Noch eine Bankenwoche im Dax

Stand: 03.10.2008, 19:45 Uhr

Eine weitere turbulente Handelswoche ging einigermaßen nervenschonend zu Ende. Der Dax legte im Nachmittagshandel am Freitag mehr als zwei Prozent zu. Am Abend stimmte dann das US-Repräsentantenhaus dem Rettungsplan für die Finanzbranche zu.

Das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die US-Kreditwirtschaft nahm am Abend die letzte Hürde. Das US-Repräsentantenhaus stimmte dem modifizierten Plan zu. Am Montag noch hatte das Unterhaus des US-Kongresses den Plan noch abgelehnt.

Die US-Börsen reagierten zunächst kaum auf die Nachricht. Der Dow Jones sackte kurz danach sogar ab, zuvor hatte er mit zwei Prozent im Plus notiert. Händler sagten, die Zustimmung des Repräsentantenhauses sei bereits eingepreist gewesen.

Die Feiertagsanleger am deutschen Aktienmarkt ließen sich am Nachmittag nur zu gerne von der Entwicklung an der Wall Street lenken. Als kursfördernd stellte sich dabei vor allem der Kauf der US-Bank Wachovia durch Wells Fargo heraus. Damit ist eine weitere Bank gerettet.

HRE gerettet
In Deutschland ist die Hypo Real Estate vorerst gerettet. Banken und Versicherer übernehmen nach Medienberichten eine Bürgschaft von insgesamt 8,5 Milliarden Euro. Von den Genossenschaftsbanken, der Sparkassen und Versicherer hieß es, "es sei ein Ergebnis zustande gekommen", dem man "zähneknirschend" zugestimmt habe. Zähneknirschend oder nicht, die Anleger kauften HRE-Aktien, das Papier verteuerte sich am Freitag um 41 Prozent. Im Dax legten auch die anderen Bank-Aktien kräftig zu, die Postbank stieg um 10,1 Prozent, Commerzbankaktien kletterten um 6,2 Prozent und Deutsche Bank-Aktien stiegen um 6,7 Prozent.

Diese Kursgewinne sorgten dafür, dass der Dax bei 5.797 Punkten schloss, plus 2,41 Prozent. Dies rettete die Wochenbilanz aber nicht: Am Montag noch hatte der Dax bei über 6.100 Punkte notiert.

US-Arbeitsmarkt schwach
Unerfreuliche Nachrichten lieferte der US-Arbeitsmarkt. Die Anzahl der Stellen außerhalb der Landwirtschaft sank um 159.000 und damit deutlich stärker als erwartet.

Dafür fiel der Einkaufsmanager-Index für das US-Dienstleistungsgewerbe mit 50,2 Punkten etwas besser aus als erwartet, gerechnet hatten Volkswirte mit 50 Punkten. Dennoch, im Vergleich zum Vormonat, schrumpfte der Index leicht.

Verluste bei Industriekonzernen und Maschinenbauern
Im Dax und vor allem im MDax verlieren die Aktien vor allem von Industriekonzernen und Maschinenbauern. Im Dax sind am Indexende Linde und MAN mit Kursabschlägen von bis zu 4,5 Prozent zu finden. Im MDax verloren Bauer, Gea und Rheinmetall bis zu 3,8 Prozent.

TCI will Viermetz nicht mehr
Der Hedgefonds TCI verlangt von der Deutschen Börse die Entlassung von Aufsichtsratschef Kurt Viermetz. Viermetz müsse, so TCI, spätestens bei der Hauptversammlung der Börse im kommenden Frühjahr zurücktreten, da er die Altersgrenze überschreite. Die Deutsche Börse kommentierte, man prüfe das "Verlangen" zunächst auf Rechtmäßigkeit. Die Aktie schloss zwei Prozent im Plus.

Premiere stürzte ab
Eine Art Offenbarungseid des Bezahlsenders Premiere schockierte die Anleger. 50 Prozent verlor die Aktie, nachdem der Konzern mitgeteilt hatte, dass er in diesem Jahr mit einem Verlust von 40 bis 70 Millionen Euro rechne. Zudem korrigierte Premiere die Anzahl zahlender Abonnenten um eine Million nach unten. Finanzvorstand Alexander Teschner verlässt die Firma, Vorstandschef Mark Williams, seit Mitte September bei Premiere, übernimmt zunächst sein Amt. Im MDax verlor auch die Aktie des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 mehr als fünf Prozent.

Regeneratives neu bewertet
Im TecDax verloren die Aktien von Conergy aufgrund von unerfreulichen Analysteneinschätzungen 6,4 Prozent. Die UBS senkte das Kursziel für Conergy-Aktien von 8,20 Euro auf 4,50 Euro und merkte an, dass Conergy der Bankrott drohe, sollte die Finanzkrise andauern.

Die UBS empfahl zudem die Aktien des Windkraftkonzerns Nordex zum Verkauf, die Aktien drehten im Verlauf des Nachmittag jedoch ins Plus und schlossen 1,8 Prozent fester.

Im SDax sackten Papiere des Fondsanbieters MPC um 4,8 Prozent nach unten. Die Unicredit stuften die Aktie von "Buy" auf "Hold", nachdem MPC am Donnerstag seine Prognose gesenkt hatte.

UBS behält abgespecktes Investmentgeschäft
Die von der Finanzkrise stark belastete Schweizer Bank UBS will ihr Geschäftsmodell ändern. Die UBS will weitere 2.000 Mitarbeiter in der Investmentsparte abbauen und dafür den Handel mit Devisen und Edelmetallen ausbauen. Bisher hat die Bank 24 Milliarden Euro wegen der Finanzkrise abgeschrieben.

Jobs ist gesund! Apple-Aktie dreht ins Plus
Ein offizielles Dementi aus dem Hauptquartier des Computerherstellers Apple brauchte es, um ein Fünfprozentminus bei der Appleaktie in ein Fünfprozentplus zu drehen. Es ging um die Gesundheit von Apple-Chef Steve Jobs. Dieser sollte, meldete eine Internetseite, ins Krankenhaus eingeliefert worden sein. Die Aktie begann den Handel daraufhin mit besagtem Verlust. Ein Apple-Sprecher reagiert und sagte, die Gerüchte seien unwahr und Jobs gehe es gut.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat