Ölpreis-Rutsch stabilisiert die Kurse

Detlev Landmesser

Stand: 27.05.2008, 20:32 Uhr

Ein Preisrutsch am Ölmarkt hellte die Stimmung an der Wall Street merklich auf. Dem Dax verhalf das zeitweise über die 7.000er-Marke. Der meist beachtete Titel Infineon driftete dagegen ins Minus.

In der Spitze erreichte der deutsche Leitindex 7.006,28 Punkte, bevor die Wall Street wieder schwächelte: Die stark im Dow Jones gewichteten Öltitel zogen den Dow Jones zeitweise ins Minus. Der L-Dax schloss zum Vortag praktisch unverändert bei 6.962,34 Punkten.

Der Preis für leichtes US-Öl zur Lieferung im Juli sank bis zum Abend unter 129 Dollar, nachdem am Mittag noch über 133 Dollar gezahlt worden waren. Am vergangenen Donnerstag hatte der Kontrakt mit 135,09 Dollar seinen bisherigen Rekordstand erreicht.

Aus dem Getränkesektor gab es neue Übernahmefantasie. Derzeit wird über ein Gebot des weltgrößten Brauereikonzerns InBev für den amerikanischen Wettbewerber Anheuser-Busch spekuliert.

Auch die Hausverkäufe im April hoben zunächst die Stimmung. Überraschend wurden 526.000 Neubauten verkauft, während Volkswirte mit etwa 520.000 Verkäufen gerechnet hatten. Allerdings wurde zugleich die Zahl für den März merklich von zunächst 526.000 auf 509.000 nach unten revidiert. Das ist der niedrigste Stand seit April 1991.

Dagegen wurde die schwache Stimmung der US-Konsumenten weniger beachtet. Das vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen fiel im Mai mit 57,2 Punkten auf den tiefsten Stand seit 16 Jahren. Volkswirte hatten 60,0 Punkte erwartet.

Auch von den deutschen Verbrauchern hatte es am Morgen schlechte Nachrichten gegeben. Der vom Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Konsumklimaindex für Juni sank von revidierten 5,6 Punkten im Mai auf 4,9 Zähler. Volkswirte hatten dagegen mit einem Wert von 5,8 Punkten gerechnet.

Infineon nach Ziebart-Abgang schwächer

Nach dem gestern nach Xetra-Schluss bekannt gegebenen Rücktritt des Infineon-Chefs Wolfgang Ziebart startete die Infineon-Aktie im Plus, rutschte dann aber zeitweise bis ans Dax-Ende ab. "Der Ziebart-Abgang wird positiv gesehen, aber letzten Endes war das keine Überraschung", meinte ein Händler.

Vom südkoreanischen Elektronikriesen Samsung gab es eine weitere Nachricht für Infineon. Samsung kauft nun auch Handy-Chips von Infineon, um seine Abhängigkeit vom Hauptzulieferer Qualcomm zu reduzieren. Der Vertrag mit Samsung sei zwar an sich eine gute Nachricht, "aber Samsung sieht kein Wachstum im Chipsektor, und es ändert alles nichts an den immensen Problemen von Infineon", kommentierte ein Marktteilnehmer.

HRE hält sich für wertvoller
Hypo Real Estate verzichtet auf eine konkrete Empfehlung zur Angebot der Investorengruppe um J.C. Flowers für knapp ein Viertel der HRE-Aktien. Zwar werde der Einstieg der Gruppe weiter grundsätzlich begrüßt, teilte der Immobilienfinanzierer am Tag seiner Hauptversammlung mit. Allerdings besitze "die HRE-Aktie gegenwärtig einen inneren Wert, der deutlich über dem Angebotspreis von 22,50 Euro je Aktie liegt", teilte HRE mit. Eine Prognose für das Gesamtjahr lehnte der gescholtene Vorstandschef Georg Funke auf dem Aktionärstreffen ab. Wegen der anhaltenden Verwerfungen an den Kapitalmärkten sei es derzeit nicht möglich, konkrete Aussagen über den Geschäftsverlauf 2008 zu treffen. Trotz heftiger Kritik entlasteten die Aktionäre den Vorstand. Mit 95,35 Prozent der Stimmen fiel die Zustimmung der Hauptversammlung aber niedriger aus als vor einem Jahr.

MAN wieder über 100 Euro
Die MAN-Aktie sicherte sich die Pole Position im Dax. Eine neue Studie der Deutschen Bank beflügelte den Titel. Die Analysten empfehlen die Aktie aus zyklischen Überlegungen mit einem Kursziel von 135 Euro.

Südzucker kürzt Dividende
Die Südzucker-Aktie konnte am Tag der Bilanzvorlage leicht zulegen. Wie erwartet litt Europas größter Zuckerhersteller im Geschäftsjahr 2007/08 unter der EU-Zuckermarktreform. Der Umsatz trat mit 5,8 Milliarden Euro auf der Stelle, lag aber über den vom Vorstand in Aussicht gestellten 5,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis brach von 419 auf 233 Millionen Euro ein. Das Management schlug überraschend eine Kürzung der Dividende von 55 auf 40 Cent pro Aktie vor. Mit einer Erholung rechnet Südzucker erst im übernächsten Geschäftsjahr. Für das seit März laufende Geschäftsjahr 2008/09 seien stagnierende Umsätze und operative Ergebnisse zu erwarten.

Kein Tag für "grüne" Aktien
Im TecDax stand der Windkraftanlagenbauer Repower stark unter Druck. Goldman Sachs hatte eine Verkaufsempfehlung für das Papier ausgesprochen. Auch Solarwerte wie Q-Cells, Conergy oder Solarworld litten. Händler verwiesen auf Pläne der CDU/CSU-Fraktion, in den nächsten zwei Jahren die Solarförderung um über 25 Prozent zu kürzen. "Das wäre ein harter Schlag für die Branche, bislang wurden am Markt Kürzungen um sieben bis neun Prozent erwartet", sagte ein Händler. Relevant sei nun, worauf sich die Große Koalition am Donnerstag einige.

Am Nachmittag kündigte Q-Cells an, einen Produktionsstandort in Mexiko aufzubauen. Mit lokalen Partnern sei vereinbart worden, eine Fertigung für Dünnschichtmodule im nahe der US-Grenze gelegenen Mexicali zu errichten. Dadurch verspreche sich die Gesellschaft einen besseren Zugang zu den amerikanischen Wachstumsmärkten und eine Absicherung gegen Währungsschwankungen. Gemäß der Vereinbarung will Q-Cells mittel- bis langfristig bis zu 3,5 Milliarden Dollar investieren.

UI und Versatel gefragt
Zur Konsolidierung der Internet- und Mobilfunkprovider gab es ebenfalls Neuigkeiten. Auf der Hauptversammlung seines Unternehmens erklärte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth, er könne sich ein Gebot für Versatel vorstellen, falls ein Anteil zum Verkauf gestellt werde. Hauptaktionär von Versatel ist der Finanzinvestor Apax Partners mit rund 44 Prozent. United Internet selbst hält bereits gut 25 Prozent als strategische Beteiligung.

Unterdessen erhielt Freenet für die Übernahme des Konkurrenten Debitel grünes Licht vom Bundeskartellamt. "Unser Ziel ist es, die Nummer-Eins-Vertriebsplattform für sämtliche Produkte der Telekommunikation zu sein", erklärte Freenet-Chef Eckhard Spoerr dazu. Vergangene Woche hatte das Landgericht Kiel eine einstweilige Verfügung abgewiesen, mit der United Internet und Drillisch die Debitel-Übernahme blockieren wollten.

IKB wie erwartet schwach
Die IKB ist in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2007/08 tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust lag bei knapp einer Milliarde Euro. Wie zu erwarten war, schloss die schwer angeschlagene Mittelstandsbank weitere Wertberichtigungen und Ergebnisbelastungen durch die Finanzkrise nicht aus.

Biotest weiter im Aufwind
Zu den SDax-Gewinnern zählte einmal mehr die Biotest-Vorzugsaktie. Das Pharma- und Medizintechnikunternehmen hat seine Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Biotest rechnet nun mit einem Umsatz von 420 statt bisher 400 Millionen Euro. Das Ebit soll um 20 Prozent wachsen. Bisher hatte das Unternehmen nur ein Plus von zehn Prozent in Aussicht gestellt.

Thielert lebt noch
Zeitweise wurde die Thielert-Aktie von Äußerungen des Insolvenzverwalters beflügelt. "Es hat bereits eine große Zahl vornehmlich strategischer Investoren Interesse am Kauf von Thielert bekundet", sagte Insolvenzverwalter Bruno Kübler. Die Gespräche mit Kaufinteressenten sollten im Juni beginnen. Die Banken hätten grundsätzlich ihre Bereitschaft signalisiert, für den Fortbestand des Unternehmens Mittel zur Verfügung zu stellen. Allerdings dürfte sich das Interesse der Investoren weniger auf die AG, sondern auf die Motorenfertigung selber konzentrieren - womit wahrscheinlich gar keine Thielert-Aktien nachgefragt werden.

Hornbach verdient deutlich weniger
Die Baumarktkette Hornbach hat im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 einen herben Gewinneinbruch erlitten. Unter dem Strich bleiben nur noch 46,6 Millionen Euro hängen. Das waren 23,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Wie bereits mitgeteilt, legte der Umsatz um 3,2 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro zu. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen wieder mit einem Ergebnisanstieg. Vor allem mit Neueröffnungen im europäischen Ausland will Hornbach die Konsumschwäche im Inland wettmachen.

VTG-Waggons gefragt
Der Kessel- und Güterwaggonvermieter VTG hat zu Jahresbeginn von der anhaltend hohen Transportnachfrage profitiert. Der Quartalsmsatz wuchs um zehn Prozent auf rund 148 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhte sich das Betriebsergebnis um 20 Prozent auf 36 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

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USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr