Notenbanken befeuern Aktienmärkte

Stand: 15.09.2011, 20:03 Uhr

Frische Dollar für Banken mit Nachschubsorgen: Nach dieser Nachricht ließen die Anleger alle Vorsicht fahren. Die Zuversicht katapultierte den Dax wieder über 5.500 Punkte.

Der Dax schoss zeitweise um mehr als vier Prozent nach oben und notierte bei 5.566,58 Punkten auf seinem Tageshoch. Den Schlussstand markierte der deutsche Leitindex bei 5.508,24 Punkten mit einem Aufschlag von 3,2 Prozent. Damit beendete der Dax den dritten Tag in Folge mit Gewinnen. Kein einziger Dax-Wert verbuchte Kursabschläge. Der Late-Dax schloss mit einem Plus 2,4 Prozent bei 5538,58 Punkten. In den USA notierte der Dow Jones am Abend mehr als ein Prozent fester.

Im Handelsverlauf herrschte gehobene Stimmung: "Am Markt setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Kursrutsch seit Anfang August zu hoch ausgefallen ist", sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research. Am Aktienmarkt seien es nach Ansicht von Christian Kahler, Chefstratege Aktien bei der DZ Bank, derzeit klare Kaufkurse für Langfristinvestments. Kurzfristig sei eine hohe Volatilität und ein erneuter Rückfall bis auf 4.250 Punkte allerdings nicht ausgeschlossen, schreibt der Experte.

Durchwachsene Signale von den aktuellen US-Konjunkturdaten, die jüngst noch als einer der wesentlichen Gründe für den fallenden Aktienmarkt galten, kümmerten die Anleger dagegen nicht. In den Vereinigten Staaten verschlechterte sich die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York überraschend deutlich.

Anleger bejubeln Dollarflut
Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosigkeit enttäuschten: Volkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet, tatsächlich stiegen sie jedoch an. Das Geschäftsklima in der Region Philadelphia erholte sich im September zwar, aber nicht ganz so kräftig, wie Experten erwartet hatten.

Die Wirtschaftslage wurde von einer konzertierten Aktion der EZB, der Fed sowie von den Notenbanken Großbritanniens, der Schweiz und Japans in den Hintergrund gedrängt. Die Notenbanken statten Banken mit zusätzlichen Dollars aus, um einem Währungsengpass zu begegnen. In den vergangenen Wochen war darüber spekuliert worden, dass Banken sich nicht mehr ausreichend mit Dollars versorgen könnten und die Refinanzierungskosten in dieser Währung deshalb gestiegen seien.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,54
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Banken ein guter Kauf
Die Ankündigung von zusätzlichen Dollar-Refinanzierungsgeschäften hat nicht nur die Aktienmärkte, sondern insbesondere auch Finanztitel angeschoben. Die Aktien der Deutschen Bank legten zeitweise bis zu zwölf Prozent zu, die Papiere der Société Générale um 15 Prozent. Die Papiere von BNP Paribas gewannen sogar bis zu 22 Prozent. An der Dax-Spitze schloss die Coba mit plus 7,8 Prozent.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,90
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RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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21,16
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-0,84%

Versorger mit Rückenwind
Die Dax-Spitze belegen mit einem satten Anstieg von knapp fünf Prozent die Eon und RWE. In ganz Europa sind Versorgerkonzerne gefragt: In Paris kletterten Veolia, in Madrid gewannen Iberdrola. "Die Entwicklungen bei den Banken schreien nach Sicherheit", sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Die wird nicht zuletzt bei Versorgern geboten, die vielfach als überverkauft angesehen werden."

ThyssenKrupp weit vorn
Aktien des Stahlkonzerns ThyssenKrupp steigen um mehr als zwei Prozent. Das "Hamburger Abendblatt" berichtet, der Konzern habe ein Übernahmeangebot für seine Werft Blohm + Voss erhalten. Das im Jacht- und Marineschiffbau tätige Bremer Familienunternehmen Lürssen wolle die gesamte Werft kaufen.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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111,00
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Siemens stärkt Elektrosparte
Zu den stärksten Dax-Titeln gehörten auch die Aktien von Siemens mit einem Aufschlag von mehr als vier Prozent. Der Konzern suche nach Übernahmezielen für sein Geschäft mit Elektroauto-Komponenten, sagte Industrie-Vorstand Siegfried Russwurm.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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31,47
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Post wird investieren
Die Deutsche Post setzt investiert kräftig in ihr Paketgeschäft. Dazu sollen in den nächsten drei bis vier Jahren 750 Millionen Euro für die Modernisierung der bundesweit 33 Paketzentren ausgegeben werden, teilte das Unternehmen mit. Der Konkurrent UPS hat unterdessen die Prognose bestätigt und erwartet weiterhin ein Rekordergebnis im laufenden Geschäftsjahr. Die Aktie verteuerte sich um drei Prozent.

UBS Opfer ihres Zockers
Die Schweizer Großbank UBS wird im dritten Quartal entgegen den bisherigen Erwartungen möglicherweise einen Verlust ausweisen. Durch angeblich unauthorisierte Geschäfte eines Händlers habe es einen Verlust von zwei Milliarden Dollar gegeben, teilte das Geldhaus mit. Der mutmaßlich Verantwortliche ist mittlerweile verhaftet worden. Das Papier verlor mehr als zehn Prozent. Seit Mitte Februar büßte der Wert der Bank am Aktienmarkt rund 50 Prozent ein.

Aixtron: Erster Umsatzrückgang seit 2003?
Die Aktie des Spezialmaschinenbauers Aixtron bricht um mehr als zehn Prozent ein. Das TecDax-Unternehmen hat seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr deutlich nach unten geschraubt. Die schwächere Prognose resultiere aus erhöhten Abnahmerisiken, einer Verzögerung von Auftragseingängen und angefragten Verschiebungen von Auslieferungen, teilte das TecDax-Mitglied mit.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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-3,57%

Tui muss Börsengang verschieben
Der Reise- und Schifffahrtskonzern Tui kommt beim geplanten Börsengang von Hapag-Lloyd offenbar nicht wie erhofft voran. Laut der "Financial Times" (FT) wird das IPO in den kommenden 12 bis 15 Monaten nicht über die Bühne gehen. Der Vorstandsvorsitzende des Mehrheitseigentümers Kühne Holding, Karl Gernandt, habe dies ausgeschlossen und zudem gesagt, dass Gespräche über den Verkauf der Reederei an Investoren aus Oman oder China nicht erfolgreich gewesen seien.

Manz-Manager geht
Der Spezialmaschinenbauer Manz trennt sich von seinem Vorstandsmitglied Volker Renz. Als Grund nannte der Zulieferer für die Solar- und Flachbildschirmindustrie unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung. Die Vertragsauflösung des für das operative Geschäft zuständigen Managers erfolge zum Monatsende. Seine Aufgaben würden übergangsweise von Firmenchef Dieter Manz und Finanzvorstand Martin Hipp übernommen.

Anleger goutieren H&M-Zahlen
Die schwedische Textilkette Hennes &Mauritz (H&M) hat im dritten Geschäftsquartal, das von Juni bis August läuft, auf vergleichbarer Ladenfläche drei Prozent weniger Umsatz erzielt. Auf Konzernebene lag das Erlösplus allerdings bei fünf Prozent. "Das war besser als erwartet und macht Hoffnung für die Zahlen im Herbst", sagte ein Händler. Die Aktie legte deutlich zu und lag an der Spitze des Stoxx 50.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen