Nur ein Strohfeuer

Lothar Gries

Stand: 07.07.2008, 20:05 Uhr

Die Freude über den gefallenen Ölpreis wärte nur kurz. Neue Hiobsbotschaften von der US-Finanzkrise drücken am Abend die Kurse an der Wall Street ins Minus. Das trübt auch den Späthandel in Frankfurt.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem mageren Kursgewinn von nur noch 24 Punkten bei 6303 Zählern, gut 90 Punkte weniger als der Xetra-Handel. Ausgelöst wurde der plötzliche Einbruch durch die Verluste an der New Yorker Wall Street. Dort sind die Börsen nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus gedreht, nachdem die US-Notenbank erklärt hatte, dass die Bankenbranche mehr Kapital brauche. Daraufhin verbilligten sich die Aktien der großen Geldhäuser um bis zu acht Prozent.

Auch die Energiewerte wie Exxon Mobil notieren 1,3 Prozent leichter, weil der Preis für ein Barrel Öl um mehr als fünf Dollar nachgegeben hat und zeitweise unter 140 Dollar gefallen war. Am frühen Abend erreichte er ein Tagestief von 139,50 Dollar. Hintergrund sind der festere Dollar sowie eine leichte Entspannung zwischen dem Iran und den westlichen Staaten. Hoffnungen am Markt, wonach der Hurrikan "Bertha" die Ölförderanlagen im Golf von Mexiko weitgehend verschonen wird, drückten den Preis zusätzlich.

Dabei hatten die Anleger im elektronischen Handel noch erleichtert auf den Ölpreisrückgang reagiert, so dass der Dax seine Gewinne im Laufe des Nachmittags seine Gewinne deutlich ausweiten konnte und in der Spitze mehr als zwei Prozent zulegte. Am Ende blieb ein Plus von 123 Punkten oder 1,97 Prozent auf 6395 Zähler.

Nur die Postbank und ihre Muttergesellschaft Deutsche Post standen weiter unter Abgabedruck. Trotz einer wahrscheinlichen Übernahme des Bonner Instituts halten die Analysten der UBS das Aufwärtspotenzial für die Aktien begrenzt. Der Studie zufolge hätten einheimische Käufer, die die größten Synergien erzeugen könnten, in bedeutendem Maße unter der Finanzkrise gelitten. Dies dürfte den Kaufpreis für die Postbank nach unten drücken. Offenbar sieht die Post den Wert ihrer Banktochter bei mehr als zehn Milliarden Euro, die bisherigen unverbindlichen Gebote der Interessenten liegen aber zwischen acht und neun Milliarden Euro.

Klöckner überrascht positiv

Klöckner & Co hat nach den vorläufigen Zahlen für das erste Halbjahr ein deutlich über den Erwartungen liegendes Ergebnis erzielt. Das vorläufige operative Ergebnis (Ergebnis vor Abschreibungen, Steuern und Zinsen; EBITDA) in Höhe von ca. 310 Mio. Euro liegt um ca. 115 Mio. Euro über dem Vorjahreswert von 195 Mio. Euro. Im zweiten Quartal hat sich das vorläufige operative Ergebnis (EBITDA) in Höhe von etwa 200 Millionen Euro nahezu verdoppelt. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein operatives Ergebnis von 480 Millionen Euro.

Netzagentur treibt Eon und RWE
Die Bundesnetzagentur hat den Energiekonzernen eine deutlich höhere Rendite für diese Investitionen zugebilligt. Die Unternehmen können so mit Mehrerlösen von bis zu 300 Millionen Euro rechnen. Die Behörde sieht damit einen größeren Anreiz, die Modernisierung des Netzes voranzubringen. Für Investitionen in Neuanlagen dürfen die Unternehmen ab 1. Januar nächsten Jahres 9,29 Prozent Zins vor Steuern statt der bisher geltenden 7,91 Prozent berechnen. Bei Altanlagen gelten ab 2009 statt bisher 6,5 Prozent künftig 7,56 Prozent. Zudem profitierten die Versorger von der Hoffnung, einige Atomkraftwerke länger laufen zu lassen als bisher geplant. Die Aktien von Eon und RWE steigen jeweils um mehr als drei Prozent. Eon schaffen gar den Sprung über die Marke von 130 Euro.

Bayer an Dax-Spitze
Die Aktie des Pharmaherstellers steigen um mehr als vier Prozent. Händler verweisen auf eine Sektorhochstufung durch die ING. Die Analysten hoben ihre Einschätzung für europäische Healthcare-Titel von "Neutral" auf "Overweight" an. Zudem hat der Konkurrent Teva im Bereich Multiple Sklerose einen Rückschlag erlitten. Die Gabe der doppelten Dosis des Teva-Mittels Copaxone habe keinen Vorteil im Vergleich zur Standarddosis gebracht.

Siemens klettern zeitweise über 71 Euro
Papiere des Elektronikkonzerns haben heute um mehr als drei Prozent zugelegt. Grund ist eine Heraufstufung durch Citigroup. Die Bank hat den Konzern nach einem Investorentag mit der Einstufung "Buy" und dem Kursziel 100 Euro bestätigt. Es gebe positive Trends im Energiesektor des Unternehmens, schrieb Analyst Tim Adams. Auch die Nachricht über einen massiven Aktienrückkauf sowie die bevorstehende Einigung über den Abbau von 17 000 Stellen haben der Akrie zu dem kräftigen Auftrieb verholfen.

Henkel kündigt Stellenabbau an
Der mit den hohen Rohstoffpreisen und hartem Wettbewerb kämpfende Konsumgüterkonzern Henkel will in Deutschland rund 1000 Stellen abbauen. Die Arbeitsplätze würden bis 2011 wegfallen, sagte ein Sprecher. "Betriebsbedingte Kündigungen können wir nicht ausschließen", fügte er hinzu. Die Henkel-Aktie baute nach der Ankündigung ihre Kursgewinne aus.

Microsoft wieder an Yahoo interessiert
Der Softwareriese Microsoft ist überraschend wieder an einer Übernahme des Internet-Konzerns Yahoo interessiert, allerdings unter der Bedingung, dass die derzeitige Führung des Internetkonzerns ausgetauscht wird. Microsoft würde mit einer anderen Yahoo-Führung erneut Gespräche aufnehmen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Dabei könne es sowohl um einen komplette Übernahme als auch einen Teilkauf nur des Suchmaschinengeschäfts gehen.Die Yahoo-Aktie sprang an der Wall Street zur Eröffnung um mehr als neun Prozent in die Höhe.

Fresenius erwägt Kapitalerhöhung
Der Gesundheitskonzern will die Übernahme des amerikanischen Unternehmens APP Pharmaceuticals zum Teil mit einer Kapitalerhöhung finanzieren. Grundsätzlich sei ein solcher Schritt vorgesehen, sagte Fresenius-Finanzvorstand Stephan Sturm. Der weitaus größere Teil der Aufwendungen soll aber über Fremdkapitalinstrumente finanziert werden. Details zur Finanzierung der heute verkündeten Übernahme sollen in den kommenden Tagen präsentiert werden. Die Aktie bricht um über neun Prozent ein.

ProSiebenSat1 stürzen ab
Ebenso deutlich geht es mit der Aktie der Senderkette abwärts. Eine Reihe von Analystenkommentaren lastet auf dem Papier. So stellt die Deutsche Bank die Aktie zum Verkauf. Wie der deutsche Branchenprimus hat auch die Citigroup ihr Kursziel für die Aktie deutlich nach unten revidiert.

WincorNixdorf bestätigt Ziele
Um 3,6 Prozent aufwärts geht es dagegen mit der Aktie des Kassensysteme-Herstellers. Wincor hat seine Umsatz- und Gewinnziele für das laufende Jahr bestätigt. Bei den Erlösen plant man eine Steigerung um acht Prozent, beim operativen Ergebnis von zehn Prozent. Eine Anhebung der Dividende sei "vorstellbar", so Vorstandschef Eckard Heidloff gegenüber der "WirtschaftsWoche".

Krones gut im Geschäft
Auch die gute Auftragslage beim Maschinenbauer kommt gut an. Im ersten Halbjahr werden die Auftragsbücher neun Prozent voller sein als im Vorjahreszeitraum, diktierte Finanzchef Hans-Jürgen Thaus der Nachrichtenagentur dpa/AFX. Die Gesamtjahresprognose, die einen Umsatzanstieg um 5 bis 10 Prozent vorsieht, bestätigte Thaus. Die Aktie legt um 2,7 Prozent zu.

Air Berlin mit ordentlichen Passagierzahlen
Für ein weiter gutes Reisegeschäft sprechen auch die Passagierzahlen, die am Morgen von mehreren Carriern eintrafen. Die Aktie von Air Berlin rutscht nach anfänglichen Kurssteigerungen ins Minus. Die Fluggesellschaft hat allerdings ihre Passagierzahl im Juni konstant gehalten. Air Berlin beförderte rund 2,07 Millionen Passagiere, die Auslastung legte leicht um 0,7 Prozentpunkte auf 80,9 Prozent zu.

Comdirect mit mehr Orders
Der Online-Broker hat im Juni 637.373 Orders ausgeführt, ein Zuwachs gegenüber dem Vormonat mit 614.833 Orders. Wie das SDax-Unternehmen am Montag mitteilte, erhöhte sich die Kundenzahl leicht auf 1,21 Millionen. Die Aktie notiert dennoch im Minus.

Arques-Aktie im Höhenrausch
Papiere der Beteiligungsgesellschaft verteuern sich um mehr als 20 Prozent. Der Verkauf der Tochtergesellschaft Actebis scheint unmittelbar bevor zu stehen. Actebis-Chef Klaus Hellmich sagte gegenüber dem "Handelsblatt", man sei "an einer schnellen Entscheidung interessiert".

Steife Brise für Nordex und Repower
Die Aktien des beiden Windkraft-Spezialisten steigen am Morgen deutlich an. Die Papiere profitieren augenscheinlich von einem Bericht der "Welt am Sonntag", wonach die Bundesregierung wegen des steigenden Öl- und Gaspreises verstärkt auf Windenergie setzen will.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
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