Marktbericht 20:05 Uhr

Dax fängt sich Neues Lebenszeichen der Bullen

Stand: 16.06.2016, 20:05 Uhr

Lange Zeit sah es nicht gut aus für den Dax, der unter die wichtige technische Unterstützungsmarke von 9.500 Punkten gerutscht war. Aber im späten Geschäft drehte sich das Blatt und die Bullen können ein bisschen Luft holen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Gegenbewegung kam im späten Geschäft und war kaum noch erwartet worden. Am Ende eines Tages, der nichts für schwache Nerven war, schloss der Dax zwar 0,59 Prozent im Minus bei 9.550 Punkten, damit aber deutlich über seinem Tagestief bei 9.432 Punkten.

Mehr als das, auch die wichtige technische Unterstützungsmarke bei 9.500 Punkten wurde auf Schlusskursbasis behauptet, was zumindest kurzfristig für eine Stabilisierung der angespannten Situation spricht. Die Bullen haben sich heute im fast schon letzten Moment doch noch gegen den totalen Ausverkauf gestemmt. Im Späthandel ging es sogar im Zuge einer anziehenden Wall Street dann bis über 9.600 Punkte weiter. Der L/E-Dax schloss bei 9.608 Punkten. Trotzdem bleibt die Lage extrem angespannt und die Anleger hochnervös.

Brexit-Ängste und Notenbank-Frust

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Denn die Brexit-Ängste lähmen die Investoren. Angeheizt werden die Ängste der Anleger durch mahnende Kommentare von allen Seiten. So heute von der Bank of England, Spitzenvertretern der EU und am Nachmittag noch vom IWF. Alle waren sich einig, dass die Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU unabsehbar wären und sich sehr negativ auf die Wirtschaft aller Beteiligten auswirken dürfte. Abgestimmt wird bekanntlich in einer Woche, am 23. Juni.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: Imago

Der Markt bleibe auch in den kommenden Tagen ein Seismograph der Brexit-Ängste, sagte Börsenfachmann Daniel Saurenz von Feingold Research. Sollte es letztlich nicht zu einem Austritt aus der EU kommen, dürften die Schwankungen am Markt wieder beträchtlich zurückgehen und der Dax sich wieder deutlich erholen, erwartet er. "Solange müssen alle zittern, die Mutigen greifen aber zu." Immerhin, im Gegensatz zu vielen Umfragen deuten die Quoten der Buchmacher in Großbritannien darauf hin, dass ein Brexit derzeit wohl keine Mehrheit findet.

Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
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Wer zudem auf neue Impulse von den Notenbanken gesetzt hat, wurde enttäuscht. Bereits am Vorabend hatte Fed-Chefin Janet Yellen die Märkte mit ihrer zögerlichen Haltung enttäuscht, heute legte die japanische Notenbank nach, die keine weiteren Lockerungen beschloss. In Tokio fiel der Nikkei daraufhin deutlich um drei Prozent.

Dow Jones dreht ins Plus

Auch an der Wall Street haben sich die Märkte erholt. Der Leitindex Dow Jones leigt aktuell minimal im Plus. An der Wall Street hingen die Kurse zuletzt eher vom Ölpreis als von Brexit-Sorgen ab. Denn es sind und waren vor allem die schwer gewichteten Ölaktien, die die US-Indizes zuletzt stabilisiert haben. Aktuell aber fällt der Ölpreis nach der jüngsten Rally wieder zurück und deutlich unter die Marke von 50 Dollar.

Aber an der New Yorker Börse ist ein möglicher Brexit natürlich trotzdem ein Schreckensszenario. "Die US-Unternehmen haben über die Jahre mehr als 600 Milliarden Dollar ausgegeben, um sich in Großbritannien einzurichten. Nun wissen sie nicht mehr, was mit ihren Investitionen geschieht", sagte Andre Bakhos von Janlyn Capital LLCraio.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Erst Flucht in den Dollar, aber dann....

Am Nachmittag verschärfte sich der Euro-Ausverkauf angesichts der drohenden Brexit-Risiken in Richtung 1,1130 Dollar und damit mehr als einen Cent weniger als am Vortag. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1174 (Mittwoch: 1,1230) Dollar fest. Nicht zuletzt die Euroschwäche half letztlich dem Aktienmarkt, sich zu erholen.

Verkehrte Welt dann im Späthandel - der Euro legt wieder über die Marke von 1,12 Dollar zu, der Aktienmarkt steigt trotzdem weiter. Auch am Devisenmarkt dürfte heute so mancher Marktteilnehmer einen harten Tag gehabt haben angesichts dieser Schwankungen.

Neben dem Dollar gab es weitere Gewinner der Brexit-Ängste. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen fielen weiter und haben heute bei minus 0,035 Prozent einen neuen Tiefstand erreicht. Als sicherer Hafen gilt bei den Anlegern auch das Gold. Die Unsicherheiten, aber auch das weiterhin sehr niedrige Zinsniveau in Amerika treibt die Goldpreise. Erstmals seit Ende April notiert das Edelmetall wieder über 1.300 Dollar je Feinunze. Im Spätgeschäft fiel der Preis jedoch wieder zurück. In Euro gerechnet lag der Preis schon bei über 1.170.

Bank-Aktien am Dax-Ende

Die Verliererliste im Dax wurde von der Deutschen Bank und der Commerzbank angeführt. Die Deutsche-Bank-Aktie fällt dabei sogar auf ein Allzeittief. und droht sogar aus dem Euro Stoxx 50 zu fallen. Das Papier ist mit einem Kursverlust von mehr als 40 Prozent seit Jahresbeginn der schwächste Dax-Wert und hat heute bei bisher 12,81 Euro ein neues Rekordtief markiert.

Commerzbank-Papiere notieren auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren. Die gelbe Bank gab den Umbau ihres Filialnetzes bekannt. Zukünftig soll es vier verschiedene Arten von Filialen geben. Aushängeschilder werden sogenannte "Flagship"-Filialen, geplant sind davon 65 bis 100. Privatkunden-Vorstand Michael Mandel bewertete eine Testlauf erfolgreich,. Er wollte sich nicht festlegen, wie sich die Zahl der derzeit 1050 Zweigstellen entwickeln wird.

Kaum Gewinner

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte das ThyssenKrupp-Papier nach einem positiven Analystenkommentar von Merrill Lynch. Die Preise für Stahl in Europa und den USA dürften wieder steigen und damit die Margen in der Stahlsparte aufbessern, schrieb Analyst Cedar Ekblom in einer Studie vom Donnerstag und empfiehlt die Aktie nun zum Kauf. Er stufte sie von "Neutral" auf "Buy" hoch und hob das Kursziel von 22 auf 23 Euro an. Tagessieger waren ProSiebenSat.1, die gut ein Prozent zulegten.

Siemens-Windkraft fusioniert

Der deutsche Industriekonzern Siemens und der spanische Gamesa-Konzern sind sich laut Kreisen über einen Zusammenschluss ihrer Windkraftsparten einig. Siemens soll demnach einen Anteil von 59 Prozent an dem zusammengelegten Unternehmen halten, Gamesa den Rest. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" nach Börsenschluss.

Ein Siemens-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Gamesa erhält zudem eine Sonderdividende in Höhe von einer Milliarde Euro in bar. Das neue Unternehmen wäre nach Analystenschätzungen Weltmarkführer im Markt für Windkraftanlagen und würde mit etwa zehn Milliarden Euro bewertet.

VW präsentiert "Strategie 2025"

Nicht gut weg kam bei den Anlegern auch das VW-Papier, dass über zwei Prozent einbüßte. Konzernchef Müller hat seine neue Konzernstrategie vorgestellt, die in den Augen von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eine Wende für den Autobauer bedeutet. VW will zukünftig Milliarden in neue Mobilitätsdienste investieren. E-Autos und die Digitalisierung stehen im Zielsystem des Managements ganz oben, zudem soll die Umsatzrendite gesteigert und der Konzern effizienter werden.

Am Abend wurde noch bekannt, dass nach der Verkündung der neuen Strategie die Familien Piech und Porsche ihren Dividendenstreit beigelegt hätten. Dies berichtet die "Bild-Zeitung" und beruft sich auf die beiden VW-Aufsichtsräte Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche. Demnach wird auf der Hauptversammlung am 22.6. eine Minidividende gezahlt werden. Mehrheitseigener Porsche Holding AG kündigte an, auf der HV für den Dividendenvorschlag der Verwaltung zu stimmen.

Adidas ist im Fußball wieder die Nummer eins

Der Herzogenauracher Sportartikelkonzern erwartet im laufenden Jahr neue Rekorde in seinem Fußballgeschäft. Der Umsatz mit Trikots, Schuhen und Bällen werde verglichen mit dem vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zulegen, sagte der scheidende Adidas-Chef Herbert Hainer am Donnerstag in Paris. In den fünf großen europäischen Märkten habe man zudem die vor zwei Jahren verlorene Spitzenposition vom US-Konkurrenten Nike zurückerobert.

Das DFB-Trikot soll sich 1,3 Millionen Mal verkaufen. Das wäre zwar so viel wie bei der EM vor vier Jahren, aber deutlich weniger als zur WM 2014, als 3,5 Millionen Stück über den Ladentisch gingen. Vor allem der hohe Preis von 85 Euro je Leibchen hat viele Käufer abgeschreckt, Händler haben die Preise für das Trikot bereits deutlich gesenkt. Adidas-Aktien legten leicht zu und hielten sich damit deutlich besser als der Gesamtmarkt.

Airbus hat Probleme

Airbus befürchtet Verzögerungen bei seinem neuen Modell A350. Das Ziel, 2016 mehr als 50 Maschinen zu bauen, bleibe eine Herausforderung, sagte der Chef des Flugzeugsparte des europäischen Konzerns, Fabrice Bregier, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der französischen Zeitung "La Tribune". Der Produktionsverzug gehe auf anhaltende Schwierigkeiten bei der Zulieferung von Kabinenteilen zurück.

Kuka-Angebot nun offiziell

Der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea hat nun auch ein offizielles Übernahmeangebot für den Roboterhersteller Kuka vorgelegt. Midea bietet wie bereits bekannt 115 Euro je Aktie. Die Annahmefrist läuft bis zum 15. Juli 24 Uhr. Die Aktie führte den MDax an, blieb mit 108 Euro aber unter dem Angebotspreis der Chinesen.

Vossloh empfohlen

An der Spitze im SDax lag die Vossloh-Aktie. Die britische Investmentbank HSBC hat den Wert von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 52,75 auf 64,00 Euro angehoben. Der Anlagehintergrund für den Verkehrstechnikkonzern bewege sich weg von der Restrukturierungsstory hin zum Treiber Fusionen- und Übernahmen, hieß es. Bei seinem Umbau und der Konzentration auf sein Kerngeschäft sei das Unternehmen zudem auf einem guten Weg.

Gratisaktien bei Patrizia

Die Hauptversammlung des Augsburger Immobilienunternehmens hat die Ausgabe von Berichtigungsaktien, die irrtümlich auch Gratisaktien genannt werden, beschlossen. Den Aktionären wird eine neue Aktie für zehn existierende Aktien eingebucht. Die Aktie des im Prime Standard notierten Unternehmens fiel um 3,4 Prozent.

Disney jetzt auch in China

Walt Disney: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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In Shanghai hat das erste Disneyland Chinas seine Tore für Besucher geöffnet und bereist im Vorfeld für großes Publikumsinteresse gesorgt. Disney setzt große Hoffnungen auf seinen weltweit sechsten Vergnügungspark. 330 Millionen potenzielle Kunden haben Analysten allein in einem Umkreis von drei Reisestunden um Shanghai ausgemacht. Disney-Chef Robert Iger sagte, China sei einfach zu groß, um es links liegen zu lassen. "Wir wollten ein starkes Zeichen setzen. Dies ist schließlich der größte Markt der Welt.

rm

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier