Marktbericht 20 Uhr

Janet Yellen bringt keine Klarheit Nur eine kurze Börsenfreude

Stand: 26.08.2016, 20:00 Uhr

Die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen hat gesprochen. Der Zinsschritt kommt - aber wohl nicht im September. Das lockte Anleger. Aber die Freude war schnell wieder vorbei.

Yellens Kernaussage: Die Argumente für eine Zinsanhebung sind in den vergangenen Monaten stärker geworden. Der Leitzins werde im Laufe der Zeit "graduell" steigen. Doch wann genau sie ihren nächsten Zinserhöhungsschritt wagen will, ließ die Notenbankchefin offen. Am Ende brachte die Rede damit nicht viel Neues. An den Finanzmärkte wird dies so gedeutet, dass der September-Termin für eine mögliche Zinserhöhung immer unwahrscheinlicher wird.

Das lockte Anleger zum Aktienkauf, die sich vor Yellens Rede auf der jährlichen Notenbankkonferenz im amerikanischen Jackson Hole zurückgehalten hatten. Bis auf 10.613 Punkte schoss der deutsche Leitindex Dax zunächst in Reaktion auf die Rede. "Die Investoren beruhigt, dass Janet Yellen eine Annäherung der Wirtschaft an die Ziele der Notenbank verkündet, gleichzeitig eine baldige Zinserhöhung aber noch nicht ausgemachte Sache ist. Damit hält sie das Umfeld im Optimalszenario niedriger Zinsen bei einigermaßen stabiler Wirtschaft in den USA", sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Analyst Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital kommentierte dagegen: "Die Argumente für Zinsanhebungen sind seit Jahren stärker geworden, so dass dies nicht viel Neues sagt." Auch Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner konnte in den Aussagen Yellens "keine sensationellen Neuigkeiten" erkennen.

Später ging's abwärts

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Börse 16.00 Uhr

Die Börsenfreude verflog denn auch schnell. Am Ende des Xetra-Handels schloss der Dax etwas tiefer bei10.587,77 Punkten. Der L-Dax im späten Handel tauchte sogar ins Minus. Daran hatte auch Yellens Vizechef Stanley Fischer seinen Anteil. Er hatte angedeutet, dass die Währungshüter in diesem Jahr nicht nur einmal, sondern gleich zweimal ihren Leitzins anheben könnten.

Auch an der Wall Street war es schnell vorbei mit der Kauflaune. Der US-Leitindex Dow Jones legte zwar zunächst 0,7 Prozent zu, tauchte aber später im Handelsverlauf ins Minus.

Beim Dollar ging es schon gleich am Anfang impulsiv zu. In Reaktion auf Yellens Rede gewann die amerikanische Währung zunächst an Fahrt. Oder aus Euro-Sicht: Die europäische Währung sackte einen halben US-Cent abwärts, dann gab es einen größeren Ausschlag von einem Cent aufwärts bis auf 1,1340 Dollar, bis schließlich die Abwärtsrichtung gewann: Der Euro sackte bis auf 1,1216 Dollar.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1412
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.414,77
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+0,52%

Wie läuft's am US-Arbeitsmarkt?

Letztlich dreht sich alles um die Frage, wie stark die US-Wirtschaft wirklich ist, ob sie also einen Zinsschritt verkraften könnte. In dieser Hinsicht brachte die zweite Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts keine Überraschung. Das Wachstum im zweiten wurde zwar nach unten revidiert, auf eine auf das Jahr hochgerechnete Rate von 1,1 Prozent. Doch eben das hatten Analysten vorausgesagt.

Interessanter dürfte die nächste US-Arbeitsmarktbilanz am kommenden Freitag werden. "Fällt sie deutlich besser aus, könnte der Zinsschritt auch schon im September erfolgen", sagte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank.

Beim Öl entweicht die Fantasie

Die abwartende Haltung der Fed hat auch die Ölpreise wieder etwas steigen lassen. Zuvor hatte der saudische Energieminister die Preise noch unter Druck gebracht. Khalid Al-Falih dämpfte nämlich die Erwartungen, dass man sich auf dem Opec-Treffen im September in Algier auf eine Öl-Fördergrenze würde einigen können.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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66,88
Differenz relativ
+0,11%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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56,60
Differenz relativ
-0,04%

VW mal wieder im Blick

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Im Dax setzte sich die VW-Aktie an die Dax-Spitze mit rund drei Prozent Plus. Anleger waren erleichtert über die Einigung zur Entschädigung der US-Händler. Zudem verzichtet VW nach der Einigung im Zulieferstreit in fünf von sechs Werken auf Kurzarbeit. In der Dieselgate-Abgasaffäre selbst hat der zuständige US-Richter Breyer den Druck auf den Konzern erhöht.

Lufthansa-Chef im Pilotenkonflikt zuversichtlich

Auch das Lufthansa-Papier stand im Fokus. Firmenchef Carsten Spohr sieht gute Chancen, den Konflikt mit den Piloten noch in diesem Jahr zu beenden. Mit Verdi und Ufo habe man sich bereits geeinigt, mit der Gewerkschaft Cockpit soll dies alsbald auch geschehen. Beim Konflikt geht es primär um die Bedingungen der Frühpensionierung.

Stada: Der Showdown läuft

Seit 10:00 Uhr läuft die Hauptversammlung des Generikaherstellers Stada aus dem MDax. Kann sich Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) mit seinen Forderungen nach einer Neubesetzung der Kapitalseite des Aufsichtsrats durchsetzen? Zumindest geht es vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung am Abend hoch her. AOC griff die Chef-Aufseher des Pharma-Konzerns frontal an. Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Abend und sein Stellvertreter Carl Ferdinand Oetker hätten in ihrer Kontrollfunktion über Jahre versagt, sagte der AOC-Mitbegründer Florian Schuhbauer.

Leoni unter Druck

Im MDax gingen die Aktien des Autozulieferers Leoni nach einem negativen Analystenkommentar auf Tauchstation. Die Deutsche Bank empfahl die Titel zum Verkauf und begründeten dies unter anderem mit einem schwächeren Ergebniswachstum im zweiten Halbjahr. Die jüngste Kursrally sei nicht angemessen, zumal Einmal-Posten die Gründe gewesen seien für das besser als erwartet ausgefallene Quartal, schrieb der Experte.

Nordex an der TecDax-Spitze

Dem Windradhersteller Nordex winkt womöglich ein lukrativer Großauftrag in Chile. Es geht um eine 183-Megawatt-Windpark. Der Verhandlungsapartner, der international tätige spanische Konzern Acciona, hat den Auftrag für die Lieferung von 500 Megawatt Strom in Chile erhalten und plant nun den Bau des Windparks.

Der BVB hat das große Los gezogen

Der einzige börsennotierte deutsche Fußballclub, der BVB, hat in der Auslosung für die Gruppenphase der Champions League mit dem Gegner Real Madrid das große Los gezogen. Das Spiel gegen den Titelverteidiger ist zwar sportlich herausfordernd, dürfte dafür aber für großes Interesse sorgen. Die anderen Gegner in der Gruppenphase des lukrativen Wettbewerbs sind zudem sportlich machbar. Zugelost wurden Legia Warschau und Sporting Lissabon. An der Börse war die im SDax notierte Aktie zuletzt gut gelaufen.

Dämpfer für GfK-Verkaufsgerüchte

Im SDax verloren GfK-Aktien zeitweise rund zwei Prozent, da die jüngsten Verkaufsgerüchte einen Dämpfer erhielten. Der Mehrheitsaktionär, der GfK-Verein, hat nämlich einen Verkauf seiner Anteile ausgeschlossen.

Vivendi verstimmt Anleger

An der Börse in Paris schlug Aktionären von Vivendi ein Gewinneinbruch auf den Magen. Der verschärfte Wettbewerb am französischen Fernsehmarkt setzt dem Medienkonzern zu.

Bei Gemalto läuft es gut

In Amsterdam schossen die Aktien von Gemalto sieben Prozent in die Höhe - auf ein Fünf-Monats-Hoch. Der Anbieter von Produkten zur digitalen Sicherheit hatte eine kräftige Ergebnissteigerung für das erste Halbjahr präsentiert.

Spionagesoftware für Apple-iPhones entdeckt

Eine bisher unbekannte Spionagesoftware hat die iPhones des Apple-Konzerns in bisher nie gekanntem Ausmaß angegriffen. Zwar schloss Apple die Sicherheitslücken am Donnerstag, die enormen Fähigkeiten der Überwachungssoftware verblüfften aber Experten. Diese nannten das Programm "Pegasus". Schaden an der Apple-Aktie richtete das aber nicht an.

Ganz anders die Aktien von Herbalife, die um mehr als fünf Prozent einbrachen. Denn der aktivistische Investor Carl Icahn hat möglicherweise im Sinn, seinen Anteil an dem Hersteller von Diätprodukten zu veräußern. Fast sechs Prozent bergab ging es für Ulta Salon. Der Kosmetik-Einzelhänder enttäuschte die Märkte mit seiner Prognose für das laufende Quartal.

bs

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"