Portugal vermiest Anlegern den Wochenbeginn

Stand: 10.01.2011, 20:03 Uhr

Rekordabsatz-Zahlen der Autobauer, Milliarden-Übernahmen und die Hoffnung auf eine gute US-Berichtssaison - das alles ließ die Börsianer relativ kalt. Stattdessen schauten sie besorgt auf Portugal. Das Land droht das nächste Opfer der europäischen Schuldenkrise zu werden.

Der Dax begann die neue Woche so wie er die alte beendet hatte: mit Verlusten. Das deutsche Börsenbarometer sackte um 1,3 Prozent auf 6.857 Punkten ab. Das ist der tiefste Stand seit Anfang Dezember. Im späten Parketthandel reduzierten sich die Kursverluste etwas. Der L-Dax schloss bei 6.885 Zählern. Für Entlastung sorgte die Wall Street. Der Dow baute seine Kursverluste etwas ab. Die Nasdaq drehte gar ins Plus.

EU-Schuldengespenst kehrt zurück

Für Verunsicherung an den Märkten sorgte - mal wieder - die europäische Schuldenkrise. Die Anleger fürchten eine Ausweitung der Krise. An den Märkten wird spekuliert, dass Portugal als nächstes unter den EU-Rettungsschirm flüchten wird. "Es setzt sich mehr und mehr die Meinung durch, dass Portugal die weiße Fahne schwenken und den Rettungsschirm akzeptieren sollte", meinte ein Analyst aus London. Portugal will in dieser Woche ebenso wie Spanien und Italien Anleihen am Finanzmarkt platzieren. Gerüchte, dass Deutschland und Frankreich Portugal drängten, unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, wurden heftig dementiert.

"Die Krise ist noch nicht überwunden", erklärte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf dem Neujahrsempfang des Geldinstituts in Berlin. Den Euro sieht er aber nicht in Gefahr. Dies, so Ackermann, sei keine Krise des Euro, sondern eine Krise einzelner Staaten mit Budgetproblemen.

Ölpreis zieht nach Leck in Alaska-Pipeline an
Der Euro fiel zeitweise auf unter 1,29 Dollar, erholte sich bis zum Abend wieder etwas und notierte bei rund 1,2950 Dollar. Der Ölpreis zog derweil kräftig an. Ein Barrel der US-Sorte WTI verteuerte sich um über einen Dollar auf 89,29 Dollar. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent stieg um zwei Dollar auf 95,35 Dollar. Schuld daran war unter anderem ein Leck in einer wichtigen Öl-Pipeline in Alaska, die von einer BP-Tochter betrieben wird. Die Pipeline, die 15 Prozent der US-Erdölförderung transportiert, musste vorläufig geschlossen werden. Die Ingenieure der BP-Tochter arbeiten fieberhaft, das Leck wieder abzudichten. Die BP-Aktien büßten zwei Prozent ein.

Warten auf Alcoa

Von der europäischen Schuldenkrise etwas ablenken könnte am Dienstag Alcoa. Der Aluminium-Hersteller läutet am Abend traditionell nach Börsenschluss die mit Spannung erwartete US-Berichtssaison ein. Vieles deutet auf einen guten Auftakt hin. Wegen des höheren Aluminiumpreises prognostizieren Analysten einen Gewinn von 0,18 Dollar je Aktie - nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum. Am Freitag hatte der von Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführte Konzern einer Ausweitung seiner Produktion angekündigt. Insgesamt rechnen Analysten mit einem deutlichen Gewinnschub der US-Firmen. Laut einer Schätzung von Thomson Reuters dürften die im S&P 500 gelisteten Unternehmen im abgelaufenen Jahr 37 Prozent mehr verdient haben.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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28 Verlierer, zwei Gewinner
Nur zwei Dax-Aktien konnten am Montag zulegen: HeidelbergCement und ThyssenKrupp. Die Aktien von HeidelbergCement drehten ins Plus nach der Bekanntgabe eines großen Sparprogramms. Der Baustoffkonzern will mit "Fox 2013" in den nächsten drei Jahren die Kosten um 200 Millionen Euro senken.

ThyssenKrupp profitierte von einem positiven Analysten-Kommentar. Merrill Lynch hat das Kursziel für ThyssenKrupp von 38 auf 41 Euro angehoben und die Einstufung auf "buy" belassen. Außerdem bekräftigte der Konzern, dass die Genehmigung für das neue Stahlwerk in Brasilien wie geplant im Frühjahr erfolgen soll - trotz der Panne im Dezember. Im Werk war Graphitstaub in die Umgebung gelangt. Daraufhin wurde ein Bußgeld von 1,2 Millionen Euro gegen den Industriekonzern verhängt.

Siemens gut ins neue Geschäftsjahr gestartet
Im späten Parketthandel drehten auch die Siemens-Aktien ins Plus. Denn der Elektrokonzern ist gut ins neue Geschäftsjahr 2010/11 gestartet. Der Auftragseingang habe im ersten Quartal von Anfang Oktober bis Ende Dezember sehr stark zugelegt, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Analysten-Präsentation von Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser. An den Wert des vierten Quartals seien die Orders aber nicht herangekommen. Der Umsatz habe über 17,4 Milliarden Euro überschritten, sei aber unter den 21,2 Milliarden Euro des Vorquartals geblieben. Das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft liege bei über 1,5 Milliarden Euro.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank schürt Spekulationen
Größter Dax-Verlierer war die Commerzbank mit einem Minus von über drei Prozent. Das lag zum einen an der europäischen Schuldenkrise, aber auch an neuerlichen Sorgen vor einer Kapitalerhöhung. Diese löste Finanzvorstand Eric Strutz mit seiner optimistischen Aussage aus, dass die Bank auch im vierten Quartal operativ ein positives Ergebnis erwirtschaftet habe. Noch im November hatte das Geldinstitut mit einem Verlust im vierten Quartal gerechnet. "Wenn die Bank positive Nachrichten streut, bereitet sie vielleicht eine erste Kapitalerhöhung vor", meinte dazu Analyst Olaf Kayser von der LBBW. Das belastete wohl den Aktienkurs.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autobauer schalten 2011 Gang zurück
Zwiespältige Nachrichten gab es von den deutschen Autobauern auf der AutoShow in Detroit. Zwar verkündeten VW, BMW, Daimler & Co glänzende Absatzzahlen für 2010, zeigten sich aber für 2011 vorsichtiger. BMW berichtete über das zweitbeste Verkaufsjahr aller Zeiten, Daimler gab ein Absatzplus von 15 Prozent bekannt, und VW vermeldete mit 7,14 Millionen verkauften Fahrzeugen einen neuen Absatzrekord für das vergangene Jahr. Mit 1,22 Millionen verkauften Autos behauptete sich BMW knapp vor Mercedes und Audi als führender deutscher Premium-Hersteller.

Für das laufende Jahr traten die Autohersteller jedoch auf die Euphorie-Bremse. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, es sei unrealistisch, das Absatzplus von 2010 in diesem Jahr wiederholen zu können. BMW-Vertriebschef Ian Robertson rechnet für 2011 nur noch mit einem leichten Zuwachs von 1,46 auf 1,5 Millionen Fahrzeugen. Und selbst VW-Chef Martin Winterkorn zeigte sich vorsichtig. Trotz des Absatzrekords rechne er nicht damit, Toyota schneller als geplant vom Thron zu stoßen. Die Auto-Aktien gaben allesamt leicht nach.

Danisco-Übernahme gibt Symrise Auftrieb
Übernahmefantasien beflügelten die Papiere von Symrise im MDax. Sie gewannen knapp drei Prozent. Der US-Chemieriese Dupont will den dänischen Lebensmittel-Zusatzstoff-Produzenten Danisco für 5,8 Milliarden Dollar schlucken. Die Danisco-Aktionäre bekommen 665 Dänische Kronen je Aktie geboten. Die Übernahmeofferte von DuPont liegt etwa 25 Prozent über dem Danisco-Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Die Dupont-Aktie verlor zwei Prozent, während die Danisco-Aktie nach oben schoss.

Lanxess: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lanxess-Chef warnt
Auf der anderen Seite befanden sich die Lanxess-Aktien stark unter Druck. Sie verloren fast fünf Prozent. Der Chemiekonzern gab einen sehr vorsichtigen Ausblick. Wegen auslaufender Konjunkturprogramme im In- und Ausland sei man skeptisch, sagte Lanxess-Chef Axel Heitmann der "Bild"-Zeitung. Besorgniserregend seien auch der Anstieg der Staatsverschuldung und der Trend zum Protektionismus.

Kursrutsch bei Gildemeister
Deutliche Kurseinbußen musste auch Gildemeister hinnehmen. Die Aktien büßten sieben Prozent ein, zeitweise war das Minus zweistellig. Mit dem operativen Geschäft habe dies nichts zu tun, versicherte der Gildemeister-Chef Rüdiger Kaptza. Er erklärte sich den Kursrutsch mit dem Verkauf eines größeren Aktienpakets. Kapitza zeigte sich mit dem Verlauf des Geschäftsjahrs ztufrieden und versprach, dass 2011 "deutlich besser als das Vorjahr" ausfallen werde. Der Auftragsbestand liege bei über 700 Millionen Euro.

WestLB treibt Kuka nach oben
Größter Kursgewinner im SDax war Kuka mit einem Plus von fast fünf Prozent. Ein positiver Analystenkommentar beflügelte die Papiere. Die WestLB hob das Kursziel für den Roboterhersteller von 20,50 Euro auf 25 Euro an und empfahl die Aktien weiterhin zum Kauf. Die Maschinenbau-Titel hätten in den kommenden Monaten weiter Aufwärtspotenzial, meinte der WestLB-Analyst.

Für Singulus scheint die Sonne
Der Anlagenbauer Singulus meldete derweil einen neuen Millionenauftrag. Ein europäischer Hersteller habe weitere fünf Maschinen zur Produktion von Dünnschicht-Solarzellen im Wert von über 30 Millionen Euro bestellt, teilte die Firma am Morgen mit. Branchenkreisen zufolge handelt es sich bei dem Kunden um die französische Avancis, eine Tochter des Baustoffkonzerns Saint Gobain, die in Korea eine dritte Solarzellenfabrik baut. Die Singulus-Aktie schloss über zwei Prozent höher und zählte zu den wenigen TecDax-Gewinnern.

Auftragsflut bei Süss Microtec
Der Anlagenbauer Süss Microtec hat im vierten Quartal 2010 offenbar deutlich mehr Aufträge erhalten als ursprünglich geplant. Der Konzern berichtete, dass er in den letzten drei Monaten des Jahres Order im Wert von 50 Millionen Euro erhalten habe. Bisher hatte Süss mit 30 Millionen Euro gerechnet. Die Aktie legte am Montag rund neun Prozent zu.

Ifa Systems behält den Durchblick
Die ersten deutschen Unternehmen legten Quartalszahlen vor. So zum Beispiel die Ifa Systems. Der Augenärzte-Software-Spezialist hat im vierten Quartal das operative Ergebnis (Ebit) auf 880.000 Euro und den Umsatz um ein Drittel auf drei Millionen Euro gesteigert. Im Gesamtjahr kletterten die Erlöse um 19 Prozent auf 8,17 Millionen Euro, das Ebit noch stärker auf 1,6 Millionen Euro. Die Aktie schloss etwas höher. Der Kurs hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Bijou Brigitte verliert den Glanz
Dagegen schwächelt der Modeschmuck-Filialist Bijou Brigitte. Im abgelaufenen Jahr schrumpfte der Umsatz um drei Prozent auf 378 Millionen Euro - trotz Konsumrausch in Deutschland und trotz der Eröffnung neuer Läden. Das Unternehmen begründete die schwachen Zahlen mit Umsatzrückgängen vor allem in Spanien und Portugal. Auch das Ergebnis werde niedriger ausfallen als im Vorjahr, warnte Bijou Brigitte. Die Aktien gaben um fünf Prozent nach.

US-Konzerne auf milliardenschwerer Übernahmejagd

Im Ausland sorgten mehrere milliardenschwere Übernahmen für Gesprächsstoff. So will Duke mit dem Kauf des Rivalen Progress Energy für 13,7 Milliarden Dollar zum größten Versorger der USA aufsteigen. Das neue Unternehmen käme auf einen Börsenwert von 65 Milliarden Dollar. Die Anleger zeigten sich kaum angetan: die Duke-Aktie fiel um 1,4 Prozent, die Progress-Papiere um zwei Prozent. Auf Einkaufstour geht auch der Chemie-Gigant Dupont. Der US-Konzern plant, das dänische Unternehmen Danisco für 5,8 Milliarden Dollar zu schlucken.

Zudem arbeitet eine Gruppe von Private-Equity-Investoren an der größten fremdfinanzierten Übernahme seit der Finanzkrise. Laut Kreisen will eine Gruppe um Apollo Global Sara Lee kaufen. Der amerikanische Fleisch, Kaffee-und Tee-Konzern, der unter anderem Senseo-Kaffee und den Süßstoff Natreen vertreibt, wird mit elf Milliarden Dollar an der Börse bewertet.

Hefner kauft sich Playboy zurück
Deutlich billiger ist die Übernahme des Erotik-Konzerns Playboy. Hugh Hefner bietet den Aktionären 6,15 Dollar je Aktie, um die berühmten Bunnies wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Er stockte seine bisherige Offerte um zwölf Prozent auf. Die Playboy-Aktien schossen um knapp 20 Prozent nach oben. Sollten die Playboy-Aktionäre die Offerte annehmen, droht das Unternehmen von der Börse zu verschwinden. Der Konzern kämpft mit sinkenden Werbeeinnahmen und schrumpfenden Auflagen des Magazins. Im dritten Quartal verzeichnete Playboy einen Verlust von mehr als 27 Millionen Dollar.

Anleger-Krawalle in Bangladesch

Den größten Kursrutsch aller Zeiten gab es indes an der Börse von Bangladesch. Binnen einer Studie brach am Montag der Aktienindex um rund neun Prozent ein. Bereits am Sonntag hatte der Index 6,7 Prozent an Wert verloren. Mehrere Tausend Investoren verschafften daraufhin ihrem Ärger Luft und randalierten im Börsenviertel der Hauptstadt Dhaka, um gegen die massiven Kursverluste zu protestieren. Sie machten betrügerische Händler für den Kursrutsch verantwortlich. Die Polizei musste mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die randalierenden Anleger eingreifen. Die Börse in Bangladesch hatte 2010 den Anlegern massive Kursgewinne beschert. Die Kurse waren um über 80 Prozent gestiegen.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr