Neue Wirtschaftssorgen

Stand: 30.06.2009, 19:59 Uhr

Schwache Konjunkturdaten aus Amerika haben dem aufblühenden Wirtschaftsoptimismus einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Die Börsen reagierten darauf mit empfindlichen Kursverlusten.

Die amerikanischen Bürger sorgen mit ihrem Konsum für etwa zwei Drittel der Wirtschaftskraft ihres Landes, und wenn mit der Stimmung der Verbraucher etwas nicht stimmt, dann werden die Volkswirte und Investoren hellhörig.

Die Zahlen, die das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag veröffentlichte, nährten die Zweifel an der Wirtschaftserholung der Vereinigten Staaten. Der Index des Verbrauchervertrauens fiel von 54,8 Punkten im Mai auf nun 49,3 Zähler. Da die Stimmung der Verbraucher ein wichtiger Indikator für die Verbraucherausgaben ist, nahm die Börse die Nachricht als besorgniserregend auf.

Das schwache Verbrauchervertrauen war dann auch der Auslöser für die Kursverluste am Nachmittag, sowohl in New York als auch in Frankfurt. Der Dax, der sich lange stabil zeigte, verlor 1,6 Prozent und schloss bei 4.809 Punkten.

Dass zwei weitere amerikanische Konjunkturindizes, der Chicagoer Einkaufsmanagerindex und der Case Shiller Hauspreisindex besser waren als prognositiziert, intessierte die Börsen am Dienstag nicht.

Lichtblicke im Dax
Die Aktie der Allianz beendete den Handel mit einem Plus von 0,5 Prozent. JP Morgan hatte am Morgen das Kursziel von 70 auf 80 Euro angehoben und dies mit dem guten Lebensversicherungsgeschäft der Allianz begründet. Auch die Merck-Aktie legte zu, obwohl laut Medienberichten das Krebsmedikament Erbitux seine hohen Entwicklungskosten nicht wert sein soll.

Volkswagen und Adidas
Auffallend waren die Kursverluste von vier Prozent bei der Volkswagen-Stammaktie. Da aber die Vorzugsaktie um 3,6 Prozent zulegte, waren Gerüchte nicht fern, wonach die Stammaktien im Dax durch VW-Vorzüge ersetzt werden könnten. Die Adidas-Aktie verlor im Tagesverlauf 1,1 Prozent. Händler verwiesen auf ein Kartellverfahren, dass der Adidas-Tochter Reebok in den USA droht.

Katar legt Porsche-Angebot vor
Porsche-Aktien gewannen heute 2,9 Prozent. Der angeschlagene Autokonzern hatte am Morgen angekündigt, dass der Staatsfonds aus Katar einen schriftlichen Antrag auf einen Einstieg bei Porsche und den Kauf von VW-Optionen vorgelegt habe. Die KfW lehnte unterdessen den Kreditantrag von Porsche ab. Porsche hatte 1,75 Milliarden Euro beantragt, und will nun "Gespräche über alternative Finanzierungsmöglichkeiten" aufnehmen.

Drei Milliarden Verlust in einem Quartal
Die weltweiten Fluggesellschaften haben das erste Quartal des Jahres mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Die Krise habe die Verluste der Airlines auf mehr als drei Milliarden Dollar anschwellen lassen, teilte der Luftfahrtverband IATA mit. Die Gesellschaft warnte, der jüngste Anstieg der Öl- und Kerosinpreise werde die Gesellschaften in den kommenden Monaten noch stärker belasten. Aktien der Lufthansa hielten sich im Dax einigermaßen gut, sie verloren 0,8 Prozent.

712 Millionen Euro für Hochtief
Der Baukonzern Hochtief hat über seine australische Tochter Leighton Aufträge in Millionenhöhe erhalten. In Neuseeland wird Leighton das Telekommunikationsnetz erneuern und instand halten, in Australien soll Leighton weitere sieben Jahre Kohle fördern. Die Aufträge nach Angaben von Hochtief einen Wert von 712 Millionen Euro. Die Aktie reagierte drauf kaum, sie verlor 0,1 Prozent.

Arcandor-Aktie verlor trotz Quelle-Hoffnung
Die im MDax notierte Aktie des Warenhauskonzerns Arcandor gab 1,6 Prozent ab. Am Morgen hatte das Papier noch deutliche Gewinne verzeichnet, weil die insolvente Versandhandelstochter Quelle nun doch einen so genannten Massekredit in Höhe von 50 Millionen Euro vom Bund sowie Bayern und Sachsen bekommt. Auch die EU stimmte dem Notkredit am Nachmittag zu.

Euroshop senkt die Prognose
Kursverluste von drei Prozent verzeichnete die Aktie des Warenhausbetreibers Deutsche Euroshop. Das Unternehmen hat wegen geänderter Bilanzierungsregeln seine Prognose für 2010 gekippt.

Conergy verkauft
Das angeschlagene Solarunternehmen Conergy aus dem TecDax kann sich wieder etwas Hoffnung machen. Conergy teilte mit, man habe drei Solarparks in Bayern verkauft. Die Firma verschafft sich damit etwas finanziellen Spielraum, die Aktie stieg um 3,3 Prozent. Einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach der Conergy-Vorstandschef Ammer von Vorstandskollege Zitzewitz ersetzt werden soll, wies das Unternehmen am Nachmittag als Gerücht zurück.

Alstria gibt Aktiendividende aus
Der Immobilienkonzern Alstria hat sein Tauschangebot von Bardividende gegen Aktien erfolgreich abgeschlossen. Das Angebot sei mehr zweifach überzeichnet gewesen, teilte Alstria mit. Anleger werden daher für nur 44,14 Prozent ihrer angemeldeten Tauschansprüche Aktien erhalten. Die restlichen Ansprüche werden bar ausgezahlt. Die im SDax notierte Alstria-Aktie kletterte um 1,8 Prozent.

Flatex geht an die Börse
Der Direkt-Broker Flatex wurde heute zum ersten Mal gehandelt. Die Aktie beendete den Handel bei 4,3 Euro. Herausgegeben wurde das Papier, das im schwach regulierten Entry Standard notiert ist, für 3,90 Euro.

Intershop mit Großauftrag
Um 11,4 Prozent stieg die Aktie des Softwarekonzerns Intershop. Das ostdeutsche Unternehmen hat vom australischen Telekommunikationskonzern Telstra den größten Serviceauftrag der Unternehmensgeschichte erhalten. Der Auftragswert liege bei 13 Millionen Euro, verteilt über drei Jahre, teilte Intershop mit.

Japaner wollen Integralis kaufen
Die Aktie des IT-Dienstleisters Integralis legte um 33 Prozent zu. Der japanische Telekommunikationskonzern NTT hat ein Übernahmeangebot angekündigt und bietet 6,75 Euro je Integralis-Aktie.

Envio übertrifft vorläufige Zahlen
Die Aktie des Giftentsorgers Envio verlor 2,8 Prozent. Das Unternehmen hat mit den endgültigen Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres die bereits im März 2009 gemeldeten vorläufigen Finanzkennzahlen leicht übertroffen. Die gefallenen Rohstoffpreise und der verzögerte Aufbau der neuen Anlage in Korea hätten das Ergebnis allerdings belastet.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin