Optimisten haben wieder Oberwasser

Stand: 16.02.2012, 20:02 Uhr

Die Hängepartie um die Rettung Griechenlands hat den Dax am Donnerstag zunächst mehr als 100 Punkte gekostet. Doch dank besser als erwartet ausgefallener Konjunkturzahlen aus den USA kann der Leitindex seine Verluste wieder wettmachen - und dreht am Abend sogar ins Plus.

Im Abendhandel legt der Dax 0,6 Prozent zu und schließt bei 6.783 Punkten. Dabei war der Leitindex zu Handelsbeginn noch um 1,5 Prozent zurückgegangen. Am Nachmittag kam es dann zu einer Trendwende und der Dax ging nur sechs Punkte tiefer aus dem elektronischen Handel als am Mittwoch bei 6.752 Punkten. Auch der Euro legte kräftig zu. Am Abend klettert die Gemeinschaftswährung wieder über die Marke von 1,31 Dollar, ein Cent mehr als noch am Morgen.

Befeuert wurde der Leitindex von der Wall Street wo der Dow Jones-Index gleich zu Handelsbeginn im Plus eröffnet und seine Gewinne weiter ausbaut. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der US-Leitindex 0,9 Prozent höher als am Mittwoch bei 12.900 Punkten.

Damit begrüßen die Anleger die guten Konjunkturdaten. So hat sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Februar stärker als gedacht aufgehellt. Der sogenannte Philly-Fed-Index stieg von 7,3 Punkten im Vormonat auf 10,2 Punkte. Volkswirte hatten lediglich einen Wert von 9,0 Punkten erwartet. Ferner legte die Zahl der Baubeginne im Januar unerwartet deutlich zu. Schließlich waren auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend gefallen. Statt den erwarteten 365.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind in der vergangenen Woche 348.000 eingegangen.

Glimpflicher Ausgang erwartet
Für Auftrieb sorgen auch Hoffnungen auf einen glimpflichen Ausgang der Schuldenkrise in Griechenland. Besondere Aufmerksamkeit galt erhielt dabei die Meldung aus Athen, dass die letzte Finanzlücke von 325 Millionen Euro im Sparpaket geschlossen sei. Die Euro-Zone sucht nun bis zum Treffen der Euro-Finanzminister am Montag die Entscheidung und verabschiedete sich von Gedankenspielen über mögliche Zwischenlösungen wie einen Überbrückungskredit.

Trotzdem bleiben die Investoren vorsichtig. "Die Anleger haben allmählich die Nase voll. Sie haben Angst, dass das Rettungspaket erst nach den Wahlen in Griechenland im April verabschiedet wird. Das würde bis dahin weiter Unsicherheit bedeuten und das will der Markt einfach nicht", sagte ein Händler.

Opel schwächt GM
Der US-Autobauer GM hat 2011 dank starker Verkäufe in Nordamerika insgesamt einen Rekordgewinn von 7,6 Milliarden Dollar erwirtschaftet, blieb aber im vierten Quartal unter den Erwartungen der Analysten.

Für den deutschen Ableger Opel sieht es dagegen düster aus: Im vergangenen Jahr fuhr der Mutterkonzern GM mit seinem Europageschäft - das in erster Linie aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht - einen operativen Verlust von 747 Millionen Dollar (575 Millionen Euro) ein. Im Vorjahr hatte das Minus des Autobauers zwar noch bei knapp 2,0 Milliarden Dollar gelegen, doch eigentlich hatten die Opelaner den Verlust viel stärker eingrenzen wollen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,86
Differenz relativ
+5,81%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,94
Differenz relativ
+5,61%

Société Générale und Axa belasten
Nachdem die überraschend robusten Zahlen der französischen Bank BNP Paribas am Mittwoch der gesamten europäischen Finanzbranche zu höheren Kursen verholfen haben, erweist sich die Quartalsbilanz von Frankreichs zweitgrößter Bank als eine Bremse. Die Aktie verliert ebenso wie die Titel des französischen Versicherungsriesen Axa, bei dem Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen mit 387 Millionen Euro zu Buche schlugen. Für den Gewinnsprung um 57 Prozent sorgte vor allem der Verkauf des Geschäfts in Australien, der 2,3 Milliarden Euro in die Kassen spülte.

Im Dax dreht die Deutsche Bank nach anfänglichen Verlusten sogar leicht ins Plus, im Gegensatz zur Aktie der Commerzbank, die mit einem Minus von 1,6 Prozent zu den größten verlierern Gehört. Grund für die Schwäche ist vor allem die Drohung der Ratingagentur Moody's mehr als 100 Banken weltweit herabzustufen.

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,44
Differenz relativ
-0,69%

Lufthansa und Fraport mit Streik-Malus
Zu den Dax-Verlierern zählt auch die Aktie der Lufthansa. Papiere des im MDax notierten Flughafenbetreibers Fraport büßen ebenfalls deutlich ein. Nach Einschätzungen von Analysten dürften sich die Auswirkungen des Streiks der Flugsicherung allerdings in Grenzen halten, sollte dieser nicht länger dauern.

Kabel Deutschland gut im Geschäft
Dagegen kann der deutliche Gewinnsprung bei Kabel Deutschland die Papiere des Kabelnetzbetreibers doch noch ins Plus hieven. Das Unternehmen ist der größte Gewinner im MDax. Kabel verbuchte im dritten Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) einen Überschuss von 55 Millionen Euro. Der Umsatz konnte von 405 auf 427,3 Millionen Euro gesteigert werden.

Takkt öffnet die Schatulle
Der auf Büromöbel, Lager- und Hotelausstattung spezialisierte Versandhändler Takkt aus dem SDax will seinen Aktionären in diesem Jahr eine Sonderdividende zahlen. Sie wird auf 45 bis 50 Cent geschätzt, zusätzlich zu der regulären Dividende 36 Cent. Damit reagiert Takkt auf das kräftige Ergebniswachstum im vergangenen Jahr. Im laufenden Jahr richtet sich Takkt dagegen auf eine deutliche Abschwächung ein. Entsprechend enttäuscht reagieren die Anleger.

Evotec kooperiert
Zu den wenigen Gewinnern im Tecdax gehört das Biotechunternehmen Evotec. Grund ist die Entscheidung der Hamburger, bei der Erforschung neuer Wirkstoffe gegen Atemwegserkrankungen seine Kräfte mit der britischen Firma IR Pharma zu bündeln. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen künftig Pharmakonzernen Verfahren zur Wirkstoffentwicklung in diesem Therapiefeld anbieten, wie Evotec am Donnerstag mitteilte. IR Pharma ist vor allem auf dem Gebiet der vorklinischen Wirkstoffforschung tätig.

Comdirect entfacht keine Euphorie
Einer der wenigen Kursgewinner im SDax ist die Online-Bank. Zeitweise fielen die Aktien aber auch auf ihren Vortagesschluss von 8,48 Euro zurück. Das Ergebnis habe weitgehend im Rahmen der Markterwartungen gelegen, schrieb DZ-Bank-Analyst Werner Eisenmann. Etwas enttäuschend sei allerdings die Dividende ausgefallen. Der Dividendenvorschlag liegt bei 0,56 Euro je Aktie.

ZFS erfreut die Anleger
Die Aktie von Zurich Financial Services ist zwar leicht rückläufig. Der Schweizer Versicherungskonzern hat aber 2011 trotz hoher Schadenszahlungen einen um zehn Prozent höheren Reingewinn von 3,8 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Davon profitieren auch die Anleger: sie sollen erneut 17 Franken je Aktie als Dividende erhalten.

Nestlé krisenfest
Gegen den Trend zulegen kann die Aktie von Nestlé. Dabei haben Rekordpreise bei Rohstoffen und der Höhenflug des Schweizer Franken dem weltgrößten Nahrungsmittelkonzern 2011 einen Umsatzeinbruch eingebrockt. Dennoch erwies sich das Schweizer Unternehmen in seiner am Donnerstag vorgelegten Jahresbilanz mit einem stabilen Wachstum aus eigener Kraft einmal mehr als krisenfest - vor allem dank des anhaltenden Aufwärtstrends der Geschäfte in Schwellenländern.

Renault gefällt
Der Konzern schlug sich im Krisenjahr 2011 besser als erwartet. Zwar musste Renault einen knapp 40-prozentigen Gewinneinbruch für 2011 vermelden. Das Unternehmen konnte jedoch gleichzeitig die Zahl der unverkauften Fahrzeuge deutlich reduzieren und so seine flüssigen Mittel um knapp 1,1 Milliarden Euro erhöhen - doppelt so viel wie er sich selbst vorgenommen hatte. Deshalb trotzt die Renault-Aktie dem Abwärtstrend an der Pariser Börse und legt drei Prozent zu.

PPR ist krisenimmun
Die Puma-Mutter Pinault-Printemps-Redoute (PPR) profitiert weiter vom Erfolg bei Luxusgütern sowie Sport und Lifestyle. Nach einem erfolgreichen Jahresabschluss rechnet der französische Konzern mit Marken wie Gucci, Bottega Veneta und Yves Saint Laurent auch 2012 mit Zuwächsen. Das um Einmaleffekte bereinigte operative Ergebnis stieg 2011 um 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr