Partystimmung geht weiter

Lothar Gries

Stand: 17.07.2008, 20:05 Uhr

Nur 24 Stunden nach dem Sturz auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn feiert der Dax heute eine wundersame Erholung. Auch an der Wall Street zeigen sich die Anleger in bester Stimmung. Ob es vorerst so weiter geht, hängt entscheidend von den Quartalszahlen der US-Banken ab.

Für die Kursrally am heutigen Donnerstag sorgten die Zahlen der US-Investmentbank JP Morgan. Sie fielen besser aus als erwartet und lösten einen wahren Kaufrausch aus. Auch den optimistischen Ausblick des weltgrößten Herstellers Nokia begrüßten die Anleger mit einem Kursfeuerwerk. Angeheizt wurde die Euphorie zudem von den neuesten US-Konjunkturdaten. Besonders die im Juni registrierten Wohnungsbaubeginne lagen mit 1,066 Millionen Einheiten über den Prognosen der Analysten.

Die kräftigen Kursgewinne an der Wall Street von zeitweise bis zu 190 Punkten oder 1,7 Prozent ermutigten auch die Anleger in Frankfurt. Der Dax beendete den Abendhandel mit einem Plus von 146 Punkten, das sind 2,37 Prozent mehr als gestern, bei 6330 Zählern. Damit hat der leitindex den Xetra-Schluss von 6271 Punkten noch einmal übetroffen.

Im Focus der Anleger standen die Finanzwerte, allen voran die Papiere der Deutschen Bank. Kräftig erholt zeigten sich auch die Aktien der Commerzbank. Grund war ein Bericht der "Börsen-Zeitung", demzufolge eine Fusion mit der benachbarten Dresdner Bank, einer Tochter der Allianz, unmittelbar bevorstehe. Am Abend gab es jedoch erhebliche Zweifel, ob die seit längerem ins Spiel gebrachte Fusion tatsächlich bereits morgen verkündet wird.

Zu den Verlierern gehören die beiden Versorger RWE und Eon. Auch Bayer und Fresenius Medical Care müssen gegen den Trend abgeben.

Handelsstart bleibt unverändert

Der Handel am Frankfurter Aktienmarkt wird auch zukünftig um 9.00 Uhr beginnen. Börsenrat und Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) hätten entschieden, den Handelsbeginn mit der Eröffnungsauktion unverändert bei 9.00 Uhr zu belassen, teilte die Deutsche Börse heute mit. Eine Vorverlegung des Handelsstarts würde erheblichen Mehraufwand für Marktteilnehmer und Investoren bedeuten. Allerdings sei eine Neufassung der Börsenordnung beschlossen worden, mit der der Handelsbeginn flexibel angepasst werden könne, falls die Wettbewerbsituation dies erfordern sollte.

Streit bei Conti über Schaeffler-Offerte
Beim Autozulieferer Continental gibt offenbar Meinungsverschiedenheiten zwischen Vorstand und Aufsichtsrat über das Übernahmeangebot der fränkischen Schaeffler-Gruppe. Conti-Chefkontrolleur Hubertus von Grünberg hat sich nach Informationen der Frankfurter Allgemeine Zeitung für ein Zusammengehen mit Schaeffler ausgeprochen. Auch habe er signalisiert, dass eine Abwehr wenig aussichtsreich sei. Conti-Chef Manfred Wennemer lehnt dagegen die Offerte entschieden ab. Heute rutschte die Conti-Aktie ins Minus.

JP Morgan schlägt sich unerwartet gut
Nach der US-Bank Wachovia hat heute auch die Investmentbank JPMorgan Chase für eine positive Überraschung gesorgt. Die drittgrößte US-Bank verdiente im zweiten Quartal zwei Milliarden Dollar oder 0,54 Dollar je Aktie. Das ist zwar nur noch halb soviel wie im gleichen zeitraum des Vorjahres, Analysten hatten aber nur mit 0,44 Dollar je Aktie gerechnet. Die Krise machte sich mit Abschreibungen von 1,1 Milliarden Dollar bemerkbar. Die Aktie legt vorbörslich kräftig zu.

Nokia hebt ab
Die starke Nachfrage nach günstigen Handys in Schwellenländern beflügelt die Geschäfte von Nokia. Der Weltmarktführer erklärte am Mittag, im abgelaufenen Quartal den Gewinn auf 0,36 Euro je Aktie gesteigert zu haben nach 0,32 Euro vor einem Jahr. Analysten hatten im Schnitt mit 0,37 Euro je Aktie gerechnet. Der Umsatz belief sich im Quartal auf 13,2 Milliarden Euro, Analysten hatten lediglich 12,9 Milliarden Euro erwartet. Insgesamt hat Nokia seinen Marktanteil noch einmal von 38 auf jetzt 40 Prozent gesteigert. Die Anleger reagierten begeistert und bescherten der Aktie einen Sprung um zeitweise mehr als acht Prozent.

IDS Scheer dementiert Verkaufsgerüchte
IDS Scheer sind am Mittag gegen den Trend ins Minus gedreht. Grund sind die Aussagen des Gründers und jetzigen Aufsichtsratschefs, August-Wilhelm Scheer. Er dementierte auf manager-magazin.de Gerüchte, dass er sich von seinem 41-Prozent-Anteil an dem Unternehmen trennen wolle. "Ich habe mit SAP keine Gespräche geführt", sagte er und wies damit Spekulationen um eine Übernahme durch den Softwarekonzern zurück.

Coca-Cola mit Gewinneinbruch
Der Getränkekonzern hat nach hohen Abschreibungen in den USA von 5,3 Milliarden Dollar im zweiten Quartal einen scharfen Gewinnrückgang verbucht. Der Überschuss fiel um fast ein Viertel auf 1,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg dagegen dank eines starken internationalen Geschäfts und durch Währungseffekte im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf neun Milliarden Dollar (5,7 Mrd Euro).

Air Berlin-Ziel auf Null gesenkt
Dresdner Kleinwort hat das Kursziel für Air Berlin von 5,80 auf 0,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Sell" belassen. Der hohe Ölpreis führe zu einer enormen Kostensteigerung bei Fluglinien, schrieb Analyst Andrew Evans in einer Studie vom Donnerstag. Nach den größeren Übernahmen der letzten Jahre habe Air Berlin in dieser Situation nun eine angegriffene Bilanzstruktur und die schlechtesten Ratings. Die Air Berlin-Aktie dreht nach zum Börsenschluss ins Minus.

Teva angeblich an Barr interessiert
In der Generikabranche bahnt sich möglicherweise die nächste Übernahme an. Der weltgrößte Generikahersteller Teva aus Israel erwägt Medien zufolge die Übernahme des US-Konkurrenten Barr für mehrere Milliarden Dollar. Die israelischen Wirtschaftsblätter "Globes" und "TheMarker" nannten in der Nacht zum Donnerstag auf ihren Internetseiten unter Berufung auf nicht näher benannte Kreise einen möglichen Kaufpreis von sieben bis 7,5 Milliarden Dollar. De Aktie des deutschen Generikaherstellers Stada fällt um drei Prozent.

FMC enttäuscht
Die rote Laterne im Dax trägt Fresenius Medical Care (FMC). Verantwortlich dafür sind Gerüchte um eine bevorstehende Platzierung von FMC-Aktien. Dabei soll es um ein Volumen von 11,3 Millionen Stammaktien gehen, was 3,8 Prozent der ausgegebenen Aktien entspräche. Zusätzlich belastet werde die Papiere von einer Pflichtumtauschanleihe, die Fresenius auf FMC-Titel begibt. Da konnten auch die vorab veröffentlichten Quartalszahlen nicht helfen. Der Dialysespezialist hat im zweiten Quartal den Umsatz um elf Prozent auf 2,67 Milliarden US-Dollar und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um neun Prozent auf 428 Millionen Dollar gesteigert.

Berenberg will cash.life nicht übernehmen
Die Berenberg Bank will den Versicherungsaufkäufer Cash.Life nicht übernehmen. "Wir selbst haben kein strategisches Interesse an cash.life", sagte ein Sprecher der Bank am Mittag. Bei dem nun gehaltenen Anteil von 25,8 Prozent handle es sich aber um einen Eigenbestand. Ob hierfür ein Kundenauftrag vorlag, wollte der Sprecher nicht sagen. Auch bei MLP hat die Bank im Auftrag eines nicht genannten Kunden ihren Anteil auf 10,16 Prozent erhöht und Übernahmespekulationen angeheizt.

Goldman treibt Solar-Titel
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat eine umfangreiche positive Studie zu Solarwerten veröffentlicht. Besonders stark profitieren davon die Aktien von Conergy und Roth & Rau. Conergy wurde von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft, Solon und Q-Cells von "Sell" auf Neutral". Bei Roth & Rau beließ Goldman die Empfehlung auf "Buy". Papiere von Phoenix Solar sind hingegen unter Druck geraten. Goldman Sachs hat den Titel von "Neutral" auf "Sell" herabgestuft.

Morphosys kommt voran
Das Biotech-Unternehmen Morphosys hat mit dem schwedischen Diagnostikkonzern Phadia einen Vermarktungspartner für einige seiner Antikörper gewonnen. Das TecDax-Mitglied erhält dafür Lizenzgebühren, deren Höhe nicht beziffert wurde. Die Aktie legt um drei Prozent zu.

Berentzen brechen ein
Beim Spirituosenhersteller Berentzen geht es drunter und drüber. Der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Greune und zwei weitere Mitglieder des Kontrollgremiums sind zurückgetreten. Hintergrund ist laut Reuters der laufende Verkaufsprozess, der sich extrem schwierig gestalte. Der Verkauf soll nach Informationen von "Focus Online" sogar gescheitert sein. Die börsennotierten Vorzugsaktien brechen daraufhin um über 20 Prozent ein.

GPC Biotech verschiebt HV
Das angeschlagene Biotech-Unternehmen GPC Biotech hat seine Hauptversammlung vom 17. August auf den 16. Dezember in München verschoben. Das ehemalige TecDax-Mitglied begründete den Schritt mit der Neuausrichtung des Unternehmens, die mehr Zeit benötige. Die Aktie von GPC gewinnt über drei Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
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Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr