Neuer Brennstoff für die Hausse

Detlev Landmesser

Stand: 10.04.2007, 20:18 Uhr

Übernahmestories, so weit das Auge reicht! So etwas hilft auch der müdesten Börse auf die Beine. Der Dax machte es sich am Dienstag über der Marke von 7.100 Punkten bequem.

Der L-Dax ging mit 7.171,16 Punkten aus dem Handel. An der Wall Street blieb die Laune bis zum Abend deutlich verhaltener. Die Erklärung des Iran, einen Durchbruch bei der Uran-Anreicherung erzielt zu haben, hat das Dauerthema wieder aufs Tapet gebracht. Prompt zog auch der Ölpreis nach tagelangen Verlusten wieder an.

Mit dieser Woche wird auch die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder in den Fokus der Weltbörsen rücken. Nach dem US-Börsenschluss wird mit Alcoa das erste US-Schwergewicht über das abgelaufene erste Quartal berichten.

Der Euro setzte sich indessen wieder in Szene. Mit 1,3456 Dollar erreichte die Gemeinschaftswährung zeitweise ein neues Jahreshoch.

Puma schon zu einem Viertel französisch

Die vorösterlichen Gerüchte haben sich als wahr erwiesen: Der französische Luxus-Konzern Pinault-Printemps-Redoute (PPR) will den fränkischen Sportartikelkonzern Puma schlucken. Die Beteiligungsgesellschaft Mayfair verkauft ihren Anteil in Höhe von 27,14 Prozent an die PPR-Tochter Sarpadis für 330 Euro je Aktie. Den anderen Puma-Aktionären soll genauso viel geboten werden. Mit einer Annahme würden sie allerdings derzeit ein schlechtes Geschäft machen. An der Börse bekamen sie am Dienstag deutlich mehr.

"Es scheint klar, dass PPR Puma ganz übernehmen will", sagte ein Händler. Das trieb den Preis der Puma-Aktie steil nach oben. In der Spitze kletterte die Aktie um elf Prozent auf über 348 Euro, nachdem der MDax-Titel schon am vergangenen Donnerstag zehn Prozent zugelegt hatte.

Adidas mitgerissen
Aus naheliegenden Gründen profitierte auch die Adidas-Aktie von der Bewegung in der Branche. Ein Börsianer verwies zudem auf eine Studie von Merrill Lynch zu Puma, in der Adidas als billiger als der kleinere deutsche Wettbewerber bezeichnet wurde.

Chrysler - "Der Anfang ist gemacht"
Ganz vorne im Dax lag DaimlerChrysler. Das Index-Schwergewicht vollzog damit die Bewegung vom Donnerstagabend im Parketthandel nach. Hintergrund ist das Interesse des US-Milliardärs Kirk Kerkorian an der US-Sparte Chrysler. Er stellte dafür 4,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Laut Händlern ist damit ein Anfang gemacht, die Höhe des Angebots dürfte aber kaum ausreichen. "Am Markt wurden ja schon Gerüchte von bis zu sieben Milliarden herumgereicht", sagte ein Börsianer.

Eon ohne Fantasie
Am anderen Ende der Dax-Skala lag die Eon-Aktie. Nach der Niederlage der Deutschen im Bieterkampf um den spanischen Versorger Endesa hat die italienische Enel am Dienstag ihr Angebot konkretisiert. Der Stromkonzern und die spanische Baufirma Acciona wollten gemeinsam 41 Euro je Aktie zahlen, teilten die Italiener mit. Allerdings kochten gleichzeitig Spekulationen hoch, dass Endesa gerichtliche Schritte gegen die geplante Übernahme in Erwägung ziehe.

Posse um die Post
Gegen den Trend verlor auch die "Aktie Gelb". Im Streit um den Markennamen "Post" haben die Konkurrenten der Deutschen Post einen Etappensieg errungen. Das Bundespatentgericht bestätigte die Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes, den von der Deutschen Post eingetragenen Markennamen "Post" zu löschen. Die Post will dagegen Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen, sagte ein Konzernsprecher. Den Markennamen "Die Post" hatte die Deutsche Post dagegen im vergangenen Jahr beim Patent- und Markenamt verteidigt. Allerdings haben die Konkurrenten dagegen ihrerseits eine Beschwerde beim Bundespatentgericht eingelegt, über die noch nicht entschieden wurde.

BMW holt Anlauf
Einen kleinen Bremser gab es für BMW. Der erfolgsverwöhnte Autobauer hat im März etwas weniger Autos verkauft. Die Zahl der Auslieferungen sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,9 Prozent auf 141.568. Grund seien zahlreiche Modellwechsel. Vertriebsvorstand Michael Ganal sagte, die neuen Modelle sorgten in den nächsten Monaten für einen Wachstumsschub. Er bekräftigte das Jahresziel, den Absatz von zuletzt 1,37 Millionen Autos "im höheren einstelligen Prozentbereich" zu steigern und neue Spitzenwerte bei allen Marken zu erreichen.

Bietet Lufthansa für Iberia?
Auch die Lufthansa-Aktie hinkte der Marktentwicklung hinterher. Konzernchef Wolfgang Mayrhuber hat grundsätzliches Interesse an den beiden defizitären Fluggesellschaften Iberia und Alitalia bekundet. Allerdings sei der Preis zu hoch. "Sicher wären das ideale Partner. Aber wir dürfen uns keine Mühlsteine an den Hals hängen", sagte Mayrhuber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Samstag. Bislang hatte er einen Kommentar zu einem möglichen Einstieg in Italien oder Spanien immer abgelehnt.

Die spanische Nachrichtenagentur EFE meldete indessen am Dienstag, die Lufthansa habe sich mit Iberia "mündlich" auf ein Übernahmeangebot geeinigt. Lufthansa wolle vier Euro je Aktie zahlen, berichtete EFE unter Berufung auf einen nicht näher genannten, bedeutenden Aktionär von Iberia. Damit läge die Lufthansa über der Offerte Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific (TPG), die 3,60 Euro je Iberia-Aktie zahlen will, womit das Unternehmen mit 3,4 Milliarden Euro bewertet würde.

Übernahmespekulationen befeuern Aixtron
Auch im TecDax gab es neue Übernahmespekulationen: Angeblich hat der amerikanische Chip-Anlagenbauer Applied Materials Interesse an Aixtron, was dem Titel ein Kursplus von über neun Prozent bescherte. Ein Aixtron-Sprecher erklärte aber, sein Unternehmen führe weder mit Applied Materials noch mit anderen Übernahmegespräche.

Neue Runde bei Repower
Außerhalb der Indizes stand Repower erneut im Rampenlicht. Die indische Suzlon hat ihre Offerte für den Windkraftanlagenbauer auf 150 Euro aufgestockt. Bislang hatte Suzlon 126 Euro geboten. Zuletzt hatte der konkurrierende Bieter, der französische Atomkonzern Areva, nach einer Aufstockung des Gebots auf 140 Euro vorne gelegen und eine Beteiligung von 30,14 Prozent gehalten. Die Aktie von Repower verteuerte sich um knapp drei Prozent. Im TecDax färbte das auf die Nordex-Aktie ab, die in ähnlicher Größenordnung zulegte.

Comdirect schlägt Sino
Im SDax gewann die Aktie von Comdirect mehr als vier Prozent. Deutschlands größter Online-Broker hat im März sechs Prozent mehr Kundenaufträge ausgeführt als im Februar. Dagegen musste der auf "Heavy Trader" spezialisierte Broker Sino einen Rückgang gegenüber dem Vormonat von 1,9 Prozent einstecken - gleichwohl erreichte man auf Jahresbasis ein Miniplus, und das Ordervolumen legte kräftig zu.

Gute Zahlen von Air Berlin
SDax-Kollege Air Berlin konnte von seinen Verkehrszahlen im März nicht nachhaltig profitieren. Im März flogen 13,6 Prozent mehr Passagiere mit der Fluglinie als noch im Februar. Die Auslastung der Flotte verbesserte sich im gleichen Zeitraum um 2,3 Prozentpunkte auf 74 Prozent.

Gleichzeitig legte der britische Konkurrent Easyjet seine Zahlen vor. Die Zahl der Passagiere legte um 12,3 Prozent zu. Die Auslastung ging allerdings um 1,9 Prozentpunkte auf 84,4 Prozent zurück.

Afrikanische Millionen für Funkwerk
Die im Geregelten Markt notierte Funkwerk-Aktie konnte zweistellig zulegen. Der Kommunikations- und Überwachungsspezialist meldete einen 40 Millionen Euro schweren Auftrag aus Nordafrika. Funkwerk werde Sicherheitssysteme für einen "namhaften Großkunden" in der nordafrikanischen Ölindustrie errichten. Das Projekt soll in den kommenden beiden Jahren umgesetzt werden und teilweise noch im laufenden Geschäftsjahr zum Umsatz beitragen. Bisher hatte Funkwerk für 2007 einen Umsatz von knapp 300 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr