Noch eine Prise Schuldenkrise

Stand: 23.05.2011, 20:01 Uhr

Die Schuldenkrise in Europa wird - nach Ansicht amerikanischer Ratingagenturen - weitere Länder erfassen. S&P droht Italien herabzustufen, Fitch hat dasselbe mit Belgien vor. Die Aktienmärkte reagierten hektisch, der Dax verlor zwei Prozent.

Es gab einmal Zeiten - vor allem während der Finanzkrise - da gab es Zweifel an der Professionalität der drei amerikanischen Ratingagenturen S&P, Fitch und Moody's. Ohne genau hinzusehen hätten sie gebündelten Hypothekenderivaten die begehrte AAA-Auszeichnung gegeben und damit Schrottpapiere geadelt.

Die Zweifel sind geblieben und dennoch verlassen sich die Kapitalmärkte noch immer auf die Studien der Ratingagenturen. Ihre Macht ist ungebrochen: Wenn S&P, Fitch oder Moody's die Kreditwürdigkeit eines Landes herunterstufen, ruft das starke Reaktionen an den Börsen hervor.

Zwei Prozent auf 7.122 Punkte verlor der Dax am Montag, weil S&P seine Überlegung veröffentlichte, die Kreditwürdigkeit Italiens zu senken. Italien müsse sein Schuldenproblem in den Griff bekommen, um ein stabiles Wirtschaftswachstum zu erreichen, schrieb S&P am Wochenende. Am Montag legte die Agentur nach: Die schiere Höhe der italienischen Schulden würde es der internationalen Gemeinschaft sehr schwer machen, Unterstützung zu leisten.

Nun steht es außer Zweifel, dass die Drohung von S&P allein kaum in der Lage gewesen sei, den Dax um zwei Prozent fallen zu lassen. Doch fiel die Agenturstudie auf fruchtbaren Boden. Die Märkte sind wegen Griechenland und Portugal verunsichert, die Bereitschaft der Investoren, sich von ihren Aktienbeständen zu trennen, ist groß.

Die Ratingagentur Fitch senkte am Abend übrigens den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Belgiens von "Stabil" auf "Negativ". Auf den Dax hatte dies keinen Einfluss mehr.

Defensive verlieren wenig, Beiersdorf gewinnt
Die harmlosesten Verluste im Dax waren bei den Aktien der Unternehmen zu beobachten, die von Wirtschafts- und Schuldenkrisen am wenigsten betroffen sind. Pharma-, Gesundheits- und Konsumgüteraktien hielten sich vergleichsweise gut, auch die Deutsche Telekom sackte nur um ein Prozent abwärts. Die Aktie des Konsumgüterherstellers Beiersdorf legte sogar um ein Prozent zu. Händler verwiesen auf die Studie eines amerikanischen Brokerhauses. Dieses empfiehlt Beiersdorf als Übernahmeziel für den Wettbewerber Colgate-Palmolive. Dieser könne mithilfe von Beiersdorf sein Warensortiment sinnvoll erweitern.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,97
Differenz relativ
+1,48%

Die Commerzbank und die Kapitalerhöhung
Die Aktie der Commerzbank verlor am Montag 5,3 Prozent. Wie erwartet hat die Bank Details zur anstehenden Kapitalerhöhung bekannt gegeben. Das Institut gibt die neuen Aktien zum Preis von 2,18 Euro heraus und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs. Mit den Einnahmen will die Bank ihre Staatshilfen zurückzahlen.

Lufthansa, belastet von Ryanair und Asche
Lufthansa-Papiere schlossen 3,5 Prozent schwächer. Die Gefahr eines Flugverbots wegen des jüngsten Vulkanausbruchs auf Island und der recht schwache Ausblick des irischen Billigfliegers Ryanair belasteten die Aktie. Ryanair hatte am Morgen zwar recht gute Jahreszahlen bekannt gegeben. 2011 sollen die Geschäfte vor allem wegen des hohen Kerosinpreises aber stagnieren.

Solarwerte "überrannt"?
Eine kritische Studie zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher Solarunternehmen belastete die vor allem im TecDax notierten Solaraktien. Eine Untersuchung der Hochschule für Technik und Wirtschaft stellt fest, dass die heimischen Fotovoltaikfirmen künftig von ausländischen Firmen "überrannt" werden. Die Studie, die die "Wirtschaftswoche" veröffentlichte, beeindruckte vor allem Solarworld-Aktionäre, die Aktie verlor 4,4 Prozent.

Bilanzen von TAG und Sixt
Aus dem SDax legten der Immobilienkonzern TAG Immobilien und der Autovermieter Sixt Zahlen vor. TAG kam - inklusive der übernommenen Colonia Real Estate - auf ein Ebit von zwölf Millionen Euro im ersten Quartal. Der Vermietungsumsatz verdoppelte sich - wegen der Übernahme - auf 24,4 Millionen Euro.

Der Autovermieter Sixt profitierte im ersten Quartal eindrücklich von der besseren Konjunktur und erheblichen Kosteneinsparungen. Der Gewinn stieg um mehr als dreifache auf 22,5 Millionen Euro. Beim Umsatz verbuchte das SDax-Unternehmen einen leichten Rückgang auf 364,4 Millionen Euro.

Software AG kauft Terracotta
Das Softwareunternehmen Software AG aus dem TecDax hat sich durch einen Übernahme gestärkt. Für einen "mittleren einstelligen Millionenbetrag" habe man die US-Firma Terracotta übernommen, meldete die Software AG. Die Firma bestätigte nebenbei ihre Geschäftsprognose für dieses Jahr, dass der Gewinn um bis zu 15 Prozent wachsen soll.

Derby Cycle profitiert vom Elektrorad
Das sogenannte "Trendprodukt" Elektrorad hat dem Fahrradhersteller Derby Cycle ein gutes erstes Halbjahr 2010/11 beschert. Der Umsatz stieg um 40,3 Prozent auf 114,4 Millionen Euro, das Ebit verbesserte sich sogar um zwei Drittel auf 10,5 Millionen Euro. Derby Cycle verkaufte in diesem Zeitraum 39.000 Elektrofahrräder, was mehr als doppelt soviel waren wie im Vorjahreszeitraum.

Nexus legt zu
Das Softwareunternehmen Nexus konnte im ersten Quartal Umsatz und Gewinn ebenfalls verbessern. Die Erlöse des schwäbischen Unternehmens stiegen um 13,4 Prozent auf 10,3 Millionen Euro, das Vorsteuerergebnis legte um ein Drittel auf 1,1 Millionen Euro zu.

Prime Office sagt zu, Talanx sagt ab
Etwas Bewegung gerät in den deutschen IPO-Markt. Der Büroimmobilienkonzern Prime Office will noch vor der Sommerpause an die Börse. Vor Mitte Juli also will die Firma Aktien sowohl aus dem Bestand der Altaktionäre als auch neue Papiere an der Börse platzieren, sagte Prime Office-Geschäftsführer Claus Hermuth der Nachrichtenagentur Reuters. Rund 400 Millionen Euro dürfte die Firma durch den IPO einnehmen.

Der Versicherer Talanx hat unterdessen seinen für dieses Jahr angedachten Börsengang abgesagt. Wegen der Großschäden zu Jahresbeginn werde der IPO nicht stattfinden, teilte das Unternehmen mit. Es sei aber möglich, dass Talanx im kommenden Jahr, also 2012, an die Börse geht.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.