Nur eine Zwischenerholung?

Stand: 24.05.2011, 20:04 Uhr

Von dem großen Kursverlust zum Wochenauftakt hat sich der Dax am Dienstag etwas erholt. Doch nahm sich das Plus von gerade einmal 0,4 Prozent sehr mager aus, vor allem weil es durchaus gute Konjunkturnachrichten zu verarbeiten gab. Die Wall Street drehte am Abend wieder ins Minus.

Der Konjunkturoptimismus kann die Sorgen um die Schuldenkrise in Europa nicht verdrängen. Trotz guter Wirtschaftszahlen dominierten an der Wall Street am Nahmittag und am Abend die Minuszeichen, der Dax - der zwischenzeitlich mehr als ein Prozent zulegen konnte - schloss 0,4 Prozent im Plus, bei 7.151 Punkten.

Dabei wäre durchaus mehr drin gewesen. Viele Anleger deckten sich zumindest am Morgen mit vermeintlich billigen Schnäppchen ein - der Dax hatte am Montag zwei Prozent verloren. Nachdem der Ifo-Index mit einem Indexstand von 114,2 Punkten positiv überraschte, legten die Kurse weiter zu. Und als schließlich die amerikanische Statistik zum Eigenheimverkauf im April ebenfalls deutlich besser als erwartet ausfiel, weitete sich das Dax-Plus auf bis zu ein Prozent aus.

Die überraschend schwache Entwicklung an der New Yorker Börse am Nachmittag holte die Dax-Anleger auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Krise in Europa, in Griechenland, Portugal, Irland und vielleicht auch Italien und Belgien, ist nicht vorbei. Sie wird auch in Zukunft die Aktienmärkte bestimmen.

Dass Griechenland beschlossen hatte, sich über großangelegte Privatisierungen Geld zu beschaffen, beeindruckte vor allem griechische Anleger. In Athen legten Bank-Aktien stark zu. Im Dax wurde diese Nachricht ignoriert.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,38
Differenz relativ
+0,60%

Die Aschewolke kehrt zurück
Die Aktien von Fluggesellschaften waren am Dienstag unter den Verlierern zu finden. Im Dax gab die Lufthansa-Aktie 1,5 Prozent nach, im SDax verlor Air Berlin 1,7 Prozent. Übereinstimmend verwiesen die Branchenbeobachter auf Grimsvötn, den neuen isländischen Aschevulkan, der derzeit den nordeuropäischen Flugverkehr beeinträchtigt. Die Lufthansa annullierte ihre Flüge ins schottische Edinburgh.

K+S wird von der Citibank gemocht
Während die Lufthansa-Aktie die Verliererliste anführte, gewann das Papier des Düngemittelherstellers K+S 2,6 Prozent und eroberte damit den Dax-Siegerpokal. Eine Studie der Citibank motivierte die K+S-Aktionäre zum Kauf. Die Bank geht davon aus, dass die Kalipreise langfristig steigen werden.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,00
Differenz relativ
+0,49%

VW expandiert in den USA
Ebenfalls mit deutlich überdurchschnittlich Kursgewinnen beendete die VW-Aktie den Handelstag. Der Konzern eröffnet ein neues Werk in den USA. Mithilfe der zusätzlichen Produktionskapazität könnte, meinen Analysten, VW seinen Marktanteil in Amerika signifikant erhöhen. Laut Medienberichten will der Konzern zudem sein Händlernetz in den USA stark ausbauen. Die Aktien der Autokonzerne BMW und Daimler waren am Dienstag ebenfalls gefragt.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,20
Differenz relativ
-1,37%

Commerzbank nur noch drei Euro wert
Der zweite Schritt der milliardenschweren Kapitalerhöhung der Commerzbank bewirkte am Dienstag, dass die Aktie der Bank ohne das Bezugsrecht im Wert von 0,74 Euro je Aktie gehandelt wurde. Dies führt zu einem optischen Abschlag von fast 20 Prozent auf 3,01 Euro, reell legte die Aktie fast ein Prozent zu.

Postbank "bleibt eigenständig"
Die von der Deutschen Bank übernommene Postbank lud am Dienstag zu ihrer Hauptversammlung. 2010 habe man, teilte die Bank mit, bereits Synergien aus dem Zusammenschluss im Volumen von 60 Millionen Euro erzielt, sagte Geschäftsführer Stefan Jütte. Jütte betonte, sein Konzern bleibe auch nach der Mehrheitsübernahme durch die Deutsche Bank Ende vergangenen Jahres ein eigenständiges Unternehmen. Das Institut mit seinen mehr als 14 Millionen Kunden bleibe "unverändert als Bank zur Deckung für den Grundbedarf" positioniert.

Auftrag aus China für Nordex
Der Windkraftkonzern Nordex meldete eine neue millionenschwere Order aus China. Für den Energieversorger Ningxia Electric Power wird das TecDax-Unternehmen 33 Anlagen mit einen Gesamtleistung von fast 50 Megawatt bauen. Die Nordex-Aktie legte am Dienstag 0,6 Prozent zu.

Solarworld warnt vor sinkenden Gewinnen
Die Solarworld-Aktie aus dem TecDax reagierte allergisch auf kritische Aussagen von Unternehmenschef Frank Asbeck. Dieser sagte auf der Hauptversammlung in Bonn, dass er daran zweifelt, ob Solarworld seine bisherige Ebit-Marge von mehr als 14 Prozent halten könne. Der Preisdruck und die steigenden Rohstoffkosten würden die Gewinnträchtigkeit des Konzerns empfindlich beeinflussen. Die Aktie verlor 3,4 Prozent.

Kabel Deutschland: Übernahmegerücht
Aktien von Kabel Deutschland legten am Dienstag um 4,1 Prozent zu. Angeblich, sagten Händler, hat der britischen Telekomriese Vodafone Interesse an der Übernahme des deutschen Kabelnetzbetreibers. Details zu einem möglichen Übernahmepreis gab es allerdings nicht, beide Unternehmen kommentierten die Gerüchte nicht.

AIG zurück an die Börse
Der amerikanische Staat verringert seine Beteiligung an Unternehmen, die wegen der Finanzkrise verstaatlicht wurden, weiter. Jetzt will die Regierung Aktien des Versicherers AIG an der Börse platzieren, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Dabei soll ein Preis von 29 bis 30 Dollar erzielt werden. Zunächst soll der Staatsanteil von derzeit 92 Prozent auf 77 Prozent gesenkt werden. Der Versicherer war nach riskanten Wertpapiergeschäften in der Finanzkrise kollabiert und wurde mit Staatshilfen von 182 Milliarden Dollar gerettet.

Glencore stolpert, Yandex sprintet
Zwei milliardenschwere Unternehmen sind am Dienstag erstmals an der Börse notiert. Der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore enttäuschte bei seinem offiziellen IPO in London leicht und blieb im Tagesverlauf leicht unter Tagesniveau. Am Mittwoch wird die 40 Milliarden Euro teure Firma aus der Schweiz aller Wahrscheinlichkeit nach in den FTSE 100 aufgenommen.

Der Börsengang des russischen Internetunternehmens Yandex an die New Yorker Nasdaq ist der größte in der Branche seit dem IPO von Google vor vier Jahren und darf als gelungen gelten. Yandex gelang es, 52,5 Millionen Aktien zu einem Preis 25 Dollar zu verkaufen, was dem Unternehmen einen Nettoerlös von 1,3 Milliarden Dollar bescherte. Am ersten Handelstag legte die Yandex-Aktie um bis zu 40 Prozent zu.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr