Neues Jahreshoch

Stand: 25.03.2010, 20:02 Uhr

Griechenland-Krise? Euro-Schwäche? Von diesen Themen wollten die Anleger heute nichts wissen. Beflügelt von Kursgewinnen an der Wall Street, springt der Dax um 1,6 Prozent auf ein neues Jahreshoch.

Im Abendhandel gewinnt der Leitindex 92 Punkte und steigt auf 6.121 Zähler. Händler machen vor allem technische Faktoren für die Hausse verantwortlich. Der Sprung über die 6100 Punkte löse Kaufsignale aus. "Da kommen nun auch wieder einige institutionelle Investoren zurück in den Markt", sagte ein Börsianer.

Befeuert wurde der Leitindex am frühen Nachmittag von den besser als erwartet ausgefallenen Anträgen auf US-Arbeitslosenhilfe. Der Dax übersprang daraufhin sein bisheriges Jahreshoch vom Januar bei 6.094 Punkten und kletterte nach einer kurzen Verschnaufpause bis zum Ende des elektronischen Handels auf 6.132.

Taktgeber war wie so oft die Wall Street. Dort gewinnt der Dow Jones-Index zeitweise mehr als 100 Punkte. Bei Börsenschluss in Deutschland muss das Börsenbarometer zwar einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben, liegt aber immer noch knapp 70 Punkte über dem Stand von gestern bei 10.902.

Für Erleichterung sorgt vor allem die in Aussicht gestellte Rettung des verschuldeten Staatsfonds Dubai World und der dazugehörigen Immobilienfirma Nakheel. Mit Freude reagierten die Anleger auch auf Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke, wonach die Zinsen für eine "längere Zeit" niedrig bleiben werden. Beflügelt wurde die Wall Street auch von dem Mobilfunkzulieferer Qualcomm, der seine Prognose für das zweite Quartal erhöhte.

Einigung über Notfallplan
Die Euro-Länder haben sich nach Angaben des Sprechers der griechischen Regierung auf den deutsch-französischen Notfallplan für Griechenland geeinigt. Für seine Regierung sei der Plan, der eine Kombination von Krediten der Euro-Länder mit Finanzhilfen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vorsieht, absolut akzeptabel, fügte der Sprecher hinzu. Laut deutschen Regierungskreisen einigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy auf eine "substanzielle Beteiligung" des IWF als Ultima Ratio, zusätzlich zu bilateralen Hilfen. Vor Beginn des Gipfel hatten bereits mehrere Regierungschefs Zustimmung zu diesem Modell geäußert.

Auch der Euro gerät am Abend wieder unter Druck und fällt unter die Marke von 1,33 Dollar. Zu Beginn des Jahres stand er noch bei 1,44 Dollar.

VW einsamer Verlierer
Die Vorzugs- und Stammaktien von Volkswagen sind die einzigen Verlierer im Dax. Händlern zufolge ist am Abend mit Details zur derzeit laufenden Kapitalerhöhung zu rechnen. Die Preisspanne der Vorabplatzierung liegt Marktteilnehmern zufolge zwischen 64 und 65 Euro und damit bis zu fünf Prozent unter dem aktuellen Kursniveau. Aufgrund der guten Nachfrage rechnen die Börsianer damit, dass am Abend die Bücher geschlossen werden.

Deutsche Bank haussiert
Dagegen steigt der Kurs der Deutschen Bank auf den höchsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Händlern zufolge profitiert der Branchenprimus des deutschen Kreditgewerbes von der Rettung des verschuldeten Staatsfonds Dubai World.

SAP zahlt unverändert
Der auf hohen Barbeständen sitzende Software-Hersteller SAP will für das zurückliegende Jahr trotz eines Gewinnrückgangs eine unveränderte Dividende zahlen. Die Aktionäre sollen nach dem Willen von Vorstand und Aufsichtsrat 50 Cent je Aktie bekommen. Die Aktie gewinnt knapp ein Prozent.

Hochtief gibt sich zuversichtlich
Für die Aktien des Bau- und Dienstleistungskonzerns Hochtief geht es heute kräftig nach oben. Damit honorieren die Anleger die heute bekannt gewordenen Pläne des Konzerns, innerhalb von drei Jahren das Vorsteuerergebnis um rund 400 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro zu verbessern. "Wir haben eine größere Übernahme nicht geplant. Wir werden uns in Nischen verstärken", erläuterte Unternehmenschef Herbert Lütkestratkötter. Zum Ergebniszuwachs sollen alle Geschäftsbereiche beitragen.

Vossloh erfreut
Die Aktie des Bahntechnikherstellers Vossloh legt ebenfalls zu. Das Unternehmen hat die Prognose erhöht und peilt im laufenden Jahr ein Ebit von 145 Millionen statt bis zu 140 Millionen Euro an. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von zwei Euro je Aktie.

Gerry Weber gut gestartet
Die Aktien des im SDax gelisteten Modekonzerns Gerry Weber legen überdurchschnittlich zu. Der Grund: das Unternehmen hat im ersten Geschäftsquartal einen Rekordumsatz vorgelegt. Auch der Gewinn legte kräftig zu. Im laufenden Geschäftsjahr 2009/2010 (31. Oktober) werde ein Umsatz von bis zu 620 Millionen Euro angepeilt nach 594 Millionen Euro im Vorjahr.

IVG bald wieder schwarz
IVG-Aktien legen überdurchschnittlich zu. Das Immobilienunternehmen hat in Aussicht gestellt, im laufenden Jahr aus den roten Zahlen herauszukommen. Zudem will IVG seine Schulden deutlich reduzieren. Der Verschuldungsgrad solle von derzeit rund 70 Prozent mittelfristig auf 60 bis 65 Prozent und langfristig unter 60 Prozent sinken, heißt es im Geschäftsbericht.

Auch Patrizia hoffnungsvoll
Der vor allem auf Wohnimmobilien fokussierte Augsburger Patrizia-Konzern will sein Vorsteuerergebnis 2009 von 2,4 Millionen Euro im laufenden Jahr "spürbar verbessern", wie Finanzchef Arwed Fischer sagte. Beim Verkauf von Wohnungen sei in den ersten drei Monaten das Vorjahresniveau bereits übertroffen worden. Patrizia rechnet damit, dass Profi-Anleger wieder viel aktiver sein werden. Die im SDax notierte Aktie legt leicht zu.

United Internet wächst
Die Aktie gibt mehr als vier Prozent nach. Analysten zeigten sich enttäuscht vom Ausblick und nannten ihn "vorsichtig". Das Unternehmen will in Zukunft verstärkt mit neuen Dienstleistungen rund um das Internet wachsen. Zudem fiel das Ergebnis im vergangenen Jahr nicht ganz so wie erwartet aus. Börsianer verweisen außerdem auf Gewinnmitnahmen nach der zuletzt starken Entwicklung.

Centrotherm will raus aus der Krise
Die Aktie des Solarzulieferers Centrotherm ist der größte Verlierer im TecDax. Dabei rechnet das Unternehmen nach dem Krisenjahr 2009 im laufenden Jahr fest mit Gewinnen. "Ein Verlust ist für ein schwäbisches Unternehmen praktisch verboten", sagte Firmenchef Robert Hartung. Zur Höhe der Marge wagte er aber noch keine Prognose. Die Anleger hat diese Aussage allerdings nicht überzeugt.

Evotec vor der Wende
TecDax-Gewinner Nummer 1 ist Evotec. Das Hamburger Biotechunternehmen Evotec will mit Hilfe zahlreicher Forschungsallianzen mit großen Pharmakonzernen spätestens in zwei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Bereits im vergangenen Jahr wurde der Verlust von 78 auf 45 Millionen Euro reduziert, im vierten Quartal stand sogar ein positives Ergebnis von zwei (2008: minus 10,4) Millionen Euro in den Büchern.

Keine Sorge bei Douglas
Die vermeintlichen Kursverluste der Aktien von Douglas und der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) relativieren sich. Denn die beiden Unternehmen haben ihre Jahresdividenden von 1,10 Euro und 1,00 Euro ausgeschüttet.

Loewe profitiert nicht von WM
Ziemlich real sind dagegen die Verluste bei der im SDax notierten Loewe-Aktie. Der Fernsehgeräteherstellers rechnet im laufenden Jahr nur mit einem moderaten Umsatzwachstum. Das Ebit soll stagnieren - trotz der Fußball-WM in Südafrika, die der Branche eigentlich gute Geschäfte bescheren sollte.

Air Berlin stellt zufrieden
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin will im laufenden Jahr stärker wachsen als die Branche. Wegen der Übernahme von TuiFly will das Unternehmen erstmals mehr als 30 Millionen Passagiere befördern und den Umsatz spürbar steigern. Im vergangenen Jahr hatte Air Berlin bei einem leicht rückläufigen Umsatz seinen Verlust kräftig reduziert. Das Minus sank von 84 auf nur noch 10 Millionen Euro.

Tom Tailor kommen zu 13 Euro
Die Aktien des Modeunternehmens Tom Tailor werden morgen erstmals an der Börse gehandelt. Der Ausgabepreis liegt bei 13 Euro und damit in der Mitte der Zeichnungsspanne, die von 11 bis 15 Euro reichte.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr