Marktbericht 20:00 Uhr

Knapp im Plus Notenbanken lähmen Investoren

Stand: 30.07.2013, 20:00 Uhr

In der Woche der Notenbanken halten sich die Anleger bedeckt. Trotzdem war der Handelstag ziemlich kurzweilig, denn ein rasanter Absturz der K+S-Papiere hielt den Markt in Atem. Und der Patzer der Deutschen Bank war ebenfalls Tagesgespräch.

Der deutsche Leitindex schloss mit einem Aufschlag von knapp 0,2 Prozent auf 8.271,02 Punkten. Der Late Dax notierte 0,1 Prozent fester bei 8.259,06 Punkten. Zeitweise hatte der Dax solide über der Marke von 8.300 Zählern notiert.

Es herrsche Zurückhaltung vor den Sitzungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie vor dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht, lautete die Einschätzung von Marktteilnehmern. Anleger warteten auf Hinweise darüber, ob die Fed ihre lockere US-Geldpolitik bald drosseln wird. Bei der EZB spekulieren Investoren darüber, ob sie eine weitere Zinssenkung für nötig halten könnte.

Die Bilanzsaison brachte heute keine frischen Impulse. Während die Zahlen der Deutschen Bank enttäuschten, wussten Linde, Fresenius und Infineon aber zu überzeugen.

Daten senden unterschiedliche Signale

Auch frische Konjunkturdaten aus den USA bewegten die Märkte kaum, denn auch sie gaben kein eindeutiges Bild der wirtschaftlichen Lage in Übersee. Die Stimmung der US-Verbraucher ist überraschend gesunken. Das Barometer sank im Juli um 1,8 auf 80,3 Punkte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einer Stabilisierung gerechnet.

Die Erholung am amerikanischen Immobilienmarkt nimmt dagegen weiter kräftig Fahrt auf. Die Hauspreise in den zwanzig größten Ballungsgebieten erhöhten sich im Mai zum Vorjahresmonat um 12,2 Prozent, wie das private Institut S&P/Case-Shiller mitteilte. Das ist der stärkste Zuwachs seit März 2006. Der Dow Jones lag am Abend rund 0,2 Prozent im Minus.

Zuvor waren Wirtschaftsdaten aus Deutschland überraschend stark ausgefallen. Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland ist so gut wie seit fast sechs Jahren nicht mehr, der GfK-Konsumklimaindex für August kletterte auf 7,0 Punkte,

Einmaliger K+S-Absturz

Die Aktie des Düngemittel-Herstellers K+S bricht zeitweise um mehr als ein Viertel ein. In der Düngemittelbranche geht die Angst um drastische Preisrückgänge um, nachdem sich der Hersteller Uralkali aus einem Branchenzusammenschluss verabschiedet hat.

Fresenius-Familie in Sippenhaft

Aber auch Quartalszahlen sorgen am Dienstag für Kursverluste im Dax. So plumpst die Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius abwärts. Auch Papiere der Tochter FMC verlieren. Anlegern sind vor allem die Quartalszahlen von FMC nicht geheuer. Der Dialyse-Konzern hat die Gewinnerwartungen nicht ganz erreicht. Im zweiten Quartal sank das Ergebnis wegen eines "schwierigen Marktumfeldes" in den USA um neun Prozent auf 263 Millionen Euro, Analysten hatten im Schnitt mit 280 Millionen Dollar gerechnet. Da hilft es auch nicht, dass Konzernmutter Fresenius die Gewinnprognose für 2013 nach oben geschraubt hat. Das Ergebnis soll um elf bis 14 Prozent steigen, statt sieben bis zwölf Prozent. Im ersten Halbjahr hat der Gesundheitskonzern den Umsatz um acht Prozent auf zehn Milliarden Euro gesteigert, der Nettogewinn konnte um elf Prozent auf 482 Millionen Euro gesteigert werden.

Paukenschlag durch Deutsche Bank

Nicht zuletzt sorgt auch die Deutsche Bank für Verdruss auf dem Parkett. Der Branchenprimus verbuchte einen rückläufigen Vorsteuergewinn von 967 auf 792 Millionen Euro. Netto verdiente die Bank mit 335 Millionen Euro gar nur noch die Hälfte. Experten hatten beim Vorsteuergewinn mit einem Zuwachs auf 1,3 Milliarden Euro gerechnet. Vor allem Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten in Höhe von 630 Millionen Euro belasteten das Ergebnis.

Infineon nutzt Chancen

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,94
Differenz relativ
+4,53%

Positive Nachrichten von der Zahlenfront gab es am Dienstag auch, zum Beispiel von Infineon. Der Chip-Hersteller seine Gewinne im abgelaufenen Quartal auf 77 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Umsätze konnten um elf Prozent auf 1,02 Milliarden Euro gesteigert werden. Laut Vorstandschef Reinhard Poss hat das Unternehmen seine "Chancen in anziehenden Märkten" zuletzt genutzt. Zudem wurde die Prognose für das laufende vierte Quartal erhöht. Die Aktie startete höher, drehte aber tief ins Minus.

Linde wieder solide

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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207,30
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+0,97%

Analysten bekräftigen am Mittag ihre Kaufempfehlungen für die Aktie des Gasekonzerns. Der profitiert zunehmend von der Übernahme des US-Medizindienstleisters Lincare und hat dank wachsender Geschäfte mit Medizingasen im zweiten Quartal sein operatives Ergebnis um 14,5 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz wurde um 10,8 Prozent auf 4,22 Milliarden Euro gesteigert. Im laufenden Jahr peilt Linde ein operatives Ergebnis von "mindestens vier Milliarden Euro" an. Die Aktie zählte zu den stärksten Dax-Titeln.

Wacker kommt gut an

Wacker Chemie: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
94,76
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-3,27%

Nicht üppig, aber deutlich besser als befürchtet sind die Quartalszahlen des Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie ausgefallen. Wacker hat 15,1 Millionen Euro Gewinn im zweiten Quartal erzielt, Experten hatten zum Teil Verluste befürchtet. Wacker leidet damit nicht ganz so stark unter dem Preisverfall für Polysilizium, das in der Solar-Produktion genutzt wird. Der Umsatz des MDax-Unternehmens ging um acht Prozent auf 1,15 Milliarden Euro zurück. Die Aktie schloss an der MDax-Spitze.

Gea im Aufwind

Ebenfalls stark präsentierte sich die Aktie des Anlagenbauers Gea. Das MDax-Unternehmen freut sich über eine gute Auftragslage. Die Bestellungen seien im Volumen um 12,3 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro gestiegen, deutlich mehr als erwartet. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente Gea im zweiten Quartal 120 Millionen Euro, ein Plus von 7,2 Prozent.

MAN in den roten Zahlen

Die VW-Tochter hat einen deutlichen Rückgang beim operativen Ergebnis, von 219 auf 72 Millionen Euro hinnehmen müssen. Vor allem Rückstellungen für ein Kraftwerksprojekt belasteten, so das Unternehmen. Unter dem Strich schreibt MAN mit einem Minus von 41 Millionen Euro weiter rote Zahlen, allerdings weniger als im Vorjahreszeitraum.

Rheinmetall nach Umsatzwarnung verstoßen

Rund zehn Prozent tiefer findet sich das Papier des Rüstungskonzerns am Dienstag wieder. Das Unternehmen hatte bereits am Vorabend wegen Budgetkürzungen in einigen Rüstungsetats seine Prognose für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 180 bis 200 Millionen Euro gestutzt. Auch die Vorgabe für den Umsatz wurde reduziert.

Wirecard überrascht positiv

TecDax-Spitzenreiter ist der Zahlungsdienstleister Wirecard, der am Morgen überraschend vorläufige Zahlen zum Quartal gemeldet hat. Wegen Investitionen in das Geschäftsfeld mobiles Bezahlen hat Wirecard sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) "nur" um 15 Prozent auf 30 Millionen Euro gesteigert. Überproportional aufwärts ging es mit dem Umsatz, der mit 115,5 Millionen Euro um 22,5 Prozent höher ausfiel als im Vorjahr.

CropEnergies tankt auf

Die Südzucker-Tochter hat am Dienstag die Übernahme des britischen Bioethanol-Herstellers Ensus bekanntgegeben. Folge der Transaktion ist eine Gewinnwarnung. Weil die Ensus-Produktionsanlage im Nordosten Englands erst noch in Betrieb genommen werden muss, wird das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2013/14 nur noch bei 40 bis 50 Millionen Euro erwartet, statt bei 50 bis 60 Millionen Euro.

Asklepios darf nicht weiter aufstocken

Der Kampf der Großaktionäre beim fränkischen Klinikbetreiber Rhön-Klinikum nimmt eine überraschende Wende. Das Bundeskartellamt hat dem Hamburger Klinikbetreiber Asklepios die beabsichtigte Aufstockung seines Aktienanteils an Rhön-Klinikum auf 10,1 Prozent untersagt. Die Wettbewerbshüter hätten Rhön davon unterrichtet, dass Asklepios die aufschiebende Bedingung für die Aufstockung nicht erfüllen werde, teilte der MDax-Konzern mit.

PSI verdient weniger

Das Softwareunternehmen PSI hat im ersten Halbjahr trotz Umsatzzuwächsen weniger verdient. Als Grund nannte das Berliner Unternehmen am Dienstag gestiegene Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Bei einem Umsatzplus von zwei Prozent auf 87,7 Millionen Euro sank das operative Ergebnis (Ebit) um 31 Prozent auf 3,5 Millionen Euro. Netto blieben lediglich 1,7 Millionen Euro nach 4,1 Millionen vor Jahresfrist.

Sattes Plus bei Santander

Die spanische Großbank Santander hat im ersten Halbjahr 2013 ungeachtet der schwachen Entwicklung in Brasilien und der Krise auf dem heimischen Markt eines deutliches Gewinnplus erzielt. Der Netto-Überschuss kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28,9 Prozent auf 2,255 Milliarden Euro. Damit erreichte man in nur sechs Monaten fast das Gesamtergebnis von 2012.

Chrysler hilft Fiat

Der kriselnde italienische Autobauer Fiat profitiert von seiner starken US-Tochter. Nur dank des guten Geschäfts bei Chrysler steigerte der Konzern seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 435 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Wert noch bei 239 Millionen Euro gelegen. Fiat allein machte jedoch wie im Vorjahreszeitraum einen Verlust von 247 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 22,3 Milliarden Euro.

Sprint Nextel macht Verluste

Der drittgrößte US-Mobilfunkbetreiber Sprint Nextel rutscht tiefer in die roten Zahlen. Im zweiten Quartal fiel unterm Strich ein Verlust von 1,6 Milliarden Dollar an, nach einem Minus von 1,4 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Hintergrund war vor allem die Aufgabe des alternden Nextel-Netzes. Mehr als eine Million Vertragskunden wandten sich ab.

Praktiker: Großaktionärin geht von Bord

Isabella de Krassny hat ihre Beteiligung an der insolventen Baumarktkette Praktiker auf weniger als drei Prozent gesenkt, wie das Unternehmen mitteilte. Ein dramatisches Verlustgeschäft in letzter Minute, so scheint es. Die Praktiker-Aktie, die noch im SDax notiert, wird um weitere zwölf Prozent auf 0,08 Euro gedrückt.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr