Ordentlich durchgerüttelt

Stand: 15.01.2009, 20:02 Uhr

US-Banken zwischen Profiten und Pleite, eine Leitzinssenkung durch die EZB und ein Bündel US-Konjunkturdaten: Am Ende eines ereignisreichen Börsentages stehen allerdings wieder einmal Verluste.

Die Angst um weitere schwarze Finanzlöcher bei Banken überwog am Donnerstag alle anderen Signale am Aktienmarkt. Mit einem Minus von knapp zwei Prozent setzte der Dax auch im Parketthandel seine Negativserie fort. Den siebten Handelstag in Folge rutschten die deutschen Standardwerte ab - und verloren dabei annähernd 700 Indexpunkte.

Heulen und Zähenklappern bei Banken

Der Druck auf die Notierungen ging vor allem vom Bankensektor aus. Aktien der Bank of America gingen an der Wall Street auf Tauchstation, nachdem US-Institut offenbar über eine zweite Finanzspritze mit der US-Regierung verhandelt. Auf dem Parkett ging aber auch die Angst vor Milliardenverlust bei der Citigroup um, die Bank meldet am Freitagmittag deutscher Zeit ihre Quartalsergebnisse.

Überraschend positiv fielen am Nachmittag die Zahlen von JP Morgan aus, die im vierten Quartal sogar noch Gewinne gemacht hatte. Dem Markt half dieser Lichtblick wenig. Bis zum Schluss des deutschen Parketthandels bewegte sich der Dow Jones-Index deutlich in der Minuszone.

US-Konjunktur nicht so schlecht
Auch eher gute US-Konjunktursignale verschafften den Investoren am Nachmittag kaum Erleichterung. Gleiches galt für die Leitzinssenkung im Euro-Raum. Die EZB hatte die erwartete Senkung um 50 Basispunkte verkündet. Leidtragender war hier vor allem der Euro, der gegenüber dem US-Dollar weiter an Boden verlor und am Abend zu Kursen unter 1,31 Dollar gehandelt wurde. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet deutete eine weitere Rücknahme des Schlüsselzinses für März an, die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone wird weiterhin als kritisch betrachtet.

Finanztitel im Ausverkauf
Bank- und Finanzaktien türmten zum Ende des Xetra-Handels deutliche Verluste auf. Allen voran die Postbank mit einem Minus von 18 Prozent. Bei dem Institut schlugen mehrere negative Analystenkommentare ins Kontor. Auch die Fantasie auf ein mögliches Pflichtangebot an freie Postbank-Aktionäre durch die Deutsche Bank ist laut Händlern "verpufft". Commerzbank, Deutsche Bank, aber auch die Deutsche Börse-Aktie reihten sich mit Verlusten zwischen sechs und zehn Prozent auf der Verliererliste ein.

Siemens und K+S und Volkswagen
Auf der Gewinnerseite hielten sich am Ende des Computerhandels nur Papiere des Düngemittelkonzerns K+S, von Siemens und Volkswagen mit nennenswerte Gewinnen. Fundamentale Neuigkeiten gab es von den Unternehmen allerdings nicht.

Telekom will Staatsbürgschaften
Mit zwei Prozent im Minus hielt sich die T-Aktie am Donnerstag vergleichsweise wacker. Das Unternehmen fordert Zugang zum zweiten Konjunkturpaket der Bundesregierung bei Mehrinvestitionen in den Ausbau des Breitbandnetzes. T-Chef Rene Obermann wünschte sich am Donnerstag öffentlich "Zugang zu billiger Finanzierung".

Infineon über Bord geworfen
Die Aktien des Halbleiterherstellers büßten am Donnerstag rund fünf Prozent. Verluste des niederländischen Chipindustrie-Ausrüsters ASML im vierten Quartal und eine Prognosesenkung für das Auftaktquartal 2009 wirken belastend. Mit Spannung erwartet wird der Quartalbericht von Intel, der weltweiten Nummer eins der Branche, am Donnerstagabend.

Daimler und BMW in der Absatzkrise
Papiere der beiden Autokonzerne verloren zwischen drei und fünf Prozent. Im Dezember brach der Pkw-Absatz europaweit um 17,8 Prozent auf 924 646 Stück ein. Das teilte der Verband der Europäischen Autohersteller (ACEA) mit. Die Analysten der Citigroup stuften zudem Daimler von "Buy" auf "Hold" ab. Sie begründeten den Schritt mit der schwachen Entwicklung im Lkw-Geschäft.

BASF und Lanxess ziehen Bremsa
Die Nachrichten aus der Chemiebranche künden ebenfalls von der schwachen Konjunktur. BASF will nach eigenen Angaben aus Kostengründen Anlagen in Südkorea schließen. Beim MDax-Konzern Lanxess drosselt die Produktion von synthetischem Kautschuk in Werken in Kanada und Belgien. Während die BASF-Aktie 4,5 Prozent im Minus notierte, rutschte Lanxess um mehr als zehn Prozent ab.

Fresenius macht Kasse
Der Bad Homburger Gesundheitskonzern meldete am Abend, dass er seine Anleihe, die zur Finanzierung der Übernahme von APP Pharmaceuticals begeben wurde, vollständig platziert hat. Der Erlös lag nach Unternehmensangaben bei 800 Millionen Dollar. Sowohl eine Euro-Tranche als auch in eine US-Dollar-Tranche waren mehrfachüberzeichnet.

Conti vor Kapitalmaßnahme?
Auf knapp 20 Prozent türmten sich am Handelsende die Verluste bei der MDax-Aktie. Der Autozulieferer denkt über eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro nach. "Das sind noch sehr frische Gedanken, daher können wir uns zu einem möglichen Zeitpunkt noch nicht äußern", sagte Finanzvorstand Alan Hippe in einem Reuters-Interview.

Carrefour hält fest
Der französische Einzelhandelskonzern hat im vierten Quartal seinen Umsatz leicht um 0,7 Prozent auf 25,74 Milliarden Euro gesteigert. Damit wurden die Erwartungen der Analysten erreicht. Das Ziel eines Cash-Flows von 1,5 Milliarden Euro für 2008 wurde bekräftigt.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr