Marktbericht 20:11 Uhr

Dax auf Talfahrt Politische Börsen verunsichern Anleger

von Notker Blechner

Stand: 12.03.2014, 20:11 Uhr

An den Börsen steigt wieder die Nervosität. Das Säbelrasseln in der Krim und neue Sorgen um die Konjunkturlokomotive China drückten die Märkte europaweit tief ins Minus. Der Dax sackte auf unter 9.200 Punkte. Für Aufsehen sorgten die Jahresbilanzen mehrerer Dax-Konzerne.

Von Frühlingsgefühlen ist an den Märkten derzeit wenig zu spüren.  Im Gegenteil: die Anleger befinden sich im Stimmungstief. Die Ungewissheit um die Zukunft der Krim-Halbinsel macht den Anlegern schwer zu schaffen. Der Dax legte nach der Erholung von Vortag wieder den Rückwärtsgang ein. Er schloss 1,3 Prozent tiefer bei knapp 9.189 Punkten. Für etwas Entspannung sorgte die Wall Street. Der Dow drehte vorübergehend ins Plus. Gut eine Stunde vor Handelsende notierte er aber wieder 0,2 Prozent im Minus.

Im Würgegriff der Krim-Krise

"Das Säbelrasseln zwischen Ost und West um die Zukunft der Krim und die Unsicherheit über Liquiditätsengpässe am chinesischen Kreditmarkt locken derzeit keine Käufer an", klagte Analyst Jens Klatt von Daily FX. Vor allem die Krim-Krise drückte die Stimmung. Wenige Tage vor dem Referendum der Krim-Bewohner über  den Anschluss an Russland begann ein gemeinsames Marinemanöver der USA mit Bulgarien und Rumänien am Schwarzen Meer. Derweil einigten sich die EU-Staaten auf Sanktionen gegen Russland. Die russische Börse verlor fast drei Prozent.

Sorgen um China

Darüber hinaus blickten die Anleger sorgenvoll nach China. Nachdem vergangene Woche erstmals eine große Unternehmensanleihe ausgefallen und Peking nicht eingesprungen war, befürchten Experten weitere Zahlungsausfälle. Aufgrund der schwächelnden Konjunktur im Reich der Mitte geraten immer mehr chinesische Firmen in finanzielle Schieflage.

Euro über 1,39 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Zu den wenigen Gewinnern des Tages zählte der Euro. Die Gemeinschaftswährung überwand die Marke von 1,39 Dollar und näherte sich ihrem Jahreshoch. Dass die Industrieproduktion im Euroraum im Januar überraschend um 0,2 Prozent zurückging, ließ die Devisenhändler ungerührt. Auch Aussagen von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, die Leitzinsen noch lange niedrig zu halten, fanden kaum Beachtung.

Gold wieder gefragt

Die Furcht vor einem Einbruch der chinesischen Wirtschaft und einer Ausweitung der Krim-Krise trieb die Anleger in den sicheren Hafen Gold. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich um über ein Prozent auf 1.366 Dollar und erreichte den höchsten Stand seit sechs Monaten. Anfang Februar hatte der Goldpreis den mittelfristigen Abwärtstrend überwunden, vor kurzem gelang nun auch der Sprung über die wichtige 200-Tage-Linie.

Dagegen fiel der Kupferpreis am Mittwochmorgen auf das niedrigste Niveau seit Sommer 2010, erholte sich dann aber wieder. Manche sehen im Frühindikator "Dr. Copper" ein Warnsignal für die Märkte.

Eon allein im Plus

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einziger Dax-Gewinner war Eon. Die Aktien legten knapp drei Prozent zu. Zwar ist der Gewinn des Energiekonzerns 2013 fast um die Hälfte auf 2,2 Milliarden Euro eingebrochen. Doch einighe Anleger hatten wohl mit einer noch düsteren Bilanz gerechnet. Erleichterung machte sich breit.

Schlechter Tag für Zykliker

Schlusslicht im Dax war Henkel mit einem Minus von 2,7 Prozent. Der Konsumgüterhersteller denkt nicht an einen Rückzug aus Russland oder der Ukraine. Neben Henkel standen vor allem die zyklischen Titel unter Druck wegen der Sorgen um eine Konjunkturabschwächung in China. Die ThyssenKrupp-Aktie war zweitgrößter Verlierer hinter Henkel. Auch Titel aus der konjunkturanfälligen Autobranche wie Continental, Daimler und BMW fuhren hinterher.

K+S setzt Aktionäre auf Diät

Die Aktien von K+S fielen um rund zwei Prozent. Der Gewinn des Salz- und Düngemittelherstellers schrumpfte um knapp ein Drittel auf 435 Millionen Euro. Die Dividende soll drastisch von 1,40 Euro je Aktie auf 0,25 Euro je Aktie gekürzt werden. Analysten hatten lediglich eine Halbierung der Dividende erwartet.

Bayer gibt vielversprechenden Ausblick

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Bayer-Aktie schloss fast unverändert. Die Leverkusener zeigten sich auf einem Investorentag optimistisch, bis 2016 den Umsatz im Pharma-Geschäft um durchschnittlich acht Prozent pro Jahr zu erhöhen. Die um Sondereinflüsse bereinigte operative Rendite (Ebitda-Marge) im Pharmageschäft soll sich auf mindestens 33 Prozent verbessern.

Deutsche Post liefert mehr Dividende

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Deutsche Post konnte mit ihren Zahlen die Anleger nicht ganz überzeugen. Die Aktie fiel um über zwei Prozent. Nach einem Gewinnsprung 2013 hat der Logistikkonzern seine Dividende um 10 Cent auf 80 Cent angehoben. Der Paketboom zu Weihnachten und eine gesunkene Steuerlast sorgten für einen kräftigen Gewinnsprung. Anleger zeigten sich jedoch enttäuscht vom zu vorsichtigen Ausblick der Post.

Chemiebranche erwartet moderaten Aufschwung

Erfreuliche Nachrichten gab es aus der Chemiebranche: Nach einem starken Schlussquartal ist die Industrie mit Schwung in das neue Jahr gestartet. "Der Aufwärtstrend vom Jahresende setzt sich fort, alle Chemiesparten spüren eine Belebung", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann. Der VCI rechnet mit einem moderaten Aufschwung der Branche in diesem Jahr. Die Produktion soll um zwei Prozent, der Umsatz um 1,5 Prozent steigen. Die Aktien von BASF gaben dennoch knapp zwei Prozent nach.

MAN hofft auf besseres Jahr

Im MDax gab es ebenfalls nur einen einzigen Gewinner: die Hannover Rück. Knapp im Minus schloss die MAN-Aktie. Dabei ist die VW-Tochter 2013 tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich verbuchte der Lastwagen- und Maschinenbauer ein Minus von rund 513 Millionen Euro. MAN stellte aber für 2014 wieder schwarze Zahlen in Aussicht - ohne Sonderlasten.

DMG Mori Seiki auf Fusionskurs

DMG Mori Seiki: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktien von DMG Mori Seiki gaben um fast drei Prozent nach. Der Werkszeugmaschinenbauer, besser bekannt unter dem früheren Namen Gildemeister, hat eine neue Bestmarke beim Gewinn erzielt. Die Aktionäre sollen daran mit einer um 15 Cent auf 50 Cent angehobenen Dividende beteiligt werden. Zudem kündigten die Bielefelder an, mit ihrem japanischen Partner bis 2020 zu fusionieren.

Verkaufsempfehlung drückt Gerresheimer

Zu den größten MDax-Verlierern zählte die Gerresheimer-Aktie mit einem Minus von über fünf Prozent. Die US-Bank Goldman Sachs hat ihre Empfehlung für Gerresheimer gleich um zwei Stufen nach unten korrigiert: von "buy" auf "sell". Auch das Kursziel wurde deutlich zurückgenommen - von 64,80 auf 45,00 Euro.

Drägerwerk kürzt Dividende

Im TecDax präsentierte Drägerwerk seine endgültigen Jahreszahlen. Der Gewinn des Herstellers von Medizin- und Sicherheitstechnik schrumpfte um zwölf Prozent auf knapp 120 Millionen Euro. Das bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Sie müssen sich mit einer verminderten Dividende von 77 Cent je Stamm- und 83 Cent je Vorzugsaktie begnügen. Die Aktie schloss knapp zwei Prozent tiefer.

GfK vertröstet auf 2015

Im SDax stand die GfK-Aktie unter Druck. Deutschlands größter Marktforscher will seinen Aktionären trotz eines Nettoverlusts von 42,1 Millionen Euro wegen hoher Firmenwertabschreibungen für 2013 eine unverändert hohe Dividende zahlen. Spätestens 2015 soll GfK wieder rentabel arbeiten und kräftiger wachsen.

Ahlers zieht wieder an

Der Männermodekonzern scheint allmählich seine Durststrecke zu beenden. Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2013/14 stieg der Umsatz um neun Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Ahlers mit einem Wachstum von drei bis fünf Prozent und einem Ergebnis von etwa sieben Millionen Euro. Die Aktien von Ahlers legten leicht zu.

Großauftrag für Orad

Im späten Handel kletterten die Aktien von Orad um neun Prozent nach oben. Das israelische Hightech-Unternehmen wird eine lateinamerikanische Fernsehanstalt mit ihrer kombinierten Produktlösung aus Videoserver, Media Asset Management, Grafiken und virtuellem Studio ausstatten.

Adecco-Großaktionär macht Kasse

In der Schweiz legte am Morgen der Personaldienstleister Adecco ein beeindruckendes Zahlenwerk vor. Der Gewinn des größten Arbeitskräftevermittlers der Welt kletterte 2013 um 48 Prozent auf 557 Millionen Euro und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Analysten. Die Dividende soll um elf Prozent auf 2,00 Franken erhöht werden. Am Abend wurde bekannt, dass Hauptaktionär Jacobs einen Großteil seines Aktienpakets abstoßen will. Sein Anteil soll von derzeit rund 18 Prozent auf 2,5 Prozent sinken.

Prudential auf Allzeithoch

In Großbritannien konnte die Prudential-Aktie knapp sechs Prozent zulegen und bei 1.440 Pence ein neues Rekordhoch erobern. Der britische Lebensversicherer hat 2013 von glänzenden Geschäften in Asien profitiert und erhöht seine Dividende um 15 Prozent auf 33,57 Pence je Aktie. Mit seinen Zahlen übertraf Prudential die Erwartungen der Analysten.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr