Marktbericht 20:02 Uhr

Trotz der Krisen im Irak und in der Ukraine Noch hält sich die Angst in Grenzen

Stand: 16.06.2014, 20:02 Uhr

Die Furcht der Anleger vor einer Eskalation der Kämpfe im Irak und einer möglichen Intervention der USA haben die Aktienmärkte zum Wochenauftakt belastet. Doch die Verluste halten sich in Grenzen, auch dank guter Konjunkturdaten aus den USA.

Tatsächlich hat sich die Konjunktur in den USA schneller von der Delle im Winter erholt als gedacht. Der Index der New Yorker Notenbank für das verarbeitende Gewerbe (Empire State Index) stieg auf 19,28 Punkte. Experten hatten einen Rückgang auf 15 Punkte erwartet. Gleichzeitig die Industrieproduktion im Mai um 0,6 Prozent nach einem Minus von 0,3 Prozent im April.

Auch die Stimmung am US-Häusermarkt hellt sich zunehmend auf. Der NAHB-Hausmarktindex für den Monat Juni legte von 45 Punkten im Vormonat auf 49 Punkte zu, wie die National Association of Home Builders am Montag mitteilte. Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 47 Punkte gerechnet.

Dax kurz im Plus

Der Dax dreht daraufhin kurz ins Plus und klettert bis auf 9.925 Punkte, nachdem er am späten Vormittag auf ein Tagestief von 9.873 Zählern abgerutscht war. Kurz vor Börsenschlussholt die Anleger die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt im Irak und in der Ukraine aber wieder ein und der Leitindex kickt wieder ein. Er geht schließlich mit einem Abschlag von 0,29 Prozent aus dem Handel bei 9.884 Punkten.

Auch an der New Yorker Börse sorgen die guten Konjunkturmeldungen kurz für leichte Kursgewinne, bevor es wieder abwärts geht. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow nahezu unverändert bei 16.778 Zählern.

Insgesamt jedoch wird die Lage an den Aktienmärkten weiterhin von den Kämpfen im Irak und den anhaltenden Spannungen zwischen der Ukraine und Russland belastet. "Die Sorgen der vergangenen Woche sind weiterhin präsent", sagte Marktanalyst Alastair McCraig vom Handelshaus IG. Allerdings herrsche eine gewisse Erleichterung, da es Anzeichen eines möglichen Eingreifens seitens der USA und sogar des Iran in der Irak-Krise gebe. Der Ölpreis allerdings hielt sich vorerst weiter auf dem höchsten Niveau seit neun Monaten.

Jens Klatt von DailyFX warnt jedoch davor, die Auswirkungen der beiden Brandherde auf die Aktienmärkte zu verharmlosen. "Besonders Öl-Lieferengpässe und daraufhin stärker steigende Ölpreise könnten den Dax schnell unter Druck bringen", urteilt Klatt. Und weiter: Sollte der Dax unter die Marke von 9.800 Punkten fallen, wäre der Weg frei bis 9.500 Punkte. Die Korrektur könnte also wahrscheinlich.

Rückschlagrisiken

Auch Armin Kremser von der DZ Bank geht davon aus, dass der Dax vorerst im Konsolidierungsmodus bleibt. "Dies bedeutet, dass auf kurzfristiger Basis weitere Kursrückschlagsrisiken abgeleitet werden können." Diese reichten zunächst bis zu den Hochpunkten von Februar und April bei 9.720 Punkten. "Dort besteht eine stärkere Unterstützungszone, die einem weiteren Abrutschen erst einmal entgegen steht."

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,88
Differenz relativ
+0,11%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.221,85
Differenz relativ
+0,05%

Euro leicht erholt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1412
Differenz relativ
-0,05%

Der Euro hat sich am Montag etwas von den Verlusten der Vorwoche erholen können. Händler nannten Berichte, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) von weiteren geldpolitischen Lockerungen absehen dürfte, als Hauptgrund. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,3567 Dollar gehandelt. Im frühen Handel war der Euro noch zeitweise bis auf 1,3513 Dollar abgesackt

Alstom: Siemens und Mitsubishi legen Angebot vor

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,34
Differenz relativ
-0,02%

Nach langem Warten haben Siemens und Mitsubishi in der Bieterschlacht um den französischen Industriekonzern Alstom am Abend endlich ein gemeinsames Angebot für die Energiesparte des Unternehmens vorgelegt. Siemens will für 3,9 Milliarden Euro das Gasgeschäft von Alstom übernehmen; Mitsubishi wiederum will drei Joint Ventures mit Alstom bilden und dafür 3,1 Milliarden Euro einbringen. Mitsubishi will darüber hinaus mit bis zu zehn Prozent bei Alstom als Aktionär einsteigen. Die Siemens-Aktie reagiert kaum auf das Angebot.

SAP an Dax-Spitze

Stärkster Wert im Dax ist die Aktie von SAP. Sie profitiert von einem Kommentar der Analysten von JPMorgan. Sie empfehlen nicht nur den gesamten deutschen Leitindex, sondern besonders die Papiere des Software-Konzerns. Laut JPMorgan zählen die Titel zu den Dax-Werten, bei denen sie derzeit eine gute Kaufgelegenheit sehen.

HeidelbergCement vor Spartenverkauf

Auch die Aktie von HeidelCement stemmt sich gegen den Trend bröckelnder Kurse. Nach einem Bericht der "Financial Times" plant das Unternehmen den Verkauf des Geschäftes mit Ziegeln und Baumaterialien, für schätzungsweise 1,5 Milliarden. Zeifellos eine gute Nachricht für Aktienkurs, so ein Händler, würde der Verkauf doch die Nettoverschuldung des Konzerns deutlich senken.

Deutsche Bank im Stress

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

Schwächster Wert im Dax ist die Aktie der Deutschen Bank. Grund sind Äußerungen von Ewald Nowotny, dem Chef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Er sagte einer Zeitung, der Stresstest der EZB werde sehr streng, vielleicht sogar zu streng. Er befürchte, dass die Europäische Zentralbank (EZB), die den Test durchführt, "in dem Ehrgeiz es besonders gut machen zu wollen, sehr weit über das hinausgeht, was die USA gemacht haben. Das kann zu Übertreibungen führen", sagte der Notenbanker, der als OeNB-Chef auch Mitglied im Gouverneursrat der EZB ist.

RWE unter Druck

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,08
Differenz relativ
+3,47%

Auch die RWE-Aktie schwächelt. Grund ist die Entscheidung der Bundesregierung den geplanten milliardenschweren Verkauf der RWE-Öl- und Gasfördertochter Dea an eine Firmengruppe um den Russen Michail Fridman zu prüfen. "Die deutsche Regierung hat bislang noch nie von einer Klausel in ihrem Außenhandelsgesetz Gebrauch gemacht. Dieses Vorgehen dürfte daher zumindest einige Zweifel über den Abschluss der Transaktion wecken", sagte ein Börsianer.

Sky an der MDax-Spitze

Im MDax haben sich die Aktien des Bezahlsenders an die Indexspitze geschoben. Auslöser sind Medienberichte, wonach der britische Sender BSkyB die Übernahme der beiden Schwestergesellschaften in Deutschland und Italien vorbereite. Mit dieser Aufgabe sollen die Banken Morgan Stanley und Barclays betraut worden sein. Bei allen Unternehmen ist der Medienzar Rupert Murdoch beteiligt. Dieser hält über seine Beteiligung 21st Century Fox rund 55 Prozent der Sky-Deutschland-Anteile.

DZ Bank befeuert Rational

Zu den stärksten Werten im MDax gehören auch die Aktien von Rational, dank einer Kaufempfehlung der DZ Bank. Deren Analyst Analyst Markus Turnwald hat die Papiere des Großküchen-Ausstatters zudem in den die Liste der "Equity Long Ideas" aufgenommen. Er erhöhte vor den Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal seine Gewinnschätzungen. Er rechnet mit starken Resultaten.

Actelion mit neuem Erfolg

Um mehr als 17 Prozent aufwärts geht es mit der Aktie des Schweizer Biotechnologieunternehmens Actelion. Die erste Datenanalyse einer zulassungsrelevanten Studie zeige, dass das Mittel Selexipag die Überlebenschancen von Patienten mit Bluthochdruck im Lungenkreislauf (PAH) signifikant erhöhe, teilte Actelion am Montag mit. Actelion will nun die Zulassung des Medikaments baldmöglichst beantragen. Damit darf das Unternehmen auf einen zweiten Umsatzrenner hoffen.

RAG-Stiftung steigt bei DIC Asset ei

Im SDax verzeichnet die Aktie von Dic Asset leichte Zugewinne. Das Immobilienunternehmen hatte am Morgen mitgeteilt, dass die Stiftung der Ruhrkohle AG ein Aktienpaket von 4,76 Prozent übernommen hat. Verkäufer ist ein Fonds aus dem Morgan-Stanley-Konzern. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart, bezogen auf den Schlusskurs vom Freitag ist das Paket rund 25 Millionen Euro wert. RAG-Vorstandsmitglied Helmut Linssen erklärte, das Engagement sei auch ein Bekenntnis zum deutschen Gewerbeimmobilienmarkt mit attraktiven Renditechancen.

JJ Auto tuckert an die Börse

Am Montag sind die Aktien der JJ Auto AG zu einem Kurs von 7,60 Euro in den Handel im General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gestartet. Der Handel im Parallel Market der Warschauer Wertpapierbörse wird voraussichtlich am 18. Juni beginnen. Der erste Kurs lag über dem Angebotspreis von 7,17 Euro. JJ Auto ist ein Hersteller und Lieferant von Bauteilen für Lkw und schwere Nutzfahrzeuge für den chinesischen Markt.

Neuer Mega-Deal in Amerika

Derweil geht in Amerika die Serie milliardenschwerer Übernahmen weiter. Dieses Mal geht es um die Medizintechnikbranche. Am Sonntag wurde bekannt, dass Medtronic für 42,9 Milliarden Dollar den Konkurrenten Covidien übernimmt. Beide Unternehmen sind im S&P-500-Index notiert. Medtronic stellt Herzschrittmacher, Herzklappen und Insulinpumpen her, Covidien chirurgische Instrumente. Nach der Fusion soll der Hauptsitz aus steuerlichen Gründen nach Irland verlegt werden.

Apples iWatch soll kommen

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
168,76
Differenz relativ
+0,32%

Das schreibt zumindest die "New York Times" in ihrer Wochenendausgabe. Über die neue Computeruhr wird schon lange spekuliert, Apple selbst hält sich bisher bedeckt. Allerdings hält Firmenchef Tim Cook Geräte am Handgelenk für interessant, gerade zur Abfrage von Gesundheitsfunktionen. Apple-Aktien tendierten am Freitag an der Nasdaq gut ein Prozent schwächer.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"