Ohne Mut kein (Kurs)gewinn

Karsten Leckebusch

Stand: 10.09.2007, 20:20 Uhr

Die Sorge um die US-Konjunktur hat den Anlegern auf beiden Seiten des Atlantiks den Wind aus den Segeln genommen. Der Dax verlor im Computerhandel kräftig, im späten Handel machte er aber noch ein paar Pünktchen gut.

Die Wall Street erholte sich bis 20 Uhr leicht, der LDax erreichte zwar nicht wieder die 7.400-Punktemarke, doch gegenüber dem Xetra-Schlusskurs (7.375 Zähler) schob sich der Index im späten Frankfurter Parketthandel noch um 23 Punkte nach oben.

Deim Ende des Computerhandels notierte der Dax allerdings mit einem Abschlag von 0,8 Prozent bei 7.375 Punkten. Bis zum Handelsbeginn an der Wall Street hatten sich die deutschen Börsen noch recht gut gehalten, nachdem aber die amerikanischen Indizes ihre Auftaktgewinne nicht hielten und in die Minuszone rutschten, folgten ihnen die deutschen Aktienkurse gehorsam nach.

Börsianer führten die Verluste an der Wall Street auf die weiterhin akute Krise bei den Hypothekenkrediten und deren mittlerweile offensichtlichen realwirtschaftlichen Folgen zurück.

Stahl und Geld
Am unteren Dax-Ende findet sich nach einem recht umschlagsarmen Montagshandel unter anderen das Papier von ThyssenKrupp. Offenbar reagierten Anleger auf die Herunterstufung des Konkurrenten ArcelorMittal durch die Citibank. Der Stahlkonzern verbilligt sich um etwa zwei Prozent.

Die Deutsche Bank ging in einem schwachen Branchenumfeld trotz einer erfreulichen Nachricht mit einem Minus von einem Prozent aus dem Handel. Die Bank hatte ihre Jahresgewinnprognose erläutert. Demnach will der Konzern einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro erreichen. Dies würde die Prognose der Analysten, die bisher mit 7,7 Milliarden gerechnet hatten, übertreffen.

Eon und RWE vorne
Die Versorger verbuchten leichte Kursgewinne. Neben ihrer traditionellen Rolle als "sicherer Hafen" in volatilen Zeiten profitierten die Dax-Konzern Eon und RWE auch von einem Bericht des Handelsblattes. Die Zeitung hatte geschrieben, dass die Bundesnetzagentur sich gegen die von der EU angestrebte Zerschlagung der Stromversorger ausgesprochen habe. Hinzu kamen Übernahmefantasien: Hutchison Wampoa will offenbar den britischen Versorger United Utilities übernehmen. Die Eon-Aktie legte um 0,6 Prozent zu, RWE verteuerte sich um 0,4 Prozent.

Bitterer Branchengehorsam
Der MDax verlor kräftige 1,8 Prozent und schloss unterhalb von 10.000 Punkten. Deutliche Kursverluste gab es mit 3,8 Prozent beim Baumarktriesen Praktiker. Die ebenfalls börsennotierte Baumarktkette Hornbach hatte zuvor gemeldet, dass sie in diesem Geschäftsjahr nicht mehr das "fantastische" Vorjahresergebnis erreichen werde. Im Vorjahr habe es wegen der Fußball-WM in Deutschland außergewöhnlich hohe Erträge gegeben.

Die Papiere der Hannover Rückversicherung verloren 1,2 Prozent. Der Konzern hatte am Morgen berichtet, dass er durch den Hurrikan "Dean" mit einer Schadenssumme von zehn Millionen Euro rechne. Dies sei im Rahmen der Erwartungen.

Die Aktie Pharma-Unternehmens Stada wurde offenbar von Übernahmegerüchten beflügelt. Das Papier ging mit einem Plus von 2,1 Prozent aus dem Handel. Angeblich ist der Branchenkonkurrent Wyeth an Schwarz Pharma interessiert. Von beiden Firmen gab es keine Kommentare.

Nachrichtenflaute auch im TecDax
Im TecDax sorgen Analysteneinschätzungen für leichte Bewegungen bei Einzelwerten. Die Papiere des Windkraftkonzerns Nordex schlossen 1,7 Prozent schwächer, obwohl Goldman Sachs die Papiere mit "Neutral" und Kursziel 33 Euro bewertet hatten.

Bei Solon hoben die Analysten das Kursziel auf 41 Euro an, angesichts des gegenwärtigen Kurses von etwa 63 Euro eine Formalie. Die Aktien von Solon verloren trotzdem 4,6 Prozent.

Carl Zeiss Meditec verbilligte sich um 3,5 Prozent. Ende vergangener Woche hatte das Medizintechnikunternehmen bekannt gegeben, dass es kein freiwilliges Übernahmeangebot für den Augenlaserspezialisten Wavelight abgeben werde.

Kurse mit Rätseln
Im SDax gewannen die Papiere des Ölfelddienstleisters Cat Oil 5,1 Prozent. Nachrichten gab es keine, offenbar sehen einige Aktionäre nach der schwachen Performance der vergangenen Monate wieder Potential.

Die weitegehend unbekannte Partnervermittlung Knowone verteuerte sich um 30 Prozent. Die Aktie setzte damit eine seit sechs Tagen andauernde Hausse fort, während derer sich Kurs mittlerweile mehr als verdoppelte. Allerdings ohne Nachrichten, und bei geringen Umsätzen.

Envio will an die Börse
Der Entsorgungsdienstleister Envio AG will Ende September den Schritt aufs Börsenparkett wagen. Die Aktien sollen ab dem 24. September im Entry Standard gelistet werden. Bis zu 1,7 Millionen Stammaktien ohne Nennbetrag bietet das Unternehmen vom 10. bis zum 18. September in einer Preisspanne von 3,00 bis 3,50 Euro zum Kauf an. Bei voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption läge der Streubesitz bei 22 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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