Nicht der beste Tagesausklang

Mark Ehren

Stand: 08.04.2008, 20:17 Uhr

Im späten Handel auf dem Frankfurter Börsenparkett gerieten deutsche Standwerte weiter unter Druck, nachdem sie schon zuvor abgerutscht waren. Auf neue Nachrichten der US-Notenbank konnte der Dax nicht mehr reagieren.

Die Währungshüter äußerten sich im Abschlussprotokoll einer Fed-Sitzung vom 18. März zur Lage der US-Wirtschaft. Das Dokument wurde erst um 20.00 Uhr (MESZ) veröffentlicht. Danach befürchten einige der Fed-Experten einen ernsten und lang anhaltenden Abschwung. Für das erste Halbjahr geht die Notenbank von einem Schrumpfen des BIP aus, gefolgt von einem leichten Anstieg in der zweiten Hälfte des Jahres. Damit ist praktisch offziell, dass sich die USA derzeit in einer Rezession befinden.

Der im späten Handel ermittelte L-Dax büßte gegenüber dem Xetra-Handel weitere elf Punkte auf 6.760 Zähler ein. Zuvor hatte der Dax 0,72 Prozent auf 6.771 Punkte verloren. "Die Leute wollen einfach nichts mehr machen", kommentierte ein Marktbeobachter die geringen Handelsaktivitäten. "Zu viele haben sich die Finger verbrannt und spielen einfach nicht mehr mit." Das gelte nicht nur für private Kleinanleger, sondern auch für die Profis.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet als Folge der Krise am US-Hypothekenmarkt und anderen Teilen der Kreditmärkte Verluste von insgesamt 945 Milliarden Dollar. Die Verluste könnten sogar noch höher ausfallen, da es sich nur um vorläufige Schätzungen handele, so der IWF.

Auch von der US-Konjunkturfront kamen wenig ermutigende Nachrichten. So sank im Februar die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe im Februar überraschend stark. Die so genannten "schwebenden Hausverkäufe" gelten als ein wichtiger Frühindikator für den US-Immobilienmarkt, da sie auf die künftigen Hausverkäufe schließen lassen.

Der größte Verlierer im Dax war die Infineon-Aktie, die auch unter niedrigeren Prognosen beim Chiphersteller AMD und beim Halbleiter-Zulieferer Novellus litt. Außerdem will der Konkurrent Hynix seine Speicherchippreise nur leicht anheben. Das "marginale" Ausmaß klinge deutlich schlechter als bei einigen Wettbewerbern in der vergangenen Woche, sagte ein Händler.

Kleiner Erfolg für Telekom

Am zweiten Tag des Schadensersatzprozesses hat das Oberlandesgericht Frankfurt die Methode zur umstrittenen Bewertung der Telekom-Immobilien vorläufig für zulässig erklärt. Auf das Bewertungsverfahren hätte aber in dem Börsenverkaufsprospekt hingewiesen werden müssen, erklärte das Gericht. Die T-Aktie verlor ungefähr so stark wie der Markt.

Postbank-Verkauf verzögert sich
Die Aktien der Postbank büßten stark ein, nachdem der neue Post-Chef Frank Appel in einem Zeitungsinterview erklärte, der Konzern stehe beim Verkauf seiner Banktochter nicht unter Zeitdruck. Ein Händler kommentierte: "Das ist klar negativ. Viele Investoren haben auf einen schnellen Verkauf gesetzt und die Aussagen von Appel nehmen dem Wert deutlich an Fantasie."

Rückgang bei Clearstream
Die Titel der Deutschen Börse tauchten ebenfalls tief ins Minus. Die Abwicklungstochter Clearstream hat im März einen Rückgang bei der Abwicklung von internationalen Transaktionen verzeichnet. Die Zahl sank um 27 Prozent von 3,22 Millionen im Vorjahresmonat auf 2,33 Millionen. Grund für den Rückgang sei neben einer geringeren Anzahl an Börsentransaktionen, dass es im Monat im Vergleich zum Vorjahr drei Handelstage weniger gegeben

Lufthansa zählte zu den Top-Verlierern - Händler sprachen vor allem von Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktien der Fluggesellschaft von Mitte März bis Anfang April um 20 Prozent zugelegt hatten. Begünstigt würden diese Gewinnmitnahmen von einem neuerlichen Aufwärtsschub beim Ölpreis.

Auch die Tui-Aktie weilte unter den schwächsten Papieren. Die zur Oetker-Gruppe gehörende Reederei Hamburg-Süd hat derzeit kein Interesse an der Übernahme der Tui-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd. Die Begründung ist wenig schmeichelhaft für Tui: "Mir ist keine Bilanz von Hapag-Lloyd bekannt, aus der man sehen kann, dass das überhaupt ein lukrativer Kauf wäre", sagte der Sprecher der Geschäftsführung von Hamburg-Süd, Klaus Meves, der Tageszeitung "Die Welt".

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörte Bayer. Die Aktie profitierte davon, dass Credit Suisse die Bewertung der Aktie aufnahm mit der Einschätzung "Outperform" und einem Kursziel von 62 Euro.

Arques beschleunigt Talfahrt
Unter den Nebenwerten fielen die herben Kursverluste bei Arques auf - zeitweise rutschte der Kurs 17 Prozent ab. Die Aktie ist der mit Abstand größte MDax-Verlierer. Das Papier sackte bis auf 7,76 Euro - so tief wie zuletzt im Sommer 2005. "Im Moment will niemand die Aktie haben", kommentierte ein Händler. "Einige Investoren sind über das Geschäftsmodell enttäuscht und hauen das Zeug jetzt raus", fügte ein anderer hinzu. Gestern Abend wurde zudem bekannt gegeben, dass JP Morgan seine Beteiligung auf unter drei Prozent zurückgefahren hat.

Unter den MDax-Verlierern tauchte auch der Triebwerkhersteller MTU prominent auf. JP Morgan senkte das Kursziel für die Aktie auf 28 von 46 Euro. Das Anlageurteil blieb bei "Neutral".

Viel heiße Luft bei MLP
Bis Handelsschluss gab die MLP-Aktie ihre zwischenzeitlichen Gewinne wieder fast vollständig ab. Händler verwiesen auf neuerliche Spekulationen um eine Übernahme des Finanzdienstleisters, die sich später aber zerschlugen. Ein Sprecher des angeblichen Interessenten Generali erklärte später: "Wir denken nicht an den Kauf von MLP."

Solon leidet unter Analysten
Im TecDax war Solon das Schlusslicht. Die Börse reagiert verschnupft auf negative Analystenkommentare. Die UBS senkte das Kursziel für die Solon-Aktie auf 57 von 63 Euro, behielt aber ihre "Neutral"-Einstufung bei. Lehman Brothers senkte das Kursziel von 80 auf 62 Euro und bestätigte den Titel mit "Equal weight". Die Commerzbank stufte Solon nach einem Conference Call im Anschluss an die Vorlage endgültiger Zahlen von "Buy" auf "Add" herab.

D.Logistics legte ebenfalls seine Bilanz 2007 vor. Der Umsatz stieg demnach um fünf Prozent auf 337,7 Millionen Euro. Das Nettoergebnis sank jedoch deutlich auf 2,8 Millionen Euro von 11,4 Millionen. Das operative Ergebnis (Ebita) lag bei 12,3 Millionen. Für 2008 kündigte das Unternehmen Umsatzerlöse in einer Bandbreite zwischen 325 und 345 Millionen und ein operatives Ergebnis (Ebita) von 13,0 bis 14,5 Millionen.

Bio-Gate kommt in den USA voran
Die Aktie des Nanotech-Unternehmens machte einen Riesensprung. Das Unternehmen hat in den USA die Zulassung für ihr mikroskaliges Silber auch für den Einsatz in nicht-medizinischen Anwendungen erhalten.

Lintec ist pleite
Der Computerhersteller, einst ein gefeierter Star am Neuen Markt, hat beim Amtsgericht Leipzig einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Nach der Wiederaufnahme des Handels brach das Papier um mehr als die Hälfte ein.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr