Neuer Tiefschlag für Anleger

Stand: 05.09.2011, 20:05 Uhr

Schuldenkrise, Bankenkrise und Rezessionsängste - die neue Börsenwoche beginnt mit heftigen Verlusten. Der Dax verliert fast 300 Punkte und so mancher Investor die Nerven. Gold und Bundesanleihen sind dagegen heiß begehrt.

Rekorde dagegen beim Bund-Future und - in Euro gerechnet - auch bei Gold, klare Hinweise darauf, dass an den Kapitalmärkten Angst vorherrscht. Die Feinunze des Edelmetalles kostete am Montag bis zu 1.903 Dollar oder rund 1.350 Euro. Auf den Anleihemärkten fielen die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen auf unter zwei Prozent, der Bund-Future kletterte auf einen noch nie da gewesene Wert von 138,36 Punkten.

Banker voller Skepsis

An den Aktienmärkten hinterließen zum Wochenbeginn neue Gerüchte zur Euro-Krise und Äußerungen von Spitzenbankern deutliche Spuren. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann befand auf der "Handelsblatt-Tagung", dass "es für die Finanzbranche schwer werde, ihre Erträge zu steigern". Der Chef der staatlichen Förderbank KfW,. Ulrich Schröder, setzte am Nachmittag noch eins drauf stellte fest, dass "die Banken noch nicht aus der Gefahrenzone heraus" sind.

Keine Hilfe aus Übersee

Zusammen mit Gerüchten, wonach Italiens Kreditwürdigkeit herabgestuft werden könnte und Rezessionsängsten in den USA belastete die Stimmung im Finanzsektor die Börsen europaweit. An der Wall Street blieb dagegen der Handel wegen des Feiertages "Labor Day" geschlossen.

Deutsche Bank-Aktie auf Abwegen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

Bankaktien gehörten zu den großen Tagesverlieren, allen voran die Papiere der Deutschen Bank, die fast neun Prozent einbüßten. Das Institut gehört zudem zu den 17 Banken, die von der US-Aufsichtsbehörde FHFA in Höhe von insgesamt 200 Milliarden Dollar verklagt werden - wegen angeblich unlauterer Geschäfte mit Hypothekenkrediten.

Konjunktur-Ängste belasten Autobauer und Stahlkocher

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,75
Differenz relativ
-2,14%

Aber auch Auto-Aktien wie die von Daimler und BMW kamen mit jeweils mehr als sechs Prozent Kursverlust unter die Räder. Konjunktursensitive Aktien wie die des Chip-Herstellers Infineon oder des Stahlkonzerns ThyssenKrupp schlossen zwischen sechs und sieben Prozent tiefer.

Kann die Telekom den US-Deal retten?

Auch die T-Aktie musste heftige Verluste einstecken. Telekom-Chef Rene Obermann will mit der US-Regierung verhandeln, um den Verkauf der US-Mobilfunksparte an AT&T doch noch über die Bühne zu bringen, nachdem das US-Justizministerium gegen den Verkauf nach den bisherigen Bedingungen geklagt hat.

BASF startet in Libyen durch

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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66,16
Differenz relativ
-4,14%

An einem anderen Börsentag hätte die BASF-Aktie bei dieser Nachricht wohl einen Freudensprung aufs Parkett gelegt: Die Öltochter des Unternehmens, Wintershall, will die Produktion in Libyen nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes schnell wieder hochfahren, so Rainer Seele, Chef von Wintershall gegenüber dem "Handelsblatt".

Auch der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore hat sich in Libyen einen ersten Vertrag gesichert. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben mit dem Übergangsrat auf einen Vertrag zur Treibstofflieferung geeinigt.

Versorger setzen auf Erneuerbare

Die beiden Energiekonzerne Eon und RWE investieren stärker in regenerative Energien. Eon erklärte am Montag, zwei weitere Solarparks in Italien zu bauen, die bereits Ende des Jahres fertiggestellt sein sollen. RWE will noch stärker auf erneuerbare Energien setzen. Laut dem Chef der Ökostrom-Tochter Innogy, Fritz Varenholt, will RWE bis 2020 jährlich 1,3 Milliarden Euro in den Bereich investieren. In Nordrhein-Westfalen will das Unternehmen die Ökostrom-Kapazitäten auf 300 MW verdreifachen.

Demag muss Gewinne abliefern

Auch der MDax kannte am Montag fast nur Verlierer. Die Aktie des Kranspezialisten Demag Cranes konnte aber ein kleines Plus aus dem Handel retten. Das Unternehmen will einen Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag mit der Konzernmutter Terex abschließen, die bereits rund 82 an dem Unternehmen hält. Der Vertrag soll bis Ende 2011 unter Dach und Fach sein.

Solartitel mit Schlagseite

Dramatisch abwärts ging es auch beim Technologieindex TecDax. Größte Verlierer waren die Solarkonzerne Solarworld und Q-Cells, die zwischen acht und zehn Prozent unter Vortagesschluss notierten. Besser als der Index schlugen sich United Internet und Mobilfunk-Spezialist Drillisch.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat