Optimisten drücken aufs Tempo

Angela Göpfert

Stand: 02.02.2010, 20:05 Uhr

Die Aktienmärkte hatten es am Dienstag offenbar ganz besonders eilig, ihre Konsolidierungsphase abzuschließen. Im späten Parketthandel gab der Dax unter dem Eindruck einer starken Wall Street nochmals richtig Gas.

Der Late-Dax schloss bei 5.731 Punkten. Zu diesem Zeitpunkt notierte der marktbreite S&P 500 in New York 1,2 Prozent höher oberhalb der Marke von 1.100 Zählern. Den Xetra-Handel hatte der Dax noch bei 5.709 Punkten beendet - immerhin ein Kursplus von rund einem Prozent im Vergleich zum Vortag.

Nur eine "Gegenbewegung"?
"Der Markt erlebt im Moment ein kurze Gegenbewegung", kommentierte Florian Weber, Handelsvorstand bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank, das heutige Handelsgeschehen.

Tatsächlich steht die wirkliche Bewährungsprobe für den Dax, nämlich die Rückeroberung der Widerstandszone bei 5.843/5.888 Punkten, noch aus. Sollte ihm dies in den kommenden Tagen nicht gelingen, wären die jüngsten Kursgewinne nur als kurze Erholung innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends zu werten.

Gute Quartalszahlen
Die robusten Aktienmärkte und der wieder erwachte Konjunkturoptimismus beflügelten derweil am Dienstag erneut den Ölpreis. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte kletterte über die Marke von 76 Dollar. Am Devisenmarkt konnte der Euro trotz anhaltender Griechenland-Sorgen weiter zulegen auf bis zu 1,3971 US-Dollar.

An der Wall Street präsentierte sich der Industriesektor am stärksten. Hier sorgten unerwartet gute Quartalszahlen von Emerson Electric und Cummins für gute Stimmung. Auch der Druckerhersteller Lexmark und der Immobilienkonzern D.R. Horton taten sich mit überraschend hohen Gewinnsteigerungen hervor.

UPS macht Hoffnung
Die Optimisten sahen sich insbesondere von der UPS-Quartalsbilanz bestätigt. Der weltgrößte Paketdienst rechnet nach Einbußen im Weihnachtsquartal für 2010 mit einem kräftigen Gewinnsprung um bis zu 32 Prozent. Die Geschäftsentwicklung des US-Logistikkonzerns gilt als wichtiger Konjunkturindikator.

Am deutschen Aktienmarkt konnte die Aktie der Deutschen Post von den UPS-Zahlen profitieren, sie war mit einem Aufschlag von 2,6 Prozent zweitgrößter Dax-Gewinner.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
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Technik spricht für Infineon ...
Höher hinaus ging es nur für die Infineon-Aktie, die mit einem Kursplus von 3,2 Prozent unangefochten an der Dax-Spitze thronte. Der hochvolatile Titel markierte bei 4,39 Euro ein neues Jahreshoch und sendete damit aus technischer Sicht ein weiteres Kaufsignal.

... und Deutsche Bank
Anteilsscheine der Deutschen Bank legten 2,2 Prozent zu und sicherten sich damit den dritten Platz im Dax. Offenbar rechnet der Markt mit guten Quartalszahlen, der deutsche Branchenprimus legt am Donnerstag seine Bilanz vor. Analysten erwarten im Schnitt einen Vorsteuergewinn von 1,06 Milliarden Euro nach einem Rekordverlust von mehr als sechs Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Händler sahen in dem heutigen Kursplus aber auch eine technische Reaktion auf die überverkaufte Marktsituation.

Deutsche Börse ganz solide
Zu den Gewinnern im Dax zählte auch die Aktie der Deutschen Börse. Das Unternehmen hat im Januar am Kassamarkt erstmals seit Oktober 2008 wieder steigende Umsätze verbucht. Philipp Häßler, Analyst bei Equinet, sprach von einem soliden Januar und einem starken Ergebnis im Xetra-System.

Münchener Rück mit Abschlag
Unter den wenigen Dax-Verlierern reihte sich dagegen die Aktie der Münchener Rück ein, sie sackte um 0,6 Prozent ab. Marktbeobachter sprachen von Gewinnmitnahmen. Zwar konnte der Branchenprimus mit einem unerwartet hohen Jahresgewinn von 2,56 Milliarden Euro glänzen. Doch Finanzvorstand Jörg Schneider betonte, er würde sich wundern, wenn im laufenden Jahr der Gewinn von 2009 wiederholt werde.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,39
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Daimler, BMW und Porsche in USA gefragt
Die Autowerte im Dax schafften erst am Nachmittag den Wechsel auf die Gewinnerseite. In Deutschland waren die Pkw-Verkäufe im Januar auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren eingebrochen. Dagegen konnten die Deutschen Autohersteller in den USA punkten. Dort setzte Daimler im Januar 26 Prozent mehr Pkw ab.

Der BMW-Absatz stieg um 7,7 Prozent. Auch der Sportwagenbauer Porsche hat im Januar in den USA wieder mehr Autos verkauft. Die Auslieferungen stiegen um acht Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,98
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Toyota bereitet Märkte auf neue Prognose vor
Dagegen setzte Toyota in den USA 8,7 Prozent weniger Fahrzeuge ab. Nach der großen Rückrufaktion gestand zudem Toyotas Vizepräsident Sasaki ein: "Wir machen uns große Sorgen um die Absatzprognose."

Analysten von VW-Zielen nicht begeistert
VW nannte am Dienstag erstmals mittelfristige Ziele: Demnach soll die operative Umsatzrendite im Kerngeschäft von zuletzt 1,6 auf mindestens fünf Prozent steigen. Analysten bemängelten, dass VW damit deutlich hinter den mittelfristigen Renditezielen von Daimler (zehn Prozent) und BMW (acht bis zehn Prozent) zurückbliebe. Sie hoffen, dass VW auf einer Investorenkonferenz am Mittwoch in London weitere Details nennen wird.

Evotec-Aktie feiert Kooperation
Im TecDax schoss die Evotec-Aktie mit einem Kursplus von 5,5 Prozent an der Spitze. Das Biotech-Unternehmen will gemeinsam mit Vifor Pharma Wirkstoffe entwickeln, mit der Blutarmut behandelt werden soll. Laut LBBW-Analyst Hanns Frohnmeyer dürfte das Projekt hochprofitabel für Evotec sein.

MDax und SDax fest in Analystenhand
Im MDax sorgten vornehmlich Analystenstimmen für Kursbewegungen. So war die Gerresheimer-Aktie nach einer Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank drittgrößter Gewinner. Auch zu Gildemeister äußerte sich das Institut positiv und änderte sein Anlageurteil von "Sell" auf "Hold".

Die Aktie des Kranspezialisten Demag Cranes profitierte von gleich zwei Kurszielerhöhungen: Die DZ Bank erhöhte auf 28 Euro, die Unicredit sogar auf 29 Euro. Beide Banken behielten ihre Kaufempfehlungen bei.

Im SDax legte die Gesco-Aktie 3,6 Prozent zu. Equinet rechnet mit besseren Gewinnaussichten für das Unternehmen und empfiehlt den Titel nunmehr zum Kauf. Der Konzern legt am Mittwoch seine Zahlen zum dritten Quartal vor.

Constantin Medien baut DSF um
Dagegen gehörte die ebenfalls im SDax notierte Aktie von Constantin Medien zu den SDax-Verlierern. Das Tochterunternehmen DSF wird zum 11. April in Anklang an das gleichnamige Onlineportal in "Sport1" umbenannt und umstrukturiert. Der Sender rechnet im laufenden Jahr nicht mit großen Quotenzuwächsen. "Wir erwarten 2010 ein Konsolidierungsjahr und wollen 2011 durchstarten", sagte der DSF-Senderchef.

Altana vor Squeeze-out
Die Altana-Aktie schoss am Nachmittag unter hohen Umsätzen um 5,4 Prozent in die Höhe. Großaktionärin Susanne Klatten hatte mitgeteilt, dass sie mehr als 95 Prozent der Anteile halte. Das erlaube ihr, die übrigen Aktionäre aus den Unternehmen zu drängen (Squeeze-out). Der Markt setzt dabei offenbar auf eine hohe Abfindung für die verbliebenen Aktionäre.

CropEnergies wagt Ausblick
Der Bioethanol-Hersteller CropEnergies zog am Nachmittag die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich: "Wir erwarten ein deutlich besseres operatives Ergebnis in 2010/11 und werden signifikant über den 18,2 Millionen Euro von 2008/09 liegen", äußerte sich Finanzchef Joachim Lutz erstmals zu den Jahreszielen. Beim Umsatz nannte er einen "Zielkorridor von 400 bis 500 Millionen Euro". Die CropEnergies-Aktie legte daraufhin 6,8 Prozent zu, die Aktie des Mutterkonzerns Südzucker schloss hingegen im Minus.

BP mit enttäuschender Bilanz
Unter den ausländischen Titeln stach die BP-Aktie mit einem Minus von über drei Prozent ins Auge. Die gesunkenen Ölpreise haben den Gewinn des britischen Ölkonzerns 2009 um ein Fünftel einbrechen lassen. BP-Chef Tony Hayward meinte zwar, 2009 sei ein "sehr gutes" Jahr gewesen, das Unternehmen habe die eigenen Erwartungen übertroffen. Analysten zeigten sich von der Jahresbilanz indes enttäuscht.

Rio Tinto, BHP und Anglo American gefragt
Dagegen waren Minenwerte äußerst gefragt. Anteilsscheine von Rio Tinto profitieren von einer Kaufempfehlung der Citigroup: Die Aktie sei nach der Kurskorrektur der vergangenen Tage "attraktiv". Für BHP Billiton hoben die Analysten das Kursziel an. Eine Kaufempfehlung von Société Générale stützte Aktien von Anglo American. Alle drei Titel zählten im Stoxx50 zu den größten Gewinnern.

Sanochemia will die Wende
Das österreichische Pharmaunternehmen Sanochemia hat am Markt Hoffnungen auf einen Turnaround geschürt. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 (per Ende September) will der Konzern durch Einsparungen und die Konzentration auf margenstarke Produkte aus den roten Zahlen kommen. Einsparungen erhofft sich Sanochemia auch durch den Wechsel vom Prime Standard in den General Standard an der Frankfurter Börse. Noch im Februar soll zudem die Handelsaufnahme in Wien im Mid-Market-Segment erfolgen.

Helikos muss Zugeständnisse machen
So hatte sich der erste deutsche Börsenkandidat des Jahres 2010 seinen Sprung an die Börse nicht vorgestellt: Der Handelsauftakt von Helikos im Prime Standard musste um zwei Tage auf Donnerstag verschoben werden. Zudem wurde die Zahl der angebotenen Anteile von bislang 25 auf 20 Millionen verringert. Bei Helikos handelt es sich um einen Börsenmantel ohne operatives Geschäft (SPAC), bestehend einzig und allein aus einem Management.

Travel Viva macht "Opener" im Entry Standard
Ebenfalls für Donnerstag ist die Notierungsaufnahme des Internetreiseanbieters Travel Viva AG im Frankfurter Open-Market-Segment Entry Standard geplant. Das öffentliche Angebot umfasst eine Million bereits existierender Inhaberaktien. Eine Preisspanne soll am ersten Handelstag festgelegt werden. Travel Viva verbuchte 2008 ein Ergebnis vor Steuern von 900.000 Euro.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier