Obama schickt Märkte auf Talfahrt

Stand: 21.01.2010, 20:05 Uhr

Die Pläne Barack Obamas, die Handlungsfreiheit der Banken zu beschneiden und sie unter eine schärfere Aufsicht zu stellen, haben die Aktienkurse am Abend tief einbrechen lassen. Zuvor hatten bereits schlechte Konjunkturdaten für Gewinnmitnahmen gesorgt.

Der Dax verliert im Abendhandel gut 134 Punkte (2,3 Prozent) und fällt auf 5.734. Das sind gut 30 Punkte mehr als zum Ende des Xetra-Handels. Ausgelöst wurde der Kursrutsch von der Ankündigung Barack Obamas den Wertpapierhandel von Banken auf eigene Rechnung einzuschränken und damit de facto riskante Geschäfte zur Gewinnmaximierung zu verbieten. Händler befürchten enorme Auswirkungen auf die großen Wall-Street-Banken wie Goldman Sachs und JPMorgan. "Wenn die den Eigenhandel stoppen, dann wird das nicht nur Liquidität aus dem Markt nehmen, sondern die ganze Struktur der Wall Street verändern", hieß es. Die Kurse der großen Banken verloren deshalb auch am Abend bis zu fünf Prozent.

Dabei hat gerade Goldman Sachs, die renommierteste Bank der amerikanischen Finanzbranche, im vierten Quartal 2009 wieder kräftig verdient, dank vor allem der sprudelnden Gewinne im Eigenhandel. Die Bank verbuchte einen Nettogewinn von 4,95 Milliarden Dollar. Die Aktie konnte sich dem Abwärtstrend trotzdem nicht entziehen.

Enttäuscht reagierten die Anleger auch auf die neuesten US-Arbeitsmarktdaten. Zudem hat sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Januar stärker eingetrübt als erwartet. Kein Wunder also, dass der Dow-Jones-Index zum Börsenschluss in Deutschland fast 200 Punkte (etwa zwei Prozent) verliert, auf 10.400.

Wieder Übernahmespekulationen bei MAN
Neue Gerüchte über ein bevorstehendes Übernahmeangebot durch Volkswagen haben die Aktie von MAN befeuert. Die Papiere schafften es zeitweise bis an die Dax-Spitze, müssen dann aber ihre Gewinne wieder abgeben. Händlern zufolge bereitet VW ein Kaufangebot des Lkw- und Maschinenbauers vor. VW lehnte eine Stellungnahme ab.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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22,87
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ThyssenKrupp unter Druck
Trotz eines optimistischen Ausblicks haben Anleger die Aktien des Stahl- und Industriegüterkonzerns ThyssenKrupp heute eher gemieden. "Unsere Ergebnisse sind besser als erwartet", hatte Vorstandschef Ekkehard Schulz auf der Hauptversammlung versichert. Auch die Prognose für das Jahresergebnis bestätigte er. Nach anfänglichen Gewinnen gibt die Aktie dennoch nach. Grund sind die eklatant höheren Kosten für die Werke in Brasilien und den USA.

Bayer größter Dax-Verlierer
Spekulationen über einen bevorstehenden Umbau bei Bayer hat der künftige Konzern-Chef Marijn Dekkers heute gedämpft. "Ich bin davon überzeugt, am 1. Oktober die Leitung eines sehr gut aufgestellten Unternehmens zu übernehmen. Hier gibt es keinen Sanierungsbedarf", sagte Dekkers. Als Dekkers Mitte September überraschend zum Nachfolger von Vorstandschef Werner Wenning berufen wurde, waren sofort Spekulationen laut geworden, Bayer könnte vor einem Umbruch stehen. Anleger nutzen die Aussage zu massiven Gewinnmitnahmen von knapp fünf Prozent.

Post im Visier der Politik
Einem "Handelsblatt"-Bericht zufolge spricht sich die FDP in einem internen Papier der Bundestagsfraktion für eine Aufspaltung der Deutschen Post aus. Darin kommt die Arbeitsgruppe Wirtschaft zu dem Schluss, dass das geplante Entflechtungsgesetz fast auf das gesamte Briefgeschäft der Post anzuwenden sei. Allerdings seien die Pläne noch weit von einer Realisierung entfernt. Entsprechend moderat reagieren die Anleger.

Sky herabgestuft
Sky Deutschland haben zeitweise bis zu fünf Prozent eingebüßt und sind damit Schlusslicht im MDax. Zuvor hatte DZ-Bank-Analyst Harald Heider seine Verkaufsempfehlung für die Aktie des Bezahlfernsehsenders bestätigt und seinen fairen Wert auf 1,76 von 1,86 Euro gesenkt. "Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs im Pay-TV-Geschäft haben wir unsere Umsatz- und Ertragsprognose reduziert", schrieb Heider in einem Kurzkommentar. Sky stehe in Konkurrenz zu den Kabelnetzbetreibern und zur Deutschen Telekom.

HeidelbergCement geben weiter ab
Die Aktie der im MDax notierten HeidelbergCement muss auch heute kräftig Federn lassen. Dabei hat Morgan Stanley die Einstufung des Papiers auf "Overweight" mit einem Kursziel von 62,90 Euro belassen. Der Baustoffkonzern bleibe aufgrund der attraktiven Bewertung und der Bilanzrestrukturierung ein "Top Pick". Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt dagegen die französische BNP Paribas. Sie stufte die Aktie auf "neutral" herunter.

Klöckner & Co.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,14
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+1,20%

KlöCo zahlt geringere Strafe
Ein französisches Berufungsgericht hat das Bußgeld für eine KlöCö-Tochter von 169 auf 23,5 Millionen Euro reduziert. Analysten bewerten die Entscheidung als positiv. Zudem empfindet Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank auch den Ausblick für den Stahlmarkt als ermutigend. Die Aktie des MDax-Unternehmens machte zunächst einen kräftigen Sprung nach oben, büßte ihre Gewinne bis zum Handelsschluss aber wieder ein.

Gerry Weber glänzt wieder
Vorläufige Zahlen und die Zusage einer Dividende haben Gerry Weber an die SDax-Spitze gehievt. Der Modehersteller hat seine Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 präsentiert. Der Umsatz kletterte um 4,2 Prozent auf 594 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um 13,6 Prozent auf 71,2 Millionen Euro. Die Dividende soll um 10 auf 85 Cent je Aktie steigen. Das SDax-Mitglied rechnet für das Geschäftsjahr 2009/10 mit einem Konzernumsatz zwischen 615 und 620 Millionen Euro. Die Ebit-Marge soll auf 13 Prozent zulegen. Die Mode-Aktie kann zunächst kräftig zulegen.

Nokia drängt TomTom ins Abseits
Die Anteilsscheine des Navigationsgeräte-Herstellers TomTom brechen ein. Grund ist die Ankündigung des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia, eine kostenlose Navigations-Software auf Smartphones anzubieten. "Der bisherige Gewinnbringer, die mobilen Navigationsgeräte, wird weiter unter Druck kommen. Die Margen werden leiden", sagte ein Händler.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr