Marktbericht 20:02 Uhr

Dax steigt kurz bis auf 8.000 Punkte Draghi gibt den Märkten Futter

Stand: 02.05.2013, 20:02 Uhr

Dass immer mehr Unternehmen wegen der schleppenden Konjunktur in Europa ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr senken müssen, interessiert die Anleger am Donnerstag wenig. Denn Geld ist weiterhin im Überfluss vorhanden. Und EZB-Chef Mario Draghi stellt sogar noch weitere Liquidität in Aussicht.

Die Notenbank sei "unvoreingenommen", die Verzinsung der Liquidität, die Banken bei ihr parken, auch unter die derzeitige Marke von null Prozent zu senken, sagte Draghi am Nachmittag auf der Pressekonferenz der EZB nach der Ratssitzung. Auch weitere Zinssenkungen schloss der Notenbanker nicht aus. Draghi sagte: „Wir sind zum Handeln bereit. Wir werden uns sicher alle neuen Daten anschauen.“

Angesichts dieser Aussichten kann der Dax seine zuvor verlorenen Gewinne wieder aufholen und schließt 0,6 Prozent fester bei 7.961 Zählern. Kurzzeitig hatte die erwartete Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank sowie die Hoffnung auf eine anhaltend expansive Geldpolitik in den USA den Dax sogar auf ein Tageshoch von 8.005 Punkten gehoben.

Steigende Kurse auch an der Wall Street

Auch an der Wall Street geht es weiter aufwärts. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,86 Prozent höher bei 14.828. In den USA waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend gesunken und hatten dabei den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren erreicht. Die US-Arbeitslosenrate bleibt mit 7,6 Prozent aber deutlich über der von der Notenbank Fed angepeilten Schwelle von 6,5 Prozent, ab der sie die geldpolitischen Zügel wieder anziehen will. Damit dürfte die Geldpolitik der US-Notenbank weiterhin extrem locker bleiben.

Euro nach Hoch auf Talfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Dagegen haben die Spekulationen auf weitere Zinssenkungen den Euro auf Talfahrt geschickt. Er fiel zeitweise auf 1,3076 Dollar, nachdem er wenige Minuten zuvor noch bei 1,3215 Dollar notiert hatte. Bei Börsenschluss in Frakfurt notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,3050 Dollar. Im Gegenzug kletterte der Bund-Future auf ein Rekordhoch von 147,02 Punkten. "Die Aussage, dass die EZB technisch bereit für einen negativen Einlagezins ist, hat Zinssenkungsfantasien aufgebracht", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

GM kommt an der Börse gut an

Die Opel-Mutter General Motors ist in Europa besser ins Jahr gestartet als erwartet. Der Betriebsverlust (Ebit) in Europa verringerte sich im ersten Quartal auf 175 Millionen Dollar von 294 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum, wie der US-Autobauer am Nachmittag mitteilte. Dies sowie ein gutes Geschäft in Nordamerika halfen GM dabei, dass der Gesamtgewinn je Aktie mit 0,67 Dollar höher ausfiel als prognostiziert. Analysten hatten lediglich mit 0,54 Dollar je Anteilsschein gerechnet. An der Wall Street verteuern sich die GM-Papiere um 4,5 Prozent.

Infineon will von Krise nichts mehr wissen

Im Dax blickt der Halbleiterhersteller Infineon nach einer Durstrecke besseren Zeiten entgegen. "Die Talsohle ist durchschritten. Unsere Orderbücher füllen sich, wenn auch noch recht kurzfristig", erklärte Vorstandschef Reinhard Ploss am Donnerstag. Der optimistische Ausblick lässt den Kurs der Infineon-Aktie an der Börse zeitweise um mehr als acht Prozent an die Spitze der Gewinnerliste im Dax klettern.

Siemens kürzt - die Aktie steigt

Der Elektrokonzern Siemens kappt wegen ausbleibenden Rückenwinds vor allem aus China und hausgemachten Problemen wie erwartet seine Umsatz- und Gewinnprognose. Angesichts überraschend hoher Auftragseingänge drehen die im Dax notierten Siemens-Papiere dennoch ins Plus.

BMW besser als erwartet

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den Gewinnern im Dax gehört auch die BMW-Aktie. Der Münchener Autobauer hat zum Jahresstart mit zwei Milliarden Euro fast soviel wie vor einem Jahr verdient und damit der Auto-Flaute erfolgreich getrotzt. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Damit sieht sich der Konzern auf Kurs, zum Jahresende wieder das Vorjahresniveau von 7,8 Milliarden Euro zu erreichen.

Tarifvertrag beflügelt Lufthansa

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa-Papiere gehören am Nachmittag zu den Favoriten im Dax. Dabei hat die Fluglinie im ersten Quartal 2013 einen operativen Verlust von 359 Millionen Euro eingeflogen und damit schlechter abgeschnitten als erwartet. Der Lufthansa machten vor allem die hohen Treibstoffkosten und ein Streik zu schaffen. Mit der Gewerkschaft Verdi hat sich der Konzern aber auf einen neuen Tarfivertrag für das Bodenpersonal geeinigt, was von der Börse besonders begrüßt wird.

Beiersdorf gefällt immer noch

Auch die Aktie des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf gehört wieder einmal zu den Gewinnern im Dax. Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen den Gewinn um 17 Prozent auf 215 Millionen Euro und übertraf damit auch die Analystenerwartungen. Gleichzeitig bestätigte der Vorstand sein Ziel, den Umsatz stärker steigern zu wollen als der Gesamtmarkt. Auch die Rendite soll weiter gesteigert werden.

Gewinnmitnahmen bei Münchner Rück

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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188,20
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Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Münchner Rück, nachdem auch die Papiere des Schweizer Rückversicherers Swiss Re trotz guter Zahlen ins Minus gedreht sind. Offenbar gibt es erste Anzeichen von Druck auf die Prämien. Dies nehmen die Anleger zum Anlass, um Gewinne mitzunehmen. Vor allem in den USA reagierten die Anleger sensibel auf den Preisdruck, sagte ein Analyst. Swiss Re hatte von einem moderaten Prämienanstieg gesprochen. Dabei hat die Swiss Re im ersten Quartal den Reingewinn um 21 Prozent auf 1,38 Milliarden Dollar gesteigert, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Die weltweite Nummer zwei der Branche verdiente damit besser als von Analysten erwartet.

ThyssenKrupp wieder unter Druck

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Spekulationen über eine Verschiebung des Verkaufs der Sparte Steel Americas von ThyssenKrupp setzen der Stahl-Aktie hart zu. Das Papier büßt gut drei Prozent ein und ist damit der schwächste Wert im Dax. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" mit Verweis auf die brasilianische Zeitung "Estado" berichtet, liegen die Gebote für das amerikanische Stahlgeschäft von ThyssenKrupp deutlich unter dessen Buchwert und damit klar unter den Preisvorstellungen des Konzerns.

Fuchs Petrolub enttäuscht

Im MDax sorgt das Mannheimer Unternehmen Fuchs Petrolub für Enttäuschung. Die Aktie verliert verlor im Mittagshandel um fast zwei Prozent. Das erste Quartal des Schmierstoffherstellers habe bei Umsatz und Betriebsergebnis (Ebit) die Erwartungen verfehlt, schrieb Analystin Nadeshda Demidova in einer Studie. Ähnlich äußerte sich Commerzbank-Analyst Stephan Kippe.

Hugo Boss mit Frühlingsgefühlen

Angefürt wird der MDax dagegen von Hugo Boss. Der Modekonzern ist wegen des langen Winters zwar schwächer in das neue Jahr gestartet als erhofft - das operative Ergebnis (Ebitda) lag mit 132,6 Millionen Euro unter den Erwartungen. Trotzdem hält Hugo Boss an seinem Ziel fest, sowohl Umsatz als auch Ebitda 2013 jeweils im prozentual hohen einstelligen Bereich zu steigern. Das gefällt.

Metro überrascht mit schwarzen Zahlen

Im MDax gehören auch die Metro-Aktien zu den stärksten Gewinnern. Der Handelskonzern hat entgegen den Erwartungen dank reger Nachfrage im deutschen Heimatmarkt den Verlust deutlich reduziert. Der Umsatz legte leicht zu und operativ (Ebit) stand ein kleines Plus von einer Million Euro in den Büchern. Netto blieb ein Verlust von 16 Millionen Euro, deutlich weniger als im Vorjahr, als ein Fehlbetrag von 80 Millionen Euro aufgelaufen war.

Drägerwerk besser als befürchtet

Besser als erwartet ausgefallene Zahlen des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk lassen die Aktie an die TecDax-Spitze steigen. Dabei ist das Unternehmen wegen höherer Kosten mit einem Gewinnrückgang ins neue Jahr gestartet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei im ersten Quartal um knapp 15 Prozent auf 39,8 Millionen Euro zurückgegangen, teilte die im TecDax notierte Unternehmen mit. Die Ebit-Marge fiel auf 7,5 Prozent von 8,8 Prozent im Vorjahresquartal.

IVG ohne Vedder

Kräftig bergab geht es mit der im SDax notierten Aktie des Immobilienkonzerns IVG. Grund ist der Abschied des langjährigen Großinvestoren Clemens Vedder. Der reduzierte den Anteil seiner Investmentgesellschaft Goldsmith an dem Bonner Unternehmen Ende April auf 0,51 Prozent von zuletzt knapp fünf Prozent, wie am Mittag bekannt wurde. Der Schritt kam überraschend. Vedder hatte noch vor kurzem betont, bei der IVG an Bord bleiben zu wollen.

Shell hui , Statoil pfui

Höchst unterschiedlich sind die beiden europäischen Ölunternehmen ins neue Jahr gestartet. Der niederländisch-britische Konzern Royal Dutch Shell überraschte mit einem deutlich gestiegenen Nettogewinn von 7,5 Milliarden Dollar. das war deutlich mehr als die 6,5 Milliarden Dollar, die im Schnitt erwartet wurden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich Firmenchef Peter Voser im Jahr 2014 zurückziehen will. Die Aktie legt rund 1,2 Prozent zu.

Der norwegische Konkurrent Statoil hat zum Jahresauftakt hingegen deutlich weniger verdient. Das operative Ergebnis fiel um 28 Prozent auf runf 5,6 Milliarden Euro. Obwohl Firmenchef Helge Lund von fallenden Erträgen einiger Öl- und Gasfelder berichtete, hält Statoil an seinen Zielen fest. Im Jahr 2020 will man auf eine tägliche Produktion von 2,5 Millionen Fässer kommen. Der Aktie hilft das nicht, sie gibt über drei Prozent nach.

Sanofi-Aventis-Zahlen enttäuschen

Wie zuvor schon andere große Pharmakonzerne leiden auch die Franzosen unter der Konkurrenz der Nachahmerprodukte. Der Nettogewinn brach im ersten Quartal von 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,0 Milliarden Euro ein. Für 2013 erwartet er ein Ergebnis auf oder kanpp unter dem Niveau von 2012. Die Sanofi-Aktie verliert an der Pariser Börse zwar 1,3 Prozent, war aber zuvor phantastisch gelaufen und steht mit Kursen um 82 Euro am Jahreshoch.

Facebook steigert den Umsatz

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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127,00
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+0,13%

Die Erlöse des Internetkonzerns legten zum Jahresanfang um 38 Prozent auf 1,46 Milliarden Dollar zu, wobei der Konzern auch von höheren Werbeeinnahmen aus mobilen Geräten profitierte, der bisherigen Achillesferse des sozialen Netzwerkes. Der Gewinn legte rund sieben Prozent auf 291 Millionen Dollar zu. Die Anleger zeigten sich trotzdem reserviert, das Papier bewegte sich nachbörslich kaum.

T-Mobile US gut gestartet

Das Börsendebut der neuen Aktie war erfolgreich, sie gewann sechs Prozent auf 16,52 Dollar. T-Mobile US sind nun viertgrößter Mobilfunkanbieter in den USA. T-Mobile US entstand aus der Fusion der US-Sparte der Deutschen Telekom mit MetroPCS. Die Deutsche Telekom besitzt 74 Prozent von T-Mobile US.

lg

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr