Ölpreis-Pause hilft

von Mark Ehren

Stand: 30.06.2008, 20:03 Uhr

Zumindest für ein paar Stunden hat die Rally an den Ölmärkten der Börse etwas Entlastung gebracht. Auch wenn der Dax im späten Handel wieder leicht schwächer tendierte.

Der im Handel auf dem Börsenparkett in Frankfurt ermittelte L-Dax lag um 20.00 Uhr bei 6.403 Punkten und damit 15 Zähler unterhalb des Xetra-Schlussstandes.

Dennoch dürften die Anleger zufrieden sein. Zeitweise ging es in der Spitze mit dem Dax bis auf 6.308 Zähler nach unten. Das entsprach einem Minus von fast 1,8 Prozent.

Rückenwind gab es durch Konjunkturdaten aus den USA. So hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Region Chicago im Juni überraschend aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex legte von 49,1 Punkten im Vormonat auf 49,6 Punkte und damit etwas stärker als erwartet zu. Allerdings signalisieren Werte von unter 50 eine wirtschaftliche Abschwächung. Die Nachricht sorgte für Kursgewinne an der Wall Street ebenso wie der wieder auf unter 140 Dollar abschwächende Ölpreis. Noch am Morgen hatte ein Barrel leichtes US-Öl mit 143,67 Dollar so viel wie nie zuvor gekostet. "Wir sehen eine kleine technische Erholung und am Markt wurde mit Erleichterung aufgenommen, dass der Ölpreis etwas zurückkommt", sagte ein Händler.

Finanzkrise noch nicht vorbei

Trotz der Kursgewinne am Montag - vieles deutet darauf hin, dass sich die Finanzkrise eher noch verstärken könnte. So fürchtet die Bank für den internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), eine Art Zentralbank der internationalen Zentralbanken, laut ihrem Jahresbericht eine allgemeine Kreditverknappung. Außerdem hält die BIZ wegen der hohen Inflation weltweit tendenziell steigende Leitzinsen für notwendig. Dazu passt, dass die Teuerungsrate in der Eurozone im Juni bei 4,0 Prozent gelegen hat. Das war der höchste Stand seit der Einführung der Einheitswährung.

Auch der belgische Finanzkonzern Fortis gab eine wenig ermutigende Prognose ab. "Die Entwicklung in den USA ist deutlich schlimmer, als man denkt", sagte Verwaltungsratschef Maurice Lippens der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf". "Die USA laufen auf eine totale Kernschmelze zu." Fortis hatte in der vergangenen Woche sein Kapital um 1,5 Milliarden Euro erhöht.

Die Aktie des Schweizer Finanzkonzerns UBS verlor nach Spekulationen, der Konzern könne einen schwachen Vorabbericht für das zweite Quartal vorlegen.

BMW beschleunigt
Die Stammaktien des Autobauers waren bei den Anlegern gut gelitten. Ein Marktbeobachter verwies auf Eindeckungen leer verkaufter Positionen als Kurstreiber. "Bei vielen Werten sind die Shortquoten mittlerweile sehr hoch, der Gesamtmarkt ebenfalls überverkauft", so der Händler. Daraus resultiere deutliches Potenzial für schnelle, kräftige Erholungsbewegungen. Von den am Dienstag erwarteten US-Absatzzahlen für Juni drohe allerdings fundamental eher neues Ungemach.

RWE-Chef kauft ein
Eine der stärksten Papiere im Dax waren RWE-Stammaktien. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte RWE-Chef Jürgen Großmann erklärt, er habe für rund fünf Millionen Euro Aktien seines Unternehmens gekauft. "Die werde ich während meiner Dienstzeit nicht verkaufen", hatte Großmann gesagt.

Zu den schwächsten Aktien gehörten die Anteilsscheine von Infineon. Händler verwiesen neben einer negativen charttechnischen Situation auf eine negative Einschätzung durch Exane BNP Paribas. Die Analysten bestätigten die "Underperform"-Einstufung mit einem Kursziel von 4,70 Euro.

Air Berlin mit neuem Rekordtief
Die Aktien von Air Berlin verloren zeitweise mehr als 13 Prozent und fielen damit auf dem tiefsten Stand seit dem Börsengang. Analysten begründen den Einbruch damit, dass Air Berlin-Papiere von vielen Anlegern zum Ende des Halbjahres aus dem Depot entfernt wurden. Allein in den letzten sechs Monaten haben Air Berlin-Aktien mehr als 70 Prozent an Wert verloren.

Gildemeister mit Millionenauftrag
Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister hat einen weiteren Auftrag für sein Solarprodukt "Sun Carrier" an Land gezogen. 90 der Geräte, die Solarmodule nach ihrem Sonnenstand ausrichten, wird Gildemeister im spanischen Pozohondo aufbauen. Der Auftragswert liegt bei knapp 22 Millionen Euro, teilte Gildemeister mit. Die Sparte soll in diesem Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Euro erzielen.

Bilanz von Repower
Kursgewinne verbuchte die Aktie des Windkraftanlagen-Herstellers Repower. Die Firma hat im Rumpfgeschäftsjahr 2008 von der hohen Nachfrage nach Windenergieanlagen profitiert und sowohl bei Umsatz als auch Gewinn zugelegt. Das vom indischen Wettbewerber Suzlon kontrollierte Unternehmen steigerte die Erlöse von Januar bis März von 97,7 Millionen auf 147,4 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte von 255.400 Euro auf 3,1 Millionen Euro zu. Die Aktie steigt um 0,5 Prozent.

Centrotherm erhält Großauftrag
Der Solartechnik-Anlagenbauer Centrotherm berichtet von einem Großauftrag aus Portugal. Die TecDax-Firma wird mehrere Produktionslinien zur Herstellung von Solarzellen und Solarsilizium liefern. Die Auslieferung beginne Anfang kommenden Jahres, das Projekt habe eine Laufzeit von zwei Jahren. Die Nachricht verpuffte bei den Anlegern.

Epcos verliert nach Runterstufung
Aktien des TecDax-Unternehmens Epcos brachen nach einer Herabstufung ein. Die Analysten von Merrill Lynch hatten am Morgen den Hersteller von elektronischen Bauteilen mit "Underperform" bewertet und ein Kursziel von 12,60 Euro empfohlen.

Verunsicherung bei HCI
Die Papiere des Finanzdienstleisters HCI gerieten bis Handelsschluss deutlich unter die Räder. Finanzchef Rolando Gennari scheide mit sofortiger Wirkung aus, teilte das Emissionshaus am Montag mit. Während der Suche nach einem Nachfolger werde das Finanzressort kommissarisch vom neuen Vorstandschef Ralf Friedrichs mitgeführt.

Adva-Aktie bricht nach Gewinnwarnung ein
Die Aktie des Glasfaserspezialisten Adva verlor zeitweise mehr als ein Drittel. Die ehemals im TecDax notierte Firma hat ihre Prognose für Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal gesenkt. Zwei "wesentliche" Kunden hätten sich entschieden, ihre geplanten Anschaffungen erst später im Jahr vorzunehmen. Adva erwartet jetzt einen Quartalsumsatz zwischen 50 und 52 Millionen Euro. Zuvor ging das Unternehmen von einem Umsatz zwischen 55 und 59 Millionen Euro aus. Adva korrigierte auch die Gewinnprognose um einen Prozentpunkt nach unten.

Großauftrag für Utimaco
Der IT-Sicherheitssoftwarehersteller Utimaco hat einen Großauftrag von einer kanadischen Behörde erhalten. Das profitierte die Aktie des Unternehmens, obwohl es keine Aussagen zum Auftragsvolumen gibt.

Stratec kauft sich selber
Die Aktien des Medizintechnikunternehmens Stratec machten einen Sprung nach oben. Das Unternehmen will im zweiten Halbjahr eigene Aktien im Wert von zwei Millionen Euro zurückkaufen.

Roche macht Riesen-Satz
Der Schweizer Pharmariese war am Montag bei den Anlegern stark gefragt. Einerseits werde das Unternehmen von den Anlegern als sicherer Hafen betrachtet, sagten Händler. Andererseits gebe es Anzeichen dafür, dass bei den Umsatzschätzungen für die beiden Krebsmedikamente Avastin und Rituxan positives Überraschungspotenzial bestehe.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr