Marktbericht 20:05 Uhr

Dax bewegt sich kaum Polit-Poker sorgt für Börsen-Stillstand

Stand: 11.02.2015, 20:05 Uhr

In Minsk geht es um Frieden für die Ukraine und in Brüssel um die Zukunft des hochverschuldeten Euro-Landes Griechenland. Gründ genug für die Anleger, ihr Pulver trocken zu halten.

Am Ende schloss der deutsche Leitindex Dax nahezu unverändert bei 10.752 Punkten. Das war ein Mini-Minus von 0,02 Prozent oder ganzen 1,7 Punkten. Das Handelsgeschehen spielte sich dabei in einer Bandbreite zwischen 10.696 und 10,791 Punkten ab. Vor den bevorstehenden politischen Weichenstellungen zum Krieg in der Ostukraine und der Zukunft Griechenlands bewegte sich nicht viel.

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"Sollte es eine positive Nachricht aus Brüssel oder aus Minsk geben, kann der Dax ganz schnell wieder auf Rekordkurs gehen", sagte ein Händler. Zumal ab März die EZB mit milliardenschweren Geldspritzen an den Markt kommt. Trotz der angespannten politischen Lage ist ein echter Abgabedruck bisher nicht auszumachen. Im Späthandel haben einige Anleger wohl doch noch kalte Füße bekommen und verkauft. Der L/E-Dax schloss bei 10.721 Punkten über 30 Punkte tiefer als der Xetra-Dax.

Minsker Verhandlungen im Blick

Das könnte sich zumindest kurzfristig aber schnell ändern, wenn die Verhandlungen über eine friedliche Lösung in der Ostukraine in der weißrussischen Hauptstadt Minks zu keinem greifbaren Ergebnis führen sollten. Zur Stunde setzen die vier Staatschefs aus Russland, der Ukraine sowie aus Deutschland und Frankreich die bisher unter Hochdruck geführten Verhandlungen auf Expertenebene fort.

Der Ausgang des Treffens bleibt jedoch völlig offen. "Dass diese Reise (der Kanzlerin) stattfindet, bedeutet einen Hoffnungsschimmer, aber auch nicht mehr", dämpfte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert die Erwartungen. Russlands Außenminister Lawrow äußerte sich hingegen optimistischer und sprach am Nachmittag von einer 70-prozentigen Chance, dass es zu einer Annäherung kommt. Daraufhin hatte der Dax sich sofort erholt und von seinen Tagestiefs gelöst. Eine Einigung wäre für die Märkte also ein starkes Signal.

Griechen-Poker in Brüssel

Der Poker um die zukünftige Finanzierung Griechenlands ist das zweite politische Thema, das die Börse in Atem hält. Es geht heute mit dem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel in eine neue Runde. Allerdings wird nicht mit einer abschließenden Einigung gerechnet, angepeilt wird der kommende Montag, wenn ein neues Treffen der Euro-Gruppe stattfindet.

Griechenlands neuer Finanzminister Varoufakis muss erstmals seinen europäischen Amtskollegen die Vorstellungen Athens zur Bewältigung der schweren Schuldenkrise vorlegen. Morgen treffen sich die Regierungschefs. Die Zeit rennt den Griechen dabei weg, denn Ende Februar läuft das bisherige Hilfsprogramm aus, das Athen neu verhandeln will. Erhält das Land einen weiteren Aufschub, wie von den neuen Machthabern gewünscht?

Märkte strafen Hellas ab

An den Märkten wird derweil mit Hellas nicht lange gefackelt - zehnjährige griechische Staatsanleihen rentieren bei fast elf Prozent und zeigen damit einen katastrophalen Vertrauensverlust an. Am Geldmarkt, also bei den ganz kurzen Laufzeiten, musste das Land heute für frisches Geld 2,50 Prozent bezahlen - zehnjährige Bundesanleihen rentieren im Vergleich bei 0,35 Prozent.

An der Athener Börse verlor der Aktienmarkt heute deutlich 4,77 Prozent. Zahlen sprechen manchmal für sich und bedürfen keines weiteren Kommentars. Gleichwohl will Griechenland nach den Worten seines Finanzministers weiter im Euroraum bleiben. Fast gleicht der Wunsch des neuen Ministers aus Athen der Quadratur des Kreises.

Euro ohne klare Richtung

Die Gemeinschaftswährung tendiert ohne klare Richtung um die Marke von 1,13 Dollar. Auch am Devisenmarkt ist Griechenland das beherrschende Thema. Nach Einschätzung von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem wird es keine schnellen Kompromisse geben. Weitere Finanzhilfen an das hoch verschuldete Land werde es nur unter strengen Bedingungen geben. Ein Scheitern der Verhandlungen dürften über das Wohl und Wehe des Euro entscheiden, betonten die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Verluste in New York weiten sich aus

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Trotz einiger Quartalsberichte blicken auch die Investoren in New York auf das EU-Treffen in Brüssel zu Griechenland. "Wir hängen in der Schwebe und warten darauf, ob es ein Feuerwerk gibt oder nicht", sagte Investmentstratege Peter Jankoskis vom Broker OakBrook Investments. Aktuell sieht es jedoch eher nach schwerer Kost aus für die Anleger. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell knapp 0,5 Prozent im Minus und bröckelt sukzessive immer weiter ab. Erwas besser geht es nur an der Technologiebörse Nasdaq, die nahezu unverändert tendiert.

RWE und Adidas an der Dax-Spitze

Ein zuletzt eher seltenes Bild an der Frankfurter Börse war der Tagessieg der beiden zuletzt wenig gefragten Aktien von Adidas und RWE. Beide Papiere legten 1,28 Prozent zu, ohne das es neue Meldungen gegeben hätte. Größter Verlierer war die Aktie der Deutschen Post. Hier deutet sich eine harte Tarifauseinandersetzung mit der Gewerkschaft Verdi an.

K+S kann sich Hoffnungen machen

Gefragt war auch das Papier des Kali- und Düngemittelkonzern K+S. Das Kasseler Unternehmen hat das Thüringen auf die Einhaltung eines Vertrages aus dem Jahr 1999 verklagt. Dabei geht es um die Kosten für den Erhalt von unterirdischen Hohlräumen aus der Zeit der DDR, die vertragsgemäß vom Land übernommen werden müssten. Damit könnten dem Land Kosten von 300 Millionen bis zwei Milliarden Euro entstehen. Thüringen will die Gesamtzahlungen an den Düngemittelkonzern für die Sicherungsarbeiten in DDR-Kaligruben auf etwa eine halbe Milliarde Euro begrenzen. Das sagte Umweltstaatssekretär Olaf Möller am Mittwoch am Rande einer Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Meiningen.

Wichtiger Etappensieg für die Allianz

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich im Kampf um die Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven der Versicherung auf die Seite der Allianz geschlagen. Er entschied, dass die Allianz den Kläger "korrekt an den Bewertungsreserven beteiligt" hat.

Damit ist die Differenz zwischen dem Anschaffungswert und dem aktuellen Marktpreis eines Wertpapiers zu verstehen, zum Beispiel einer Staatsanleihe. Es ging zwar nur um 657 Euro, die ein Kunde aus Kassel einklagen wollte, für die gesamte Branche ist das Urteil aber womöglich Milliarden wert. Denn es gibt insgesamt 88 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland.

VW-Kernmarke hinkt beim Absatz hinterher

Die VW-Kernmarke meldete am Mittwoch auch für den Jahresstart einen Absatzrückgang. Die im Januar weltweit 507 100 ausgelieferten Pkw mit VW-Logo stelln im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Minus von 2,8 Prozent dar. Die Pkw-Kernmarke steht für rund die Hälfte des Konzernabsatzes, bei dem die Wolfsburger insgesamt zwölf Marken zählen. Es ist bereits der vierte Monat in Folge mit einem Rückgang.

Gleichzeitig hat sich Volkswagen für 50 Millionen US-Dollar (44 Mio Euro) den Zugriff auf Patente für den Antrieb mit Brennstoffzellen gesichert. Die Konzerntochter Audi kauft die Patente dem Partner Ballard Power Systems ab und stellt sie allen Marken des Wolfsburger Auto-Konzerns zur Verfügung, wie Audi am Mittwoch mitteilte. VW-Vorzüge legten gut ein halbes Prozent zu.

Axel Springer-Aktie auf Rekordhoch

Gute Resonanz nicht nur auf dem Börsenparkett erhielt die Entscheidung des Medienkonzerns, seine Immobilienportale Immonet und Immowelt zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammenführen. DZ Bank-Analyst Harald Heider sieht weiter hohes Gewinnpotenzial in den Internet-Aktivitäten des Konzerns. Springer will beide Portale in der Sparte "Digital Classifieds" integrieren. Die Springer-Aktie erklomm zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch bei 56,79 Euro.

Kuka stark gefragt

Ebenfalls in luftiger Höhe notierte die Aktie des Roboter-Hersteller Kuka, die knapp fünf Prozent gewann und damit bester MDax-Wert war. Kuka hatte am Morgen gute Zahlen zum Geschäftsjahr 2014 vorgelegt. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro und damit stärker als erwartet. Auch das Ergebnis vor Zinsen, und Steuern (Ebit) lag mit 142 Millionen Euro über den Prognosen. Das Unternehmen meldete am Morgen zudem einen Großauftrag von FiatChrysler.

Gerresheimer nicht gut genug

Die Aktie des Verpackungs-Experten waren hingegen der schwächste Werte im MDax. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr zwar um 1,9 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro, lag aber damit unter den Erwartungen. Pharma-Verpackungen aus Glas waren offenbar weniger nachgefragt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte von 249,8 auf 253,4 Milliarden Euro. Die Dividende will Gerresheimer von 0,70 auf 0,75 Euro je Aktie anheben. Im Ausblick für 2015 erwartet das Unternehmen keine neuen Impulse, erst ab 2016 soll es wieder besser werden. Das kam nicht gut am Markt an.

Wincor-Nixdorf auf Talfahrt

Auch die Aktie des Automatenherstellers Wincor Nixdorf verlor deutlich und gehörte zu den größten Verlierern im MDax. Den Anlegern gefiel der unter den Erwartungen des Marktes liegende Ausblick des amerikanischen Konkurrenten NCR vom Vorabend gar nicht. Die NCR-Aktie, die nachbörslich an der New Yorker Börse unter Druck geraten war, steht aktuell in New York zwei Prozent im Minus.

Carl Zeiss Meditec unter und über Erwartungen

Die Aktie des TecDax-Mitglieds Carl Zeiss Meditec legte eine Berg- und Talfahrt aus Parkett und gewann letztlich 1,36 Prozent. Das Unternehmen hatte bereits vor Börsenstart seine Bilanz vorgelegt. Unter dem Strich verdiente man mit 19,4 Millionen neun Prozent weniger als im Vorjahr, die Erwartungen wurden aber leicht übertroffen. Beim Ebit von 27,9 Millionen Euro lag der Medizintechnik-Spezialist aber unter den Prognosen.

SMA Solar verkleinert den Vorstand

Der Solarzulieferer und Indexkollege aus dem nordhessischen Niestetal trennt sich von Finanzvorstand Lydia Sommer. Sie war bei dem defizitären Unternehmen für die Bereiche Finanzen, Recht, IT und Personal verantwortlich. Die Bereiche werden unter den vier verbliebenen Vorstaandsmitgliedern aufgeteilt. Sommer scheidet bereits Ende Februar aus. Für 2014 hatte SMA solar zuletzt einen Verlust von bis zu 115 Millionen Euro prognostiziert. 1.600 der rund 4.700 Stellen sollen wegfallen.

Schwarzer Mittwoch für Deutz

Desaster für die Deutz-Aktie. Das Papier des Kölner Motorenbauers verlor 10,3 Prozent und war damit schwächster SDax-Wert. Grund ist ein wegen der schwachen Marktlage geplatztes China-Joint-Venture mit dem Autobauer Volvo. DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic stufte den Deutz-Titel nach der Ankündigung auf "Verkaufen" von "Kaufen" herab und senkte den Fairen Wert auf 3,50 von 4,50 Euro. "Wir rechnen mit einer stärkeren Eintrübung der Nachfrage und einem schwachen Ausblick für 2015", schrieb der Experte in einer Studie.

UniCredit wieder mit Milliardengewinn

Die italienische HVB-Mutter hat im abgelaufenen Jahr unter dem Strich zwei Milliarden Euro verdient und damit das selbstgesteckte Jahresziel genau erreicht. Mehr aber auch nicht, weshalb die Aktie nachgab. Insgeheim hatte man wohl mit mehr gerechnet an der Mailänder Börse.

Dabei hat sich das Institut von den gewaltigen Abschreibungen erholt, die es vor dem EZB-Bankenstresstest vorgenommen hatte und mit dem die Bilanz bereinigt worden war. 2013 war ein deshalb Rekordverlust von 14 Milliarden Euro angefallen. Die Zahlen für das vierte Quartal lagen leicht unter den Erwartungen.

Aena-Börsengang ein voller Erfolg

Die neuen Aktien des spanischen Flughafenbetreibers Aena waren der Gewinner des Tages an der Madrider Börse. Die zu 58 Euro an den Markt gekommenen Papiere stiegen in der Spitze bis auf 69,45 Euro - ein Zuwachs von fast 20 Prozent. Der Börsengang war 8,7 Milliarden Euro schwer und damit der größte IPO in Europa seit dem Jahr 2011. Rund vier Milliarden Euro nimmt der spanische Staat ein.

Thomas Cook weniger rot

Der britische Reisekonzern hat den - saisontypisch üblichen - Verlust im Geschäftsquartal bis Ende Dezember um 29 Prozent auf 115 Millionen Pfund reduziert. Dabei haben vor allem Sparmaßnahmen gegriffen. An der Börse kam die gute Nachricht nicht an, die Aktie des Konkurrenten von Tui rutschte im Londoner Handel um über fünf Prozent ab.

Reckitt auf Sparkurs

Ungleich besser hält sich an der Londoner Börse der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser, dessen Aktie am Heimatmarkt über drei Prozent zulegt. Die Briten, bei uns bekannt durch Marken wie Calgon und Clerasil, wollen bis 2017 jährlich 100 bis 150 Millionen Pfund sparen. Im vergangenen Jahr steigerte Reckitt den Umsatz um vier Prozent, das Nettoergebnis legte überraschend deutlich um ebenfalls vier Prozent auf 1,7 Milliarden Pfund zu. Dabei haben Sparerfolge eine abflauende Nachfrage in den Schwellenländern kompensiert.

ARM scheffelt Gewinne

Der britische Chip-Designer hat im abgelaufenen Quartal seine Gewinne überraschend deutlich um 25 Prozent gesteigert. ARM, dessen Lizenzen und Patente für Smartphone-Halbleiter die wichtigste Einnahmequelle ist, geht auch von einem "sehr ermutigenden" Jahr 2015 aus. Die Aktie legte kräftig zu.

Neues aus Amerika

Der Chips- und Getränkehersteller Pepsico hat besonders im vierten Quartal unter Währungskrisen gelitten. Betroffen waren besonders Märkte wie Russland oder Venezuela. Umsatz und Gewinn gaben nach, währungsbereinigt hätte das Unternehmen jedoch zugelegt. Die Aktie liegt derzeit 2,1 Prozent besser im Markt. Der Medienkonzern Time Warner hat im vierten Quartal 0,84 Cent je Aktie verdient, mehr als erwartet. Die Aktie verliert derzeit 0,6 Prozent. Während die Filmstudios (Warner Bros), die gut für die Hälfte des Umsatzes von 19,9 Milliarden Dollar stehen, etwas schwächer berichteten, lief es beim Pay-TV-Kanal HBO und in der Fernsehsparte Turner Broadcasting (unter anderem mit CNN) besser. Nach Börsenschluss stehen noch Zahlen des Netzwerkausrüsters Cisco Systems auf der Agenda.

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Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr