Marktbericht 20:04 Uhr

Anleger machen Kasse Nichts kann den Dax derzeit aufwecken

Stand: 03.06.2014, 20:04 Uhr

Eigentlich hätten die Börsianer am Dienstag auch zuhause bleiben können. Denn an den Märkten bewegte sich kaum etwas. Wie ein Kanninchen vor der Schlange starren die Anleger auf die EZB-Zinssitzung am Donnerstag. Der Dax setzte seine Rumpel-Tour fort und gab leicht nach.

Über gähnende "Langeweile auf dem Börsenparkett" klagte Aktienexperte Jens Klatt von DailyFX. Die Börsianer hätten fast sämtliche Handelsaktivitäten eingestellt, der Dax sei so gut wie eingeschlafen, schrieb Klatt in seinem Tageskommentar zum Börsengeschehen.

Geringe Umsätze

Tatsächlich wagten sich die Anleger am Dienstag nicht vor. Die Umsätze an den europäischen Börsenplätzen von Frankfurt bis London waren erneut gering. Nach dem Rekordlauf der letzten Tage gebe es wenig Grund für neue Aktienkäufe, sagten Händler. Bevor nicht klar sei, was die EZB am Donnerstag verkünde, wolle sich niemand positionieren, hieß es.

Börsen im Rückwärtsgang

Einige Börsianer machten Kasse. Der Dax rutschte zeitweise auf unter 9.900 Punkte, erholte sich dann etwas und schloss 0,3 Prozent tiefer bei knapp 9.920 Punkten. Im späten Parketthandel sackte der deutsche Leitindex wieder unter die 9.900 Zähler. Der Eurostoxx50 fiel um 0,2 Prozent auf 3.241 Zähler. Und auch die Wall Street kam nicht voran. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss 0,1 Prozent niedriger. In den letzten Tagen hatten Dow, S&P 500 und der Dax mehrfach neue Rekordhochs markiert hatten.

Ukraine-Krise wird wieder Thema

Für Zurückhaltung sorgte auch der Europa-Besuch von US-Präsident Barack Obama. Er erinnerte viele daran, dass die Ukraine-Krise noch nicht vom Tisch sei, meinte ein Händler. Das Thema dürfte das G7-Treffen am Mittwoch und Donnerstag überschatten.

Dax 10.000 bleibt in Sichtweite

Seit Tagen dümpelt der Dax im Bereich der 9.950 Punkte umher. Bis zur magischen Marke von 10.000 Zählern fehlt nicht mehr viel. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) die geldpolitischen Zügel massiv lockern, könnte die Marke geknackt werden. "Die 10.000 sind wie ein Magnet, da können wir vorerst nicht von lassen", meinte ein Marktteilnehmer.

Nur noch 0,5 Prozent Inflation in Europa

Am Dienstag machten die neuesten Inflationsdaten aus der Euro-Zone eine Zinssenkung am Donnerstag noch wahrscheinlicher. Überraschend sank die Teuerungsrate im Mai auf nur noch 0,5 Prozent - nach 0,7 Prozent im April. Ökonomen hatten mit einer Inflationsrate von 0,6 Prozent gerechnet.

Warten auf Draghis "dicke Bertha"

Um die Deflationsgefahr zu bannen, wird die EZB voraussichtlich die Leitzinsen auf ein neues Rekordtief senken, einen Strafzins für Banken einführen, die ihr Geld bei der EZB parken, und möglicherweise Geldspritzen für Banken beschließen, die die Kreditvergabe ankurbeln soll. Ob die EZB so weit wie die Fed geht und ein Programm zu Anleihenkäufen (Quantitative Easing) startet, darf aber bezweifelt werden. Die Erwartungen sind groß, Enttäuschungen dürften fast vorprogrammiert sein. Unter den Marktteilnehmern mache sich inzwischen zunehmend Skepsis breit, dass EZB-Präsident Mario Draghi die "dicke Bertha" raushole, schreibt Aktienanalyst Klatt.

Euro über 1,36 Dollar

Der Euro legte nach den Inflationsdaten zu und kletterte bis zum Abend auf 1,3630 Dollar. Offenbar reagierten Anleger erleichtert darauf, dass die Inflationsrate nicht wie von manchen befürchtet noch tiefer in den Keller gerauscht ist. Der Goldpreis stagnierte derweil bei 1.245 Dollar.

BMW überholt Daimler

Im Dax gaben Autowerte den Ton an. BMW und Daimler fuhren an die Dax-Spitze. In den USA verkauften die Münchner 13 Prozent mehr Autos im Mai, Mercedes setzte knapp acht Prozent mehr Fahrzeuge ab. In den ersten fünf Monaten des Jahres verkaufte BMW auf dem boomenden US-Markt 2.000 mehr Fahrzeuge als Mercedes. Auch der deutsche Automarkt kam im Mai an Fahrt. Allerdings sanken die Neuzulassungen bei Mercedes leicht, bei BMW fielen sie gar um fast fünf Prozent.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,77
Differenz relativ
+0,53%

Kapitalerhöhung drückt VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Für Aufsehen sorgte VW nach Xetra-Schluss. Der Wolfsburger Autobauer kündigte eine zwei Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung an. Das Geld dient der Komplettübernahme von Scania. Die Anteilsscheine sollten im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens an institutionelle Investoren gehen. Die Aktie stand im späten Handel unter Druck.

Versorger auf dem Vormarsch

Besser als der Markt schlugen sich auch die defensiven Versorgerwerte Eon und RWE. Neue Kurstreiber gebe es nicht, sagte ein Händler. Die Branche bleibe aber auf dem Vormarsch. Der Stoxx 600 Utilities stieg auf den höchsten Stand seit drei Jahren.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,99
Differenz relativ
+3,64%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,34
Differenz relativ
-0,56%

Siemens behält Frachtlogistik-Sparte

Die Aktien von Siemens gaben um 0,4 Prozent nach. Der Dax-Konzern hat überraschend den geplanten Verkauf seiner Frachtlogistik-Sparte an den US-Investor Wilbur Ross abgeblasen. Der Bereich bleibe im Konzern und werde nun so aufgestellt, dass er besser und lexibler agieren könne, kündigte Siemens-Chef Joe Kaeser. Der US-Investor Ross soll angeblich so viele Nachforderungen gestelltz haben, dass Siemens die Reißleine zog.

Bayer-Chef bleibt nur noch bis Ende 2016

Seinen Rückzug in zweieinhalb Jahren verkündete am Dienstag Bayer-Chef Marijin Dekkers. Er werde den Chemie- und Pharmnakonzern Ende 2016 verlassen, teilte Bayer mit. Sein Vertrag wurde vom Aufsichtsrat nur um zwei Jahre verlängert- auf Wunsch von Dekkers. Der Niederländer will aus familiären Gründen mehr Zeit in den USA verbringen. Kronprinz beim Traditionsunternehmen dürfte der bisherige Finanzchef Werner Baumann werden. Ab Oktober soll sich der 51-Jährige als Vorstand für Strategie und Portfoliomanagement beweisen.

Fuchs Petrolub wird billiger

Im MDax war Fuchs Petrolub mit einem Plus von 0,7 Prozent gefragt. Am Mittwochabend erhalten die Aktionäre des Schmierstoffherstellers im Zuge einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln weitere Anteile eingebucht. Für jede alte Vorzugsaktie gibt es eine neue hinzu. Der Kurs dürfte sich am Donnerstag daher in etwa halbieren. Das erleichtere die Handelbarkeit, meinte ein Börsianer.

Gerry Weber expandiert in hohen Norden

Im Plus schloss auch Gerry Weber. Der Modekonzern erwirbt in Norwegen acht Gerry-Weber-Filialen von einem Franchisenehmer und weitere 17 Läden, in denen mehrere Marken vertrieben werden. Damit setze sich die Expansion von Gerry Weber im Einzelhandel fort, freute sich ein Händler.

Rote Laterne für Osram

Schlusslicht im MDax war die Aktie von Osram. Sie büßte fast drei Prozent ein - wegen einer Personalie: Technikvorstand Peter Laier verlässt überraschend den Leuchtmittelhersteller. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen im Vorstand über Führung und Ausrichtung der Geschäfte des Unternehmens", wie Osram mitteilte. Laiers Aufgaben werden zunächst von Vorstandschef Wolfgang Dehen und Finanzvorstand Klaus Patzak übernommen.

Hebt Jungheinrich die Prognose an?

Die Geschäfte des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich entwickeln sich offenbar gut. "Die ersten fünf Monate 2014 sind für uns sehr gut gelaufen", sagte Jungheinrich-Chef Hans-Georg Frey der "Börsen-Zeitung". "Dass wir die Prognose bei weiterhin gutem Geschäftsverlauf in den nächsten Monaten noch einmal anheben werden, will ich nicht ausschließen." Bereits nach dem ersten Quartal hatte der Konzern seine Prognose angehoben. Die Aktie von Jungheinrich zog um 0,7 Prozent an.

Tipp24 verliert Finanzchef

Das Online-Lottounternehmen aus dem SDax muss schon wieder einen neuen Finanzchef suchen. Überraschend kündigte der bisherige Amtsinhaber Andreas Keil an, den Job niederzulegen. Er war nur 16 Monate im Amt. Genaue Angaben zu den Gründen seines Rüpckzugs nannte er nicht. Die Aktien von Tipp24 büßten rund drei Prozent ein und waren zweitgrößter SDax-Verlierer.

Air Berlin bekommt nur kleinen Schadensersatz

Leicht im Minus schlossen die Titel von Air Berlin. Die Fluggesellschaft hat ihre 50 Millionen Euro schwere Schadensersatzklage gegen den Berliner Pannen-Flughafen Berlin-Brandenburg zurückgezogen. Die beiden Unternehmen einigten sich auf einen auißergerichtlichen Vergleich. Laut "Bild Online" kassiert Air Berlin für den Vergleich 1,8 Millionen Euro.

Apple hat nicht viel Neues auf Lager

Die mit großer Spannung erwartete Produktpräsentation von Apple auf der jährlichen Konferenz für Softwareentwickler sorgte an der Börse für keine Begeisterung. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren drehte sich die Veranstaltung dieses Mal nur um das Thema Software. Apple stellte Updates für seine Betriebssysteme Max OS X bzw. iOS vor. Wer mit der Vorstellung von neuen Hardware-Produkten gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Diese werden nun vermutlich im Spätsommer bzw. Herbst vorgestellt. Die Apple-Aktie legte dennoch gut ein Prozent in den ersten Handelsstunden zu.

Dialog leidet unter Apple

Angesichts der ausgebliebenen Hardware-Neuheiten standen die Aktien des mutmaßlichen Apple-Zulieferers Dialog unter Druck. Die TecDax-Titel gaben über zwei Prozent nach. Der Börse fehlt kurzfristig betrachtet neue Fantasie für Dialog.

Schlechte Nachrichten von Epigenomics

Die Aktien des Biotech-Unternehmen Epigenomics brachen um 36 Prozent ein. Am Montagabend hatte das Unternehmen bekanntgegeben, die US-Gesundheitsbehörde FDA verlange für eine Zulassung eines Darmkrebs-Tests zusätzliche Tests. "Die Mitteilung liest sich für mich aber nicht so, als ob die FDA ein Zulassung komplett verweigern will", sagte ein Marktbeobachter. Allerdings verzögere sich damit die US-Markteinführung.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen