Oben ist die Luft dünn

Stand: 16.04.2007, 19:51 Uhr

Nach seinem Hochsprung zeigt der Dax leichte Ermüdungserscheinungen. Der L-Dax schloss mit 7.331 Punkten. Zinsen und hoher Ölpreis machen Anleger offenbar nachdenklich.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Mai-Auslieferung ist zwar wieder etwas gefallen, er wurde im späten Handel mit 62,91 Dollar gehandelt. Das waren 73 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Aber: Im Vergleich zu Mitte Februar kostet Benzin in den Vereinigten Staaten inzwischen rund 40 Prozent mehr.

Preisgefahren durch Öl

Dass der hohe Ölpreis keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen ist, beweisen die Warnungen des EZB-Ratsmitglieds Klaus Liebscher. Ihm zufolge gibt es weiterhin Inflationsrisiken im Euro-Raum. "Die Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität stehen vor allem mit höheren Lohnforderungen und natürlich dem Ölpreis im Zusammenhang", sagte Liebscher am Montag seinem Redetext zufolge bei einem Vortrag in New York. Gleichzeitig sei der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) von 3,75 Prozent moderat und fördere die Konjunktur. Künftig sei deshalb ein entschlossenes und rechtzeitiges Handeln der Zentralbank geboten, um die Preisstabilität zu sichern. Es komme darauf an, dass die Risiken für die Preisstabilität nicht einträten. Liebscher bekräftigte damit die jüngste Erklärung des EZB-Rates, die an den Finanzmärkten als Ankündigung einer weiteren Zinserhöhung im Juni verstanden wird.

Der Dax hatte den Xetra-Handel mit 7.338 Punkten, 1,75 Prozent höher beendet. In New York waren Dow Jones-Index und der von Technologie-Aktien geprägte Nasdaq Composite bis zum Abend um jeweils 0,8 Prozent gestiegen.

Magna und Daimler führen "konkrete Verhandlungen"
Beim Versuch, eine Lösung für seine kränkelnde Konzerntochter Chrysler zu finden, scheint DaimlerChrysler bald am Ziel zu sein. Der deutsch-amerikanische Technologiekonzern DaimlerChrysler und der kanadische Autozulieferer Magna International sind einem Zeitungsbericht zufolge nämlich bereits in fortgeschrittenen Verkaufsgesprächen über Chrysler. In dieser Woche treffe sich ein Verhandlungsteam der Kanadier mit Vertretern des deutsch-amerikanischen Autobauers, meldete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorab aus ihrer Dienstagausgabe. Es gehe um konkrete Verhandlungen über die unter schwacher Nachfrage leidende US-Tochter. Magna verbünde sich dazu mit dem Finanzinvestor Onex, berichtete die Zeitung weiter. DaimlerChrysler wollte zu dem Bericht nicht Stellung beziehen. Chrysler ist Großkunde von Magna. Die Kanadier prüfen nach eigenem Bekunden alle Möglichkeiten für einen Kauf des US-Autoherstellers, mit dem Magna seit langem eng verbunden ist.

Übernahmekampf um ABN Amro?
Während sich bei DaimlerChrysler eine Lösung abzeichnet, bahnt sich um die niederländische Großbank ABN Amro ein Bieterkampf an. Die Royal Bank of Scotland, Santander Central Hispano und Fortis platzen offenbar in die Fusionsgespräche um das niederländische Kreditinstitut rein und wollen den Konkurrenten womöglich untereinander aufteilen. Der Vorstoß bringe die Kaufpläne der britischen Bank Barclays in Gefahr, hieß es. Den Commerzbank- Aktien bekommt das Gerangel um ABN Amro offenbar gut. Sie legten rund vier Prozent zu. Laut Händlern ist dies traditionell der erste Titel, der bei Übernahmefantasie ins Laufen kommt. Aktien der Deutschen Bank rückten um rund drei Prozent vor.

Abseits jeglicher Fusionen und Übernahmen hielten sich die Aktien des Handelskonzerns Metro an der Spitze des Dax. Die Credit Suisse hat ihre Einstufung von "Neutral" auf "Outperform" erhöht und das Kursziel von 44,00 auf 60,00 Euro nach oben gesetzt.

Henkel macht Appetit auf steigende Dividenden
Die Anteilseigner des Konsumgüterkonzerns Henkel können auf höhere Dividenden hoffen. Konzernchef Ulrich Lehner kündigte bei der Hauptversammlung in Düsseldorf an, Henkel wolle seine Dividendenpolitik fortsetzen und weiter rund 25 Prozent des Netto-Gewinns ausschütten. Bei höheren Gewinnen würden damit auch die Dividenden steigen. Für 2006 will Henkel 1,44 (1,30) Euro je Stammaktie und 1,50 (1,36) Euro je Vorzugsaktie zahlen. Lehner bekräftigte, Henkel werde seinen Gewinn weiter steigern. Die Düsseldorfer wollen organisch, also ohne Übernahmen jährlich zwischen drei und vier Prozent wachsen.

Kein Tête-à-tête zwischen Lufthansa und Iberia
Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber rechnet derzeit nicht mit der Übernahme eines Konkurrenten. Lufthansa wolle sich aktiv an möglichen Zusammenschlüssen beteiligen und sei auch finanziell zu Zukäufen in der Lage, sagte Mayrhuber am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in Frankfurt. "Aber ich sehe im Moment kaum eine Chance, etwas zu tun, was für uns wirtschaftlich wäre", sagte der Konzernchef in einem Interview am Rande einer Luftfahrttagung. Auch mit dem spanischen Konkurrenten Iberia gebe es derzeit keine Gespräche. Der aktuelle Preis für Iberia sei durch Spekulationen in die Höhe getrieben worden.

Siemens schürt VDO-Fantasie
Der Münchner Technologie-Konzern Siemens hält trotz des Interesses von Konkurrenten und Finanzinvestoren an einem Börsengang des Autozulieferers VDO fest. "Wir haben ganz klar gesagt: Siemens VDO ist ein sehr wertvolles Geschäft, das sieht man auch an dem großen öffentlichen Interesse daran, und ein Wachstumsgeschäft", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld dem Nachrichtensender n-tv. Damit reagierte er auf einen Bericht der "Financial Times Deutschland", in dem es hieß, Siemens forciere einen möglichen Komplettverkauf der Autozulieferer-Tochter als Alternative zu einem Börsengang.

Klöckner & Co auf Allzeithoch
Der Stahlhändler Klöckner & Co hat schon wieder eine Übernahme in trockenen Tüchern. Das MDax-Mitglied kauft die amerikanische Stahldistributionsfirma Primary Steel für eine nicht genannte Summe. Außerdem hat die Deutsche Bank das Kursziel von 50 auf 57 Euro angehoben und ihre Kaufempfehlung bestätigt. Die Klöckner-Aktie notierte vorübergehend mit 50,27 Euro auf Rekordhöhe.

Symrise auf Achterbahn-Kurs
Eine ungewöhnliche Tal- und Bergfahrt mussten die Symrise-Aktionäre mit ansehen. Zunächst fiel die Aktie des Aromenherstellers an das MDax-Ende, um im Laufe des Vormittags nach einer Empfehlung der Deutschen Bank massiv anzuziehen. Die Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlung und ihr Kursziel von 23 Euro.

Im TecDax schossen WireCard den Vogel mit einem Kursaufschlag von über sieben Prozent ab. Die Aktien des Anbieters von Zahlungsabwicklungen haben nach Meinung von Marktteilnehmern bereits auf einem neuen Rekordhoch aufgemacht und damit ein Kaufsignal ausgesendet, hieß es.

Gut im Rennen lagen Aktien des Windkraftanlagenbauers Nordex. Ein Analyst verwies auf Anschlusskäufe nach dem jüngsten Großauftrag von Babcock & Brown über Windturbinen mit einer Leistung von bis zu 640 Megawatt. "Am Dienstag gibt es dazu ein Analystentreffen - hoffentlich mit ein paar Details", sagte der Experte. Zudem sei Nordex auf der Messe Hannover präsent. "Das alles sind gute Gründe für den Kursanstieg, allerdings wird die Bewertung der Aktie von Tag zu Tag teurer. Es wird Zeit für ein paar Gewinnmitnahmen", so der Analyst.

GPC Biotech macht Fortschritte
Das Biotech-Unternehmen GPC Biotech ist bei der erhofften Zulassung seines Hoffnungsträgers Satraplatin zur Bekämpfung von Prostatakrebs einen Schritt vorangekommen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat den Zulassungsantrag für das Mittel in Kombination mit einem anderen Präparat angenommen. Außerdem soll Satraplatin beschleunigt geprüft werden. Die GPC-Aktie machte einen Freudensprung.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr