Goldman Sachs hat in einer Studie die Gewinnschätzungen für die europäische Chip-Branche angehoben. Hinzu kamen vielversprechende Nachrichten aus Asien. Der japanische Chiphersteller Elpida will angeblich noch in diesem Monat die Preise für Speicherchips anheben.

Casino reißt Metro mit
Knapp hinter Infineon landeten die Papiere von Metro. Sie legten vier Prozent zu. Der Handelskonzern profitierte von starken Umsatz-Zahlen des französischen Konkurrenten Casino.

Gerüchte um Deutsche Post
Stark gefragt waren ebenfalls die "Aktien Gelb" der Deutschen Post. Sie zogen um 2,5 Prozent an. Am Markt gab es Spekulationen, dass der Logistik-Konzern einen Aktienrückkauf und eine Sonderdividende plane.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
Differenz relativ
-0,36%

Lkw-Bauer im Visier der Kartellwächter
Die Ermittlungen der EU-Kommission gegen die Lastwagen-Hersteller MAN, Scania und Daimler wegen möglicher Preisabsprachen und die Durchsuchung von Büros konnten den Kursen so gut wie nichts anhaben. Die MAN-Aktien schlossen 1,5 Prozent, die Daimler-Titel sogar fast drei Prozenthöher. Nur die VW-Papiere gaben ein Prozent nach. Sie lagen allerdings schon vor Bekanntgabe der Razzia im Minus.

Morgan Stanley mag am liebsten Daimler
Daimler profitierte auch von einem positiven Analysten-Kommentar. Morgan Stanley stufte am Dienstag die Daimler-Aktien auf "Overweight" hoch und stellte sie in der Präferenzliste über die Titel von BMW.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
188,20
Differenz relativ
+0,19%

Rückversicherer fallen in Ungnade
Dagegen brachten negative Analysten-Kommentare die Rückversicherer unter Druck. Die Aktien der Münchener Rück zählten zu den wenigen Dax-Verlierern. JP Morgan senkte das Kursziel auf 134 Euro und bestätigte die "Neutral"-Einschätzung. Auch die Aktien des im MDax notierten Rückversicherers Hannover Rück litten unter JP Morgan. Die Fachleute senkten Kursziel und Rating.

Axel Springer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,95
Differenz relativ
+2,89%

Sky im Rampenlicht
Im MDax waren die Medienwerte die Stars des Tages. Eine positive Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs hievte die Aktie von Sky Deutschland an die Spitze der zweiten Börsenliga. Die Papiere des Pay-TV-Senders gewannen rund sechs Prozent.

Springer schnappt sich Immobilienportal
Knapp dahinter folgten die Papiere von Axel Springer mit einem Zuwachs von vier Prozent. Der Medienkonzern steht kurz vor der Übernahme des französischen Immobilienportals Seloger.com. Springer erhöhte die Offerte von 34 auf 38,05 Euro. Das Seloger-Management gab daraufhin seinen Widerstand auf und empfahl den Aktionären, das Angebot anzunehmen.

Schlott-Insolvenz lastet auf HeidelDruck
Auf der Verliererseite standen die Titel von Heidelberger Druck mit einem Minus von über drei Prozent. Sie litten unter der Insolvenz der Druckerei-Gruppe Schlott. Das Unternehmen aus Freudenstadt reichte am Dienstag den Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Nüprnberg ein. Die Schlott-Aktien setzten ihren gestrigen Kurseinbruch fort und verloren erneut acht Prozent.

Solarförderung wird weiter gekürzt
Im TecDax war vom Apple-Blues nichts zu spüren. Im Gegenteil: der Index sprang um über ein Prozent nach oben - angeführt von Solarwerten. Die Aktien von Roth & Rau verteuerten sich um über zehn Prozent, die Papiere von Q-Cells und Solarworld um acht Prozent. Laut Presseberichten haben sich Vertreter der Photovoltaik-Branche angeblich mit dem Bundesumweltministerium auf eine Änderung der Solarförderung verständigt. Die Bundesregierung will die Einspeisevergütung um bis zu 15 Prozent Mitte Juli kappen - ein halbes Jahr früher als geplant. Mit dem Kompromiss will die Solarwirtschaft eine drohende Deckelung vermeiden. Ein Händler sprach zudem von ermutigenden Nachrichten aus Abu Dhabi, wo ein wichtiger Energie-Kongress stattfindet.

Kein Verfahren gegen Solar Millennium?
Im späten Parketthandel waren die Aktien von Solar Millennium gesucht. Sie stiegen um 1,5 Prozent auf über 18 Euro. Nach Angaben des "Handelsblatt" wird die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren gegen das Solarkraftwerks-Betreiber einleiten. Es gebe offenbar keine Anhaltspunkte für eine unrichtige Darstellung in der Bilanz.

Wirecard kooperiert mit Chinesen
Aktien des im TecDax notierten Zahlungsabwicklers Wirecard gewannen mehr als fünf Prozent. Das Unternehmen gab am Morgen bekannt, dass es mit einem chinesischen Branchenkollegen zusammenarbeiten werde.

Delticom tritt auf die Bremse
Der Internet-Reifenhändler Delticom hat im vierten Quartal von der Winterreifen-Pflicht profitiert, allein im vierten Quartal stiegen die Erlöse um fast die Hälfte. Wegen des guten Wintergeschäftes erhöhte sich der Umsatz im vergangenen Jahr auf 419,4 Millionen Euro. Bei der Ebit-Marge erreichte Delticom 11,4 Prozent. Für das laufende Jahr ist Delticom aber vorsichtiger. Der Reifenhändler rechnet mit einem etwas abgebremsten Wachstum. Die Aktien schlossen leicht im Minus.

Modefirmen glänzen
Der Modekonzern Tom Tailor hat das Weihnachtsquartal mit einem Umsatzplus beendet. Die Firma meldete für die wichtigen Wochen rund um Weihnachten einen Anstieg der Erlöse um 8,8 Prozent. Bei den E-Shops waren die Zuwächse noch größer. Die Aktien gehörten mit einem Plus von fast drei Prozent zu den größten SDax-Gewinnern.

1,5 Prozent zulegen konnten die Aktien von Gerry Weber. Der Branchenkollege Gerry Weber hat im vergangenen Geschäftsjahr das Ebit um fast 17 Prozent auf 83,3 Millionen Euro gesteigert, der Umsatz stieg auf voraussichtlich 690 Millionen Euro erzielt zu haben. 2010/11 rechnet die Firma mit einer Ebit-Marge von mehr als 14 Prozent.

Zahlen von Immo-Firmen
Zwei Immobilienkonzerne legten am Morgen Zahlen zu ihren Verkaufs- und Vermietungsleistungen vor. Patrizia hat im vergangenen Jahr 801 Wohn- und Gewerbeimmobilien verkauft. Gegenüber 2009 entspreche dies einem Anstieg von rund einem Fünftel und liege über den eigenen Planungen, teilte die Firma mit. DIC Asset meldete, dass die Firma derzeit Immobilien mit einer Gesamtfläche von 256.000 Quadratmetern vermiete, was gegenüber 2009 einer Zunahme von vier Prozent entspreche. Zudem habe man im vergangenen Jahr Objekte im Wert von 132 Millionen Euro verkauft, ließ DIC Asset wissen. Die Zahlen kamen an der Börse gut an: Beide Aktien zogen kräftig an.

Eurotunnel trotzt dem Wintereinbruch
Aus dem Ausland meldete Eurotunnel Umsatzzahlen. Der Quartalsumsatz kletterte um 29 Prozent trotz des schlechten Wetters im Dezember. Vor allem die Transporte von Lkw durch den Tunnel zogen massiv an. Die Aktien des Kanaltunnel-Betreibers legten rund fünf Prozent zu.

Lindt&Sprüngli macht Lust auf Süßes
Appetit machten den Anlegern die Zahlen von Lindt & Sprüngli. Der Schweizer Schokoladenhersteller wuchs im abgelaufenen Jahr um rund sieben Prozent, weil sich viele Verbraucher wieder etwas Luxus gönnen. Allerdings machte der starke Franken dem Schweizer Konzern zu schaffen. Die Aktien von Lindt stiegen um 1,5 Prozent.

Boeing verschiebt Dreamliner-Lieferung
Der US-Flugzeugbauer gab am Dienstag die erneute Verzögerung seines "Dreamliners" bekannt. Die Erstauslieferung werde auf das dritte Quartal 2011 verschoben. Das konnte die Anleger aber nicht mehr schocken. Die Aktien legten rund zwei Prozent zu.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr