Neue Rekorde fest im Blick

Mark Ehren

Stand: 18.06.2007, 20:03 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich zu Wochenbeginn weiter nach oben gearbeitet - auch wenn am Ende nur leichte Kursgewinne verbucht werden konnten. Bis zum bisherigen Rekordstand fehlen nun weniger als 100 Punkte.

Der L-Dax beendete den Handel bei 8.037 Zählern und damit praktisch auf dem Niveau des Xetra-Schlusskurses. Den jemals höchsten im Tagesverlauf berechneten Punktestand hatte der Index am 7. März 2000 bei 8.136 Punkten erreicht, der höchste Schlussstand am selben Tag lag bei 8.064 Zählern.

Trotz des am Ende nur geringen Kursgewinns - möglicherweise hat sich der Index auch nur eine Verschnaufpause gegönnt, bevor es zu einem Gipfelsturm kommt. Denn glaubt man dem Sentiment-Analysten Patrick Hussy vom Research-Haus Sentix breitet sich an den europäischen Aktienmärkten Euphorie aus. Der Dax könne das Allzeithoch überwinden und mit neuen Hochs könnte sich Feierlaune an der Börse einstellen. Die Euphorie könnte über einige Wochen andauern und nochmals die Massen mobilisieren. "Wer zu früh den Bärenmarkt ausruft, wird in der Regel erst noch vom Markt vorgeführt." Allerdings gehöre eine solche Phase zu den schwierigsten Phasen an der Börse, die durch ein hohes Risiko geprägt sei.

Die Chemie stimmte

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Am Montag standen Chemieaktien wie von Linde und BASF in der Gewinnerliste im Dax weit oben. Händler begründeten das Kursplus mit dem Übernahmeangebot des niederländischen Chemie- und Pharmakonzerns Akzo Nobel für den britischen Konkurrenten ICI, das dieser kurzerhand als viel zu niedrig zurückwies. Die Ablehnung könne bedeuten, dass möglicherweise auch andere Unternehmen der Branche an der Börse zu günstig bewertet sind, schlussfolgerten einige Marktteilnehmer in der für Börsianer typischen Logik.

SAP-Aktien waren im Dax besonders stark gefragt. "Sollte sich SAP über 37,50 Euro festsetzen, könnte die Aktie aus charttechnischer Sicht bis auf 40 Euro steigen", sagte ein Händler. Der Titel habe weiterhin im Vergleich zu anderen Dax-Aktien Nachholbedarf.

Gerüchte um Siemens
Unter Druck stand dagegen die Siemens-Aktie. Laut Händlern will der Münchener Konzern ein Übernahmeangebot in Höhe von fünf Milliarden britischen Pfund für den britischen Technologie-Konzern Invensys vorlegen. Siemens lehnte eine Stellungnahme zu den Spekulationen ab.

Dax wie ausgewechselt
Im Dax büßte der Neuaufsteiger Merck am meisten an Boden ein. Die Aktie des frisch in den Dax gewechselten Pharmakonzerns verlor ohne aktuelle Meldungen. Der Chemiekonzern Altana, der im Gegenzug in den MDax wechselte, verteuert sich unterdessen.

Nur noch ein Drittel kosteten die Aktien von Henkel und Fresenius Medical Care (FMC). Beide Unternehmen haben ihre Aktien gesplittet.

Ersol verkauft gut
Einen kleinen Schub erhielt der Solarzellenhersteller Ersol. Das TecDax-Mitglied konnten einen Großauftrag an Land ziehen. Ersol will in den kommenden zehn Jahren Solarzellen für insgesamt 230 Millionen an das Systemhaus IBC Solar liefern.

Alle wollen SGL
Im MDax war die Aktie des Grafit-Spezialisten SGL Carbon der mit weitem Abstand größte Gewinner. Das Unternehmen rechnet mit großen Aufträgen aus der Flugzeugbranche für seine Carbonfasern. Seinen Optimismus begründete das Unternehmen mit einer neuen Produktionsanlage in den USA, mit der große Flugzeugteile hergestellt werden können.

Die Experten des US-Investmenthauses Merrill Lynch äußerten sich zu einigen deutschen Einzelwerten. Die Analysten erhöhten das Kursziel von Wacker Chemie von 180 auf 195 Euro. Die Wacker-Aktie profitierte von der Hochstufung.

Übernahmeangebot für W.O.M.
Die Aton GmbH hat ein Übernahmeangebot für die Aktien des Medizintechnikunternehmen W.O.M. World of Medicine abgegeben. Die Offerte liegt bei 8,00 Euro je Aktie. Bereits vor der Nachricht notierte die Aktie W.O.M.-Aktie aber deutlich darüber.

Noch ein Unternehmenskauf
Die Aktie des Finanzdienstleister Driver & Bengsch war gefragt. Das Unternehmen kauft den Konkurrenten Meridio Direkt, der nach Unternehmensangaben ebenfalls im Bereich Tagesgeldkonten, Kombinationskonten und Vermögensverwaltung tätig ist.

Azego enttäuscht
Der Chipbroker Azego hat im ersten Quartal einen deutlichen Umsatzeinbruch verbucht. Der Erlös des Konzerns ging um 4,1 Millionen Euro auf 11,6 Millionen Euro zurück. Beim Ebit verbuchte Azego einen Verlust von 0,58 Millionen Euro nach einem Verlust von 0,75 Millionen Euro im Vorjahr. Die Azego-Aktie brach ein.

Invision kommt gut an
Das Softwareunternehmen Invision feierte heute seinen ersten Tag an der Börse. Die Aktie verzeichnete mit über 33 Euro einen leichten Aufschlag zum Ausgabekurs. Zuvor hatte Invision den Platzierungspreis für seine Aktien mit 32 Euro am unteren Ende der Spanne festgelegt. Ursprünglich waren die 1,08 Millionen Aktien zum Preis von 32 bis 38 Euro angeboten worden.

Zwei weitere IPOs
Der Dieselmotorenhersteller Tognum geht an die Börse. Die Papiere werden in einer Preisspanne von 22 bis 26 Euro angeboten. Die Zeichnungsfrist läuft vom morgigen Dienstag bis zum 29. Juni. Die Erstnotiz im Prime Standard soll am 2. Juli erfolgen.

Das Elektronikunternehmen m.u.t. will am 2. Juli an die Börse gehen. Die Aktien werden in einer Spanne von 9,75 bis 12,25 Euro angeboten. Die Zeichnungsfrist läuft vom heutigen Montag bis zum 27. Juni. Als Börsensegment hat sich das Unternehmen den Entry Standard ausgeguckt.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"