Neuer Hoffnungslauf

Detlev Landmesser

Stand: 05.02.2009, 20:29 Uhr

Neue Spekulationen darüber, wie der neueste Rettungsplan für die amerikanischen Banken aussieht, verhalfen den Börsen am Donnerstag zu einer scharfen Kurswende. Am meisten beschäftigte aber die Deutsche Bank die Gemüter.

Der L-Dax schloss dank der Kurswende an der Wall Street 1,8 Prozent höher bei 4.525,04 Punkten. Die New Yorker Aktienmärkte hatten mit einer abrupten Kehrtwende auf das Gerücht reagiert, der neue US-Bankenrettungsplan schließe auch eine Aussetzung der Bilanzierungsregel vor, Wertpapierbestände marktnah zu bewerten - damit wären die Bankbilanzen zwar grob verfälscht, aber kurzfristig von dem lähmenden Abschreibungsdruck befreit. Die Aktie der Bank of America, die zwischenzeitlich um 20 Prozent abgestürzt war, erholte sich im Verlauf vollständig.

Von der US-Konjunktur gab es dagegen weitere Krisendaten. Auch im Dezember brachen der amerikanischen Industrie die Aufträge weg. Das US-Handelsministerium meldete einen Rückgang der Auftragseingänge gegenüber November um 3,9 Prozent. Volkswirte hatten nur mit einem Minus von 3,0 Prozent gerechnet. Zugleich wurde der Wert für den November von minus 4,6 auf minus 6,5 Prozent revidiert.

Einen Vorgeschmack auf die wichtigen Arbeitsmarktdaten am Freitag waren die aktuellen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. In der abgelaufenen Woche meldeten sich den USA 626.000 Personen bei den Ämtern, 41.000 mehr als erwartet und so viele wie seit 1982 nicht mehr.

Deutsche Auftragsbücher leeren sich

In Deutschland brachen die Industrieaufträge im Dezember mit 6,9 Prozent zum Vormonat noch dramatischer ein. Im Viermonatsdurchschnitt ergab sich ein Rückgang von 6,7 Prozent, der stärkste Auftragseinbruch seit 1970. Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt indessen wie erwartet die Finger still. Der Leitzins für den Euroraum bleibt vorerst bei 2,0 Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ließ aber bereits durchblicken, dass es eine Zinssenkung auf der März-Sitzung geben dürfte.

US-Bilanzen uneinheitlich
Die Quartalszahlen von Cisco Systems kamen nicht gut an. Neben einem heftigen Gewinneinbruch bot der weltgrößte Netzwerkausrüster noch einen düsteren Ausblick. Auch die weltweit zweitgrößte Schnellrestaurant-Kette Burger King musste nach einem schwachen Quartal die Gewinnprognose senken.

Ein positives Zeichen setzte dagegen Visa. Der weltgrößte Kreditkartenanbieter hat trotz der Krise zum Jahresende 2008 einen Gewinnsprung erzielt und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Zudem bestätigte Visa seine Prognose von mindestens 20 Prozent mehr Gewinn für das laufende Geschäftsjahr. Konkurrent MasterCard meldete dagegen einen Gewinneinbruch im vierten Quartal von 21 Prozent.

Deutsche Bank will es allein schaffen
Beherrschendes Thema am deutschen Markt war die Deutsche Bank. Der Branchenprimus stellte seine endgültige Bilanz für das vergangene Jahr vor, die in Teilen bereits bekannt war. Kursbewegend war aber vor allem der fehlende Ausblick für das laufende Jahr. "Für die nächste Zeit sehen wir weiterhin sehr schwierige Bedingungen für die Weltwirtschaft und damit große Herausforderungen für unsere Kunden wie auch für unsere Branche", erklärte Vorstandschef Josef Ackermann. Immerhin lief der Januar mit Erträgen von 2,8 Milliarden Euro aber hervorragend. Dies sei deutlich über dem Vergleichswert im vergangenen Jahr, sagte Ackermann auf der Bilanzpressekonferenz. Staatliche Hilfen lehnte Ackermann erneut ab. Nach anfänglichen Kursverlusten von fast zehn Prozent erholte sich das Papier im Handelsverlauf unter hohen Schwankungen.

Hat Commerzbank eigene "Bad Bank" oder nicht?
Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärte am Abend ebenfalls, dass er eine individuelle Bad-Bank-Lösung der einzelnen Institute favorisiert. Auf die Frage, ob die Commerzbank eine eigene Bad Bank brauche, lehnte Blessing eine Antwort ab. Das "Handelsblatt" berichtete daraufhin vorab aus seiner Freitagausgabe, die Bank habe bereits eine interne Bad Bank für toxische Wertpapiere gegründet. Ein Banksprecher betonte dagegen, es handele sich dabei um keine "Bad Bank", sondern einen eigenen Bereich im Kreditportfoliomanagement der Investmentbank, den es schon länger gebe.

IDS Scheer über Prognosen
Im TecDax legte IDS Scheer um 5,1 Prozent zu. Der IT-Dienstleister hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz leicht von 393,5 auf 399,1 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank von 39,6 auf 16,4 Millionen Euro. Damit übertraf IDS leicht die eigenen Erwartungen. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 370 bis 390 Millionen Euro und einer deutlich verbesserten Rendite.

Doppelbelastung für Rofin-Sinar
Zu den größten TecDax-Verlierern gehörte Rofin-Sinar. Der deutsch-amerikanische Laserspezialist hat in seinem ersten Geschäftsquartal unter der Wirtschaftsflaute und der Erholung des US-Dollar gelitten. Der Umsatz ging binnen eines Jahres von 134,7 auf 107,0 Millionen Dollar zurück. Das operative Ergebnis fiel von 24,9 auf 9,6 Millionen Dollar. Analysten hatten allerdings mit noch stärkeren Einbußen gerechnet. Im Auftragsbuch standen Ende Dezember Bestellungen über 111,7 Millionen Dollar.

Medigene kehrt in den TecDax zurück
Das Biotech-Unternehmen Medigene ersetzt im TecDax mit Wirkung zum 9. Februar den Windkraftanlagenbauer Repower. Das teilte die Deutsche Börse mit. Grund für den außerplanmäßigen Wechsel ist, dass Repower nach der mehrheitlichen Übernahme durch Suzlon nicht mehr die Mindestgrenze von zehn Prozent Streubesitz erfüllt.

ElringKlinger überrascht
Die Aktie von ElringKlinger setzte sich an die SDax-Spitze. Der Autozulieferer will die weltweite Absatzkrise ohne Verluste und Stellenabbau meistern. "Wir werden keine roten Zahlen schreiben", sagte Vorstandschef Stefan Wolf. "Im Januar und Februar erwarten wir schwache Geschäfte, für März und April sieht es etwas besser aus: Die Abrufe nehmen wieder zu", erklärte Wolf.

GrenkeLeasing erreicht Prognose
GrenkeLeasing hat seinen Gewinn 2008 um drei Prozent auf 33,1 Millionen Euro verbessert. "Damit wurde das obere Ende des kommunizierten Zielkorridors von 30,6 bis 33,0 Millionen Euro erreicht", teilte das SDax-Unternehmen mit. Für das laufende Jahr rechnet der Leasing-Anbieter mit einem ähnlichen Ergebnis.

Firmenjäger-Fusion geplatzt
Die Fusion der beiden Beteiligungsfirmen Arques und Aurelius ist geplatzt. Die Gespräche würden nicht fortgesetzt, teilten beide Unternehmen am Nachmittag mit. Ursprünglich wollte die Münchner Aurelius, die von den früheren Arques-Chefs geleitet wird, die größere Arques aus Starnberg gegen deren Willen schlucken. Die Arques-Aktie fiel am Donnerstag um weitere sechs Prozent auf 1,41 Euro. Im Sommer 2007 kostete sie noch knapp 42 Euro.

Kampa braucht Kapitalschnitt
Der seit Jahren schwächelnde Fertighausspezialist Kampa hatte am Abend wenig Erfreuliches zu berichten. Den Verlust für 2008 beziffert die Gesellschaft inzwischen auf 28,5 bis 29,5 Millionen Euro. Dadurch sei der Verlust des halben Grundkapitals eingetreten. Eine außerordentliche Hauptversammlung am 20. März soll daher eine Kapitalherabsetzung mit anschließender Kapitalerhöhung beschließen, die vom Hauptaktionär garantiert werde. Für das laufende Jahr stellte Kampa weiterhin ein "nachhaltig positives Ergebnis" in Aussicht.

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